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aktuelle Ausgabe 02/2012
Die Weichen auf Wachstum stellen
In wirtschaftlich unsicheren Zeiten sind die Standortagenturen im Westen mehr gefragt als sonst. Denn gerade sie sind es, die mit ihren Leistungen und Projekten neues Wachstum auf den Weg bringen können. Wie und womit das derzeit versucht wird und wo sich dabei Chancen für bestehende und neue Unternehmen ergeben könnten, haben die Wirtschaftsnachrichten West untersucht.
Tirol
Die Standortagentur Tirol hat die Aufgabe, die Tiroler Wirtschaft und Wissenschaft zu stärken. Insbesondere sollen Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit unterstützt werden. Sowohl für Betriebe und Forschungseinrichtungen im Land als auch für den Standort selbst geht es dabei darum, Wettbewerbsvorsprung und Alleinstellungsmerkmale auf- und auszubauen. „Dazu forcieren
und/oder begleiten wir Forschung, Innovation und Kooperation und prägen besondere Branchen oder Themen aus, treiben also Spezialisierung voran“, erläutert Geschäftsführer Harald Gohm.
Zudem unterstützt die Standortagentur alle Betriebe und Forschungseinrichtungen, die sich für eine Ansiedlung oder Gründung in Tirol interessieren. Ein weiterer ist das in internationale
Marketing für den Wirtschaftsund Wissenschaftsstandort Tirol. Im Innovationsumfeld sind Clustermanagement, Ideenbewertung, Partnersuche in Tirol und ganz Europa oder Identifikation geeigneter Förderungen beispielhafte Services.
Arbeit trägt Früchte
Umgerechnet auf Vollzeitstellen, arbeiten rund 21 Personen in der Agentur daran, die heimische Wirtschaft zu unterstützen. Nicht umsonst, wie sich zeigt. Tirol hält bei der jüngsten Standortanalyse der Bank Austria von Juli 2011 den nunmehr dritten Platz im Bundesländervergleich. „Diesen tollen Erfolg schreibe ich zum einen der Tatsache zu, dass die Forschungs- und Innovationsoffensive des Landes, die wir maßgeblich begleiten, greift. Und zum anderen der Tatsache, dass die dezidierte Clusterpolitik Früchte trägt“, so Harald Gohm. In der Tat kann sich die Forcierung der Cluster sehen lassen. Diese werden direkt von der Standortagentur gemanagt. Ob erneuerbare Energien, Informationstechnologien, Life Sciences, Mechatronik und Wellness – nicht weniger als 350 Unternehmen beteiligen sich an den einzelnen Fachbereichen und leisten gezielt Innovationsarbeit. Die gezielte Kooperation scheint sich auszuzahlen, wie Geschäftsführer Gohm veranschaulicht: „Es sind ausnahmslos alle Unternehmen, die in regionalen Kompetenzzentren – sogenannten K-Regios – gemeinsam mit den heimischen
Forschungseinrichtungen forschen, Mitglieder unserer Cluster.“ Ein anderer noch junger Erfolg für den Standort Tirol ist im Bereich der personalisierten Medizin zu verzeichnen. Eine internationale
Expertenkommission hat im Oktober das K1-Zentrum Oncotyrol im Bundesprogramm COMET positiv evaluiert. Bis 2015 stehen damit weitere 13,5 Millionen Euro zur Verfügung, um am Standort Tirol im Verbund mit allen heimischen Universitäten sowie namhaften internationalen Wirtschafts- und Wissenschaftspartnern personalisierte Krebstherapien zu entwickeln.
Welche Stärken weiter gestärkt werden
In den kommenden Monaten wird die Standortagentur die Entwicklung der einzelnen Tiroler
Standorte in den Fokus nehmen. „Konzertierte Standortentwicklung braucht eine starke Rolle in den Regionen. Entsprechend werden wir in den kommenden Monaten die regionale Standortberatung ausbauen“, sagt Gohm. Dazu wurde ein eigenes Analyseinstrument entwickelt, das soeben seinen ersten Einsatz absolviert. Unter anderem werden hier Chancen und Risiken einer Gemeinde oder Region im Hinblick auf verschiedene Branchen und Themen beleuchtet.
Ein künftiger Schwerpunkt wird die Positionierung des Standortes Tirol als begehrtester Kraftplatz der alpinen Welt. Dazu arbeitet die Standortagentur an der Entwicklung eines sogenannten Leuchtturmprojektes, das als erfolgreiches Beispiel dienen soll. Mehr darf darüber derzeit noch nicht verraten werden. Für die einzelnen Branchen gibt es spezielle Strategien. Die Konzentration gilt jenen Stärkefeldern, in denen Beschäftigung, Wertschöpfung und Innovation bereits sehr gut
und weiter ausbaubar sind. Diese decken sich weitgehend mit den beschriebenen Clustern. „Einen besonderen Schwerpunkt setzen wir bei der fachübergreifenden Verknüpfung. Durch Kombination wollen wir Nischen und Alleinstellung erarbeiten – zum Beispiel im Stammfeld Tourismus mit den herausragenden Leistungen bei erneuerbaren Energien und den Life Sciences“, erklärt Harald Gohm.
Kooperation gewinnt
Unternehmen profitieren in Tirol von einem dynamischen wirtschaftlichen Umfeld, der Forschungsleistung an insgesamt sechs Tiroler Universitäten und Fachhochschulen sowie
deren enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Ein Zusatzplus ist das Technologieservice, das die Standortagentur Tirol über das Enterprise Europe Network auch europaweit bietet: „Wer Marktvorsprung anstrebt und kooperative Entwicklung in einem innovationsfreundlichen Umfeld vorantreiben möchte, kommt am Wirtschaftsstandort Tirol nicht vorbei“, sagt Harald Gohm. Zu
diesem Thema kommt gerade ein beispielhafter Erfolg von Mattro Mobility Revolutions. Hier hat Kleinunternehmer Alois Bauer einen innovativen Transporter für das hochalpine Gelände mit Hybridantrieb im europäischen Netzwerk entwickelt und den Prototyp anlässlich des 9. Tiroler Innovationstages präsentiert.
Vorarlberg
In Vorarlberg ist die WISTO (Wirtschafts- Standort Vorarlberg GmbH) für das Standortmarketing
zuständig. „Wir forcieren die Innovationsdynamik der heimischen Wirtschaft und stärken die internationale Positionierung Vorarlbergs“, erläutert Geschäftsführer Joachim Heinzl. Er sieht die wichtigsten Aufgaben darin, Orientierung zu bieten, Impulse zu setzen und im Hintergrund zu unterstützen – dort, wo ihre Kompetenzen gefragt sind. Der Zugang dabei soll vor allem
unbürokratisch und flexibel sein. Die Leistungen sind für Vorarlberger Unternehmen kostenfrei.
Die WISTO unterstützt insbesondere Unternehmen von der Gründung/Ansiedelung über die Initiierung von Kooperationen bis hin zur Realisierung von Innovationen. Zusätzlich führt sie gemeinsam mit Entwicklern Patent- und Technologierecherchen durch, analysiert Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten und baut Forschungsstrukturen auf. Andererseits betreibt die Gesellschaft gezielte Standortentwicklung, führt Studien durch, entfaltet Zukunftsthemen und
kommuniziert die Region grenzüberschreitend.
