Aktuelle Ausgabe 7-8/2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: AK Steiermark, Erwin Scheriau, Norbert Kniat, Teresa Rothwangl, WK Steiermark, iStock.com/CGinspiration



Verantwortung verpflichtet!

Politische Verantwortung verpflichtet zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Wertschätzung. Ob Europapolitik, Bundespolitik oder Sozialpartnerschaft, Zusammenarbeit und Wertschätzung scheint aus der Mode gekommen zu sein. Warum wir eine Widerbelebung politischer Verantwortlichkeit brauchen und was sich Wien und Brüssel in der Steiermark abschauen können.

 

Von Stefan Rothbart

 

Verantwortung verpflichtet zur Zusammenarbeit und Wertschätzung. Beides scheint seit geraumer Zeit in Europa und auf nationaler Ebene nicht mehr zu funktionieren. Was die supranationale und nationale Ebene offenbar nicht mehr können, kompensiert die regionale Ebene.

Wer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt sowie soziale Sicherheit erreichen will, muss jedoch Zusammenarbeit und Wertschätzung leben können. Dazu verpflichtet die politische Verantwortung. Doch seit Ausbruch der Eurokrise vor etwa 10 Jahren, scheint diese überall in Europa zu erodieren. Die aktuelle Debatte um eine europäische Lösung zur Migration- und Asylfrage ist nur der letzte einer ganzen Reihe von Spaltkeilen, die in die europäische Einheit getrieben wurden.

 

Auch national ist der Ton seit der Nationalratswahl 2017 rauer geworden. Von der BVT-Affäre bis hin zum „Zwölf-Stunden-Tag“ reicht eine bereits ansehnliche Liste parlamentarischer Zuspitzungen, populistischer Verbalentgleisungen aller Couleurs inklusive.  

Um nicht täglich Analogien mit der ersten Republik bemühen zu müssen, hilft ein Blick auf die steirische Landespolitik, die unlängst mit einer Delegation in Brüssel ein selten gewordenes Bild der konstruktiven Einigkeit und Zusammenarbeit zwischen allen Regierungsparteien und Sozialpartner gezeigt hat. Die steirische Regierungskoalition zwischen den beiden traditionellen Großparteien SPÖ und ÖVP ist nicht nur die vorerst letzte große Koalition alter Machart, sondern hat von Landeshauptmann Voves bis Schützenhöfer bis heute zumindest eines bewiesen, dass konstruktive Zusammenarbeit in der Regierung und mit der Opposition, ungeachtet aller eventuell berechtigter Kritik, zu Stabilität und Erfolg führt.

 

Politische Verantwortung wahrnehmen, heißt Dialog und Zusammenarbeit. Das bedeutet keineswegs, dass man sich politisch in allem einig sein muss. Wichtig ist die Bereitschaft sich auf die Gegenseite einzulassen, wertzuschätzen und immer den Dialog zu suchen. Wo diese Bereitschaft vorhanden ist, werden Lösungen und Fortschritte erzielt. Wo sie fehlt entsteht Stillstand und gesellschaftliche Spaltung. Davon haben wir in Österreich und in Europa die letzten Jahre genug gehabt.

 

Europa: Führungslos und verantwortungslos

Mit Juli 2018 übernimmt Österreich die EU-Ratspräsidentschaft bis Dezember 2018. Große Herausforderungen stehen bevor und man erwartet sich nicht wenig von unserer neuen Bundesregierung. Die Liste der Baustellen in der Europäischen Union ist lang geworden. Bei allen aktuellen Krisen, gibt es vor allem eine übergeordnete Krise, nämlich die des politischen Systems in Europa.

 

Man hat es bisher nie geschafft, diesem vereinten Europa ein solides demokratisches Gerüst zu geben, das politische Akteure hervorbringt, die klar legitimiert sind, europäische Interessen zu vertreten. Was wir haben sind nationale Akteure, die nationale Interessen vertreten. Die demokratische Legitimation der EU-Kommission ist hingegen zu dünn, daran kann selbst die Aufwertung des EU-Parlaments kaum etwas ändern. Das hat zur Folge, dass es keine klare politische Verantwortlichkeit auf europäischer Ebene gibt, denn diese setzt voraus, jemand auch zur Verantwortung ziehen zu können. So lange europäische Politik nicht näher zu den Wählerinnen und Wählern gebracht wird, bleibt die Union führungslos und ein Stück weit auch verantwortungslos. Eine Rechenschaftspflicht gegenüber einem gesamteuropäischen Wahlvolk besteht für die handelnden Akteure nicht. Da braucht man sich über die entsprechenden populistischen und nationalistischen Gegenbewegungen quer durch alle Mitgliedsländer und über die fehlende Zusammenarbeit nicht wundern. Diese sind dann nur eine logische Konsequenz für das Fehlen echter politischer Verantwortlichkeit auf europäischer Ebene. Auf diesen zentralen Misstand sollte die Bundesregierung während ihres EU-Ratsvorsitzes nicht vergessen, hinzuweisen.

