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aktuelle Ausgabe 02/2012

Boom der regionalen Headquarters ungebrochen

Foto: Borealis

Die Wirtschaftsregion Donauraum – geprägt von innovativen Kleinund Mittelbetrieben – prosperiert auch in Zeiten zunehmender Unberechenbarkeit der Weltwirtschaft. Dieser Wirtschaftsstandort gilt
nicht nur als Wachstumsregion in Europa, sondern entwickelt sich mehr und mehr zum Kompetenzzentrum für internationale Konzerne.

 

Der weltweite Zuwachs an multinationalen Unternehmen macht sich in Oberösterreich,
Niederösterreich und Wien durch den Anstieg von regionalen Headquarters bemerkbar. Im vergangenen Jahr hat die Zahl der in Österreich angesiedelten ausländischen Unternehmenszentralen kräftig zugelegt: 253 bzw. 83 Prozent davon entfallen auf den Donauraum, wobei Wien mit 177 Ansiedlungen die Nase eindeutig vorne hat, gefolgt von Niederösterreich mit 43, Oberösterreich mit 30 und dem Burgenland mit drei. Die Attraktivität Österreichs als regionaler
Headquarter-Standort scheint ungebrochen und ist umso bemerkenswerter, da der Standortwettbewerb seit Jahren zunimmt. Investoren schätzen den Donauraum als Brückenkopf
für den Markteintritt in die Regionen Zentral-, Südost- und Osteuropa. Laut einer aktuellen Studie der internationalen Rechtsanwalt-Sozietät Wolf Theiss haben sich in den Konkurrenz-Standorten in Tschechien, Ungarn, der Slowakischen Republik und Polen insgesamt nur 84 internationale Unternehmen niedergelassen, gegenüber 303 in Österreich. „Unser Ziel muss es daher sein, die Steuer- und Abgabenquote zu senken, den Wettbewerb zu stärken, den Fachkräftenachwuchs
zu sichern, die Verwaltung effizienter zu gestalten und insgesamt mehr Transparenz zu schaffen“, meint Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner mit dem Verweis auf sein Projekt „Fünf-Punkte-Programm für den Wirtschaftsstandort Österreich“. „Wir profitieren unter anderem von
unserer Drehscheiben-Funktion in Richtung Zentral- und Osteuropa, den guten Verkehrsverbindungen, der hohen Lebensqualität und dem insgesamt stabilen wirtschaftlichen Umfeld.“

 

Headquarter verändern sich

Eine Befragung von Kreutzer Fischer & Partner zur „Rolle und Herausforderung internationaler Headquarters in Österreich“ zeigt aber auch eine zunehmende Umstrukturierung von Verwaltungszentralen, die sich überwiegend von Administrations- zu Entscheidungszentralen
entwickeln. 70 Prozent der 111 befragten CEOs oder CFOs sehen ihre Bedeutung innerhalb des Konzerns als sehr bzw. eher groß und führen das auf konkrete Kompetenzen zurück. Entsprechend positiv sehen sie auch ihre Entscheidungsbefugnisse: Obwohl sich die regionalen Unternehmenszentralen überwiegend auf der zweiten (70 Prozent) oder dritten (20 Prozent) Hierarchieebene orten, sehen sich 50 Prozent in ihren Entscheidungen völlig oder überwiegend eigenständig, 40 Prozent eher eingeschränkt und nur zehn Prozent völlig eingeschränkt.
So ist es nicht verwunderlich, dass sich etwa 60 Prozent der befragten Unternehmen in den vergangenen Jahren vorwiegend mit internen Herausforderungen, wie Reorganisation, Kosten, Profitabilität oder Expansion, auseinandergesetzt haben. 40 Prozent der regionalen
Unternehmenszentralen waren von Kompetenzverschiebungen und Konzernreorganisationen
betroffen, was sich 20 Prozent in den kommenden Jahren erwarten. Damit war bzw. ist zumindest jedes zweite Headquarter von einem Veränderungsprozess betroffen. Die größten Herausforderungen neben der Konjunkturentwicklung sehen die Führungskräfte beim Recruiting von Fachkräften sowie durch eine Belastung von neuen Steuern und Abgaben.


KMUs profitieren von Konzernzentralen
Es überrascht nicht, dass Standortfragen, nämlich wo multinationale Unternehmen ihre Werke, Forschungseinrichtungen und ihre Managementzentralen platzieren, beträchtliche Auswirkungen auf die lokale und nationale Wirtschaft haben. „Das gilt nicht nur für neugegründete Produktionsstätten, wo mehrere Hundert Mitarbeiter Beschäftigung finden, sondern auch für Managementzentralen, wo wichtige Entscheidungen über die Marktbearbeitung in einzelnen Regionen oder für bestimmte Geschäftsbereiche getroffen werden“, erklärt WU-Professor Arnold
Schuh, Director of the Competence Center for Central and Eastern Europe. „Hier geht es um hochqualifizierte Arbeitsplätze, zum Großteil im Managementbereich, und um externe Arbeitsplätze von professionellen Dienstleistern, wie Unternehmensberatern, Rechtsberatern oder Leistungen aus dem Werbe- und Kreativbereich.“ Aus österreichischer Sicht lassen sich zwei
Gruppen von regionalen Unternehmenszentralen unterscheiden: Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich, also österreichische multinationale Unternehmen wie die Erste Bank, Raiffeisenbank International, Baumax, KIKA, Uniqua oder STRABAG, sowie Tochtergesellschaften von ausländischen Konzernen, die von Österreich aus internationale Führungsaufgaben ausüben. Das sind u.a. UniCredit Bank Austria, Henkel Central Eastern Europe oder Beiersdorf CEE Holding, so Andreas Breinbauer, Rektor (FH). Während die „Österreich-Multis“ aufgrund der Unternehmensherkunft eine stärkere Bindung an den Standort Österreich haben, gilt es, ausländische Unternehmen über attraktive Standortbedingungen zu gewinnen und zu halten.

„Die geografische Nähe, die gemeinsamen historischen und kulturellen Wurzeln, politische Stabilität und die gute Verkehrsinfrastruktur, speziell der Flughafen Wien-Schwechat, werden von Investoren als ausschlaggebend für die Standortwahl gesehen. Die Verfügbarkeit von Dienstleistern mit CEE-Kompetenz wie Banken, Versicherungen, Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer und Anwaltskanzleien tragen zum Standortvorteil bei“, erklärt Schuh.

 

Exporte boomen
Der Exportanteil der Region Mittelund Osteuropa im Jahr 1989 wird von der Statistik der österreichischen Außenwirtschaft mit neun Prozent beziffert, was sich 20 Jahre später auf einen
Anteil von 18,4 Prozent verdoppelte. Parallel dazu erhöhten sich die aktiven Direktinvestitionen in dieser Region von 405 Millionen Euro im Jahr 1990 auf 58.409 Millionen Euro im Jahr 2010, womit
auch der Anteil von rund elf Prozent auf 45 Prozent des Bestands der österreichischen Auslandsinvestitionen zunahm. Österreichische Unternehmen gehören zu den führenden Investoren in Südost- und Mitteleuropa. Die Märkte Mittel- und Osteuropa wachsen noch immer stärker als die der alten EULänder, das heißt wir haben immer noch einen Wachstumsunterschied von rund 1,5 bis zwei Prozent, der noch einige Zeit relevant bleibt, weil es ganz einfach noch einen enormen Nachholbedarf gibt. „Vielleicht ist das Wachstum jetzt nicht mehr so dynamisch, wie das von 2002 bis 2008 der Fall war. Aber da gibt es noch immer Potenzial für österreichische Unternehmen, in die Nachbarländer einzutreten und dann nach Süd-Osteuropa oder Österreich zu expandieren“, so Professor Schuh.