Ressourcen, Betriebsflächen, Fachkräfte
Themen, mit den sich die WISTO derzeit insbesondere wegen allgemeiner Knappheit
beschäftigen muss, sind Ressourcen, Betriebsflächen und Fachkräfte. Für Letzteres hat die Vorarlberger Standortagentur unterschiedliche Initiativen gestartet. „In diesem Kontext rekrutieren wir national und international technisch qualifizierte Arbeitskräfte, kooperieren gemeinsam mit anderen Regionen und kommunizieren die Stärken Vorarlbergs als Lebens- und Arbeitsstandort nach außen“, so Heinzl. „Karriere mittendrin“ ist eine solche Initiative, um den immensen Fachkräftebedarf in der Region zu decken. Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Vorarlberg versucht die WISTO, das Interesse von Studenten und Absolventen für technische Berufe zu wecken. Netzwerktreffen und Exkursionen stehen ebenso am Plan wie Besuche von Karrieremessen in ganz Österreich.
Vernetzung als Erfolgsfaktor
Eine weitere Kooperation hat die WISTO mit der Prisma Unternehmensgruppe geschlossen, um die Kreativwirtschaft zu forcieren. Das „designforum Vorarlberg“ hat eine stärkere Vernetzung von Wirtschaft und Kreativschaffenden als Ziel. Ebenso beteiligt sich die WISTO aktiv am Projekt „Vierländerregion Bodensee“, das einer Region mit drei Millionen Einwohnern ein einzigartiges
Profil verleihen und die Zusammenarbeit innerhalb dieses Wirtschaftsraums verstärken soll.
So gerne die WISTO genauer über die größten Erfolge der eigenen Arbeit berichten würde, es geht nicht. Denn ein wichtiger Erfolgsfaktor in diesem Metier ist Vertraulichkeit. Unternehmen kommen mit innovativen Ideen zu den Beratern, erzählen über neueste Entwicklungspläne und Herausforderungen der Zukunft. Die WISTO unterstützt sie in ihren Plänen und respektiert dabei gerne den Wunsch nach Stillschweigen. Geschäftsführer Heinzl versteht das gut: „Bescheidenheit
ist in Vorarlbergs Gesellschaft kulturell verankert.“
Vorarlberger Tugenden stärken den Standort
Klar ist, dass Vorarlberg von einigen sehr relevanten Standortfaktoren profitiert, die sich
gegenseitig stärken. Die Nähe zu den kaufkräftigen Absatzmärkten Süddeutschland und Ostschweiz ist ein solcher Faktor, die internationale Vernetzung der Region ein anderer.
Die Offenheit, die in der Vierländerregion gegeben ist, sorgt für Weitsicht bei den Unternehmen. Die Vielzahl der weltweit tätigen Konzerne, die sich in Vorarlberg angesiedelt haben, verlangt Dienstleistungen und Zulieferer auf internationalem Niveau, das fördert die Professionalisierung des Standorts. So entstehen regionale Wertschöpfungsketten, die ökonomisch, aber auch ökologisch vorteilhaft sind, wie die Ansiedelung von Red Bull und Rexam zeigt, die in unmittelbarer Nähe mit Abfüller Rauch und Logistikspezialist JCL kooperieren. „Diese Vernetzung
der Unternehmerlandschaft ist ein weiterer wichtiger Standortfaktor genauso wie die Branchenvielfalt der Region. Die Kommunikationswege sind kurz, effizient und Entscheidungen werden zeitnah getroffen, diese Flexibilität schätzen die Betriebe“, sagt Joachim Heinzl. Nicht zuletzt sind es für ihn aber die Menschen, die die Region ausmachen. Fleiß, Courage und Kreativität nennt er als jene Tugenden der Vorarlberger, die sich in überdurchschnittlich hohen Exporten, Patentanmeldungen und Produktivitätszahlen zeigen.
Salzburg
In Salzburg sind die Aufgaben der Standortentwicklung auf zwei Organisationen verteilt. Während sich die Standortagentur vorwiegend um ansiedlungswillige Unternehmen bemüht, konzentriert sich die Innovations- und Technologietransfer GmbH (ITG Salzburg) auf bestehende Unternehmen.
Bei Bedarf arbeiten die beiden Organisationen zusammen. Die ITG Salzburg verfolgt das Ziel, Innovation am Standort zu fördern. Dies erfolgt mit klassischer Standortentwicklung, die beispielsweise aus Bewusstseinsbildung für zukunftsträchtige Themen besteht. Derzeitige
Schwerpunkte sind etwa die betriebliche Gesundheitsförderung, Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz oder die Sichtbarkeit der Kreativwirtschaft. Ebenfalls dazu gehört auch die Unterstützung des Landes Salzburg bei der Entwicklung von Förderungen oder die Initiierung von standortrelevanten Projekten, wie beispielsweise der Aufbau eines Forums für die Kreativwirtschaft. „Eine unserer zentralen Aufgaben besteht darin, die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen aufzugreifen und vielversprechende Tendenzen positiv zu verstärken. Mit der Fokussierung auf die Standortpotenziale kann Salzburg seinen wirtschaftlichen Vorsprung
sichern und weiter ausbauen“, erklärt Sebastian Huber, Geschäftsführer der ITG Salzburg.
Innovationsservice von A bis Z
Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt der ITG Salzburg ist seit 2011 das Innovationsservice.
Diese Beratung umfasst sämtliche Schritte: Bewertung einer Idee, Unterstützung bei der Projektplanung und -umsetzung sowie Suche nach passenden Förderprogrammen und Hilfe bei der Antragstellung dazu. „Wir holen Unternehmen dort ab, wo sie sich in ihrer Entwicklung gerade befinden und helfen ihnen dabei, den nächsten Innovations- oder Entwicklungsschritt zu setzen“,
erklärt Christian Prucher, Leiter des Innovationsservice. Sollten Partner aus Wirtschaft oder Wissenschaft nötig sein, bietet die ITG Salzburg auch hier Kontaktanbahnungsleistungen an.
Ein wesentlicher Vorteil ist es, dass interessierte Unternehmen einen Ansprechpartner zur Seite gestellt bekommen, der sie bei allen Vorhaben begleitet. Das Innovationsservice wird von Land und Wirtschaftskammer Salzburg getragen, wodurch die ITG Salzburg das gesammelte Wissen beider Akteure an einem Ort vereinen kann.
Die Stärken Salzburgs nutzen
Der Salzburger Wirtschaftsstandort ist geprägt durch einen starken Dienstleistungssektor und eine hohe Wissensintensität. Neben einem kleinen, aber feinen Industriesektor mit international renommierten Unternehmen bilden vor allem kleine und mittlere Betriebe das Rückgrat im heimischen Wirtschaftsgefüge. Daher sind KMU mit innovativen Ideen eine wichtige Zielgruppe der
ITG Salzburg. Außerdem unterstützt das Beraterteam Forschungseinrichtungen, etwa bei der Suche nach Partnern aus der Wirtschaft oder auch bei Einreichungen zu Förderprogrammen. Eine starke Flexibilität und ein traditionell hohes Leistungsvermögen zeigen sich sowohl in Handel und Gewerbe als auch im Tourismus. Spezielle Stärkefelder, die auch die ITG Salzburg im Rahmen ihrer Projekte bearbeitet, liegen im Bereich der Gesundheits- und Kreativwirtschaft sowie in speziellen Querschnittsthemen wie Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).
