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aktuelle Ausgabe 02/2012

"Ich will länger arbeiten

Foto: Jupiterimags

An der Anhebung des Pensionsalters führt kein Weg vorbei, sagen die Experten. Und kritisieren,
dass es keine Anreize gibt, um länger im Berufsleben zu bleiben.

 

So schnell wie möglich in Pension gehen. Glaubt man Experten, dann ist der schnellstmögliche Rückzug in den Ruhestand in Österreich zu einer Art Volkssport geworden. Je früher, umso besser lautet die Devise. Mit dramatischen Folgen, wie die Daten des Forschungsprojekts SHARE, das europaweit die Alterung der Gesellschaft untersucht,
beweisen. In keinem anderen Land in Europa sind mehr Menschen in der Altersgruppe zwischen 50 und 64 Jahren in Pension. 46,5 Prozent der Männer und 48,8 Prozent der Frauen, um genau
zu sein. Zum Vergleich: In Schweden sind das gerade einmal 13,7 Prozent der Männer und 17,2 Prozent der Frauen. Den Luxus, sich trotz steigender Lebenserwartung mit 58 Jahren in den „wohlverdienten Ruhestand“ zu verabschieden, muss der Staat pro Jahr mit rund vier Milliarden Euro subventionieren, ganz einfach deshalb, weil die Beitragszahlungen der aktiven Bevölkerung
die Ausgaben für die Pensionen bei Weitem nicht decken. Fragt man Experten nach den Ursachen, warum es in Österreich im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern nicht gelingt, das gesetzliche Pensionsantrittsalter zu erhöhen, dann bekommt man recht unterschiedliche Erklärungen. Bernd Marin, Leiter des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung, sieht kulturelle Gründe. „Ich würde mir wünschen, dass unsere Mentalität näher an jener der nüchternen Schweizer oder Nordwesteuropäer wäre“, sagt er. „Dort wurde erkannt,
dass es sich bei den Pensionen um eine Existenzfrage handelt, es wurde rational diskutiert und Entscheidungen wurden getroffen.“ Zum Beispiel in den Niederlanden, in Deutschland und Dänemark. Dort hat man das gesetzliche Pensionsalter auf 67 Jahre angehoben, ohne dass es zu Protesten gekommen wäre. Rudolf Winter-Ebmer, Professor für Arbeitsökonomie an der Universität Linz, widerspricht Marins Einschätzug entschieden. „Mentalitäten verändern sich ja“, sagt er. „Es liegt viel mehr am österreichische Pensionssystem, das Menschen dazu konditioniert, sich zum frühestmöglichen Zeitpunkt pensionieren zu lassen.“ Denn länger im Berufsleben zu bleiben, das bringe keine ökonomischen Vorteile, sagt er. Wer in Pension gehen kann, der tut es.


Missverhältnis

Obwohl die Kosten den Sozialstaat an den Rand seiner Leistungsfähigkeit bringen, wie die Sozialpartner in ihrem Papier zur Anhebung des Pensionsalters vorrechnen. Gelingt es Sozialpartnern und Regierung nicht, das Steuer herumzureißen, dann droht das System zu implodieren. Die Rechnung ist einfach: Im Jahr 2010 waren in Österreich 1,47 Millionen Menschen in Pension. Mit der steigenden Lebenserwartung und der Pensionierung der geburtenstarken Jahrgänge werden das in knapp vierzig Jahren 2,66 Millionen Pensionsbezieher sein. Legt man die
Zahl der Pensionierten um auf die Zahl der beiträgezahlenden Berufsbevölkerung, wird das Missverhältnis noch deutlicher: Heute kommen auf eintausend Berufstätige 260 Pensionisten, 2050 werden es bereits 480 sein. „Die demografischen Veränderungen werden erhebliche finanzielle Auswirkungen auf alle Teilbereiche des Sozialsystems haben“, stellen die Sozialpartner in ihrem Reformvorschlag fest. Nur mit einer Erhöhung der Erwerbsbeteiligung könnten die sozialen Systeme gesichert werden. Eine Warnung, die die Weltbank dieser Tage für die Europäische Union mit viel mehr Nachdruck formuliert hat. Die Ökonomen der Weltbank haben errechnet, dass die Erwerbsbevölkerung in Europa bis 2050 um ein Fünftel schrumpfen werde. Zum Vergleich: In den USA wird die arbeitende Bevölkerung im gleichen Zeitraum um ein Viertel zunehmen. Für die Weltbank ist die Sache klar: Die Europäer haben die Wahl: Entweder sie erhöhen ihre Produktivität oder sie müssten sich von wesentliche Teilen ihres Sozialmodells schlicht und einfach verabschieden. Eine Warnung, die sich Sozialpartner und Regierung in Österreich zu Herzen nehmen sollten. Auch deshalb, weil die Kosten für Pensionen schon jetzt ganz gewaltig auf das Budget drücken und eine Trendwende ohne Anhebung des Pensionsalters nur dann zu erreichen wäre, wenn man Leistungen kürzt oder die Versicherungsbeiträge anhebt. Eine Alternative, die politisch weder durchsetzbar noch wünschenswert wäre, wie alle Experten
sagen. Wie schnell die Schere zwischen Einnahmen der Pensionsversicherungen und den ausbezahlten Pensionen auseinandergeht, haben die Sozialpartner ausgerechnet. Im Jahr 2010 lagen die Einnahmen der Kassen aus den Versicherungsbeiträgen bei knapp 20 Milliarden Euro, die Ausgaben jedoch bei mehr als 24 Milliarden. Ohne Reform wird der Staat 2014 bereits 9,7 Milliarden pro Jahr zu den Pensionen der Österreicher dazuzahlen müssen. Im Jahr 2050
würde bei Fortschreibung der geltenden gesetzlichen Regelungen die astronomische Summe von 32,4 Milliarden fällig. Eine Summe, die nicht mehr zu finanzieren ist.


Diskriminierend

Mit 58 Jahren, dem Durchschnittsalter in Österreich, in Pension zu gehen, das sei im Bewusstsein einer Mehrheit der Bürger ein Gewohnheitsrecht, sagt der Pesnionsexperte Marin. „Man ist empört, wenn diese Rechte infrage gestellt werden, auch wenn diese Rechte unhaltbar sind und schnurstracks in den Abgrund führen. Das ist kollektive Dummheit“, kritisiert Marin. Und spricht von einem „Pensionsanalphabetismus“, der es so schwer macht, in Österreich das Ruder
herumzureißen. Wie realitätsfremd die Pensionsdebatte in Österreich verläuft, das lässt sich wohl am besten mit dem Frauenpensionsalter demonstrieren. Frauen dürfen nämlich fünf Jahren früher in Pension gehen, so will es das Gesetz. Frauen sollten mit dieser Regelung entschädigt werden für die Doppelbelastung durch Familie und Beruf. In Wirklichkeit schreibt das niedrigere Pensionsalter die Diskriminierung auch noch im Ruhestand fort. Bernd Marin nennt es ein „vergiftetes Bonbon“. Eine Einschätzung, der auch der Linzer Arbeitsökonom Winter-Ebmer zustimmt. „Das niedrigerer Antrittsalter ist ein Karrierenachteil für Frauen“, sagt er. „Es
macht es Unternehmen schwerer, Frauen über 45 Jahren in höhere Funktionen zu befördern,
weil das Risiko besteht, dass sie diese Funktion nicht sehr lange ausfüllen werden.“
Hinzu kommt, dass das Frauenpensionsalter auch vom Europäischen Gerichtshof kritisiert wurde. Es verstößt schlicht und ergreifend gegen das in den Verträgen verankerte Diskriminierungsverbot. Weil dem Urteil des Luxemburger Gerichts auch die österreichische Regierung anerkennen muss, soll das Frauenpensionsalter ab 2024 schrittweise von 60 auf 65 Jahre angehoben werden, ab 2033 soll dann das einheitliche Pensionsalter von 65 Jahren für beide Geschlechter gelten.
Mutige, zukunftsfähige Reformen sehen anders aus.