Günther Tengel, geschäftsführender Gesellschafter des internationalen Headhunters Amrop Jenewein, sieht für die Zukunft des Standorts Donauraum dringenden Handlungsbedarf.

„Die geografische Lage zwischen DACH-Region (Anm.: DACH = Deutschland, Österreich und die Schweiz) sowie Zentral- und Osteuropa wurde zwar die ersten zehn Jahre nach der Ostöffnung zu zwei Drittel exzellent genutzt, die nächsten zehn Jahre jedoch lediglich vernünftig verwaltet.“ So muss sich der Standort seiner Meinung nach für die Gegenwart und Zukunft neu positionieren. „Ich orte vier wesentliche Herausforderungen: Bildung, Arbeitsmarkt, Migration und Brain Drain. Die
Hauptgründe, warum Länder nachhaltig wachsen, sind ein exzellentes Ausbildungsund Universitätssystem und ein liberaler Umgang mit Ausländern bzw. eine Öffnung des Arbeitsmarktes. Hier tickt die Zeitbombe am Standort Österreich.“ Dem Bildungsauftrag von regionalen Headquarters, die für Konzerne meist wichtige Know-how-Träger und Know-how-Entwickler sind, schenkt die Unternehmensleitung derzeit auch besondere Aufmerksamkeit.

Die AchieveGlobal- Studie, die im Herbst vergangenen Jahres in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien und Headquarters Austria durchgeführt wurde, kam zu dem Ergebnis, dass Training, Weiterbildung und Personalentwicklung einen hohen Stellenwert (73 Prozent der Studienteilnehmer) genießen. Das hat in 71 Prozent erheblichen Einfluss auf die entsprechenden
Aktivitäten der lokalen Niederlassungen. 66 Prozent haben dafür eine eigene Akademie eingerichtet, auch wenn die Durchführung dieser Weiterbildungsaktivitäten zu einem rund 60 prozentigen Anteil mit externen Trainern absolviert werden. Die Maßnahmen selbst werden allerdings zu 35 Prozent in-house, also im eigenen Headquarter, durchgeführt. In etwa 90 Prozent haben sie eine Konzernsprache und halten auch Trainings in dieser Sprache ab, was mit 63
Prozent für Englisch und 36 Prozent für Deutsch angegeben wird.

 

Henkel bleibt Wien treu
Als Vorzeigeunternehmen, das Osteuropa von Wien aus managt, hat der Markenartikler Henkel CEE die Schallmauer von drei Milliarden Euro Umsatzgrenze im Jahr 2010 überschritten. Günter Thumser, Präsident von Henkel CEE, hält am Standort Wien fest: „Seit 2010 fließen rund 30 Millionen Euro – das größte Investment in unserer Unternehmensgeschichte – in unser Zentrallager Wien-Meidling, das die Märkte Österreich, Tschechien, Slowenien, Slowakei und Kroatien bedient. Hier werden ab dem Frühjahr 2012 auch Waren für Ungarn bereitgestellt. Außerdem haben wir das Werk in Wien-Erdberg kürzlich um eine Gel-Produktion und ein vollautomatisches Exportlager erweitert.“ Was Thumser jedoch weniger konveniert denn: „Die Mühlen der Bürokratie, um Expats aus Nicht-EU-Ländern für einen definierten Zeitraum beschäftigen zu können, mahlen hier viel zu langsam. Dieser Arbeitsgenehmigungsprozess
dauert bisweilen bis zu fünf Monate und sollte sich jedenfalls durch die neue Rot-Weiß-Rot Card deutlich beschleunigen lassen.“

 

Vor 140 Jahren in Wien gegründet
Mit 91.000 Mitarbeitern an 2.000 Standorten behauptet sich der internationale Transport und
Logistikdienstleister DB Schenker als Global Player am Markt. DB Schenker steuert aus Wien die Betriebe in 13 Ländern Zentral- und Südosteuropas, was hohe Anforderungen
an das Headquarter in Wien stellt. „Eine der größten Herausforderungen sind die sprachlichen Komponenten, da vieles doch einfacher wird, wenn in der Muttersprache des jeweiligen Landes kommuniziert und gearbeitet werden kann“, ist sich Elmar Wieland, Vorstandsvorsitzender der
Schenker & Co AG für Österreich und Südosteuropa, bewusst. „Für die Zukunft des Standortes Wien wird es wichtig sein, viel mehr Flexibilität beim Personalaustausch innerhalb der Region und Österreichs herzustellen, die hohe Abgabenquote nicht weiter zu verschärfen und auch die Gruppenbesteuerung beizubehalten. Darüber hinaus sind die Interessenvertretungen und die Politik gefordert, die Möglichkeiten, die Wien und Österreich bieten, in den jeweiligen Ländern, aber auch bei der EU in Brüssel stärker als bisher im Sinne dieser Headquarters-Funktionen zu
vertreten und auszubauen.“


Sicherheit als Lebensgefühl
Die in über 30 Ländern aktive ERGO Versicherungsgruppe, eine Tochter des größten Rückversicherers der Welt, der Munich Re, gibt Österreich und im Speziellen dem Standort Wien in doppelter Funktion eine besondere Bedeutung: Erstens als Kompetenzzentrum und Know-how-Träger für den Bankversicherungsbereich. Über 50 Prozent der Neuabschlüsse an Lebensversicherungen werden hierzulande über Banken getätigt. Zweitens wird Wien und ERGO Austria als Drehscheibe für den Aufbau von neuen Versicherungskooperationen mit Banken in Mittelund Osteuropa genutzt. In Ungarn, der Slowakei, Tschechien, Kroatien, Slowenien, Rumänien und San Marino bestehen bereits eigene Auslandsgesellschaften und Kooperationen mit der UniCredit und den Volksbanken. „Österreichs Erfahrungen werden im Osten geschätzt. Die österreichischen Versicherungen waren die Ersten, die nach der Öffnung der Grenzen in den Märkten aktiv wurden. Sie haben sehr früh die Wachstumspotenziale in dieser Region erkannt. Das hat sich auch bezahlt gemacht“, so Elisabeth Stadler, Vorstandsvorsitzende ERGO Austria International AG. Und was macht den Standort Wien so einzigartig? „Unser hohes Kulturgut ist
durchaus ein wesentlicher Faktor für die Schaffung eines optimalen Umfeldes für Geschäftsbeziehungen. Unsere Geschäftspartner kommen auch wegen der passenden Rahmenbedingungen sehr gerne nach Wien.“

 