Beratung für ansiedlungsinteressierte Unternehmen
Die Standortagentur Salzburg ist die Betriebsansiedelungs- und Standortmarketinggesellschaft
von Stadt und Land Salzburg. Kernaufgabe ist die Betreuung von ausländischen Investoren bei der Ansiedlung am Standort Salzburg sowie die Bewerbung des Wirtschaftsstandortes Salzburg. Zudem werden kommerzielle Film- und Fernsehproduktionen serviciert und die bilateralen Beziehungen zur Volksrepublik China intensiviert. „Zu unseren kostenlosen Leistungen zählt
beispielsweise die Suche nach geeigneten Unternehmensstandorten und Büroimmobilien, die wir in Kooperation mit den Salzburger Immobilienmaklern durchführen. Wir beantworten gemeinsam mit Experten auch steuer-, sozialversicherungs- und gesellschaftsrechtliche Fragen und vermitteln Förderpakete“, erklärt Geschäftsführerin Agnes Steger. Ziel der Standortagentur ist es dem
ausländischen Unternehmer den Wirtschaftsstandort Salzburg mit seinen rechtlichen und
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in seiner Gesamtheit so darzustellen, dass er aufgrund der von uns und unseren Partnern aufbereiteten Informationen rasch eine Entscheidung treffen kann.
Salzburg: Standort Zukunft
Geht es nach Landeshauptmann-Stellvertreter Wilfried Haslauer, dem Initiator des neuen Wirtschaftsprogramms, soll diese Vorgabe, wonach das Bundesland Salzburg die beste Region zum Leben und Arbeiten werden soll, bis zum Jahr 2020 erreicht werden.
Zwei Jahre lang arbeiteten Experten des Landes sowie Vertreter der Produktionswirtschaft, der Dienstleister und des Handels, des Tourismus, der Creative Industries samt Kulturwirtschaft und der Freien Berufe gemeinsam an definierten Visionen, messbaren Zielen und konkreten Maßnahmen der Umsetzung. So soll der herrschenden Finanz- und Wirtschaftskrise effektiv entgegengesteuert und der rasche Übergang zu einer wissensbasierten Ökonomie in einem durch die Globalisierung verschärften Wettbewerbsumfeld erreicht werden.
Warum ein neues wirtschaftspolitisches Programm?
Die derzeitige strategische Grundlage für die Salzburger Wirtschaftspolitik ist das „Wirtschaftsleitbild Salzburg“ aus dem Jahr 2002. Die internationale Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise hat jedoch zu deutlich geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geführt, die eine Neuausrichtung sowohl der Wirtschaftspolitik als auch der Wirtschaftsförderung nötig machten. Außerdem wird nach der Neuausrichtung globalen Trends wie demografischem und sozialem Wandel oder der Verknappung der fossilen Energieressourcen und dem Klimawandel verstärkt Rechnung getragen. Diese Entwicklungen bergen nicht nur Risiken, sondern eröffnen
auch neue Chancen, die wirtschaftliche Existenz der Region zu sichern, sofern sie rechtzeitig
identifiziert und genutzt werden. Es wurde darauf geachtet, ein umsetzungsorientiertes Programm mit mittel- und langfristiger Perspektive zu erstellen, das den Blick auf die bereits angesprochenen Zukunftsherausforderungen richtet. Ziele, Strategien und Maßnahmen zur Absicherung und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Salzburg wurden festlegt und unter Beteiligung der Interessenvertretungen, Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Politik sowie interessierter Bürger erstellt. Vor allem den Themengruppen Nachhaltigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz, Forschung und Entwicklung, Innovation, Regionalpolitik und Arbeitswelten wurde großes Augenmerk geschenkt.
Qualität und Innovation stehen im Mittelpunkt
LH-Stv. Wilfried Haslauer beschreibt die wirtschaftspolitische Vision für den Standort Salzburg folgendermaßen: „Der Wirtschaftsstandort Salzburg muss in jeder Hinsicht für Qualität, für Fortschritt und für hervorragende Lebens- und Arbeitsbedingungen stehen. Wir wollen die beste und attraktivste Region zum Leben und Arbeiten in Europa sein. Unsere Wirtschaftspolitik baut auf den Stärken des Standortes auf, ohne sich neuen Entwicklungen zu verschließen. Wir glauben an die Kraft und die Zukunft der mittelständischen Betriebe und der vielfach von Unternehmerfamilien geführten heimischen Industrie. Es ist die zentrale Aufgabe der Wirtschaftspolitik, die Unternehmen dabei zu unterstützen, Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern.“
Vier übergeordnete wirtschaftspolitische Ziele des Programms
Um die Vision von Salzburg als Standort der Zukunft zu realisieren, werden folgende vier übergeordnete wirtschaftspolitische Ziele angestrebt:
1. Salzburg positioniert sich als attraktiver Wirtschafts-, Arbeits-, Lebens- und Erholungsraum. Die in Salzburg angesiedelten Unternehmen sollen sich durch attraktive Rahmenbedingungen veranlasst sehen, weiterhin am Standort Salzburg zu investieren. Gleichzeitig sollen Ansiedelungen beziehungsweise Investitionen von Unternehmen aus dem In- und Ausland weiter intensiv begleitet werden. Bis 2020 soll es gelingen, die Position Salzburgs im europäischen
Kaufkraftranking deutlich zu verbessern (2010: Wien Platz acht, Salzburg Platz 17), die Frauenerwerbsquote von derzeit 67,7 Prozent auf 70 Prozent zu erhöhen und die Verwaltungsverfahren zu entbürokratisieren.
2. Salzburgs Wirtschaft bringt sich verstärkt als kompetenter Partner in das nationale und internationale Umfeld ein. In einer globalisierten Welt braucht das Land Salzburg international tätige Unternehmen, die sich mit authentischen und innovativen Produkten und Dienstleistungen auf den Märkten behaupten. Bis 2020 soll es daher gelingen, die Außenhandelsverflechtung der Salzburger Unternehmen anzuheben (gemessen am Warenexportanteil von 33 Prozent im Jahr 2009 auf 40 Prozent im Jahr 2020), neue Märkte über den europäischen Markt hinaus zu erschließen (2009 wurden 64 Prozent der Waren in EU-Länder exportiert) sowie die Teilnahme von Salzburger Unternehmen und Forschungseinrichtungen an überregionalen und internationalen Kooperationen zur gemeinsamen Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen zu verstärken.
3. Salzburg baut seine Position als innovations- und wissensorientierter Wirtschaftsraum aus. Dabei wird von einem breiten Innovationsbegriff ausgegangen, der nicht nur auf die erfolgreiche Umsetzung von Forschungsergebnissen in der Technologie beschränkt ist, sondern auch nicht-technologische Neuerungen wie organisatorische, soziale oder designorientierte
Innovationen und damit auch den Dienstleistungssektor umfasst. Bis 2020 soll es gelingen, die Anzahl der Neugründungen in wissensintensiven Branchen gegenüber 2011 zu steigern sowie den Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung der Salzburger Unternehmen von 54 Prozent im Jahr 2009 auf 60 Prozent anzuheben.