Abgeschoben

Jahrelange politische Untätigkeit dürfte auch der Grund sein, warum Österreich auch bei den Berufsunfähigkeits- und Invaliditätspensionen im europäischen Spitzenfeld liegt. „Die Zunahme bei den Invalitätspensionen macht uns Sorgen“, sagt auch der Leiter der sozialpolitischen Abteilung der Arbeiterkammer Steiermark, Werner Anzenberger. Umso mehr, als sich auch die Ursachen der Arbeitsunfähigkeit in den letzten Jahren verschoben haben, und zwar weg von schweren
körperlichen Leiden hin zu Depression, chronischer Überbelastung und anderen psychiatrischen
Erkrankungen. Arbeiterinnen sind besonders betroffen. Mit steigendem Arbeitsdruck und geschlechtsspezifischer Doppelbelastung alleine lässt sich die Zunahme nicht erklären. Eine mindestens genauso große Rolle spielen bessere Erkennung und die Tatsache, dass man heute offener mit seelischen Leiden umgehen kann als in vergangenen Jahren. Anzenberger ist sicher, dass es in vielen Fällen nicht notwendig wäre, psychisch Kranke in Pension zu schicken, wenn man mehr in Therapie und Betreuung investieren würde. Aber genau da haben Sozialpartner und Versicherungsanstalten in den vergangenen Jahren auf ganzer Linie versagt, wie es scheint. Die Sozialpartner beauftragten eine Expertengruppe, sich die psychiatrische Versorgung für Menschen mit Burn-out und Depression genauer anzuschauen. Das Fazit der Experten war kurz und erschreckend. „Die Betroffenen werden alleine gelassen.“ Und der Einfachheit halber in die Berufsunfähigkeitspension geschickt. Eine zynische Praxis, bedeutet doch die Zwangspensionierung meist den Abstieg in Armut und Isolation, besonders für Frauen, die in schlecht bezahlten Jobs gearbeitet haben.


Altersarbeitslosigkeit

Die Statistik der europäischen Datenbank SHARE ist eindeutig: Pensionierung wegen Invalidität ist ein Unterschichtsproblem. Je unbefriedigender und nervtötender der Arbeitsalltag, umso größer ist die körperlichenund psychische Belastung und damit das Risiko,den Anforderungen einfach nicht mehr gewachsen zu sein. Für schlecht qualifizierte Arbeitnehmer bleibt dann nur noch der Weg in die Pension. Auch wenn sie ihren Job gerne behalten würden. Werner Anzenberger von der steirischen AK hält auch deshalb nichts davon, dem Problem mit einem höheren
gesetzlichen Antrittsalters zu Leibe zu rücken. „Wir müssen viel mehr in die Gesundheit der Arbeitnehmer investieren“, sagt er. „Wenn wir alle länger arbeiten sollen, dann müssen wir dazu auch fit genug sein.“ Gelinge es nicht, mit Prävention und Rehabilitation die Berufsunfähigkeit zurückzudrängen, dann werde sich an den Zahlen nichts ändern. Es sei denn, man schickt ältere Menschen in die Arbeitslosigkeit. Dass eine Erhöhung des Pensionsalters automatisch zu mehr
Altersarbeitslosigkeit führe, das behauptete kürzlich auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Dass das beliebte Argument aber den Tatsachen entspricht, das lässt sich empirisch nicht eindeutig belegen. Der Linzer Arbeitsökonom zitiert eine Schweizer Studie, die untersucht hat, welche Auswirkungen die schrittweise Anhebung der Frühpension vor zehn Jahren hatte. „Der Effekt war relativ groß“, sagt Winter-Ebmer. „In der betroffenen Altersgruppe ist der Anteil der Pensionisten um 20 Prozentpunkte zurückgegangen.“ Entgegen allen Erwartungen hatte mehr als die Hälfte dieser Gruppe ihre Jobs behalten. Winter-Ebmer rät, die Anhebung des Pensionsalters in kleinen Schritten in Angriff zu nehmen. Auch deshalb, weil sich längeres Arbeiten auf diese Weise leichter durchsetzen lasse. Zudem würde die Methode der kleinen Schritte Arbeitgebern helfen, sich auf die neue Situation einzustellen Denn dass eine längere Lebensarbeitszeit für die
Unternehmen zur Herausforderung werden wird, steht außer Streit. Arbeitsplätze müssen an die Fähigkeiten und Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer angepasst werden. Eine Aufgabe, die sich wohl nicht in wenigen Monaten erledigen lässt. Winter-Ebmers Empfehlung der kleinen Schritte dürfte bei den Arbeitnehmervertretern jedenfalls auf Zustimmung stoßen. Bernd Marin glaubt nicht, dass Sozialminister Rudolf Hundstorfer mit einer Anhebung von einem Jahr im Zeitraum von zehn Jahren die Finanzierbarkeit des Pensionssystem erreichen kann. „Das ist zu spät und zu wenig“, sagt er.

Innovation braucht Netzwerke

Foto: Symbolpictures

Sämtliche Studien und Vergleiche verweisen auf die Wichtigkeit von Innovation, um im globalen Wettbewerb erfolgreich zu agieren. Das schlummernde Potenzial hierzulande ist hoch und wird immer mehr zur Überlebensfrage für Unternehmen, sind sich Fachleute einig.

 

Europa ist mit Rohstoffen nicht gerade gesegnet, unsere wertvollsten Rohstoffe sind die Ideen, die wir auf den Markt bringen“, beurteilt Innovationsexperte DI Dr. Hans Lercher, Studiengangsleiter
für „Innovationsmanagement“ an der Grazer FH Campus02 die Wirtschaftslage. Rund 60 Prozent der heimischen Unternehmen haben zuletzt entweder neue oder merklich verbesserte Produkte auf den Markt gebracht, neue Prozesse in ihrem Unternehmen eingeführt, organisatorische Innovationen oder Marketinginnovationen eingeführt oder zumindest Innovationsaktivitäten durchgeführt, die auf die Einführung von Produkt- oder Prozessinnovationen abzielten. Dies zeigt eine Erhebung der Statistik Austria unter 3.500 Unternehmen. 

 

Innovation ist Umwandlung von Wissen in Geld und nicht umgekehrt

Rund ein Drittel der Unternehmen hat neue oder merklich verbesserte Waren oder Dienstleistungen auf den Markt gebracht. Mit diesen Produktinnovationen wurden im Krisenjahr 2008 rund elf Prozent der gesamten Umsätze erzielt. 5,5 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen dabei auf Marktneuheiten und rund sechs Prozent auf Produktinnovationen, die nicht neu für den Markt, aber neu für das Unternehmen waren. 21 Prozent der Unternehmen (zwei Drittel der Produktinnovatoren) haben Marktneuheiten auf ihren Markt gebracht. 43 Prozent der Unternehmen
haben entweder Produkt- oder Prozessinnovationen eingeführt oder Innovationsaktivitäten, die auf die Einführung derselben abzielten, durchgeführt und waren somit „technologische Innovatoren“.
35 Prozent der Unternehmen haben organisatorische Innovationen eingeführt, also neue organisatorische Methoden in der Geschäftspraxis, in der Arbeitsorganisation oder in den externen Beziehungen des Unternehmens. 27 Prozent der Unternehmen berichteten die Einführung von Marketinginnovationen. 40 Prozent der technologischen Innovatoren erhielten Förderungen von öffentlichen Einrichtungen für ihre Innovationen und 39 Prozent kooperierten bei ihren Innovationen mit anderen Unternehmen oder nichtkommerziellen Einrichtungen.