Think global, act local
Mit zwei Angelpunkten ist der internationale Kunststoff-Multi Borealis im Donauraum vertreten: Firmenzentrale in Wien und Innovationsheadquarter in Linz. „Wir schätzen Wien als Standort aufgrund seiner attraktiven geografischen Lage, der hohen Lebensqualität für unsere Mitarbeiter, die oft wegen ihres Jobs bei Borealis nach Österreich ziehen, und der Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter“, ist Borealis-Vorstandsvorsitzender Mark Garrett voll des Lobes über die Bundeshauptstadt. „Darüber hinaus ist unser Minderheitseigentümer OMV und es befindet sich einer unserer Produktionsstandorte im nahe gelegenen Schwechat (NÖ).“ Alfred Stern, Leiter von Forschung und Entwicklung, schätzt die Stärke des Donauraumes, künftiges Humankapital zu gewinnen. „In Oberösterreich hat sich in den vergangenen Jahren eine kritische Masse im Bereich der Kunststofftechnik entwickelt, hier bildet sich zusehends ein Silicon Valley für Kunststoffe. Die
oberösterreichische Politik hat diese Chance erkannt und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um an der Universität Linz ein vollwertiges Kunststofftechnik-Studium einzurichten. Das Land hat damit die optimale Basis für exzellenten Nachwuchs gelegt. Von diesem Schachzug profitieren Wirtschaft und Gesellschaft, da das nötige Humankapital den Forschungsstandort sichert.“

Umweltagentur als "One-Stop-Shop"

Foto: Franz Metelec

Mit 1. Jänner startete die neue Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreich als Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, Gemeinden und Betriebe in allen Fragen rund um Energie,
Natur und Umwelt.

 

Niederösterreich verfolgt das ehrgeizige Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energieversorgung von derzeit knapp 30 Prozent auf 50 Prozent bis zum Jahr 2020 anzuheben. Dabei sollen 100 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbarer Energie bis 2015 und 50 Prozent des Gesamtenergiebedarfs aus regenerativen Energiequellen bis 2020 gewonnen werden. Auch 20.000 neue „green jobs“ sollen bis zu diesem Zeitpunkt zusätzlich entstehen. Und bis 2050 könnte der gesamte Bedarf an Endenergie aus heimischer erneuerbarer Produktion stammen. Dazu ist es notwendig, dass der Bedarf an Energieverbrauch ab sofort sinkt und bis zur Mitte dieses Jahrhunderts halbiert wird. Für
dieses Ziel wird in Forschung, Entwicklung und Bildung investiert, um Niederösterreich als zukunftsfähigen Standort mit hoher Lebensqualität zu sichern. Ab nun stellt sich die Energie- und Umweltagentur (ENU) den Fragen zu Klima- oder Umweltschutz, Energieeffizienz, regionale Lebensmittel oder intelligente Mobilität. Die Antworten darauf werden von den Experten der ENU in der Zentrale in St.Pölten bzw. den diversen Büros in allen Vierteln des Landes beantwortet.
„Die Agentur soll auch eine Ideenschmiede sein und sich mit Fragen der Lebensqualität im ländlichen und städtischen Raum beschäftigen“, so Energie-Landesrat Stephan Pernkopf. Eine wesentliche Aufgabe für den neuen Geschäftsführer Herbert Greisberger wird es sein, bestehende Kompetenzen und Organisationen in der NÖ Energie- und Umweltagentur zu bündeln und Synergieeffekte zu heben. „Es ist eine große Herausforderung, auf die ich mich sehr freue. Die Energie-und Umweltagentur, wie ich sie in Niederösterreich aufbauen kann, ist bis dato einzigartig
in Österreich“, sagt Greisberger. Der 47-Jährige hat 1994 als Volkswirt an der Universität
Stuttgart promoviert, war mehrere Jahre in leitender Funktion bei der Energieverwertungsagentur
(E.V.A.) und zuletzt elf Jahre Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) in Wien.

 

3x3x3-Formel
Geschäftsführer Greisberger präsentierte beim ersten „Energie-Umwelt-Brunch“ im ORF-Landesstudio Niederösterreich auch gleich seine Vorhaben und Ziele. Das umfassende Leistungsspektrum der Energie- und Umweltagentur lässt sich am besten mit der „3x3x3-Formel“ veranschaulichen, erklärt er. „Unsere drei inhaltlichen Abteilungen bieten drei Leistungen für drei Zielgruppen: Beratung, Forschung und Expertise für Politik bzw. Verwaltung, für Bürgerinnen und
Bürger, Betriebe und öffentliche Einrichtungen in den Bereichen Energie, Umwelt und Natur.“ Der Schwerpunkt bei den öffentlichen Einrichtungen liegt laut Greisberger vor allem bei den Gemeinden, die wichtige Partner bei der Umsetzung der Klimaziele und „Drehscheibe“ zu den Bürgerinnen und Bürgern sind.

 

Zukunfts-Themen: Umweltschutz und Energieeffizienz
Dass das Thema Energie für die niederösterreichische Bevölkerung immer wichtiger wird, das bestätigte Meinungsforscherin Sophie Karmasin in ihrem Vortrag beim Energie-Umwelt-Brunch. „Über die Jahre hinweg ist man sich der steigenden Bedeutung des Themas Umweltschutz bewusst. Im Jahr 2011 hielten bereits 65 Prozent der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher Umweltschutz für ein Zukunftsthema mit steigender Bedeutung. Der Ausbau erneuerbarer Energien, Energiesparen sowie die Erhaltung der Natur und Hochwasserschutz werden jetzt als die primären Aufgaben im Bereich Umwelt und Energie genannt.“ „Niederösterreich ist die Nummer eins im Österreich-Vergleich in punkto Wind, Photovoltaik und Biomasse. Das neue Ökostromgesetz gibt einen kräftigen Impuls für den Ausbau der erneuerbaren Energie“, ist Pernkopf überzeugt. „Mit dem Energiefahrplan werden die Weichen zum Erreichen der EU- und Bundesziele für 2050 gestellt. Auch der Energieverbrauch der niederösterreichischen Haushalte wurde bereits dank der Wohnbauförderung deutlich reduziert. Wir werden diesen erfolgreichen Weg weiter fortsetzen. Der Energiefahrplan 2030 wird die Grundlage für das neue NÖ Klimaprogramm 2013- 2020 bilden.“ „Jeder investierte Euro, den wir hier einsetzen, verzinst sich vielfach. Nicht nur für uns, sondern vor allem auch für die nächsten Generationen“, begründete LH Erwin Pröll Niederösterreichs beachtliches Engagement in Umweltund Energiemaßnahmen.

 

Erneuerbare Energie aus der Region
Niederösterreich verfügt über hohe Potenziale an erneuerbarer Energie. Die Nutzung der Wasserkraft hat die Energie-Entwicklung des Landes schon vor Jahrzehnten positiv beeinflusst, und auch die Nutzung von Biomasse hat bereits lange Tradition. Nun gilt es, zusätzliche Formen von erneuerbarer Energie zu entwickeln, da diese noch enorme unausgeschöpfte Potenziale in sich bergen. Mit der Nutzung von fluktuierenden Energien wie Wind, Photovoltaik u.ä. erhöht sich
die Bedeutung der Speicherung, die z. B. mittels Pumpspeicher gewährleistet werden kann. Gut ausgebaute Übertragungs- und Verteilnetze sind dafür ebenso erforderlich wie gesicherte Kraftwerkskapazitäten, um auch zukünftig ein höchstmögliches Ausmaß an Versorgungssicherheit zu garantieren. Ein hoher Vernetzungsgrad ermöglicht den Austausch von Erzeugungs- und Verbrauchsunterschieden. Der Gesamtaufwand für den Energieausgleich wird dadurch minimiert. Außerdem wird Energiespeichern im zukünftigen System noch viel mehr Bedeutung zukommen als heute.