4. Salzburg verfügt über ein Wirtschaftssystem, das auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit
beruht. Fragen der Versorgungssicherheit, der Verfügbarkeit und der Kosten von Energie und Rohstoffen werden zur zentralen Frage für kleinregionale Wirtschaftsräume. Bis 2020 ist daher geplant, die Energieeffizienz zu steigern und den Energieverbrauch auf dem Niveau von 2005 zu
stabilisieren, eine Sanierungsrate von jährlich zwei Prozent des Gebäudebestandes zu realisieren, den Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch auf 50 Prozent zu steigern (aktuell 40 Prozent) sowie den Anteil an Treibhausgas-Emissionen um 30 Prozent gegenüber 2010 zu senken. Strategie und Umsetzung Die konkreten Umsetzungsmaßnahmen konzentrieren
sich im Wesentlichen auf Bereiche, in denen das Wirtschaftsressort selbst Impulse setzen kann. Um hervorragende Rahmenbedingungen für die Unternehmen und die Arbeitnehmer zu schaffen und die richtigen Weichen für die Zukunft Salzburgs zu stellen, ist jedoch das Zusammenwirken
unterschiedlicher Politikbereiche nötig. Deshalb wird eine bestmögliche wechselseitige Abstimmung insbesondere mit den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Arbeitsmarkt, Raumordnung, Energie und Umweltschutz angestrebt.
Konkrete Maßnahmen zur Umsetzung
Das Land Salzburg wird unter anderem beim Themenbereich Standortmarketing das Employer
Branding (Arbeitgebermarkenbildung) vorantreiben, um im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe und Talente langfristig zu reüssieren und damit dem stetigen Mangel an Fachkräften entgegenzusteuern. Des Weiteren wird ein Landesförderprogramm erarbeitet, das viel versprechende Forschungskooperationen unterstützt, die in nationalen und europäischen
Förderprogrammen nicht zum Zug kommen. Im Bereich Tourismus sollen die vielen kleineren Betriebe und die Regionen dabei unterstützt werden, als Top-Tourismusdestination auf dem Markt am Ball zu bleiben, und im Rahmen der Initiative „Jugend in die Technik“ werden Salzburger Unternehmen und Forschungseinrichtungen Schülerinnen und Schülern einen Einblick in ihre Unternehmensabläufe geben und Lust auf entsprechende Ausbildungs- sowie Berufszweige machen. LH-Stv. Haslauer bringt es auf den Punkt: „Die Knochenarbeit der Umsetzung beginnt
jetzt: Ich verspreche allen, vom Einzelunternehmer bis zur Wirtschaftskammer, vom Experten bis zu den vielen Interessenvertretungen, die an diesem Programm mitgearbeitet und sich eingebracht haben, dass wir ab sofort an der Umsetzung dieser Ziele arbeiten und dabei offen für neue Entwicklungen sowie innovative Vorschläge bleiben.“
Eine Frage der Verantwortung
Unternehmen, die Werte vorleben, strategische Verantwortung für Gesellschaft, Umwelt und Mitarbeiter übernehmen und managen, sind dünn gesät. Doch die alten Grundsätze des ehrbaren Kaufmanns wie Fairness, Transparenz und Ehrlichkeit erleben dank CSR derzeit ein Revival, was langfristig und nachhaltig das Geschäft beleben soll.
Wirtschaftlich unsichere Zeiten fordern Unternehmen klare Entscheidungen und vorausschauende Strategien ab. Verantwortungsvolles Handeln ist angesagt. Meinte man noch vor wenigen Jahren mit einer Obstschüssel in jeder Büro-Etage der Öffentlichkeit ein gesundes Unternehmen vorgaukeln zu können, hat sich Corporate Social Responsibility (CSR) zu einem veritablen
Managementinstrument entwickelt, das sich zum entscheidenden Standort- und Wettbewerbsfaktor der Zukunft mausert. Die Österreichische Post AG strebt das Vor-
Wirtschaftskrisen-Niveau an, was aufgrund der makroökonomischen Faktoren kein leichtes Unterfangen ist. Dennoch oder gerade deswegen setzt Generaldirektor Georg Pölzl auf CSR. „Die Post ist im permanenten Kontakt mit den Menschen in unserem Land und Arbeitgeber für 20.000 Mitarbeiter. Nachhaltigkeit ist bei uns im täglichen Tun und Handeln geerdet.“ Im neuen Leitbild
formuliert die Österreichische Post ihre wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen
Aspekte als zusammengehörende Einheit. „Nur ein erfolgreiches Unternehmen kann seine gesellschaftliche Verantwortung langfristig wahrnehmen und einen angemessenen Beitrag leisten, um soziale und ökologische Bedürfnisse zu erfüllen“, ist Pölzl überzeugt. Das 1932 gegründete Unternehmen Palfinger mit Sitz in Salzburg zählt zu den international führenden Herstellern hydraulischer Hebe-, Lade- und Handlingsysteme und ist CSR-affin aus Überzeugung. Zweistellige
Zuwachsraten des Unternehmens zählten bis zum Krisenjahr 2008 zur Regel, und der Einbruch
der Realwirtschaft kam zwar nicht ganz überraschend, traf das Unternehmen deshalb aber nicht weniger hart. Der spanische Markt brach binnen weniger Wochen um sagenhafte 90 Prozent ein, und viele andere Staaten schwächelten, was Palfinger einen Umsatzrückgang von fast 50 Prozent bescherte. Obwohl es für knapp ein Drittel der Belegschaft keine Beschäftigung mehr gab,
entschied der Vorstand, die hoch qualifizierten Mitarbeiter zu behalten und lediglich 734
weltweit zu entlassen. Hätte die Krise einige Monate länger gedauert, wäre es eng geworden. „CSR kann nur funktionieren, wenn die Unternehmensführung diese Philosophie glaubwürdig vorlebt“, ist die Devise von Palfinger- Vorstandsvorsitzendem Herbert Ortner.
Schwierige Zeiten erfordern unkonventionelle Lösungen
„Die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen lassen sich nicht mehr mit den herkömmlichen Managementinstrumenten lösen“, stößt auch Karin Gastinger, Director
Consulting & Risk Services, PwC Österreich ins selbe Horn. „CSR oder Nachhaltigkeit soll dazu beitragen, dass Unternehmen langfristig profitabel sind“, hält sie fest. „Es geht um Zukunftssicherheit und genau darum, wie ich mein Geschäftsmodell heute so aufstelle, dass dieses Unternehmen auch noch in zehn, 20 oder 30 Jahren wirtschaftlich tragfähig sein wird. Grundlage dafür ist, dass wir entlang der eigenen Wertschöpfungskette des Unternehmens unsere
Umwelt schonen, möglichst ressourcenschonend wirtschaften und unseren sozialen Einfluss
verantwortungsvoll gestalten.“ Potenzial für die mittelständische Wirtschaft sieht Gastinger in der Implementierung der Nachhaltigkeit, also in die Eingliederung der ökologischen und sozialen Aspekte in die Geschäftsprozesse und deren Wertschöpfungskette. „Denn Ziel von KMUs soll es sein, sich in Zukunft über CSR strategisch zu differenzieren.“
KMUs mit CSR erfolgreich
„Die Wirtschaftskammer Österreich hat in bislang vier Bundesländern besondere Beratungs- und Trainingsprogramme für KMU durchgeführt“, erzählt Andreas Schneider von der Stabsabteilung
Wirtschaftspolitik der WKO. „CSR kann gut in ,Best-Practice-Beispielen‘ transportiert werden. So musste beispielsweise ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern einen neuen Industriekompressor anschaffen. Die Abwärme dieses Kompressors wird nun genutzt, um Warmwasser für die Duschen der Mitarbeiter zu erzeugen, was Strom und Geld spart und langfristig auch die Umwelt schont. Diese Synergie- Effekte von Ökologie, Gesellschaft und Wirtschaft zu nutzen, macht CSR aus. Womit auch gleich die Frage beantwortet wäre: Kann CSR wirtschaftlich etwas bringen? Wenn es einem Unternehmen langfristig nichts bringt, wird es CSR nicht machen.“ Jedes Unternehmen wird nicht umhinkommen, herauszufinden, wo seine Handlungsfelder im Bereich Ökologie, Soziales und Gesellschaft liegen. „Sind die Themen jedoch erkannt, geht es ans Zielesetzen und diese auch messbar zu machen. Daraus entwickelt das Unternehmen jene Maßnahmen, die es heute zu erledigen hat, um seine für die Zukunft gesetzten Vorhaben erreichen zu können. Und das gilt für alle Unternehmen, auch für EPUs, die sich vielversprechend
am Markt positionieren“, ist Gastinger überzeugt. 99,7 Prozent aller österreichischen Betriebe sind KMUs, die traditionell stark in regionale Strukturen eingebunden sind. Da ist es naheliegend,
dass Wertschätzung im Umgang mit Geschäftspartnern, Mitarbeitern, die schonende Nutzung der Umwelt sowie soziales Engagement in der Gemeinschaft Teile des wirtschaftlichen Erfolgs sind.