 

Steirer sind recht brave Innovatoren

Betrachtet man den Süden Österreichs genauer, so weist Lercher der Steiermark ein leicht überdurchschnittliches Zeugnis aus: „Wir bräuchten allerdings mehr mittelgroße Player, wie es uns die Oberösterreicher vormachen.“ Für die Steirer sei das Leben in der Komfortzone
immer noch sehr stark ausgeprägt, Motto: Den Status halten, nur nicht zu viel tun. Wiewohl Lercher die politische Aufbruchsstimmung in der Grünen Mark erstaunlich findet: „Das muss auch innovativ wirtschaftlich einen Schub geben.“ Auf die Frage, von wem denn Innovation getragen werde, räumt Lercher mit einem weit verbreiteten Irrtum auf, nämlich, dass Innovation nur von
Großen betrieben würde. Das sei viel zu kurz gegriffen. Innovation müsse man auch im Kleinen sehen, letztlich gehe es darum, dass man eine Idee derart entwickelt, dass sie einem der Kunde abkauft. Demnach splitte sich Innovation in die Bereiche Produkt, Prozess, Marketing, Service und Geschäftsmodell. „Wer also den Begriff Innovation nur mit Erfindung übersetzt, erfasst nur einen Bruchteil. Träger von Innovation sind vielfach die KMU, wobei man es teilweise mit dem Phänomen zu tun hat, dass manche Betriebe trotz besonderer Innovationsleistung oft nicht einmal über ihre Ortsgrenzen hinaus bekannt sind.“ Aber es gibt auch Beispiele, welchen Stellenwert man Innovation in manchen Firmen schon beimisst: „Die Firma Weizer Parkett etwa hat vor drei Jahren den Entschluss gefasst: Wir innovieren! Und heute arbeiten dort acht Leute an Innovation. Toll!“ Und inwiefern hat sich die Wirtschaftskrise auf die Innovationsfreudigkeit ausgewirkt? Dazu Lercher: „Ich unterscheide drei Arten von Umgang mit Innovation: erstens die Gruppe, die ohnedies innovativ ist, zweitens die Gruppe, die keine Innovation will, und drittens die Gruppe, die ein bisserl Innovation will. Ich behaupte, die zweite Kategorie ist in ein paar Jahren sowieso weg, weil man ohne Innovation nicht weiterexistieren kann.“


Gesundes Innovationsklima notwendig

Innovation setzt aber laut Lercher eine gewisse Unternehmenskultur und Gesinnung voraus: „Zu einem gesunden Innovationsklima gehört auch die Möglichkeit zu scheitern. Etwas Innovatives lässt sich nicht zu 100 Prozent sicher voraussagen. Man muss also ein dementsprechendes
Klima fördern, auch mit Investitionen, wo ich aber leider teilweise hierzulande eine geringe Freude orte. Innovation heißt auch, noch ein bisserl spinnen zu dürfen. Dafür braucht man Hirn und Herz,
diese Mentalität muss ein Chef vorleben.“ Zeichnen sich Trends im Innovationsmanagement ab? Lercher: „Ja, da gibt es natürlich einige Entwicklungen. Zum einen den Kunden möglichst früh zum Innovieren miteinzuladen, zum anderen das Croudsourcing, wo ein Innovationsauftrag an die Kunden zurückgeben wird und diese dann über Communities innovativ werden und Problemlösungen finden. Eine weitere Chance für die Zukunft sind Cross-industry-Innovationen, wo durch Firmenvernetzung erfolgreiche Neuerungen auch auf andere Branchen übertragen werden.“
Der Innovation sind keine Grenzen gesetzt. Blickt man über die steirische Grenze nach Burgenland, so hat man dort mit der Initiative „Gute Idee, Burgenland“ für burgenländische
Unternehmer ein Innovationspaket geschaffen, das im Wesentlichen aus den neuen Förderrichtlinien des Landes für Innovation, Forschung und Entwicklung sowie speziellen Beratungsleistungen besteht. Damit ist der Grundstein gelegt, um die Vorgabe des Landes
Burgenland, die Forschungs- und Entwicklungsquote bis 2020 auf 1,2 Prozent hinaufzuschrauben,
auch erfüllen zu können. Konkret weist das Burgenland mit einer aktuellen Forschungsquote von 0,6 Prozent in diesem Bereich ein Defizit auf. Daher wurde vom Land Burgenland im April 2010 der Aktionsplan „Innovationsoffensive Burgenland 2020“ in Auftrag gegeben und von der Wirtschaftsservice Burgenland AG (WiBAG) in Zusammenarbeit mit den burgenländischen Sozialpartnern entsprechend umgesetzt. Zur Förderung innovativer Projekte wurden zwei neue
WiBAG-Förderrichtlinien, nämlich die „Förderung von innovativen Ideen“ und die „Förderung
von innovativen Projekten“, entwickelt. Dafür stehen bis Ende der Strukturfondsperiode
2007-2013 Fördermittel in Höhe von 50 Millionen Euro zur Verfügung.

Eine Frage der Verantwortung

Foto: Eder

Unternehmen, die Werte vorleben, strategische Verantwortung für Gesellschaft, Umwelt und Mitarbeiter übernehmen und managen, sind dünn gesät. Doch die alten Grundsätze des ehrbaren Kaufmanns wie Fairness, Transparenz und Ehrlichkeit erleben dank CSR derzeit ein Revival, was langfristig und nachhaltig das Geschäft beleben soll.

 

Wirtschaftlich unsichere Zeiten fordern Unternehmen klare Entscheidungen und vorausschauende Strategien ab. Verantwortungsvolles Handeln ist angesagt. Meinte man noch vor wenigen Jahren mit einer Obstschüssel in jeder Büro-Etage der Öffentlichkeit ein gesundes Unternehmen vorgaukeln zu können, hat sich Corporate Social Responsibility (CSR) zu einem veritablen
Managementinstrument entwickelt, das sich zum entscheidenden Standort- und Wettbewerbsfaktor der Zukunft mausert. Die Österreichische Post AG strebt das Vor-
Wirtschaftskrisen-Niveau an, was aufgrund der makroökonomischen Faktoren kein leichtes Unterfangen ist. Dennoch oder gerade deswegen setzt Generaldirektor Georg Pölzl auf CSR. „Die Post ist im permanenten Kontakt mit den Menschen in unserem Land und Arbeitgeber für 20.000 Mitarbeiter. Nachhaltigkeit ist bei uns im täglichen Tun und Handeln geerdet.“ Im neuen Leitbild
formuliert die Österreichische Post ihre wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen
Aspekte als zusammengehörende Einheit. „Nur ein erfolgreiches Unternehmen kann seine gesellschaftliche Verantwortung langfristig wahrnehmen und einen angemessenen Beitrag leisten, um soziale und ökologische Bedürfnisse zu erfüllen“, ist Pölzl überzeugt. Das 1932 gegründete Unternehmen Palfinger mit Sitz in Salzburg zählt zu den international führenden Herstellern hydraulischer Hebe-, Lade- und Handlingsysteme und ist CSR-affin aus Überzeugung. Zweistellige
Zuwachsraten des Unternehmens zählten bis zum Krisenjahr 2008 zur Regel, und der Einbruch
der Realwirtschaft kam zwar nicht ganz überraschend, traf das Unternehmen deshalb aber nicht weniger hart. Der spanische Markt brach binnen weniger Wochen um sagenhafte 90 Prozent ein, und viele andere Staaten schwächelten, was Palfinger einen Umsatzrückgang von fast 50 Prozent bescherte. Obwohl es für knapp ein Drittel der Belegschaft keine Beschäftigung mehr gab,
entschied der Vorstand, die hoch qualifizierten Mitarbeiter zu behalten und lediglich 734
weltweit zu entlassen. Hätte die Krise einige Monate länger gedauert, wäre es eng geworden. „CSR kann nur funktionieren, wenn die Unternehmensführung diese Philosophie glaubwürdig vorlebt“, ist die Devise von Palfinger- Vorstandsvorsitzendem Herbert Ortner.

