Aktuelle Ausgabe: Report 10/2018 - Nachhaltigkeit

 












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Wir bewerten falsch!

Unseren Bewertungs- und Messsystemen in der Wirtschaft und im Finanzsystem fehlt es an Nachhaltigkeit. Beispielsweise sagt das BIP wenig über den tatsächlichen Zustand einer Volkswirtschaft aus und schon gar nichts über seine Nachhaltigkeit. Längst werden von renommierten Ökonomen alternative Bewertungskriterien für das Messen wirtschaftlichen

Erfolges vorgeschlagen. Warum wir unsere ökonomischen Bewertungsmethoden dringend reformieren müssen und welche Alternativen es bereits gibt.


Begriffe wie „Wirtschaftswachstum“ oder „Bruttoinlandsprodukt“ liest und hört man beinahe täglich in den Medien, wodurch ihnen scheinbar schon eine sakrosankte Bedeutung in unserer Gesellschaft zukommt. Wie selbstverständlich werden unsere wirtschaftlichen Bemühungen und Erfolge mit anderen Ländern verglichen und anhand scheinbar objektiver und aussagekräftiger Bewertungsmethoden evaluiert und kategorisiert. Dadurch entsteht der Eindruck, als ließe sich die Welt adäquat einordnen und in wirtschaftliche Gewinner und Verlierer unterteilen.

Doch was messen wir mit unseren ökonomischen Bewertungssystemen eigentlich wirklich? Weltweit hinterfragen immer mehr Experten die Funktionalität und Aussagekraft unserer wirtschaftlichen Messmethoden und sehen darin zentrale Gründe, warum unser globales Wirtschaftssystem bis heute so wenig Nachhaltigkeit zulässt. Dabei sind sich viele Wirtschaftswissenschaftler weltweit inzwischen einig; um den Kapitalismus und die Weltwirtschaft nachhaltig und ökologischer gestalten und die Ziele von Umweltschutz und Klimaschutz erfolgreich umsetzen zu können, braucht es neue Arten der ökonomischen Erfolgsmessung. Mit anderen Worten, wir müssen unsere Werte ändern.

 

Das BIP hat ausgedient

 

Der heilige Gral der ökonomischen Erfolgsmessung ist bis heute das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP (englisch; Gross Domestic Product, GDP). Der Bewertungsindex wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt und geht in seinen theoretischen Anfängen auf Adam Smith, Thomas Robert Malthus und William Petty zurück. Es stammt also aus der Anfangszeit des materiellen Kapitalismus und beschreibt den Gesamtwert aller Güter, Waren und Dienstleistungen, die eine Volkswirtschaft in einem Jahr produziert. 

Doch was sagt das BIP eigentlich wirklich aus und kann man draus schließen wie hoch der Wohlstand einer Nation oder Region ist? Eher nicht, sagen Experten. Einerseits ist das BIP eine rein materielle Messgröße, die nur das Endprodukt einer Wertschöpfungskette misst. Unter welchen Arbeits- oder Umweltbedingungen die Güter hergestellt werden, ist für das BIP unerheblich. Auch ist es irrelevant, welche Güter hergestellt werden bzw. ob diese einen gesellschaftlichen Nutzen haben oder nicht. Andererseits können wir daraus auch keine Aussage treffen, wie es um die Wohlstandsverteilung, die Lebensqualität und andere immaterielle Güter in einer Gesellschaft aussieht. Beispielsweise tragen Produktion und Verkauf von Medikamenten und Waffen gleichermaßen für das BIP bei. Doch daraus lässt sich nicht schließen, wie gesund und sicher eine Gesellschaft ist. Im Grunde kann das sogar genau das Gegenteil aussagen. Eine hohe Produktion von Medikamenten oder Waffen kann auf eine besonders kranke und unsichere Gesellschaft hindeuten.

 

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„Grün“ steht hoch im Kurs


Der Markt für Green Bonds wächst

In einem diversifizierten und nachhaltig orientierten Portfolio finden Green Bonds – „grüne Anleihen“ – immer häufiger ihren Platz: Nicht nur der Bedarf, sondern auch die Nachfrage nach solchen Anlagen ist stark gestiegen.


 