 

Foto: Land Steiermark

 

Den gesamten Artikel finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe.

Lithiumabbau - Seltene Erden in Kärnten

Rein wissenschaftlich gesehen gehört Lithium nicht zu den sogenannten Metallen der Seltenen Erden, selten ist das Leichtmetall jedoch trotzdem. Auf der Kärntner Weinebene im Bezirk Wolfsberg wurden nun erhebliche Vorkommen entdeckt und mit European Lithium plant ein Australisch-Österreichisches Unternehmen einen Abbau. Ein strategischer Glücksfall, der den Standort Kärnten nicht nur für die Rohstoffmärkte bedeutend macht, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze in die Region holen könnte.

 

Von Stefan Rothbart

 

Lithium ist einer der weltweit wichtigsten Rohstoffe für die gesamte Batterienherstellung und gewinnt mit dem stetigen Zuwachs an Elektroautos immer mehr an Bedeutung. Signifikante Lagerstätten gab es bisher nur in 14 Ländern wovon die überwiegend größten in Australien, Südamerika, Kanada, Russland und China anzutreffen sind. In Europa ist Lithium hingegen sehr selten. Lithiumreiche Pegmatitfelder gibt es u.a. nur in Finnland, Spanien und Portugal und eben in Österreich in Kärnten. Dem weltweit steigenden Bedarf und der damit verbundenen Preissteigerung auf den Rohstoffmärkten ist es zu verdanken, dass der Abbau kleinerer Vorkommen rentabel wird, denn grundsätzlich ist Lithiumgewinnung schwierig und kostenintensiv. Weltweit wird das Vorkommen von Lithium auf etwa 46,9 Millionen Tonnen geschätzt, wovon ca. 14,5 Millionen Tonnen in erschlossenen Mienen-Reserven lagern. Die EU ist einer der Hauptimporteure von Lithium und verbraucht 21 Prozent der weltweit gehandelten Kapazitäten.

 

Eine ergiebige Abbaustätte in der Mitte Europas ist also ein strategischer Vorteil, nicht nur wegen der Nähe zu den Verbraucherländern sondern auch was eine größere Unabhängigkeit von den internationalen Märkten anbelangt. Bis 2025 soll der weltweite Lithiumverbrauch pro Jahr um 6,4 bis maximal 9,3 Prozent steigen. Wesentliche Treiber dieses Wachstums ist die Automobilindustrie, die weltweit immer mehr Elektroautos erzeugt und absetzt. Demnach wird auch bis 2025 ein gehöriger Preisanstieg für Lithium erwartet. Laut dem Londoner Beratungsunternehmen Roskill ist der Preis für eine Tonne Lithium von 2.187 US-Dollar im Jahr 2004 auf 5.965 US-Dollar im Jahr 2015 gestiegen. Prognostiziert wurde bis 2025 ein weiterer Preisanstieg auf bis zu 10.240 US-Dollar. Das Industrial-Minerals-Magazin veröffentlicht aufgrund gestiegener Nachfrage allerdings bereits Preise im Bereich von 15.000-20.000 US-Dollar pro Tonne. Allein 2016 haben sich die Preise verdoppelt. Die Vorkommen in Kärnten an der Grenze zur Steiermark liegen in etwa 100 – 500 Meter Tiefe. Erste Tests und Probebohrungen haben ergeben, dass neben dem aufkonzentrierten sechsprozentigen Li2O Gehalt der Großteil abgebauten Gesteins absatzfähiges Material für diverse Nebenerzeugnisse ist. Laut den Plänen der Betreibergesellschaft European Lithium, die der Kärntner Landesregierung vorgelegt wurden, geht es um eine jährliche Abbaurate von 720.000 Tonnen Gestein, wovon ca. 11 - 12.000 Tonnen Lithium-Hydroxid pro Jahr gewonnen werden können. Der Gewinn pro Tonne soll bei rund 12.000 US-Dollar liegen. Die Kosten der Lithiumgewinnung werden auf 6.500 US-Dollar pro Tonne Lithium-Hydoxid geschätzt. Wenn alle Verfahren positiv abgeschlossen werden, könnte die Produktion Anfang 2021 starten. Die Gesamtinvestition in den Bergwerksbetrieb und für die Errichtung einer Lithium-Hydroxid-Gewinnungsanlage liegt bei 425 Millionen US-Dollar. Laut Kärntner Landeshauptmann Kaiser können unmittelbar bis zu 400 neue Arbeitsplätze und durch Ansiedelung weiterer Unternehmen bis zu 1.000 neue Jobs entstehen. Ein weiterer möglicher Standort für das Projekt wäre auch im steirischen Bezirk Deutschlandsberg gegeben, wo man quasi von der anderen Seite her bohren würde. Während das Land Kärnten um den Standort wirbt, kamen aus der Steiermark bisher eher verhaltene Töne.