Dass Nachhaltigkeit in der Baubranche ein zentrales Thema ist, kann wohl niemand bestreiten. Mit konkreten Maßnahmen für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen macht die planende Baumeisterin Sandra Höbarth ihr Unternehmen zukunftssicher. Die Verarbeitung regionaler und umweltfreundlicher Produkte sowie die Berücksichtigung von Umweltbelastung und ökologischem Fußabdruck als Bestandteil eines jeden Bauvorhabens bringt Kundenvorteile und Unternehmenserfolg. Als Einzelunternehmerin ist für Höbarth die Mitarbeit in Netzwerken wie der Niederösterreichischen Bauinnung oder der Unternehmenskooperation „Alle 8ung“,
bei der sich ursprünglich acht regionale Betriebe mit dem Ziel eines optimalen Kundenservice
zusammengeschlossen haben, fixer Bestandteil ihrer CSR. Die Verbreitung nachhaltiger Ideen steht ebenso auf dem Programm wie kontinuierliche Weiterbildung, damit Sandra Höbarth ihren Kunden stets Lösungen am neuesten Stand anbieten kann.
CSR ist Teamwork
„Natürlich gehören auch die Konsumenten dazu, die ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit
leisten“, betont Andreas Schneider. „ Es kann nicht sein, dass nur ein Teil der Gesellschaft
nachhaltig ist, auch die Politik und die Medien sind dazu aufgerufen.“ Der Golfplatz im salzburgischen Goldegg entstand aus der Verantwortung für die Region Goldegg, da der Golfplatz mit durchschnittlich 5.000 Greenfee-Spielern Arbeit für rund 20 Mitarbeiter bietet. In der Implementierung stellte sich die Aufgabe, die bereits vorhandenen CSR-Maßnahmen im Unternehmen zu sammeln und zu strukturieren. Neben den Grundsätzen der Unternehmensführung wie Verlässlichkeit und Handschlagqualität gilt auch der faire Umgang mit Mitarbeitern durch gute Bezahlung und flexible Arbeitszeiten, aber auch der sensible Bereich
des Umweltschutzes. Alle diese Bereiche wurden anhand der drei Säulen Ökonomie, Soziales und Ökologie analysiert.
"Ich bin optimistisch"
Der deutsche Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärt im Wirtschaftsnachrichten-Interview, warum sich Deutschland und Österreich trotz Konjunkturpessimus gut behaupten werden.
Deutschland ist Österreichs wichtigster Wirtschaftspartner. Für die Steiermark
und ihre Zulieferindustrie ist Deutschland der wichtigste Exportmarkt. Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten Jahren?
Hinter uns liegen wirtschaftlich zwei außerordentlich erfreuliche Jahre. Auch für die Zukunft sind die Chancen beider Länder für eine gesunde und robuste Entwicklung gut. 2012 wird die Konjunktur im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Jahren zwar etwas abgeschwächt verlaufen. Insgesamt werden sich Deutschland und Österreich aber gut behaupten. Beide Länder werden besser abschneiden als andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union – vorausgesetzt,
dass sich die europäische Staatsschuldenkrise nicht zu einem Hagelschlag verschärft.
Österreichs Ruf scheint nach den Korruptionsaffären angeschlagen. Werden die Affären Auswirkungen haben auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland?
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern waren und sind hervorragend.
Sie werden dies auch in Zukunft sein.
Was würden Sie der österreichischen Politik raten, um Imageschäden von der heimischen Wirtschaft zu vermeiden?
Die Politik ist immer am besten beraten, wenn sie strittige Sachverhalte zügig und transparent aufklärt.
Die Ratingagentur Standard&Poor’s hat Österreich das Triple-A aberkannt. Ist dieses Downgrading in Ihren Augen gerecht?
Österreich wird vor allem auch durch das nachbarschaftliche Umfeld belastet, etwa die Länder Ungarn und Italien. Es ist aber nicht hilfreich, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Alle Staaten der Eurozone müssen alle Anstrengungen unternehmen, um die Staatsverschuldung wieder in den Griff zu bekommen und bessere Bedingungen für mehr Wirtschaftsdynamik zu schaffen – auch Länder mit einem Triple-A. Deutschland und Österreich sind gleichermaßen gefordert, drängende Strukturreformen konsequent umzusetzen.
Seit Monaten ringen Europas Staatsund Regierungschefs um eine Lösung in der Euro-Krise. Ohne Erfolg, wie es scheint. Warum kommt die EU nicht aus der Krise?
Es gibt keine Lösung aus dem Lehrbuch und insbesondere keine, die sofort wirksam ist.
Die Situation, in der sich die Europäische Union gerade befindet, ist äußerst komplex. Insgesamt ist die EU mit den jüngsten Gipfel- Beschlüssen auf dem richtigen Weg. Mit den notwendigen besonnenen, aber auch entschiedenen Schritten kann Europa die zu einem großen Teil selbstverschuldete Krise meistern. Ich bin optimistischer als vor einigen Monaten.
Sind verfassungsrechtlich garantierte Schuldenbremsen die richtige Antwort auf die Schuldenkrise?
Wirksamere Regeln wie nationale Schuldenbremsen und Sanktionen sind dringend erforderlich,
um die ausgeuferten Staatsschulden einzudämmen. Aber auch ein dauerhafter Rettungsschirm, der an strenge Bedingungen geknüpft ist, sowie ein geschärfter Stabilitäts- und Wachstumspakt sind entscheidende Voraussetzungen für die Lösung der Krise.
Bergen sie nicht die Gefahr in sich, dass eine europaweite Austeritätspolitik nicht die Verschuldung bremst, sondern vielmehr das Wachstum?
Wirtschaftswachstum, das durch eine unverantwortliche Staatsverschuldung finanziert
wird, ist nicht nachhaltig und ist auf Dauer nicht möglich. Die Krise muss mit einer
Doppelstrategie angegangen werden: Die Haushalte müssen ausgabenseitig konsolidiert werden, gleichzeitig sind wachstumsfördernde Strukturreformen notwendig. Insgesamt muss deutlich mehr für die Wettbewerbsfähigkeit der 27 EU-Länder getan werden.
Was halten Sie von gemeinsamen europäischen Staatsanleihen? Für viele sind Eurobonds der logische nächste Schritt einer sinnvollen europäischen Vergemeinschaftung.
