Aktuelle Ausgabe: Report 7-8/2018 - Industrie












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Industrie 4.0 – Industrie im Wandel

 

Die Arbeitswelt befindet sich durch die Digitalisierung im Umbruch; Industrie 4.0-Technologien und -Anwendungen finden zunehmend Eingang in den Berufsalltag. Sich verändernde Tätigkeitsprofile, das Entstehen neuer Berufe, der Rückgang manuell schwerer Tätigkeiten und der steigende Einsatz virtueller Technologien führen zu neuen Herausforderungen.

 

Von Christian Wieselmayer

 

Bildungseinrichtungen brauchen entsprechende Inhalte, um ihr Lehr- und Lernangebot auf diese Trends ausrichten zu können. „Qualifikation ist der Universalschlüssel für die Arbeitswelt der Zukunft, denn wer über die passenden Fähigkeiten und Kompetenzen verfügt, dem stehen viele Möglichkeiten offen. In Zukunft wird neben formalem Lernen auch informeller Wissenserwerb und dessen Anerkennung wichtiger“, betont Roland Sommer, Geschäftsführer der Plattform Industrie 4.0 Österreich. So werden Fertigungsstraßen in Industriebetrieben zwar in Zukunft stark digitalisiert ablaufen, sodass der Anteil an körperlicher Arbeit und sich wiederholenden Tätigkeiten zurückgeht. Gleichzeitig nehmen die Anforderungen an Prozessverständnis, Kreativität und Teamarbeit zu, um beispielsweise Produktionsprozesse und Abläufe zu optimieren. Neben der fachlichen Expertise werden unter anderem die sogenannten „Querkompetenzen“ wie der Umgang mit großen Datenmengen, Datenschutz, Problemlösungsfähigkeit, Kreativität und interkulturelle Fähigkeiten immer wichtiger. „Um für die Reise in die berufliche Zukunft gewappnet zu sein, sollten diese zahlreichen Fähigkeiten in den Rucksack gepackt werden. Alle müssen an einem Strang ziehen – die Betriebe durch passende Weiterbildungsmaßnahmen, die Politik durch die richtigen Rahmenbedingungen und die Arbeitnehmer selbst durch Lernbereitschaft“, führt AK Wien-Arbeitsmarktexpertin Ilse Leidl-Krapfenbauer aus.

 

Vielfalt in der Produktion

Durch die zunehmende Vielfalt in der Produktion – so können zum Beispiel mehrere tausend Produktvarianten an einer Fertigungslinie produziert werden – gewinnen digitale Assistenzsysteme wie Datenbrillen oder Pick-by-Light-Systeme an Bedeutung. Pick-by-Light (zu Deutsch etwa „Kommissionieren nach Licht“) gehört zu den „beleglosen“ Kommissionierverfahren. Anstelle einer Kommissionier- oder Pickliste werden dem Kommissionierer die zu pickenden Artikel und Mengen über eine direkt am Entnahmefach angeordnete Fachanzeige übermittelt. Diese unterstützen die Produktionsmitarbeiter bei der Montage der Produkte – gleichzeitig steigen die Kompetenzanforderungen durch neue digitale Technologien am Arbeitsplatz. Die Digitalisierung bringt in Unternehmen darüber hinaus verstärkt ein dezentrales Arbeiten mit sich. So finden Tätigkeiten oft in abteilungsübergreifenden Teams statt. Das bedeutet, dass Entscheidungen öfter dezentral getroffen werden und die Verantwortung somit auf niedrigere Hierarchieebenen wandert. Dadurch werden die sogenannten „überfachlichen Kompetenzen“ wie interkulturelle Kompetenzen, Selbstorganisation oder Kreativität immer stärker benötigt.

 

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Industrie macht Schule

Die Industrialisierung war lange Zeit ein maßgeblicher Faktor für das Schulwesen. Wie aber soll Schule im Wandel von der Industrie- hin zur Wissensgesellschaft aussehen?

 

Von Thomas Duschlbauer

 

Mit dem Buchdruck begann auch das Ende des Mittelalters und die Neuzeit ist auch als eine Kampagne der Alphabetisierung zu sehen. Die unterschiedlich gesprochenen Sprachen wurden in ein für das Papier brauchbares Korsett der Schrift gezwängt. Allgemein nahm die Standardisierung ihren Lauf und legte das Fundament für die Industrialisierung, die nun durch ein funktionierendes Schulsystem auf disziplinierte Menschen mit einem Verständnis für verbindliche und schriftlich festgelegte Prozesse zurückgreifen konnte.