 

Schwierige Zeiten erfordern unkonventionelle Lösungen

„Die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen lassen sich nicht mehr mit den herkömmlichen Managementinstrumenten lösen“, stößt auch Karin Gastinger, Director
Consulting & Risk Services, PwC Österreich ins selbe Horn. „CSR oder Nachhaltigkeit soll dazu beitragen, dass Unternehmen langfristig profitabel sind“, hält sie fest. „Es geht um Zukunftssicherheit und genau darum, wie ich mein Geschäftsmodell heute so aufstelle, dass dieses Unternehmen auch noch in zehn, 20 oder 30 Jahren wirtschaftlich tragfähig sein wird. Grundlage dafür ist, dass wir entlang der eigenen Wertschöpfungskette des Unternehmens unsere
Umwelt schonen, möglichst ressourcenschonend wirtschaften und unseren sozialen Einfluss
verantwortungsvoll gestalten.“ Potenzial für die mittelständische Wirtschaft sieht Gastinger in der Implementierung der Nachhaltigkeit, also in die Eingliederung der ökologischen und sozialen Aspekte in die Geschäftsprozesse und deren Wertschöpfungskette. „Denn Ziel von KMUs soll es sein, sich in Zukunft über CSR strategisch zu differenzieren.“


KMUs mit CSR erfolgreich

„Die Wirtschaftskammer Österreich hat in bislang vier Bundesländern besondere Beratungs- und Trainingsprogramme für KMU durchgeführt“, erzählt Andreas Schneider von der Stabsabteilung
Wirtschaftspolitik der WKO. „CSR kann gut in ,Best-Practice-Beispielen‘ transportiert werden. So musste beispielsweise ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern einen neuen Industriekompressor anschaffen. Die Abwärme dieses Kompressors wird nun genutzt, um Warmwasser für die Duschen der Mitarbeiter zu erzeugen, was Strom und Geld spart und langfristig auch die Umwelt schont. Diese Synergie- Effekte von Ökologie, Gesellschaft und Wirtschaft zu nutzen, macht CSR aus. Womit auch gleich die Frage beantwortet wäre: Kann CSR wirtschaftlich etwas bringen? Wenn es einem Unternehmen langfristig nichts bringt, wird es CSR nicht machen.“ Jedes Unternehmen wird nicht umhinkommen, herauszufinden, wo seine Handlungsfelder im Bereich Ökologie, Soziales und Gesellschaft liegen. „Sind die Themen jedoch erkannt, geht es ans Zielesetzen und diese auch messbar zu machen. Daraus entwickelt das Unternehmen jene Maßnahmen, die es heute zu erledigen hat, um seine für die Zukunft gesetzten Vorhaben erreichen zu können. Und das gilt für alle Unternehmen, auch für EPUs, die sich vielversprechend
am Markt positionieren“, ist Gastinger überzeugt. 99,7 Prozent aller österreichischen Betriebe sind KMUs, die traditionell stark in regionale Strukturen eingebunden sind. Da ist es naheliegend,
dass Wertschätzung im Umgang mit Geschäftspartnern, Mitarbeitern, die schonende Nutzung der Umwelt sowie soziales Engagement in der Gemeinschaft Teile des wirtschaftlichen Erfolgs sind.
Dass Nachhaltigkeit in der Baubranche ein zentrales Thema ist, kann wohl niemand bestreiten. Mit konkreten Maßnahmen für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen macht die planende Baumeisterin Sandra Höbarth ihr Unternehmen zukunftssicher. Die Verarbeitung regionaler und umweltfreundlicher Produkte sowie die Berücksichtigung von Umweltbelastung und ökologischem Fußabdruck als Bestandteil eines jeden Bauvorhabens bringt Kundenvorteile und Unternehmenserfolg. Als Einzelunternehmerin ist für Höbarth die Mitarbeit in Netzwerken wie der Niederösterreichischen Bauinnung oder der Unternehmenskooperation „Alle 8ung“,
bei der sich ursprünglich acht regionale Betriebe mit dem Ziel eines optimalen Kundenservice
zusammengeschlossen haben, fixer Bestandteil ihrer CSR. Die Verbreitung nachhaltiger Ideen steht ebenso auf dem Programm wie kontinuierliche Weiterbildung, damit Sandra Höbarth ihren Kunden stets Lösungen am neuesten Stand anbieten kann.


CSR ist Teamwork

„Natürlich gehören auch die Konsumenten dazu, die ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit
leisten“, betont Andreas Schneider. „ Es kann nicht sein, dass nur ein Teil der Gesellschaft
nachhaltig ist, auch die Politik und die Medien sind dazu aufgerufen.“ Der Golfplatz im salzburgischen Goldegg entstand aus der Verantwortung für die Region Goldegg, da der Golfplatz mit durchschnittlich 5.000 Greenfee-Spielern Arbeit für rund 20 Mitarbeiter bietet. In der Implementierung stellte sich die Aufgabe, die bereits vorhandenen CSR-Maßnahmen im Unternehmen zu sammeln und zu strukturieren. Neben den Grundsätzen der Unternehmensführung wie Verlässlichkeit und Handschlagqualität gilt auch der faire Umgang mit Mitarbeitern durch gute Bezahlung und flexible Arbeitszeiten, aber auch der sensible Bereich
des Umweltschutzes. Alle diese Bereiche wurden anhand der drei Säulen Ökonomie, Soziales und Ökologie analysiert.

"Ich bin optimistisch"

Foto: Bundesveeinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Der deutsche Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärt im Wirtschaftsnachrichten-Interview, warum sich Deutschland und Österreich trotz Konjunkturpessimus gut behaupten werden.

 

Deutschland ist Österreichs wichtigster Wirtschaftspartner. Für die Steiermark
und ihre Zulieferindustrie ist Deutschland der wichtigste Exportmarkt. Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Hinter uns liegen wirtschaftlich zwei außerordentlich erfreuliche Jahre. Auch für die Zukunft sind die Chancen beider Länder für eine gesunde und robuste Entwicklung gut. 2012 wird die Konjunktur im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Jahren zwar etwas abgeschwächt verlaufen. Insgesamt werden sich Deutschland und Österreich aber gut behaupten. Beide Länder werden besser abschneiden als andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union – vorausgesetzt,
dass sich die europäische Staatsschuldenkrise nicht zu einem Hagelschlag verschärft.

 

Österreichs Ruf scheint nach den Korruptionsaffären angeschlagen. Werden die Affären Auswirkungen haben auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland?

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern waren und sind hervorragend.
Sie werden dies auch in Zukunft sein.

 

Was würden Sie der österreichischen Politik raten, um Imageschäden von der heimischen Wirtschaft zu vermeiden?

Die Politik ist immer am besten beraten, wenn sie strittige Sachverhalte zügig und transparent aufklärt.

 

Die Ratingagentur Standard&Poor’s hat Österreich das Triple-A aberkannt. Ist dieses Downgrading in Ihren Augen gerecht?

Österreich wird vor allem auch durch das nachbarschaftliche Umfeld belastet, etwa die Länder Ungarn und Italien. Es ist aber nicht hilfreich, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Alle Staaten der Eurozone müssen alle Anstrengungen unternehmen, um die Staatsverschuldung wieder in den Griff zu bekommen und bessere Bedingungen für mehr Wirtschaftsdynamik zu schaffen – auch Länder mit einem Triple-A. Deutschland und Österreich sind gleichermaßen gefordert, drängende Strukturreformen konsequent umzusetzen.

 

Seit Monaten ringen Europas Staatsund Regierungschefs um eine Lösung in der Euro-Krise. Ohne Erfolg, wie es scheint. Warum kommt die EU nicht aus der Krise?

Es gibt keine Lösung aus dem Lehrbuch und insbesondere keine, die sofort wirksam ist.
Die Situation, in der sich die Europäische Union gerade befindet, ist äußerst komplex. Insgesamt ist die EU mit den jüngsten Gipfel- Beschlüssen auf dem richtigen Weg. Mit den notwendigen besonnenen, aber auch entschiedenen Schritten kann Europa die zu einem großen Teil selbstverschuldete Krise meistern. Ich bin optimistischer als vor einigen Monaten.