Green Bonds sind Anleihen, die hauptsächlich ökologische Zielsetzungen und Renditeaspekte vereinen. Übergeordnet kann dieses Kapitalanlageinstrument zu nachhaltigen Produkten gezählt werden, die auch teilweise zum Segment des Impact Investing angehören, beispielsweise Solarkraftwerke und Windparks. Green Bonds haben ihre Ursprünge bei supranationalen Emittenten, wie der Weltbank oder der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Die Idee dahinter: Geld aus grünen Anleihen darf ausnahmslos nur für Umweltprojekte eingesetzt werden. Denn nur dann verdient eine grüne Anleihe diese Bezeichnung. Dieser Emittentenkreis erweiterte sich vor allem in den letzten Jahren auf Finanzdienstleister und andere Unternehmen. Immer mehr Staaten und Firmen begeben spezielle Anleihen zur Finanzierung von Umweltprojekten. Deshalb legt die EU jetzt Spielregeln für das Segment der Green Bonds fest. Das Vorhaben, das die EU Ende 2015 im Rahmen der Pariser Klimakonferenz beschlossen hat, ist durchaus ambitioniert. Das Abkommen COP21 der Vereinten Nationen sieht eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten vor. Um das zu erreichen, setzt man in der EU unter anderem auf den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Bis 2030 sollen klimaschädliche Emissionen im Vergleich zu 1990 um rund 40 Prozent reduziert werden. Der ehrgeizige EU-Plan hat aber seinen Preis und wird auf etwa 180 Milliarden Euro geschätzt. Dafür braucht man entsprechende Finanzierungsideen. Dazu erarbeitete im Vorjahr eine eigens geschaffene „hochrangige EU-Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen“ Empfehlungen. Diese wurden Ende Jänner 2018 der EU-Kommission überreicht. Einer der Eckpfeiler zielt dabei auf den Markt für „grüne Anleihen“ ab. Allerdings ist der Spielraum bei der Interpretation von „grün“ ziemlich weit gefasst. Deshalb feilt die Kommission jetzt an offiziellen, europäischen Nachhaltigkeitsstandards und -zertifikaten für Green Bonds. Damit sollen einerseits Staaten und Unternehmen ermutigt werden, noch mehr Green Bonds zu emittieren. Andererseits soll möglichem Wildwuchs ein Riegel vorgeschoben werden. „Auch wenn einheitliche Standards noch fehlen, so muss man doch betonen, dass die Branche hier schon erhebliche Arbeit geleistet hat. Nächster Schritt wäre es, zwei in der Praxis gängige Beurteilungsmethoden in eine bindende Richtlinie zu gießen. Dabei handelt es sich einerseits um freiwillige Richtlinien wie ‚Die Green Bond Principles 2017‘ und andererseits um die Einholung einer zweiten Meinung eines unabhängigen Datenanbieters, sogenannte ‚Second Party Opinions‘“, sagt Robert Striberny, Partner der Bank Gutmann AG und Leiter von Gutmann Salzburg.

 

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Plastik ist immer und überall

 

Nur etwa neun Prozent der neun Milliarden Tonnen Plastik, die bisher weltweit hergestellt wurden, sind nach Angaben der UNO bisher wiederverwertet worden. Plastikinseln im Meer, Mikroplastik im Grundwasser, Boden und in der Luft sind die Folge.


Am 9. September war es so weit: In der Bucht von San Francisco fiel unter regem Medieninteresse der Startschuss für eine ganz besondere Putzaktion: Mit Hilfe eines u-förmigen Schwimmkörpers, an dem ein drei Meter in die Tiefe reichender Vorhang befestigt ist, wurde zwei Wochen lang vor der kalifornischen Küste im Meer treibendes Plastik gesammelt. Mittlerweile ist der „System 001“ genannte Plastikfänger weiter gezogen und befreit den Nordpazifikwirbel zwischen Kalifornien und Hawaii, der als eine der größten Ansammlungen von Plastikmüll weltweit  gilt, von Plastik. Die eingesammelten Sackerln, Flaschen, Kanister, Fischernetze und anderen Gegenstände aus Kunststoff werden von einem Schiff eingesammelt, abtransportiert und an Land recycelt.

 

Was System 001 allerdings nicht einfangen kann, ist das ebenfalls im Meer treibende und kaum sichtbare Mikroplastik – Kunststoffteilchen, die nicht größer als fünf Millimeter sind. Denn der in den Ozeanen treibende Plastikmüll bleibt nicht in seiner ursprünglichen Form erhalten, sondern wird durch Gezeiten, Wellenbewegung und UV-Einstrahlung bis zur Pulverisierung zerkleinert. Vollständig abgebaut werden können sie dennoch nicht: Plastik ist biologisch „inert“, also sehr stabil und löslich, und daher auch kaum einer Mineralisation unterworfen. Gleiches gilt selbstverständlich für an Land weggeworfenen Plastikmüll. Der übrigens über die Binnengewässer ebenfalls wieder im Meer landet.

  

Autoreifen & Co.

Es tragen allerdings nicht nur Plastiksackerln, -flaschen und Verpackungsmaterialien zur Entstehung von Mikroplastik bei. Als einer der Hauptverursacher gilt etwa der Abrieb von Autoreifen.  Bereits 2014 ging die norwegische Umweltbehörde davon aus, dass mehr als die Hälfte des gesamten norwegischen Mikroplastikeintrags im Meer aus dieser Quelle stammt. Und selbst beim Waschen von Kleidung aus Kunststoff lösen sich Fasern, die als Mikroplastik enden. Neben diesem sekundären verunreinigt aber auch das primäre, also absichtlich hergestelltes Mikroplastik, die Umwelt. 

 

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