 

Die nun einheitlich festgelegte Schriftsprache wurde anfangs an den Schulen wie eine Fremdsprache gelehrt und wandelte sich so zur Umgangssprache. Die Schule ist also nicht bloß ein Ort der Bildung, sondern auch das Fundament für die Industrialisierung und den Nationalstaat – und die dort vermittelten Kulturtechniken waren für diese Bereiche von existenzieller Bedeutung. Gefragt waren die Disziplin in der Arbeit sowie die Identifikation mit der Heimat. Das Bildungsideal dieser Zeit folgte einer linearen Logik und der Vorstellung, dass sich der Mensch als autonomes Wesen über die Natur erheben soll.

 

Neue Kulturtechniken

Die seit dieser Zeit gültige Schulpflicht mit dem Ziel der Vermittlung von Kulturtechniken gibt es bis heute. Die Notwendigkeit zu deren Gebrauch hat sich allerdings relativiert. Denn während der Nationalstaat die Bürokratie hervorbrachte, führte uns die Industrie hin zum Massenkonsum mit den ihr eigenen Mechanismen der Vermarktung über diverse Kanäle der Kommunikation.

Zig Generationen haben ausschließlich mittels Büchern gelernt. Da es keine Alternative gab, wurde das Buch als Lernmedium nie hinterfragt. Bis jetzt: Die Digitalisierung verändert nicht nur Geschäftsprozesse und -modelle, sondern verlangt auch ein anderes Denken und neues Lernen. Bildungs- und Digitalisierungsexperte Dieter Duftner spricht von einer neuen Ära des Lernens, die anbricht. „Wir erleben derzeit eine Lernrevolution. Zum ersten Mal in der Geschichte löst sich Lernen von Ort und Zeit“

 

Seitdem 2007 das Betriebssystem iOS erschien und ein Jahr später auch Android nachrückte, verbreiteten sich Smartphones immer mehr. Ihre Verbreitung reicht heute so weit, dass ungefähr jeder dritte Mensch weltweit ein Smartphone besitzt. „Die digitalen Technologien haben die Art und Weise wie wir kommunizieren, arbeiten und in der Konsequenz lernen grundlegend und für immer verändert“, so Duftner.

 

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Nur ein Marketing-Gag?

 

Der Begriff Industrie 4.0 ist seit vielen Jahren allgegenwärtig und dennoch gibt es noch immer Missverständnisse und Irrtümer. Industrie 4.0 revolutioniert nicht nur große Unternehmen und sie endet keinesfalls am eigenen Werkstor.

 

Von Christian Wieselmayer

 

Zu diesen und anderen Irrtümern hat sich Winfried Felser, Unternehmensberater und stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Anwendungszentrums für Logistikorientierte Betriebswirtschaft in Paderborn ebenso geäußert, wie jüngst auch Automatisierungsexperte Udo Traussnigg, Studiengangsleiter Automatisierungstechnik der FH Campus 02 in Graz. Beide beschreiben und revidieren die größten Industrie-4.0-Irrtümer.

 

Nur ein Schlagwort von Marketingstrategen

Oft hört man, Industrie 4.0 sei nur ein Schlagwort von Marketingstrategen. Streng historisch betrachtet muss man sagen, dass das zum Teil auch seine Berechtigung hat, denn ursprünglich wurde der Begriff von der Deutschen Bundesregierung als Schlagwort kreiert. „Industrie 4.0 hat aber sehr wohl Substanz, Hintergrund und Strategie aufzuweisen“, meint Udo Traussnigg, „und geht damit weit übers reine Marketing hinaus.“ Was allerdings das aktuelle öffentliche Erscheinungsbild betrifft, könne man sich des Eindrucks  nicht erwehren, dass es sich lediglich um ein Marketinginstrument handle. Traussnigg: „Mit Industrie 4.0 entstand ein neuer, unverbrauchter Begriff, der als Träger für die Medienarbeit dienen konnte und sich voll durchgesetzt hat. Und erst die so entstandene breite Aufmerksamkeit in Industrie, Öffentlichkeit und Politik hat den enormen Vorschub der dahinter stehenden Philosophie und Technologien ermöglicht.“ Industrie 4.0 ist also sehr wohl ein Marketingschlagwort – gleichzeitig aber auch sehr viel mehr.

 

Foto: iStock.com/PhonlamaiPhoto

 

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