Sind verfassungsrechtlich garantierte Schuldenbremsen die richtige Antwort auf die Schuldenkrise?
Wirksamere Regeln wie nationale Schuldenbremsen und Sanktionen sind dringend erforderlich,
um die ausgeuferten Staatsschulden einzudämmen. Aber auch ein dauerhafter Rettungsschirm, der an strenge Bedingungen geknüpft ist, sowie ein geschärfter Stabilitäts- und Wachstumspakt sind entscheidende Voraussetzungen für die Lösung der Krise.

 

Bergen sie nicht die Gefahr in sich, dass eine europaweite Austeritätspolitik nicht die Verschuldung bremst, sondern vielmehr das Wachstum?
Wirtschaftswachstum, das durch eine unverantwortliche Staatsverschuldung finanziert
wird, ist nicht nachhaltig und ist auf Dauer nicht möglich. Die Krise muss mit einer
Doppelstrategie angegangen werden: Die Haushalte müssen ausgabenseitig konsolidiert werden, gleichzeitig sind wachstumsfördernde Strukturreformen notwendig. Insgesamt muss deutlich mehr für die Wettbewerbsfähigkeit der 27 EU-Länder getan werden.

 

Was halten Sie von gemeinsamen europäischen Staatsanleihen? Für viele sind Eurobonds der logische nächste Schritt einer sinnvollen europäischen Vergemeinschaftung.
Die aktuellen Probleme sind nicht durch Eurobonds zu lösen. Sie sind gegenwärtig das
falsche Mittel, weil sie es den schwächeren Ländern erleichtern würden, sich zulasten der stärkeren Länder noch mehr zu verschulden. Entscheidend ist, dass zunächst einmal
die Staatshaushalte konsolidiert werden. Dafür ist und bleibt eisernes Sparen unabdingbare
Voraussetzung.


Der neue deutsche Präsident des EUParlaments, Martin Schulz, beklagt, dass die Krisendiplomatie der Staatsund Regierungschefs den Parlamentarismus in Europa schwächt. Ist eine echte Vergemeinschaftung der Wirtschafts- und Fiskalpolitik ein sinnvoller Schritt?
Die Parlamente müssen die Regierungen insbesondere bei Haushaltsfragen streng überwachen.
Staaten, die dauerhaft und zum Schaden aller über ihre Verhältnisse leben, darf es in Zukunft nicht mehr geben. In Europa muss grundsätzlich Einigkeit über die Zielsetzung bessere Wettbewerbsfähigkeit und mehr Wirtschaftsdynamik bestehen. Wenn Europa seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt behaupten will, brauchen wir eine stärkere
Abstimmung der Fiskalpolitik – mindestens innerhalb der Eurozone.


Ist es nicht hoch an der Zeit, die Währungsunion durch eine echte politische
Union abzusichern und der Kommission echte Durchgriffsrechte auf nationale Budgets zu gewähren?
Die Währungsunion wird sich auf mittlere Sicht zu einer politischen Union weiterentwickeln.
Wie genau und weit das gehen soll, wird noch intensiv zu diskutieren sein. Es ist zunächst ein wichtiger Schritt, dass die Fiskalpolitik innerhalb der EU künftig besser koordiniert wird und Verstöße gegen die Maastricht-Kriterien mit automatischen Sanktionen verknüpft werden.

Millionenpaket ist geschnürt

Foto: APA/Roland Schlager

Innovation, Forschung und Entwicklung sind die kräftigsten Motoren, die unsere Wirtschaft ankurbeln. Und Österreich gibt auf dem Weg zur führenden Forschungsnation kräftig Gas. 22 heimische Unternehmen haben sich verpflichtet, ihre Forschungsausgaben bis 2015 um 20 Prozent zu steigern.

 

Die von Infrastrukturministerin Doris Bures gestartete Initiative „Innovationsland Österreich“ ist ein klares Bekenntnis zum Innovationsstandort Österreich. Eine WIFO-Untersuchung belegt, dass Unternehmen mit hohen F&E-Investitionen – das sind rund zehn Prozent – die Krise besser überstanden haben als Unternehmen mit geringen oder gar keinen Investitionen. Seit 2008 beträgt
der Vorsprung im Beschäftigungswachstum im Durchschnitt zwei Prozentpunkte pro Jahr, beim Umsatzwachstum macht der Wachstumsvorsprung sogar acht Prozentpunkte aus. Unternehmen mit den höchsten F&E-Investitionen – das sind 20 Prozent und mehr – haben seit 2008 pro Jahr durchschnittlich fünf Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen. Unternehmen mit hohen Investitionen in F&E haben 2010 im Durchschnitt eine um 15 Prozentpunkte höhere Exportquote gegenüber
Unternehmen mit geringen oder mittelhohen Investitionen in F&E. „Die öffentliche Hand und Unternehmen können gemeinsam das ambitionierte Ziel erreichen, die Forschungsquote von gegenwärtig 2,79 Prozenten auf 3,76 im Jahr 2020 zu steigern“, erklärte Ministerin Bures. „Länder, denen es nicht gelingt, ihre Realwirtschaft wettbewerbsfähig zu halten, haben
die größten Probleme.“ 22 Unternehmen haben bereits die Deklaration „Innovationsland Österreich“ unterschrieben, und gehen damit die Verpflichtung ein, die Dynamik ihrer Innovationstätigkeit weiter auszubauen. Das stärkt den Technologiestandort Österreich mit seiner
wissensbasierten Wirtschaft und erhöht die gesamtwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Im August des vergangenen Jahres unterzogen sich bei den Alpbacher Technologiegesprächen elf Unternehmen dieser Selbstverpflichtung. Zu den Unterzeichnern zählen Infineon, Magna, Lenzing, KTM, Kiska, AT&S, AVL-List, Geoville, Doppelmayr, Marinomed und TTTech.

 

Neu hinzu kommen:


Baxter Innovations GmbH
Mit Standorten in Wien und Orth an der Donau, wo die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten
des Unternehmens in Österreich gebündelt sind. Zwei Drittel der Forschungsaktivitäten
von Baxter – zum Beispiel die Erforschung neuer Impfstoffe, neuer therapeutischer Proteine, Stammzellentherapien oder Substanzen zur Wund- und Knochenheilung – finden in Österreich statt. Mehr als 75 Prozent der für Baxter BioScience – den forschungsintensivsten Bereich des Unternehmens – tätigen Wissenschaftler sind in Österreich ansässig: Rund 900 Forscher aus dem In- und Ausland arbeiten hier an neuen Wirkstoffen und der Weiterentwicklung bereits am Markt befindlicher Medikamente.

 

Bernecker + Rainer Industrie Elektronik Ges.m.b.H
ist ein internationaler Konzern, der sich mit seinem Gespür für Marktentwicklungen und Trends und dem Willen, High-tech-Lösungen zum Nutzen der Kunden anzubieten, zum Innovations- und Technologieführer in der Automatisierungstechnik-Branche hinaufkatapultiert hat. Vom Prototyp bis zur Serie wird jede Komponente am Standort im oberösterreichichen Eggelsberg gefertigt.
Modernste Fertigungsmethoden, neueste Technologien und vollautomatische Test und Prüfverfahren führen zu Produkten auf höchstem Qualitätsniveau.

 

Borealis AG
ist ein weltweit tätiger Anbieter von Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) in den
Bereichen der Infrastruktur (Rohrsysteme, Energie- und Kommunikationskabel), Automobile und hochwertigen Verpackungen. Die von Borealis AG produzierten Kunststoffe werden zu Produkten, wie etwa Lebensmittelverpackungen, medizinischen Utensilien, Windeln, Energie- und Telekommunikationskabel, Autoteilen sowie sanitären Rohrsystemen, verarbeitet. Hauptsitz des Unternehmens ist Wien. Das Hauptgeschäft findet primär in Europa statt, Industrieanlagen befinden sich in Österreich, Deutschland, Belgien, Finnland, Schweden, Italien, Brasilien und der USA. Zusätzlich gibt es zwei Innovationszentren in Schweden und Finnland sowie das European Innovation Headquarter in Linz, Österreich.