Die aktuellen Probleme sind nicht durch Eurobonds zu lösen. Sie sind gegenwärtig das
falsche Mittel, weil sie es den schwächeren Ländern erleichtern würden, sich zulasten der stärkeren Länder noch mehr zu verschulden. Entscheidend ist, dass zunächst einmal
die Staatshaushalte konsolidiert werden. Dafür ist und bleibt eisernes Sparen unabdingbare
Voraussetzung.
Der neue deutsche Präsident des EUParlaments, Martin Schulz, beklagt, dass die Krisendiplomatie der Staatsund Regierungschefs den Parlamentarismus in Europa schwächt. Ist eine echte Vergemeinschaftung der Wirtschafts- und Fiskalpolitik ein sinnvoller Schritt?
Die Parlamente müssen die Regierungen insbesondere bei Haushaltsfragen streng überwachen.
Staaten, die dauerhaft und zum Schaden aller über ihre Verhältnisse leben, darf es in Zukunft nicht mehr geben. In Europa muss grundsätzlich Einigkeit über die Zielsetzung bessere Wettbewerbsfähigkeit und mehr Wirtschaftsdynamik bestehen. Wenn Europa seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit in einer globalisierten Welt behaupten will, brauchen wir eine stärkere
Abstimmung der Fiskalpolitik – mindestens innerhalb der Eurozone.
Ist es nicht hoch an der Zeit, die Währungsunion durch eine echte politische
Union abzusichern und der Kommission echte Durchgriffsrechte auf nationale Budgets zu gewähren?
Die Währungsunion wird sich auf mittlere Sicht zu einer politischen Union weiterentwickeln.
Wie genau und weit das gehen soll, wird noch intensiv zu diskutieren sein. Es ist zunächst ein wichtiger Schritt, dass die Fiskalpolitik innerhalb der EU künftig besser koordiniert wird und Verstöße gegen die Maastricht-Kriterien mit automatischen Sanktionen verknüpft werden.
Millionenpaket ist geschnürt
Innovation, Forschung und Entwicklung sind die kräftigsten Motoren, die unsere Wirtschaft ankurbeln. Und Österreich gibt auf dem Weg zur führenden Forschungsnation kräftig Gas. 22 heimische Unternehmen haben sich verpflichtet, ihre Forschungsausgaben bis 2015 um 20 Prozent zu steigern.
Die von Infrastrukturministerin Doris Bures gestartete Initiative „Innovationsland Österreich“ ist ein klares Bekenntnis zum Innovationsstandort Österreich. Eine WIFO-Untersuchung belegt, dass Unternehmen mit hohen F&E-Investitionen – das sind rund zehn Prozent – die Krise besser überstanden haben als Unternehmen mit geringen oder gar keinen Investitionen. Seit 2008 beträgt
der Vorsprung im Beschäftigungswachstum im Durchschnitt zwei Prozentpunkte pro Jahr, beim Umsatzwachstum macht der Wachstumsvorsprung sogar acht Prozentpunkte aus. Unternehmen mit den höchsten F&E-Investitionen – das sind 20 Prozent und mehr – haben seit 2008 pro Jahr durchschnittlich fünf Prozent mehr Arbeitsplätze geschaffen. Unternehmen mit hohen Investitionen in F&E haben 2010 im Durchschnitt eine um 15 Prozentpunkte höhere Exportquote gegenüber
Unternehmen mit geringen oder mittelhohen Investitionen in F&E. „Die öffentliche Hand und Unternehmen können gemeinsam das ambitionierte Ziel erreichen, die Forschungsquote von gegenwärtig 2,79 Prozenten auf 3,76 im Jahr 2020 zu steigern“, erklärte Ministerin Bures. „Länder, denen es nicht gelingt, ihre Realwirtschaft wettbewerbsfähig zu halten, haben
die größten Probleme.“ 22 Unternehmen haben bereits die Deklaration „Innovationsland Österreich“ unterschrieben, und gehen damit die Verpflichtung ein, die Dynamik ihrer Innovationstätigkeit weiter auszubauen. Das stärkt den Technologiestandort Österreich mit seiner
wissensbasierten Wirtschaft und erhöht die gesamtwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Im August des vergangenen Jahres unterzogen sich bei den Alpbacher Technologiegesprächen elf Unternehmen dieser Selbstverpflichtung. Zu den Unterzeichnern zählen Infineon, Magna, Lenzing, KTM, Kiska, AT&S, AVL-List, Geoville, Doppelmayr, Marinomed und TTTech.
Neu hinzu kommen:
Baxter Innovations GmbH
Mit Standorten in Wien und Orth an der Donau, wo die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten
des Unternehmens in Österreich gebündelt sind. Zwei Drittel der Forschungsaktivitäten
von Baxter – zum Beispiel die Erforschung neuer Impfstoffe, neuer therapeutischer Proteine, Stammzellentherapien oder Substanzen zur Wund- und Knochenheilung – finden in Österreich statt. Mehr als 75 Prozent der für Baxter BioScience – den forschungsintensivsten Bereich des Unternehmens – tätigen Wissenschaftler sind in Österreich ansässig: Rund 900 Forscher aus dem In- und Ausland arbeiten hier an neuen Wirkstoffen und der Weiterentwicklung bereits am Markt befindlicher Medikamente.
Bernecker + Rainer Industrie Elektronik Ges.m.b.H
ist ein internationaler Konzern, der sich mit seinem Gespür für Marktentwicklungen und Trends und dem Willen, High-tech-Lösungen zum Nutzen der Kunden anzubieten, zum Innovations- und Technologieführer in der Automatisierungstechnik-Branche hinaufkatapultiert hat. Vom Prototyp bis zur Serie wird jede Komponente am Standort im oberösterreichichen Eggelsberg gefertigt.
Modernste Fertigungsmethoden, neueste Technologien und vollautomatische Test und Prüfverfahren führen zu Produkten auf höchstem Qualitätsniveau.
Borealis AG
ist ein weltweit tätiger Anbieter von Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) in den
Bereichen der Infrastruktur (Rohrsysteme, Energie- und Kommunikationskabel), Automobile und hochwertigen Verpackungen. Die von Borealis AG produzierten Kunststoffe werden zu Produkten, wie etwa Lebensmittelverpackungen, medizinischen Utensilien, Windeln, Energie- und Telekommunikationskabel, Autoteilen sowie sanitären Rohrsystemen, verarbeitet. Hauptsitz des Unternehmens ist Wien. Das Hauptgeschäft findet primär in Europa statt, Industrieanlagen befinden sich in Österreich, Deutschland, Belgien, Finnland, Schweden, Italien, Brasilien und der USA. Zusätzlich gibt es zwei Innovationszentren in Schweden und Finnland sowie das European Innovation Headquarter in Linz, Österreich.
BRP-Powertrain GmbH & Co KG
ist ein österreichischer Motorenhersteller (Tochterunternehmen der kanadischen Firma
Bombardier Recreational Products BRP) mit Sitz in Gunskirchen in Oberösterreich. Unter
dem Markennamen Rotax, unter dem die Firma auch in der Öffentlichkeit bekannt ist,
produziert BRP-Powertrain Hochleistungsmotoren für Schneeschlitten, Jet- und Sportboote,
Geländefahrzeuge (ATVs und Quads), dreirädrige Roadster und für Motorräder
sowie für leichte Sportflugzeuge, Ultraleichtflugzeuge, Motorsegler, Heißluft- Luftschiffe und Karts.