Eine Frage der Verantwortung

Foto: Eder

Unternehmen, die Werte vorleben, strategische Verantwortung für Gesellschaft, Umwelt und Mitarbeiter übernehmen und managen, sind dünn gesät. Doch die alten Grundsätze des ehrbaren Kaufmanns wie Fairness, Transparenz und Ehrlichkeit erleben dank CSR derzeit ein Revival, was langfristig und nachhaltig das Geschäft beleben soll.

 

Wirtschaftlich unsichere Zeiten fordern Unternehmen klare Entscheidungen und vorausschauende Strategien ab. Verantwortungsvolles Handeln ist angesagt. Meinte man noch vor wenigen Jahren mit einer Obstschüssel in jeder Büro-Etage der Öffentlichkeit ein gesundes Unternehmen vorgaukeln zu können, hat sich Corporate Social Responsibility (CSR) zu einem veritablen
Managementinstrument entwickelt, das sich zum entscheidenden Standort- und Wettbewerbsfaktor der Zukunft mausert. Die Österreichische Post AG strebt das Vor-
Wirtschaftskrisen-Niveau an, was aufgrund der makroökonomischen Faktoren kein leichtes Unterfangen ist. Dennoch oder gerade deswegen setzt Generaldirektor Georg Pölzl auf CSR. „Die Post ist im permanenten Kontakt mit den Menschen in unserem Land und Arbeitgeber für 20.000 Mitarbeiter. Nachhaltigkeit ist bei uns im täglichen Tun und Handeln geerdet.“ Im neuen Leitbild
formuliert die Österreichische Post ihre wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen
Aspekte als zusammengehörende Einheit. „Nur ein erfolgreiches Unternehmen kann seine gesellschaftliche Verantwortung langfristig wahrnehmen und einen angemessenen Beitrag leisten, um soziale und ökologische Bedürfnisse zu erfüllen“, ist Pölzl überzeugt. Das 1932 gegründete Unternehmen Palfinger mit Sitz in Salzburg zählt zu den international führenden Herstellern hydraulischer Hebe-, Lade- und Handlingsysteme und ist CSR-affin aus Überzeugung. Zweistellige
Zuwachsraten des Unternehmens zählten bis zum Krisenjahr 2008 zur Regel, und der Einbruch
der Realwirtschaft kam zwar nicht ganz überraschend, traf das Unternehmen deshalb aber nicht weniger hart. Der spanische Markt brach binnen weniger Wochen um sagenhafte 90 Prozent ein, und viele andere Staaten schwächelten, was Palfinger einen Umsatzrückgang von fast 50 Prozent bescherte. Obwohl es für knapp ein Drittel der Belegschaft keine Beschäftigung mehr gab,
entschied der Vorstand, die hoch qualifizierten Mitarbeiter zu behalten und lediglich 734
weltweit zu entlassen. Hätte die Krise einige Monate länger gedauert, wäre es eng geworden. „CSR kann nur funktionieren, wenn die Unternehmensführung diese Philosophie glaubwürdig vorlebt“, ist die Devise von Palfinger- Vorstandsvorsitzendem Herbert Ortner.

 

Schwierige Zeiten erfordern unkonventionelle Lösungen

„Die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen lassen sich nicht mehr mit den herkömmlichen Managementinstrumenten lösen“, stößt auch Karin Gastinger, Director
Consulting & Risk Services, PwC Österreich ins selbe Horn. „CSR oder Nachhaltigkeit soll dazu beitragen, dass Unternehmen langfristig profitabel sind“, hält sie fest. „Es geht um Zukunftssicherheit und genau darum, wie ich mein Geschäftsmodell heute so aufstelle, dass dieses Unternehmen auch noch in zehn, 20 oder 30 Jahren wirtschaftlich tragfähig sein wird. Grundlage dafür ist, dass wir entlang der eigenen Wertschöpfungskette des Unternehmens unsere
Umwelt schonen, möglichst ressourcenschonend wirtschaften und unseren sozialen Einfluss
verantwortungsvoll gestalten.“ Potenzial für die mittelständische Wirtschaft sieht Gastinger in der Implementierung der Nachhaltigkeit, also in die Eingliederung der ökologischen und sozialen Aspekte in die Geschäftsprozesse und deren Wertschöpfungskette. „Denn Ziel von KMUs soll es sein, sich in Zukunft über CSR strategisch zu differenzieren.“


KMUs mit CSR erfolgreich

„Die Wirtschaftskammer Österreich hat in bislang vier Bundesländern besondere Beratungs- und Trainingsprogramme für KMU durchgeführt“, erzählt Andreas Schneider von der Stabsabteilung
Wirtschaftspolitik der WKO. „CSR kann gut in ,Best-Practice-Beispielen‘ transportiert werden. So musste beispielsweise ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern einen neuen Industriekompressor anschaffen. Die Abwärme dieses Kompressors wird nun genutzt, um Warmwasser für die Duschen der Mitarbeiter zu erzeugen, was Strom und Geld spart und langfristig auch die Umwelt schont. Diese Synergie- Effekte von Ökologie, Gesellschaft und Wirtschaft zu nutzen, macht CSR aus. Womit auch gleich die Frage beantwortet wäre: Kann CSR wirtschaftlich etwas bringen? Wenn es einem Unternehmen langfristig nichts bringt, wird es CSR nicht machen.“ Jedes Unternehmen wird nicht umhinkommen, herauszufinden, wo seine Handlungsfelder im Bereich Ökologie, Soziales und Gesellschaft liegen. „Sind die Themen jedoch erkannt, geht es ans Zielesetzen und diese auch messbar zu machen. Daraus entwickelt das Unternehmen jene Maßnahmen, die es heute zu erledigen hat, um seine für die Zukunft gesetzten Vorhaben erreichen zu können. Und das gilt für alle Unternehmen, auch für EPUs, die sich vielversprechend
am Markt positionieren“, ist Gastinger überzeugt. 99,7 Prozent aller österreichischen Betriebe sind KMUs, die traditionell stark in regionale Strukturen eingebunden sind. Da ist es naheliegend,
dass Wertschätzung im Umgang mit Geschäftspartnern, Mitarbeitern, die schonende Nutzung der Umwelt sowie soziales Engagement in der Gemeinschaft Teile des wirtschaftlichen Erfolgs sind.
Dass Nachhaltigkeit in der Baubranche ein zentrales Thema ist, kann wohl niemand bestreiten. Mit konkreten Maßnahmen für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen macht die planende Baumeisterin Sandra Höbarth ihr Unternehmen zukunftssicher. Die Verarbeitung regionaler und umweltfreundlicher Produkte sowie die Berücksichtigung von Umweltbelastung und ökologischem Fußabdruck als Bestandteil eines jeden Bauvorhabens bringt Kundenvorteile und Unternehmenserfolg. Als Einzelunternehmerin ist für Höbarth die Mitarbeit in Netzwerken wie der Niederösterreichischen Bauinnung oder der Unternehmenskooperation „Alle 8ung“,
bei der sich ursprünglich acht regionale Betriebe mit dem Ziel eines optimalen Kundenservice
zusammengeschlossen haben, fixer Bestandteil ihrer CSR. Die Verbreitung nachhaltiger Ideen steht ebenso auf dem Programm wie kontinuierliche Weiterbildung, damit Sandra Höbarth ihren Kunden stets Lösungen am neuesten Stand anbieten kann.