 

BRP-Powertrain GmbH & Co KG
ist ein österreichischer Motorenhersteller (Tochterunternehmen der kanadischen Firma
Bombardier Recreational Products BRP) mit Sitz in Gunskirchen in Oberösterreich. Unter
dem Markennamen Rotax, unter dem die Firma auch in der Öffentlichkeit bekannt ist,
produziert BRP-Powertrain Hochleistungsmotoren für Schneeschlitten, Jet- und Sportboote,
Geländefahrzeuge (ATVs und Quads), dreirädrige Roadster und für Motorräder
sowie für leichte Sportflugzeuge, Ultraleichtflugzeuge, Motorsegler, Heißluft- Luftschiffe und Karts.

 

FACC AG
ist eines der weltweit führenden Unternehmen in Design, Entwicklung und Fertigung
von fortschrittlichen Faserverbundkomponenten und -systemen für die Luftfahrtindustrie.
Durch kontinuierliche Investitionen in F&E konnte das Unternehmen seine Position
in der Wertschöpfungskette der Flugzeugindustrie ausbauen und somit trotz der Wirtschaftskrise
den Wachstumskurs beibehalten. So ist z.B. der Mitarbeiterstand seit 2006 um jährlich ca. vier Prozent angestiegen.

 

Fronius International GmbH
beschäftigt sich seit 1945 mit der Wandlung von Energie und konnte sich durch kontinuierliche
Investitionen in Forschung und Entwicklung in den Sparten Batterieladesysteme,
Schweißtechnik und Solarelektronik international positionieren und als Technologieführer
etablieren. Die Aufwendungen für F&E und die Anzahl der F&E MitarbeiterInnen konnten in den letzten Jahren stark gesteigert und der Standort Wels zum zentralen F&E Standort des Konzerns ausgebaut werden. Fronius wurde 2009 mit dem Staatspreis Innovation ausgezeichnet.

 

Knowles Electronics Austria GmbH
Knowles Sound Solutions ist mit rund 30 Prozent Marktanteil seit Jahren weltweiter Markt- und
Technologieführer bei Mini-Lautsprechern für Mobiltelefone. Die Top Ten der weltweiten Handy-hersteller setzen für ihre Geräte auf Lautsprecher von Sound Solutions. Über fünf Milliarden Soundprodukte wurden bisher verkauft. Seit 2001 steuert der Wiener Standort eine Tochterfabrik in Peking, die schwerpunktmäßig für den asiatischen Markt produziert.

 

NXP Semiconductors Austria GmbH
Das Entwicklungszentrum für RFID-Halbleiter in Gratkorn ist dank kontinuierlicher
Investments in Forschung und Entwicklung Weltmarkt- und Technologieführer bei Halbleitern
für hochsichere Smart Cards und für kontaktlose elektronische Identifikationssysteme.
Das weltweite Kompetenzzentrum entwickelt die gesamte Bandbreite von kontaktlosen Halbleitern für Smart Labels/Tags, Smart Cards und Automotive-Anwendungen. In Gratkorn wird auch die Near-Field- Communication (NFC)-Technologie entwickelt, die eine drahtlose Datenübertragung über wenige Zentimeter ermöglicht.

 

Rosenbauer International AG
Rosenbauer ist im abwehrenden Brand- und Katastrophenschutz der führende Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen weltweit. Mit der breiten Palette an kommunalen Löschfahrzeugen und Hubrettungsgeräten nach europäischen sowie US-Normen (NFPA), der umfassenden Baureihe an Flughafen- und Industriefahrzeugen, modernsten Löschsystemen und feuerwehrspezifischer Ausrüstung ist Rosenbauer der Vollsortimenter der Branche. Das zentrale Know-how liegt in komplexen, nach Kundenanforderungen gebauten Löschsystemen und Feuerwehrfahrzeugen. Alle
dazu erforderlichen Prozesse sind unter einem Dach vereint, nämlich Entwicklung und
Produktion der gesamten Löschtechnik, der feuerwehrtechnische Aufbau sowie die passende
Steuerung des Gesamtsystems.

 

voest alpine Stahl GmbH
Die voestalpine Stahl GmbH ist eine 100- prozentige Tochtergesellschaft der voestalpine AG, fungiert innerhalb des Konzerns als Leitgesellschaft der Division Stahl und ist ein verlässlicher Partner der Automobil-, Bau-, Hausgeräte- und Energieindustrie. Die voestalpine Stahl GmbH betreibt in Linz ein voll integriertes Hüttenwerk, das zu den modernsten Werken Europas zählt. Das Kerngeschäft der voestalpine Stahl GmbH liegt im Bereich der Flachprodukte. Stahlbänder
und die in einer Tochtergesellschaft produzierten Grobbleche bilden die Basis für die weiterverarbeitenden Schritte. Durch in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigerte
F+E-Aktivitäten, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht zurückgenommen, sondern weiter ausgebaut wurden (2011 ca. 111 Millionen Euro), konnten in allen fünf Divisionen (Stahl, Edelstahl, Bahnsysteme, Profilform, Automotive) die starken Marktstellungen gehalten bzw. sogar
ausgebaut werden. In allen Kernsegmenten hält man eine Spitzenpositione und ist entweder
Weltmarktführer, europäischer Marktführer oder europäischer Top-3-Lieferant.

 

Wolford AG
Das österreichische Unternehmen Wolford mit Sitz in Bregenz und insgesamt 1.058
Mitarbeitern ist ein international tätiger Konzern, der für höchste Qualität im Strumpfund
Lingeriebereich steht. Die überwiegende Produktion im Inland (Bregenz 87 Prozent, Feldbach fünf Prozent, Slowenien acht Prozent) sichert eine hohe Wertschöpfung für Österreich. In Bregenz steht eine F&E-Abteilung mit aktuell 70 MitarbeiterInnen und einem jährlichen F&E-Aufwand von 7,2 Millionen Euro bereit.

Energiemarkt zeigt auf Grün

Foto: pixelio.de

Die Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte vor gut zehn Jahren war ursprünglich als Beitrag zur
Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft gegenüber Japan und den USA und innerhalb der EU gedacht. Was hat der freie Wettbewerb gebracht? Wie wechselfreudig sind die Unternehmen bei der Wahl ihrer Energieversorger? Fragen, die allesamt von einem Trend überstrahlt werden: dem Wechsel zu Ökostrom.

 

Die vollständige Liberalisierung des österreichischen Elektrizitätsmarktes mit 1. Oktober 2001 ermöglichte allen Stromkunden die freie Wahl ihres Lieferanten; Gaskunden konnten ein Jahr später ihren Lieferanten frei wählen. Die Erfahrungen der Regulierung in den vergangenen zehn Jahren seit Beginn der Liberalisierung (bzw. neun Jahren bei Erdgas) sind im Wesentlichen positiv. Insgesamt wurden die Netzkosten sowohl im Strom- als auch Gasbereich seit Beginn
der Liberalisierung bei gleichbleibend hoher Versorgungssicherheit massiv gesenkt.
Für die Netzkunden ist es so zu Einsparungen bei den Netztarifen von rund 640 Millionen Euro gekommen. Horizontale Zusammenschlüsse zwischen Endkundenanbietern reduzierten die Zahl der Anbieter deutlich, der erwartete Markteinstieg neuer Anbieter und dadurch eine Zunahme
der Wettbewerbsintensität sind jedoch ausgeblieben. Volkswirtschaftlich gesehen haben sich die Reformen positiv ausgewirkt: Nach einer umfassenden Analyse wäre das Bruttoinlandsprodukt um etwa ein Prozent niedriger, wenn es keine Liberalisierung gegeben hätte. Dies entspricht etwa knapp drei Milliarden Euro an österreichischer Wertschöpfung (Gewinne und Gehälter), die ohne
Liberalisierung nicht erwirtschaftet würden. Die Konsumausgaben wären um knapp 500 Millionen Euro niedriger. Zusätzlich gäbe es um etwa 3.000 Beschäftigte weniger in Österreich. Der Verlust an etwa 5.000 Arbeitskräften in der E-Wirtschaft wird durch den Gewinn von etwa 8.000 Arbeitskräften in anderen Wirtschaftssektoren mehr als kompensiert. Die Effizienzgewinne in der
Energiewirtschaft haben also unter dem Strich zu Einkommensgewinnen in Österreich geführt. Auch die Endkunden konnten an den Einkommensgewinnen teilhaben: Von 2001 bis 2009 haben sie insgesamt etwa 10 Milliarden Euro geringere Strompreise und um 1,3 Milliarden Euro geringere Gaspreise als in einem Szenario ohne Liberalisierung gezahlt. Der öffentliche Eindruck , die Strompreise seien dennoch stetig gestiegen, ist demnach nicht richtig. Im Gegenteil: Die
Strompreise sind weniger gestiegen als die allgemeine Teuerung, Strom ist bezogen auf die Kaufkraft billiger geworden.