FACC AG
ist eines der weltweit führenden Unternehmen in Design, Entwicklung und Fertigung
von fortschrittlichen Faserverbundkomponenten und -systemen für die Luftfahrtindustrie.
Durch kontinuierliche Investitionen in F&E konnte das Unternehmen seine Position
in der Wertschöpfungskette der Flugzeugindustrie ausbauen und somit trotz der Wirtschaftskrise
den Wachstumskurs beibehalten. So ist z.B. der Mitarbeiterstand seit 2006 um jährlich ca. vier Prozent angestiegen.
Fronius International GmbH
beschäftigt sich seit 1945 mit der Wandlung von Energie und konnte sich durch kontinuierliche
Investitionen in Forschung und Entwicklung in den Sparten Batterieladesysteme,
Schweißtechnik und Solarelektronik international positionieren und als Technologieführer
etablieren. Die Aufwendungen für F&E und die Anzahl der F&E MitarbeiterInnen konnten in den letzten Jahren stark gesteigert und der Standort Wels zum zentralen F&E Standort des Konzerns ausgebaut werden. Fronius wurde 2009 mit dem Staatspreis Innovation ausgezeichnet.
Knowles Electronics Austria GmbH
Knowles Sound Solutions ist mit rund 30 Prozent Marktanteil seit Jahren weltweiter Markt- und
Technologieführer bei Mini-Lautsprechern für Mobiltelefone. Die Top Ten der weltweiten Handy-hersteller setzen für ihre Geräte auf Lautsprecher von Sound Solutions. Über fünf Milliarden Soundprodukte wurden bisher verkauft. Seit 2001 steuert der Wiener Standort eine Tochterfabrik in Peking, die schwerpunktmäßig für den asiatischen Markt produziert.
NXP Semiconductors Austria GmbH
Das Entwicklungszentrum für RFID-Halbleiter in Gratkorn ist dank kontinuierlicher
Investments in Forschung und Entwicklung Weltmarkt- und Technologieführer bei Halbleitern
für hochsichere Smart Cards und für kontaktlose elektronische Identifikationssysteme.
Das weltweite Kompetenzzentrum entwickelt die gesamte Bandbreite von kontaktlosen Halbleitern für Smart Labels/Tags, Smart Cards und Automotive-Anwendungen. In Gratkorn wird auch die Near-Field- Communication (NFC)-Technologie entwickelt, die eine drahtlose Datenübertragung über wenige Zentimeter ermöglicht.
Rosenbauer International AG
Rosenbauer ist im abwehrenden Brand- und Katastrophenschutz der führende Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen weltweit. Mit der breiten Palette an kommunalen Löschfahrzeugen und Hubrettungsgeräten nach europäischen sowie US-Normen (NFPA), der umfassenden Baureihe an Flughafen- und Industriefahrzeugen, modernsten Löschsystemen und feuerwehrspezifischer Ausrüstung ist Rosenbauer der Vollsortimenter der Branche. Das zentrale Know-how liegt in komplexen, nach Kundenanforderungen gebauten Löschsystemen und Feuerwehrfahrzeugen. Alle
dazu erforderlichen Prozesse sind unter einem Dach vereint, nämlich Entwicklung und
Produktion der gesamten Löschtechnik, der feuerwehrtechnische Aufbau sowie die passende
Steuerung des Gesamtsystems.
voest alpine Stahl GmbH
Die voestalpine Stahl GmbH ist eine 100- prozentige Tochtergesellschaft der voestalpine AG, fungiert innerhalb des Konzerns als Leitgesellschaft der Division Stahl und ist ein verlässlicher Partner der Automobil-, Bau-, Hausgeräte- und Energieindustrie. Die voestalpine Stahl GmbH betreibt in Linz ein voll integriertes Hüttenwerk, das zu den modernsten Werken Europas zählt. Das Kerngeschäft der voestalpine Stahl GmbH liegt im Bereich der Flachprodukte. Stahlbänder
und die in einer Tochtergesellschaft produzierten Grobbleche bilden die Basis für die weiterverarbeitenden Schritte. Durch in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigerte
F+E-Aktivitäten, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht zurückgenommen, sondern weiter ausgebaut wurden (2011 ca. 111 Millionen Euro), konnten in allen fünf Divisionen (Stahl, Edelstahl, Bahnsysteme, Profilform, Automotive) die starken Marktstellungen gehalten bzw. sogar
ausgebaut werden. In allen Kernsegmenten hält man eine Spitzenpositione und ist entweder
Weltmarktführer, europäischer Marktführer oder europäischer Top-3-Lieferant.
Wolford AG
Das österreichische Unternehmen Wolford mit Sitz in Bregenz und insgesamt 1.058
Mitarbeitern ist ein international tätiger Konzern, der für höchste Qualität im Strumpfund
Lingeriebereich steht. Die überwiegende Produktion im Inland (Bregenz 87 Prozent, Feldbach fünf Prozent, Slowenien acht Prozent) sichert eine hohe Wertschöpfung für Österreich. In Bregenz steht eine F&E-Abteilung mit aktuell 70 MitarbeiterInnen und einem jährlichen F&E-Aufwand von 7,2 Millionen Euro bereit.
Kapseln, die die Welt bedeuten
Es ist zweifellos eine der größten Erfolgsgeschichten der jüngeren Geschichte: Die Rede ist von Nespresso – jener Gelddruckmaschine des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, der nicht zuletzt dank seiner Galionsfigur George Clooney („What else?“) das Monopol auf dem Markt der Kaffee-Kapseln hält. Von einem kleinen Ort in Frankreich aus hat nun ausgerechnet Ex-Nespresso-Chef Jean-Paul Gaillard den Frontalangriff auf seine frühere Firma gestartet. Seit Ende letzten Jahres sind die günstigeren und biologisch abbaubaren Kapseln auch in Österreich erhältlich.
Jean-Paul Gaillard ist 57 Jahre alt – und möchte den Kaffee-Kapsel- Markt revolutionieren. Und zwar mit biologisch abbaubaren Kapseln, die in jede Nespresso-Maschine des Marktführers passen. Die von ihm 2008 gegründete Ethical Coffee Company (ECC) mit Sitz in Lausanne befüllt die Hüllen aus Pflanzenfasern und Maisstärke mit Kaffee, den ECC um 15 Prozent teurer einkauft, aber um bis zu 20 Prozent billiger als Nestlé an die Konsumenten weiterverkauft. Das Pikante an dieser Situation: Gaillard selbst war es, der als Nespresso-Chef von 1988 bis 1998 den Kult um die Kapsel erst so richtig entfachte. Mit coolen Boutiquen und clever designten Maschinen legte er den Grundstein für das, was nach seinem Abgang weiter steil bergauf ging.
Die biologisch abbaubare Alternative
600 Millionen Kapseln hat Nespresso 1998 verkauft, 2010 waren es bereits 4,8 Milliarden. Rund 15 Millionen Maschinen sind seit 1986 in den zumeist europäischen Haushalten gelandet. Ein ausreichend großer Markt also, um trotz rund 1700 Patenten, mit dem das Nespresso-System vor unliebsamen Nachahmern geschützt ist, den Kampf aufzunehmen. Für den Boss der Ethical Coffee Company kein Grund, seine Pläne zu ändern: Nur sechs Patente bezögen sich auf die Kapseln – und ECC verletze kein einziges von ihnen. Sicherheitshalber hat er die erste Fabrik aber in den EU-Raum, direkt an die Grenze zum Nestlé-Heimatland Schweiz, gelegt.