CSR ist Teamwork

„Natürlich gehören auch die Konsumenten dazu, die ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit
leisten“, betont Andreas Schneider. „ Es kann nicht sein, dass nur ein Teil der Gesellschaft
nachhaltig ist, auch die Politik und die Medien sind dazu aufgerufen.“ Der Golfplatz im salzburgischen Goldegg entstand aus der Verantwortung für die Region Goldegg, da der Golfplatz mit durchschnittlich 5.000 Greenfee-Spielern Arbeit für rund 20 Mitarbeiter bietet. In der Implementierung stellte sich die Aufgabe, die bereits vorhandenen CSR-Maßnahmen im Unternehmen zu sammeln und zu strukturieren. Neben den Grundsätzen der Unternehmensführung wie Verlässlichkeit und Handschlagqualität gilt auch der faire Umgang mit Mitarbeitern durch gute Bezahlung und flexible Arbeitszeiten, aber auch der sensible Bereich
des Umweltschutzes. Alle diese Bereiche wurden anhand der drei Säulen Ökonomie, Soziales und Ökologie analysiert.

"Ich bin optimistisch"

Foto: Bundesveeinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Der deutsche Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärt im Wirtschaftsnachrichten-Interview, warum sich Deutschland und Österreich trotz Konjunkturpessimus gut behaupten werden.

 

Deutschland ist Österreichs wichtigster Wirtschaftspartner. Für die Steiermark
und ihre Zulieferindustrie ist Deutschland der wichtigste Exportmarkt. Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Hinter uns liegen wirtschaftlich zwei außerordentlich erfreuliche Jahre. Auch für die Zukunft sind die Chancen beider Länder für eine gesunde und robuste Entwicklung gut. 2012 wird die Konjunktur im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Jahren zwar etwas abgeschwächt verlaufen. Insgesamt werden sich Deutschland und Österreich aber gut behaupten. Beide Länder werden besser abschneiden als andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union – vorausgesetzt,
dass sich die europäische Staatsschuldenkrise nicht zu einem Hagelschlag verschärft.

 

Österreichs Ruf scheint nach den Korruptionsaffären angeschlagen. Werden die Affären Auswirkungen haben auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland?

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern waren und sind hervorragend.
Sie werden dies auch in Zukunft sein.

 

Was würden Sie der österreichischen Politik raten, um Imageschäden von der heimischen Wirtschaft zu vermeiden?

Die Politik ist immer am besten beraten, wenn sie strittige Sachverhalte zügig und transparent aufklärt.

 

Die Ratingagentur Standard&Poor’s hat Österreich das Triple-A aberkannt. Ist dieses Downgrading in Ihren Augen gerecht?

Österreich wird vor allem auch durch das nachbarschaftliche Umfeld belastet, etwa die Länder Ungarn und Italien. Es ist aber nicht hilfreich, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Alle Staaten der Eurozone müssen alle Anstrengungen unternehmen, um die Staatsverschuldung wieder in den Griff zu bekommen und bessere Bedingungen für mehr Wirtschaftsdynamik zu schaffen – auch Länder mit einem Triple-A. Deutschland und Österreich sind gleichermaßen gefordert, drängende Strukturreformen konsequent umzusetzen.

 

Seit Monaten ringen Europas Staatsund Regierungschefs um eine Lösung in der Euro-Krise. Ohne Erfolg, wie es scheint. Warum kommt die EU nicht aus der Krise?

Es gibt keine Lösung aus dem Lehrbuch und insbesondere keine, die sofort wirksam ist.
Die Situation, in der sich die Europäische Union gerade befindet, ist äußerst komplex. Insgesamt ist die EU mit den jüngsten Gipfel- Beschlüssen auf dem richtigen Weg. Mit den notwendigen besonnenen, aber auch entschiedenen Schritten kann Europa die zu einem großen Teil selbstverschuldete Krise meistern. Ich bin optimistischer als vor einigen Monaten.


Sind verfassungsrechtlich garantierte Schuldenbremsen die richtige Antwort auf die Schuldenkrise?
Wirksamere Regeln wie nationale Schuldenbremsen und Sanktionen sind dringend erforderlich,
um die ausgeuferten Staatsschulden einzudämmen. Aber auch ein dauerhafter Rettungsschirm, der an strenge Bedingungen geknüpft ist, sowie ein geschärfter Stabilitäts- und Wachstumspakt sind entscheidende Voraussetzungen für die Lösung der Krise.

 

Bergen sie nicht die Gefahr in sich, dass eine europaweite Austeritätspolitik nicht die Verschuldung bremst, sondern vielmehr das Wachstum?
Wirtschaftswachstum, das durch eine unverantwortliche Staatsverschuldung finanziert
wird, ist nicht nachhaltig und ist auf Dauer nicht möglich. Die Krise muss mit einer
Doppelstrategie angegangen werden: Die Haushalte müssen ausgabenseitig konsolidiert werden, gleichzeitig sind wachstumsfördernde Strukturreformen notwendig. Insgesamt muss deutlich mehr für die Wettbewerbsfähigkeit der 27 EU-Länder getan werden.

 

Was halten Sie von gemeinsamen europäischen Staatsanleihen? Für viele sind Eurobonds der logische nächste Schritt einer sinnvollen europäischen Vergemeinschaftung.
Die aktuellen Probleme sind nicht durch Eurobonds zu lösen. Sie sind gegenwärtig das
falsche Mittel, weil sie es den schwächeren Ländern erleichtern würden, sich zulasten der stärkeren Länder noch mehr zu verschulden. Entscheidend ist, dass zunächst einmal
die Staatshaushalte konsolidiert werden. Dafür ist und bleibt eisernes Sparen unabdingbare
Voraussetzung.


Der neue deutsche Präsident des EUParlaments, Martin Schulz, beklagt, dass die Krisendiplomatie der Staatsund Regierungschefs den Parlamentarismus in Europa schwächt. Ist eine echte Vergemeinschaftung der Wirtschafts- und Fiskalpolitik ein sinnvoller Schritt?
Die Parlamente müssen die Regierungen insbesondere bei Haushaltsfragen streng überwachen.
Staaten, die dauerhaft und zum Schaden aller über ihre Verhältnisse leben, darf es in Zukunft nicht mehr geben. In Europa muss grundsätzlich Einigkeit über die Zielsetzung bessere Wettbewerbsfähigkeit und mehr Wirtschaftsdynamik bestehen. Wenn Europa seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt behaupten will, brauchen wir eine stärkere
Abstimmung der Fiskalpolitik – mindestens innerhalb der Eurozone.


Ist es nicht hoch an der Zeit, die Währungsunion durch eine echte politische
Union abzusichern und der Kommission echte Durchgriffsrechte auf nationale Budgets zu gewähren?
Die Währungsunion wird sich auf mittlere Sicht zu einer politischen Union weiterentwickeln.
Wie genau und weit das gehen soll, wird noch intensiv zu diskutieren sein. Es ist zunächst ein wichtiger Schritt, dass die Fiskalpolitik innerhalb der EU künftig besser koordiniert wird und Verstöße gegen die Maastricht-Kriterien mit automatischen Sanktionen verknüpft werden.

Millionenpaket ist geschnürt

Foto: APA/Roland Schlager

Innovation, Forschung und Entwicklung sind die kräftigsten Motoren, die unsere Wirtschaft ankurbeln. Und Österreich gibt auf dem Weg zur führenden Forschungsnation kräftig Gas. 22 heimische Unternehmen haben sich verpflichtet, ihre Forschungsausgaben bis 2015 um 20 Prozent zu steigern.