 

Trend zur Strom-Ökologisierung

Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien wird in Zukunft ein immer zentralerer Punkt bei der Energieversorgung. Stichworte wie Nachhaltigkeit, die europäischen Zielsetzungen rund um Klimaschutz und Ausbau von erneuerbaren Energien sind maßgeblich für eine weitere Forcierung und die Förderung von Grünstromtechnologien. Diesem Trend kommt in der Steiermark ein Zusammenschluss „regionaler fairsorger“ unter dem Titel „Öko-Styria“ schon jetzt entgegen,
wie Netzwerkmanager DI Helmut Brückler erklärt: „Rund 200.000 SteirerInnen werden derzeit von unseren 16 fairsorgern mit verschiedensten Diestleistungen, hauptsächlich mit Energie, versorgt.“ Damit ist man in der Steiermark nach der EStAG die Nummer zwei unter den Versorgern. Angesprochen darauf, ob die Liberalisierung des Marktes im Bereich von Industrie und Gewerbe die Wechselfreudigkeit des Versorgers bei Unternehmen gehoben hat, schwächt Brückler die Erwartungshaltung ab. „Die Kunden sehen sich zwar das Preis-Leistung-Verhältnis schon an, aber wegen ein paar Euro mehr oder weniger den Stromversorger zu wechseln, tun sich dann doch nicht viele an. Wir versorgen regional, fair und umweltbewusst und punkten hauptsächlich als Versorgungsunternehmen vor Ort, das seine Kunden mit Strom, Gas, Wasser, Internet, Kabelfernsehen, ja sogar als Beerdigungsinstitut bedient. Dabei hat sich Öko-Styria verpflichtet, in der Steiermark nur Ökostrom aus Sonne, Wind und Wasser zu generieren, also naturnah und CO2-frei. Kleingewerbliche Unternehmen, die bei uns Kunden sind, verwenden diese ökologische Ausrichtung mittlerweile immer öfter als Marketinginstrument und kommen somit dem Wunsch der Bevölkerung nach. Nicht von ungefähr sehen 80 Prozent der SteirerInnen den Umweltschutz
als vordergründigste Aufgabe im verantwortungsvollen Denken und Handeln. Manche Haushalte fordern von ihrem fairsorger sogar kleine emaillierte Zertifikats-Tafeln an, um ihre umweltbewusste Gesinnung zu dokumentieren.“ Wie sieht laut Energie-Experten Brückler die Zukunft des heimischen Energiemarktes aus? Neben der Ökologisierung wird Österreich wahrscheinlich ex lege atomstromfrei sein, ein dementsprechendes Gesetz ist derzeit gerade in Begutachtung. Weiters erwartet Brückler eine Preisreduktion bei Kleinanlagen, z. B. Photovoltaik-Anlagen, deren Preise schon jetzt jährlich um 20 Prozent fallen. Umso mehr werden dichte Versorgungsnetze an Bedeutung gewinnen.

 

Auch in Kärnten setzt man auf Ökostrom

Ähnlich wie in der Steiermark zeigen sich die Entwicklungen auch auf dem Kärntner Energiemarkt. Dort agiert mit der Kelag einer der größten österreichischen Energieanbieter. Befragt nach der Wechselfreudigkeit der Kunden sagt Kelag-Vorstand Univ.-Prof. DI Dr. Hermann
Egger: „Im Bereich Industrie ist die Wechselfreudigkeit hoch, in den anderen Bereichen niedrig“, wiewohl man als Kelag natürlich prinzipiell am freien Markt sehr erfolgreich agiere. Auch was die Frage der Ökologisierung des Energiesektors betrifft, beziehtdie Kelag eine deutliche Position: „Die Kelag ist einer der großen Stromerzeuger ausschließlich aus erneuerbarer Energie, vor allem
aus Wasserkraft, in Österreich. Die Kelag engagiert sich auch sehr stark für die Verbesserung der Energieeffizienz, nicht nur in unseren eigenen Anlagen, sondern auch in den Anlagen der Kunden. Knapp 20 Fachkräfte sind im Bereich Energieberatung/Energiedienstleistungen beschäftigt. Unser Tochterunternehmen Kelag Wärme GmbH ist überdies der größte österreichweit tätige Nutzer von Abwärme und Wärme aus Bioenergie für die Raumwärme“, erklärt Egger. Die Kelag gibt heuer rund 245 Millionen Euro für Investitionen und Instandhaltungen aus. Laut Egger sind Schwerpunkte der Investitionen die Erweiterung der Erzeugungskapazität aus Wasserkraft sowie Ausbauten des Netzes. „Beim Ausbau der Wasserkraft ist das mit Abstand größte Einzelprojekt unsere Beteiligung am Pumpspeicherkraftwerk II im Ausmaß von 45 Prozent. Verteilt über mehrere Jahre investieren wir hier rund 190 Millionen Euro. Es ist unser strategisches Ziel, in Zukunft den gesamten  Strombedarf unserer Kunden aus erneuerbarer Energie zu decken, an der Erreichung dieses Zieles arbeiten wir“, so Egger.

 

Burgenland auf Rekordkurs

Trotz Liberalisierung des Energiemarktes weist die BEWAG u.a. dank Ökostrom die niedrigste Wechselrate Österreichs vor. Die BEWAG hat frühzeitig auf den freien Markt reagiert und ist rasch zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen geworden, das auf absolute Kundenorientierung wert legt  so BEWAG-Vorstandsdirektor Ing. Reinhard Schweifer. Die BEWAG liefert ihren Kunden ausschließlich hundertprozentigen Ökostrom aus Österreich. Sie ist somit völlig atomstrom- und kohlendioxidfrei und damit Musterschüler unter den großen österreichischen Energieanbietern. Das wurde auch durch das aktuelle EVU-Ranking von Greenpeace und Global 2000 bestätigt: Die BEWAG machte den ersten Platz unter Österreichs Landesenergieversorgern. Als die Vollliberalisierung mit Oktober 2001 in Kraft trat, verfügte die BEWAG über keine nennenswerte Stromproduktion. Heute ist sie mit ihrer Tochter „Austrian Wind Power“ Österreichs größter Windstromproduzent. Das Ergebnis der Anstrengungen: Die BEWAG kann sich über die niedrigsten Wechselraten unter Österreichs Landesenergieversorgern freuen.
Von 100 Burgenländern sind 98 bei der BEWAG geblieben. Auf den Punkt gebracht bedeutet
das: Die Stromzukunft ist grün.

Der Gast kommt online

Um rückläufigen Nächtigungszahlen zu begegnen, baut die Kärnten- Werbung ihre Online-Buchungsplattform aus. Denn der Kampf um den Gast wird längst im Internet entschieden.