 

Foto: European Lithium

 

Den gesamten Artikel finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe.

Leitspital Liezen – optimale medizinische Versorgung für die Obersteiermark

Mit dem Leitspital Liezen in Stainach-Pürgg wurde eine optimale Standortwahl für die Umsetzung des Regionalen Strukturplans für die Gesundheitsversorgung im Bezirk Liezen getroffen. Mit der Schaffung der neuen Leitspitäler sowie der Facharzt- und Gesundheitszentren reagiert das Land Steiermark auf die neuen Rahmenbedingungen im Gesundheitssystem und setzt wichtige Maßnahmen, um eine optimale Gesundheitsversorgung für die nächsten Generationen sicherzustellen.

 

 

Im Schatten des barocken Schloss Trautenfels soll das zukünftige Leitspital Liezen entstehen. Das Ziel ist die Bündelung von Kapazitäten an einem zentralen Standort, um eine bestmöglichste Erreichbarkeit und Versorgungssicherheit garantieren zu können. Das neue Leitspital soll den größtmöglichen Teil des Bezirks Liezen als Einzugsgebiet bedienen können, darauf wurden die Dimensionierung der Bettenzahl und die fachliche Struktur ausgerichtet. Ein Standort in der Gemeinde Stainach-Pürgg schließt die Gemeinden um Schladming ebenso in die 30-Minuten-Erreichbarkeit mit ein wie das gesamte Ausseerland. Im Osten ist weiterhin Admont eingeschlossen. Damit ist für ca 70.000 Menschen, was in etwa 88 Prozent der Bevölkerung im Bezirk entspricht, eine Erreichbarkeit innerhalb einer halben Stunde garantiert. Die Finanzierung eines Leitspitals mit geschätzten Bau- & Entwicklungskosten, inkl. Ausstattung von max. 250 Mio. Euro stellt den Landeshaushalt vor eine große Herausforderung. Nach ersten Prüfungen kommt sowohl eine Finanzierung über ein Public Private Partnership-Modell (PPP-Modell) wie auch eine klassische Finanzierung über den Landeshaushalt infrage. Eine finale Entscheidung wird im Rahmen der weiteren Umsetzung des Projektes getroffen werden.

 

Voraussetzung für die Schaffung des neuen Leitspitals ist der Regionale Strukturplan Gesundheit Steiermark 2025 (RSG-St 2025), welcher im Juni 2017 beschlossen wurde und vorsieht, die drei bestehenden Krankenhäuser in Bad Aussee, Rottenmann und Schladming zu einem großen Leitspital zusammenzufassen. Dadurch können die medizinischen Kapazitäten gebündelt und in Zukunft mehr Fächer angeboten werden als derzeit an den bisherigen drei Standorten zusammen. Das neue Leitspital wird somit die Qualität der medizinischen Versorgung für die Bevölkerung im Bezirk Liezen deutlich verbessern und die Attraktivität des Bezirkes für Ärztinnen und Ärzte erhöhen. Durch das breitere medizinische Angebot werden die Patientinnen und Patienten noch besser versorgt. Zudem sichern die höheren Fallzahlen die Behandlungsqualität und ermöglichen mehr Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für junge Ärztinnen und Ärzte. Darüber hinaus werden alle drei bisherigen Spitalsstandorte weiterhin zur Gesundheitsversorgung der Steirerinnen und Steirer beitragen. Es werden Gesundheitszentren und Facharztzentren entstehen, die die medizinische Versorgung im Bezirk Liezen ergänzen sollen.

 

Den gesamten Artikel inklusive Interview mit Gesundheitslandesrat Christopher Drexler finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe.

Hier finden Sie die vollständige Ausgabe der Wirtschaftsnachrichten Süd zum Nachlesen.