 

Die von Infrastrukturministerin Doris Bures gestartete Initiative „Innovationsland Österreich“ ist ein klares Bekenntnis zum Innovationsstandort Österreich. Eine WIFO-Untersuchung belegt, dass Unternehmen mit hohen F&E-Investitionen – das sind rund zehn Prozent – die Krise besser überstanden haben als Unternehmen mit geringen oder gar keinen Investitionen. Seit 2008 beträgt
der Vorsprung im Beschäftigungswachstum im Durchschnitt zwei Prozentpunkte pro Jahr, beim Umsatzwachstum macht der Wachstumsvorsprung sogar acht Prozentpunkte aus. Unternehmen mit den höchsten F&E-Investitionen – das sind 20 Prozent und mehr – haben seit 2008 pro Jahr durchschnittlich fünf Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen. Unternehmen mit hohen Investitionen in F&E haben 2010 im Durchschnitt eine um 15 Prozentpunkte höhere Exportquote gegenüber
Unternehmen mit geringen oder mittelhohen Investitionen in F&E. „Die öffentliche Hand und Unternehmen können gemeinsam das ambitionierte Ziel erreichen, die Forschungsquote von gegenwärtig 2,79 Prozenten auf 3,76 im Jahr 2020 zu steigern“, erklärte Ministerin Bures. „Länder, denen es nicht gelingt, ihre Realwirtschaft wettbewerbsfähig zu halten, haben
die größten Probleme.“ 22 Unternehmen haben bereits die Deklaration „Innovationsland Österreich“ unterschrieben, und gehen damit die Verpflichtung ein, die Dynamik ihrer Innovationstätigkeit weiter auszubauen. Das stärkt den Technologiestandort Österreich mit seiner
wissensbasierten Wirtschaft und erhöht die gesamtwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Im August des vergangenen Jahres unterzogen sich bei den Alpbacher Technologiegesprächen elf Unternehmen dieser Selbstverpflichtung. Zu den Unterzeichnern zählen Infineon, Magna, Lenzing, KTM, Kiska, AT&S, AVL-List, Geoville, Doppelmayr, Marinomed und TTTech.

 

Neu hinzu kommen:


Baxter Innovations GmbH
Mit Standorten in Wien und Orth an der Donau, wo die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten
des Unternehmens in Österreich gebündelt sind. Zwei Drittel der Forschungsaktivitäten
von Baxter – zum Beispiel die Erforschung neuer Impfstoffe, neuer therapeutischer Proteine, Stammzellentherapien oder Substanzen zur Wund- und Knochenheilung – finden in Österreich statt. Mehr als 75 Prozent der für Baxter BioScience – den forschungsintensivsten Bereich des Unternehmens – tätigen Wissenschaftler sind in Österreich ansässig: Rund 900 Forscher aus dem In- und Ausland arbeiten hier an neuen Wirkstoffen und der Weiterentwicklung bereits am Markt befindlicher Medikamente.

 

Bernecker + Rainer Industrie Elektronik Ges.m.b.H
ist ein internationaler Konzern, der sich mit seinem Gespür für Marktentwicklungen und Trends und dem Willen, High-tech-Lösungen zum Nutzen der Kunden anzubieten, zum Innovations- und Technologieführer in der Automatisierungstechnik-Branche hinaufkatapultiert hat. Vom Prototyp bis zur Serie wird jede Komponente am Standort im oberösterreichichen Eggelsberg gefertigt.
Modernste Fertigungsmethoden, neueste Technologien und vollautomatische Test und Prüfverfahren führen zu Produkten auf höchstem Qualitätsniveau.

 

Borealis AG
ist ein weltweit tätiger Anbieter von Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) in den
Bereichen der Infrastruktur (Rohrsysteme, Energie- und Kommunikationskabel), Automobile und hochwertigen Verpackungen. Die von Borealis AG produzierten Kunststoffe werden zu Produkten, wie etwa Lebensmittelverpackungen, medizinischen Utensilien, Windeln, Energie- und Telekommunikationskabel, Autoteilen sowie sanitären Rohrsystemen, verarbeitet. Hauptsitz des Unternehmens ist Wien. Das Hauptgeschäft findet primär in Europa statt, Industrieanlagen befinden sich in Österreich, Deutschland, Belgien, Finnland, Schweden, Italien, Brasilien und der USA. Zusätzlich gibt es zwei Innovationszentren in Schweden und Finnland sowie das European Innovation Headquarter in Linz, Österreich.

 

BRP-Powertrain GmbH & Co KG
ist ein österreichischer Motorenhersteller (Tochterunternehmen der kanadischen Firma
Bombardier Recreational Products BRP) mit Sitz in Gunskirchen in Oberösterreich. Unter
dem Markennamen Rotax, unter dem die Firma auch in der Öffentlichkeit bekannt ist,
produziert BRP-Powertrain Hochleistungsmotoren für Schneeschlitten, Jet- und Sportboote,
Geländefahrzeuge (ATVs und Quads), dreirädrige Roadster und für Motorräder
sowie für leichte Sportflugzeuge, Ultraleichtflugzeuge, Motorsegler, Heißluft- Luftschiffe und Karts.

 

FACC AG
ist eines der weltweit führenden Unternehmen in Design, Entwicklung und Fertigung
von fortschrittlichen Faserverbundkomponenten und -systemen für die Luftfahrtindustrie.
Durch kontinuierliche Investitionen in F&E konnte das Unternehmen seine Position
in der Wertschöpfungskette der Flugzeugindustrie ausbauen und somit trotz der Wirtschaftskrise
den Wachstumskurs beibehalten. So ist z.B. der Mitarbeiterstand seit 2006 um jährlich ca. vier Prozent angestiegen.

 

Fronius International GmbH
beschäftigt sich seit 1945 mit der Wandlung von Energie und konnte sich durch kontinuierliche
Investitionen in Forschung und Entwicklung in den Sparten Batterieladesysteme,
Schweißtechnik und Solarelektronik international positionieren und als Technologieführer
etablieren. Die Aufwendungen für F&E und die Anzahl der F&E MitarbeiterInnen konnten in den letzten Jahren stark gesteigert und der Standort Wels zum zentralen F&E Standort des Konzerns ausgebaut werden. Fronius wurde 2009 mit dem Staatspreis Innovation ausgezeichnet.

 

Knowles Electronics Austria GmbH
Knowles Sound Solutions ist mit rund 30 Prozent Marktanteil seit Jahren weltweiter Markt- und
Technologieführer bei Mini-Lautsprechern für Mobiltelefone. Die Top Ten der weltweiten Handy-hersteller setzen für ihre Geräte auf Lautsprecher von Sound Solutions. Über fünf Milliarden Soundprodukte wurden bisher verkauft. Seit 2001 steuert der Wiener Standort eine Tochterfabrik in Peking, die schwerpunktmäßig für den asiatischen Markt produziert.