 

Die Holländer kommen nach Kärnten. Und zwar zu Tausenden, um ihrem größten Hobby zu frönen. Dem Eislaufen. Die 11-Städte-Tour, eine 200 Kilometer lange Route entlang elf friesischer Städte ist das wichtigste nationale Sportereignis in den Niederlanden. Das Problem ist nur, dass die Kanäle in Friesland schon seit Jahren nicht mehr zufrieren. Und die Holländer deshalb schon seit Jahren nach Kärnten ausweichen. Auf dem Weissensee wird seit Jahren die „Alternative 11-Städte-Tour“ ausgetragen, ein Bewerb, an dem rund 3500 Läufer teilnehmen. Mit mehr als 5000 Gästen ist diese größte Eislaufveranstaltung der Welt gut für rund ein Drittel der Nächtigungen im Winter. Der Kärntner Tourismus kann Großereignisse wie diese Eislaufveranstaltung gut gebrauchen. Denn bislang war die Wintersaison im Süden eher mau. Während es in den Skigebieten nördlich der Alpen Buchungsrekorde gibt. Die freuen sich über Steigerungsraten von 51 Prozent bei den Online- Buchungen. „Wir verkaufen die Betten derzeit fast im Minutentakt“, freut sich Tiscover-Geschäftsführer Matthias Grundböck. Besonders gefragt sind Urlaube im Zillertal, im Salzkammergut und im Ötztal. Gestiegen sind dort auch die Umsätze pro Buchung.
Und zwar um rund acht Prozent. Die Zuwächse in Kärnten sind da schon bescheidener. Gerade einmal plus 0,9 Prozent gab es bei den Ankünften in den Monaten November und Dezember des Vorjahres. Vergleicht man die Zahl der Übernachtungen mit denen im Vergleichszeitraum des Vorjahres, dann kommt dabei ein Minus heraus. Und zwar von 1,5 Prozent gegenüber dem
Vorjahr. „Die ungünstige Feiertagslage über Weihnachten sowie auch der durch die Schneesituation bedingte verspätete Start in einigen Kärntner Skigebieten haben sich auf die Aufenthaltsdauer der Gäste ausgewirkt“, sagt der Christian Kresse, Geschäftsführer der Kärnten
Werbung. Die Saison startete in Bad Kleinkirchheim erst einen Tag vor Weihnachten. Der Nächtigungsrückgang ist in manchen bekannten Skigebieten beträchtlich: Bad Kleinkrichheim minus fünf Prozent im Dezember. Katschberg: minus 7,4 Prozent.

 

Werbeoffensive
Um die Wintersaison doch noch zu retten, haben die Kärntner Tourismus-Verantwortlichen jetzt eine massive Werbekampagne gestartet, die vor allem jene Gäste erreichen soll, die sich animiert von der herrlichen Schneelage und dem traumhaft schönen Wetter kurzfristig doch für einen Winterurlaub entschieden haben. „Wir wollen mit massivem Werbeeinsatz in Österreich und Bayern Kurzentschlossenen Lust auf Kärnten machen“, sagt Kresse. Das Verkaufsargument der Touristiker soll die Stärken Kärntnens, „Sonne, Süden, Winterlust“, herausstreichen. „Wir setzen auf das Thema Sonnenskilauf und setzen der laufenden Berichterstattungen über den massiven Schneefall im Westen die Kärntner mit Sonne und besten Pistenbedingungen entgegen“, sagt Kresse. Weil der Kampf um den Gast, heutzutage vor allem auch im Internet ausgetragen wird,
würden die Kärntner Tourismusverantwortlichen am liebsten eine nationale Buchungsplattform
einführen. Das wünscht sich auch die Hotellerie. „Eine kärntenweite Informations- und Kommunikationstechnologie zu implementieren, ist auch im neuen Kärntner Tourismusgesetz
als klarer Auftrag für die Kärnten Werbung verankert“, sagt Kärnten-Tourismus-Geschäftsführer
Kresse. „Die Beherbergungsbetriebe brauchen professionelle Vertriebsmöglichkeiten.
Wir haben eine landesweite Lösung zu einer optimalen Online-Buchbarkeit entwickelt. Bis auf die Region Villach / Faaker See / Ossiacher See sind bereits alle Regionen dabei, auf dieses System umzustellen.“ Die Kärnten Werbung behauptet, mit dem neuen System eine „Best-Practice-Lösung“ gefunden zu haben, die den Tourismusregionen regionale Entscheidungen ermöglicht und den wettbewerbsrechtlichen Anforderungen entspricht. Der Vorteil für die Unternehmen: Mit dem einheitlichen Tourismus EDV-System müssen die Unternehmer nur mehr einmal ihre Daten in eine zentrale Datenbank eingeben. Damit sind sie auf vielen Plattformen präsent und können vom Gast
online gebucht werden.

 

Provisionen
Ein Dienst am Kunden, der die Hotels bisher einiges an Provisionen kostet. Der österreichische
Hotellerieverband berechnete, dass die österreichischen Übernachtungsbetriebe im vergangenen Jahr Provisionen in der Höhe von 46 Millionen Euro aufbringen mussten. 37 Millionen davon flossen ins Ausland. Dem setzt Kärnten nun ein eigenes Angebot entgegen, um die Belastungen für ihre Betriebe so gering wie möglich zu halten. Die Kärnten Werbung hat mit der feratel media technologies AG eine Flatrate für die Buchungsprovisionen vereinbart und bietet auf dem Landestourismusportal www.kaernten.at allen teilnehmenden Regions-, Ortsund Betriebsportalen die Online-Buchungen provisionsfrei an. „Es geht nun darum, dass die Umsetzung der kärntenweiten EDV-Lösung in den Regionen so rasch wie möglich über die Bühne geht, die Unternehmer dieses System annehmen und sich vor allem buchbar machen“, fordert Kresse.
Um zu erfahren, welchen Stellenwert das Internet heute beim Kampf um den Gast spielt, hat die Kärnten-Werbung eine Marktforschungsstudie auf dem wichtigsten Markt, nämlich in Deutschland, durchführen lassen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Rund 84 Prozent der befragten Deutschen informieren sich im Internet über Urlaubsdestinationen, Hotels und Ferienangebote. Von diesen 84 Prozent buchen 68 Prozent ihren Urlaub im Netz. Erhoben hat die Studie aber auch, was die Internet-Nutzer von den Feriensites erwarten: Entscheidend seien die Präsentation der Hotels, Informationen über Preis und möglichst eindrucksvolle Bild- und Videopräsentationen.
Geschaut wird auch auf die Erfahrungen anderer Urlauber. Deren Kommentare, das ergab die Erhebung, werden als informativ erachtet. Ob all diese Anstrengungen, Kärnten im Web besser zu vermarkten, genügen, um den rückläufigen Nächtigungszahlen beizukommen, wird sich zeigen. Fest steht, dass Kärnten das Image hat, besonders teuer zu sein. „Junge Leute können sich Kärnten heute nicht mehr leisten“, klagen viele. „Hinzu kommt, dass auch das Image Kärntens als Partyland in den vergangenen Jahren gelitten hat.“ Das hat auch damit zu tun, dass Kärntens
Schickimicki-Szene auf junge Gäste nicht gerade anziehend wird. Denn Kärntens Party- Szene kommt in die Jahre. „Bei den Festen sieht man heute Leute jenseits der 70“, sagte eine junge Frau, „und es kommen keine Jungen mehr nach.“ Da wird es auch nicht helfen, dass sich die Touristiker darüber freuen, dass die European Bike Week, das Treffen der Harley Davidson Fans,
auch in den kommenden Jahren am Faaker See stattfinden wird. Die 2013 auslaufenden Verträge für die Großveranstaltung sind um weitere fünf Jahre verlängert worden. Das Motorrad-Treffen ist mit einer Wertschöpfung von rund 20 Millionen Euro und 200.000 Übernachtungen die wichtigste Einnahmequelle des Kärnten Tourismus geworden. „Das Bikertreffen ist die wertschöpfungsintensivste Veranstaltung in unserem Bundesland“, erklärt Geschäftsführer Kresse. Gesichert hat sich Kärnten übrigens auch die Austragung der niederländischen 11-Städte-Tour am Weissensee. Und zwar für die nächsten 99 Jahre. Es sei denn, in den Niederlanden wird es doch noch einmal kalt. Was angesichts globaler Erwärmung wohl sehr unwahrscheinlich ist.