 

NXP Semiconductors Austria GmbH
Das Entwicklungszentrum für RFID-Halbleiter in Gratkorn ist dank kontinuierlicher
Investments in Forschung und Entwicklung Weltmarkt- und Technologieführer bei Halbleitern
für hochsichere Smart Cards und für kontaktlose elektronische Identifikationssysteme.
Das weltweite Kompetenzzentrum entwickelt die gesamte Bandbreite von kontaktlosen Halbleitern für Smart Labels/Tags, Smart Cards und Automotive-Anwendungen. In Gratkorn wird auch die Near-Field- Communication (NFC)-Technologie entwickelt, die eine drahtlose Datenübertragung über wenige Zentimeter ermöglicht.

 

Rosenbauer International AG
Rosenbauer ist im abwehrenden Brand- und Katastrophenschutz der führende Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen weltweit. Mit der breiten Palette an kommunalen Löschfahrzeugen und Hubrettungsgeräten nach europäischen sowie US-Normen (NFPA), der umfassenden Baureihe an Flughafen- und Industriefahrzeugen, modernsten Löschsystemen und feuerwehrspezifischer Ausrüstung ist Rosenbauer der Vollsortimenter der Branche. Das zentrale Know-how liegt in komplexen, nach Kundenanforderungen gebauten Löschsystemen und Feuerwehrfahrzeugen. Alle
dazu erforderlichen Prozesse sind unter einem Dach vereint, nämlich Entwicklung und
Produktion der gesamten Löschtechnik, der feuerwehrtechnische Aufbau sowie die passende
Steuerung des Gesamtsystems.

 

voest alpine Stahl GmbH
Die voestalpine Stahl GmbH ist eine 100- prozentige Tochtergesellschaft der voestalpine AG, fungiert innerhalb des Konzerns als Leitgesellschaft der Division Stahl und ist ein verlässlicher Partner der Automobil-, Bau-, Hausgeräte- und Energieindustrie. Die voestalpine Stahl GmbH betreibt in Linz ein voll integriertes Hüttenwerk, das zu den modernsten Werken Europas zählt. Das Kerngeschäft der voestalpine Stahl GmbH liegt im Bereich der Flachprodukte. Stahlbänder
und die in einer Tochtergesellschaft produzierten Grobbleche bilden die Basis für die weiterverarbeitenden Schritte. Durch in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigerte
F+E-Aktivitäten, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht zurückgenommen, sondern weiter ausgebaut wurden (2011 ca. 111 Millionen Euro), konnten in allen fünf Divisionen (Stahl, Edelstahl, Bahnsysteme, Profilform, Automotive) die starken Marktstellungen gehalten bzw. sogar
ausgebaut werden. In allen Kernsegmenten hält man eine Spitzenpositione und ist entweder
Weltmarktführer, europäischer Marktführer oder europäischer Top-3-Lieferant.

 

Wolford AG
Das österreichische Unternehmen Wolford mit Sitz in Bregenz und insgesamt 1.058
Mitarbeitern ist ein international tätiger Konzern, der für höchste Qualität im Strumpfund
Lingeriebereich steht. Die überwiegende Produktion im Inland (Bregenz 87 Prozent, Feldbach fünf Prozent, Slowenien acht Prozent) sichert eine hohe Wertschöpfung für Österreich. In Bregenz steht eine F&E-Abteilung mit aktuell 70 MitarbeiterInnen und einem jährlichen F&E-Aufwand von 7,2 Millionen Euro bereit.

Creative City Linz?

Foto: Linz Tourismus/rubra

Eine UNESCO-Bewerbung der Stadt Linz hätte durchaus Chancen – und Sinn ohnehin.

 

Graz ist als frühere Europäische Kulturhauptstadt bereits diesen Weg gegangen und hat bei seiner UNESCO-Bewerbung als Creative City die vielseitigen Designkompetenzen erfolgreich ins Spiel gebracht, um diesen Wirtschaftszweig künftig international in die Auslage zu stellen. Linz,
2009 ebenfalls Kulturhauptstadt, hätte mit einer UNESCO-Bewerbung auch die Möglichkeit,
auf Bestehendes aufzubauen bzw. sich gezielt weiterzuentwickeln. „In Linz haben wir beispielsweise die Medienkunst, die sich mittlerweile sehr gut etabliert hat und den internationalen Vergleich sicherlich nicht zu scheuen braucht“, so der Soziologe Walter Lanz, Vorstand des Vereins Kreatives Oberösterreich. Eine Linzer Bewerbung als Creative City wäre für ihn nicht nur ein wichtiges Bekenntnis zur Linzer Szene, sondern auch interessant für andere Branchen, weil die Stadt dadurch als Standort insgesamt an Attraktivität gewinnen würde. Ein derartiges Prädikat hätte insbesondere Anziehungskraft für talentierte Köpfe, die ein kreatives und urbanes Umfeld sehr schätzen. Zudem gibt es in der Stadt nicht nur die Hot-Spots wie das Ars Electronica Center oder die Kunstuniversität, sondern auch viele Klein- und Mittelbetriebe, die im Bereich der Medien und des Mediendesigns tätig sind. Sie könnten ebenfalls vom Image einer Creative City profitieren. Insgesamt wäre mit einer Aufwertung des oberösterreichischen Zentralraums zu rechnen, zumal beispielsweise auch an der Fachhochschule am Studienort Hagenberg ein Masterlehrgang über Digital Arts angeboten wird.

 

Neue Kulturentwicklung
Die Diskussion um eine mögliche UNESCO-Bewerbung wurde vom Verein Kreatives Oberösterreich deshalb im Sommer letzten Jahres gestartet, weil die Stadt Linz derzeit einen neuen Kulturentwicklungsplan (KEP) erarbeitet und diesbezüglich auch freie Gruppen und Vereine zur Mitwirkung eingeladen hat. „Im ersten Kulturentwicklungsplan stand die Idee einer Europäischen Kulturhauptstadt. Daran möchten wir anknüpfen und auch dieses Mal eine Vision
für eine längerfristige Positionierung verankern. Wir haben im Zuge unserer Medienarbeit auch ein Interview mit Eberhard Schrempf, dem Geschäftsführer der Creative Industries Styria GesmbH, geführt, der in einer solchen Bewerbung eine gute Ergänzung und Chancen für Synergien sah“, so Lanz, der darauf verweist, dass es in Graz einen sehr hohen Grad an Identifikation mit dem dortigen Designthema gibt und bereits der Prozess der Bewerbung für eine Aufbruchstimmung in der Stadt gesorgt hat. Ähnliches wird auch für Linz erwartet, das nicht nur seine Kompetenz im Bereich der Medienkunst quasi als Marke nach außen präsentieren, sondern sich als Creative City mit anderen Städten dieser Art international vernetzen kann. Zum Thema Creative City hat sich die Stadt Linz mittlerweile im Herbst in einer Presseaussendung anlässlich der Gründung der
Creative Region GmbH bekannt. Die GmbH wurde gemeinsam mit dem Land Oberösterreich ins Leben gerufen, um die Kreativwirtschaft zu fördern. Sie wäre auch die Drehscheibe für die künftigen Aktivitäten einer solchen UNESCO-Bewerbung. Der Verein möchte, dass die Bewerbung im künftigen Kulturentwicklungsplan Aufnahme findet und wird sich weiterhin für die Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung einsetzen. Dort stößt das Thema bereits auf offene Ohren.

Manieren haben Hochkonjunktur

Die Spielregeln für das soziale Miteinander haben sich über Jahrhunderte in unserer Gesellschaft etabliert. Gutes Benehmen ist aber auch ein Erfolgsfaktor im Geschäftsleben, neben Produktqualität, Lieferfähigkeit und Preisen. Die persönlichen Beziehungen sind im Business jedoch oft die entscheidenden.

 

Die Etikette ist jener Teil, der uns die Kommunikation erleichtert. Wer die Regeln der Etikette kennt, kann die Botschaften, die durch sie vermittelt werden, besser lesen und letztendlich auch sich selbst besser ausdrücken. Außerdem ist Business-Etikette international und neben dem Englischen eine zweite Kommunikationsebene, die Kulturen verbindet“, ist Thomas Schäfer-
Elmayer, Leiter der Wiener Traditions-Tanzschule Elmayer und Etikette-Personaltrainer, überzeugt. „Tanzlehrer waren über Jahrtausende hinweg auch Benimmlehrer“, erklärt Elmayer eine
Tradition, die bereits bei den alten Ägyptern, den Römern und vor allem bei den Franzosen gepflegt wurde und mit dem legendären Sonnenkönig Ludwig XIV. ihren Höhepunkt erreichte. Früher boten Tanzschulen daher traditionell neben dem Tanz- auch Anstandsunterricht, was sich im Laufe der Jahre zwar verloren hat, beim „Elmayer“ jedoch zu allen Zeiten gepflegt wurde.

Die Botschaften, die wir dem Gegenüber senden, beginnen bei den geputzten Schuhen und enden bei der eleganten Krawatte und dem Hemd mit Doppelmanschette. „Problematisch wird’s dann, wenn jemand im fernen Ausland seine eigenen Benimmregeln nicht kennt, denn es waren ja unsere Vorfahren, die über Jahrhunderte vom Kolonialismus bis zum Glauben anderen Völkern diese Benimm-Regeln mehr oder weniger sanft vermittelt haben. Diese Völker haben dann die
Produkte, die in Europa erzeugt wurden, ebenso kopiert wie das Benehmen der Menschen“,
erläutert Elmayer die Zusammenhänge. „Außerdem ist jeder einzelne Mitarbeiter Repräsentant seiner Firma, und wenn er sich gut benimmt, kompetent und fachlich fundiert ist, habe ich einen positiven Eindruck von jenem Betrieb. Das ist auch der Grund, warum Unternehmen ihre Mitarbeiter in Elmayer-Seminare schicken, um das entsprechende Know-how zu erwerben und es auch anwenden können.“

 

Business versus Gesellschaftsparkett
Der wesentliche Unterschied zur Gesellschafts-Etikette ist jener des Ranges. In unserer Kultur steht im gesellschaftlichen Leben die Dame ranghöher als der Herr, während es im Geschäftsleben auf die Hierarchie ankommt. Ein Vorstandsvorsitzender ist im Rang höher als seine Sekretärin. „Das heißt in der Praxis, wenn ich in den Vorstandsbereich komme und die beiden stehen nebeneinander im Büro, dann muss ich ihn natürlich zuerst begrüßen und dann erst die Sekretärin. Im privaten Bereich ist es genau umgekehrt. Oder wenn ich in ein Unternehmen komme, begrüße ich zuerst den 25-jährigen Jungunternehmer und nachher
erst die Damen, ganz egal wie alt diese sind. Und wenn eine Frau im Business jemanden begrüßt, steht sie auf, in der Gesellschaft jedoch nicht.“ Auch das „akademisches Viertel“ in der
Zeitrechnung ist nicht geschäftsfähig. Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige, sagt ein altes Sprichwort. Pünktlichkeit signalisiert Verlässlichkeit, Kompetenz, Wertschätzung, Respekt, Disziplin. Ist jemand nun chronisch unpünktlich, so signalisiert das Rücksichtslosigkeit, Inkompetenz, Unzuverlässigkeit u.s.w. „Das sind solche fundamentale Botschaften, deren Missachtung sich niemand leisten kann“, sagt Elmayer.

 

Andere Länder, andere Sitten
Trotz internationaler Codes gibt es in jedem Land Besonderheiten, die man beachten muss. „In Arabien darf man nie jemanden die Schuhsohle zeigen. Man darf auch niemals ein schönes Bild oder dergleichen bewundern, denn das hieße, dass man dieses Bild haben möchte. Solche und ähnliche Botschaften sind landesspezifisch und auch regional unterschiedlich, denn in Vorarlberg
haben viele Dinge eine andere Bedeutung als im Burgenland. Überbrückend gibt es die internationale Business-Etikette, die das Gerüst darstellt, und je mehr man über die spezifischen
Details weiß, umso besser ist es. Die Japaner sind in dieser Hinsicht ein großes Vorbild, weil man dort als Ausländer Narrenfreiheit genießt. Zum Beispiel ist es in Japan eine Unart, wenn man sich beim Essen die Nase putzt. Trotzdem ist das dort kein Thema, wenn das ein Tourist macht. Japaner sind diesbezüglich wesentlich toleranter als wir, die jemanden, der unsere Sitten verletzt,
meistens sofort ausgrenzen“, stellt Thomas Schäfer-Elmayer klar.

 

Business Dresscode ist Pflicht
Es gibt heute den Trend, immer öfter die Krawatte wegzulassen. „Das ist eine Sache, wo eine Wertigkeit signalisiert wird. Wenn man in Kreisen verkehrt, wo die Herren Krawatten tragen, kann das Gegenteil sehr leicht als Respektlosigkeit aufgefasst werden. Andererseits ist der Trend,
weniger Krawatte zu tragen, evident. Das hat zugenommen und wird auch akzeptiert. Oft ist ,dunkler Anzug’ Dresscode, und einige Herren tragen doch keine Krawatte. Das wird heute toleriert, früher wäre das nicht so gewesen. Was gefällt oder nicht, ändert sich ständig. Bei den Damen entwickelt sich die Mode natürlich wesentlich dynamischer, die Männer sind jedoch viel konservativer und lassen sich daher zu vielen Modetorheiten nicht hinreißen“, meint Elmayer.

 

Mit Stil bei Tisch
„Das A und O der Business-Etikette sind die Tischmanieren“, predigt Benimm-Papst Elmayer.
„Wesentlich ist, dass man weiß, welche Regeln existieren und zumindest die Grundregeln beachtet, dass man mit vollem Mund nicht spricht bzw. immer mit geschlossenem Mund kaut und dass man, wenn man gefragt wird und den Mund voll hat, mit der Antwort so lange wartet, bis man ihn leer hat. Außerdem sollte man wissen, wie man Messer und Gabel in der Hand hält, nämlich mit drei Fingern, weil der kleine sowie der Ringfinger damit gar nichts zu tun haben. Weingläser
sollte man am Stil anfassen und das Besteck, das neben dem Teller liegt, von außen nach
innen verwenden.

 

Fehler passieren nun mal …
„Wer einen Fehler macht, sei es, dass er zu spät kommt etc., dem sei angeraten, dass er oder sie sich entschuldigt. Wenn ich zu einem Meeting zu spät komme, muss ich beim Hereinkommen kurz ,Entschuldigung’ sagen, und mich hinsetzen. Ich gebe keine großen Erklärungen ab, damit ich das laufende Gespräch nicht auch noch unterbreche. Wenn ich jedoch zu einem Vortrag zu spät komme, wo etwa 300 Leute sitzen, muss ich mich möglichst leise irgendwohin setzen. Die Entschuldigung, wenn mir eine Panne passiert, ist jedoch das Mindeste, das ich tun muss“, meint Schäfer- Elmayer.