Seit Ende Oktober letzten Jahres sind die alternativen Espressokapseln auch in Österreich
bei rund 1.000 Billa und rund 120 Merkur- Märkten erhältlich. „Wir freuen uns, dass wir unseren Kunden auch in Österreich als erstes Unternehmen für das Nespresso-System kompatible, hochwertige Kaffeekapsel der Ethical Coffee Company anbieten können“, freut sich Erich Riegler, Leiter des Zentraleinkaufs REWE International AG. Zu Beginn werden fünf Espresso-Sorten eingeführt: ein kräftiger Espresso, ein fruchtiger Cremoso, ein milderer Armonioso, der Indiadoro und die entkoffeinierte Variante Decarabica. Mit einem Verkaufspreis von 2,99 Euro je 10er-Packung liegen die ECC-Kapseln etwa 15 bis 20 Prozent unter dem Preis für Original-Nespresso-Kapseln. Den Kunden schmeckt der nachhaltige Kaffee jedenfalls – wie Karin Nakhai, Pressesprecherin von REWE International AG bestätigt: „Wir sind mit dem Kaffeekapselverkauf sehr zufrieden. Die Kunden schätzen den nachhaltigen Mehrwert. Weil sie zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind, kann man die Kapseln nach dem Gebrauch in der Bio-Tonne oder auf dem Kompost entsorgen.“
Technologie made in Austria
Mit seiner Vision, 2013 schon 3,5 Milliarden Kapseln abzusetzen, will Jean-Paul Gaillard
freilich eher neuen Geldgebern den Mund wässrig machen. Zu den Investoren des rasch
wachsenden Unternehmens, an dem Gaillard gut ein Drittel der Anteile hält, zählen neben der Benetton-Familie, der Investmentfirma „21 Partners“ und einigen Fonds auch mehrere vermögende Privatpersonen. Ein Börsengang wird für 2013 ins Auge gefasst, dann sollten auch die Patentstreitigkeiten mit Nestlé bzw. Nespresso gelöst sein, glaubt Gaillard. Mit österreichischer Hilfe soll der Erfolg der ECC-Kapseln nun zusätzlich beschleunigt werden. Zwar sind die von Gaillard behaupteten Zahlen zum heimischen Verkaufsstart – sechs Millionen verkaufte Kapseln binnen vier Wochen, 20 Prozent Marktanteil – nicht überprüfbar. Doch der ECC-Boss setzt nicht
nur auf den rot-weiß-roten Geschmack, sondern auch auf Technologie made in Austria. Besonders enge Kontakte werden ihm mit BWT-Gründer Andreas Weißenbacher nachgesagt. Die in Mondsee ansässige, börsennotierende Best Water Group (BWT), die auf Wasseraufbereitung spezialisiert ist, soll ab Mitte 2012 eigene ECC-Espressomaschinen liefern. Was die Verträglichkeit mit anderen Systemen betrifft, kann es sich der Kleinere leisten, dem Großen gegenüber richtig großzügig zu sein. So werden sowohl Nespresso- Kapseln als auch die Kapseln anderer Mitbewerber mit den ECC-Maschinen funktionieren. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt,
beweisen auch Konsumententests, die teilweise von durchfallenden, sich verhakenden
oder schwerer zu drückenden Kapseln berichten – sowohl bei den biologisch abbaubaren REWE-Kapseln von Gaillard als auch beim Spar-Produkt Caffè Vergnano, das in Plastikgefäßen abgefüllt ist. Geschmacklich bleiben eingefleischte Nespresso- Fans ohnehin dem Original treu. In
einer Blindverkostung für konstument.at gewann der Nespresso-Kaffee klar vor den Herausforderern.
Politstreit um Citytunnel geht weiter
Kaum ein Thema polarisiert in der Stadt Salzburg seit Jahren so sehr wie der umstrittene Plan
zum Bau des Kapuzinerbergtunnels. Das zeigen auch die heftigen und emotionalen Reaktionen auf unseren Bericht in der letzten Ausgabe der Wirtschaftsnachrichten. Wen wundert es noch, dass sich die Parteien weder auf Landes- noch auf Stadtebene einig sind, wie es mit dem Projekt weitergehen soll. Nun soll der Bau auch noch den Status der Salzburger Altstadt als UNESCOWeltkulturerbe
gefährden.
Seit dem ersten Artikel zu diesem Thema mit dem Titel „Die unendliche Tunnel-Geschichte“ ist viel geschehen. So hat das Land Salzburg ein Verfahren gestartet, um die Trasse für den Kapuzinerbergtunnel freizuhalten – damit wäre eine anderweitige Verbauung unmöglich. So auch der Bau eines Wohnkomplexes, wie durch einen bayerischen Bauunternehmer geplant. Die betroffenen Flächen beim geplanten Nordportal (Schallmooser Hauptstraße/Vogelweiderstraße)
und beim Südportal (Dr.-Franz-Rehrl-Platz) sollen zum „Straßenplanungsgebiet“ erklärt werden. Eine entsprechende Verordnung nach dem Bundesstraßengesetz kann die Landesregierung erlassen. Zunächst werden alle Planungsunterlagen sechs Wochen lang beim Magistrat aufgelegt. Alle Bürger und die Stadt Salzburg können eine Stellungnahme abgeben. Dann werden die
Beamten einen Bericht an die Landesregierung erstellen.
Wohnbau oder Verkehrslösung?
Ob der geplante Bau auf dem Grund neben dem Unfallkrankenhaus damit passé ist, steht jedoch noch nicht fest. Planungsstadtrat Johann Padutsch von der Bürgerliste sieht durchaus politischen Spielraum. „Wenn eine Verordnung erlassen wird, dass eine Zufahrt zu einem möglichen Tunnel frei zu halten ist, wäre die geplante Verbauung trotzdem möglich. Wir halten einen zwanzig Meter
breiten Streifen frei. Wird eine Verordnung erlassen, die auf dem von der Wirtschaftskammer vorgelegten Projekt basiert, gäbe es nichts mehr zu verbauen. Dann wäre die gesamte Fläche ein Verkehrsknoten.“ Die Machbarkeitsstudie der Wirtschaftskammer geht von maximal 25.000 Fahrzeugen täglich aus, die den Tunnel passieren (zum Vergleich: In der Eberhard-Fugger-Straße fahren 30.000 Autos). Für einen solchen Tunnel wären je zwei Einfahrts- und Ausfahrtsspuren
nötig, die im Tunnel zusammenlaufen. Der Tunnel selbst wäre zweispurig.
Burgstaller bremst
Während die ÖVP in Stadt und Land, die Wirtschaftskammer und die Arbeiterkammer für die Verordnung zur Freihaltung des Rehrlplatzes eintreten, will Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) diese vorerst nicht unterschreiben. Nun ist bekannt, dass Burgstallers Parteifreund, Bürgermeister Heinz Schaden, als vehementer Gegner des Kapuzinerbergtunnels gilt. Die Vermutung liegt also nahe, dass die Landeshauptfrau einen neuerlichen offenen Konflikt zu diesem Thema nun vermeiden möchte. „Ich habe damit keine Eile in dem Sinne, dass wir jetzt eine Verordnung erlassen müssen“, so Burgstaller. „Ich habe ein gemeinsames Hearing mit Stadt und Landespolitikern vorgeschlagen. Von mir gibt es nur dann eine Unterschrift, wenn wir miteinander einen intelligenten Weg in die Zukunft finden.“
Gefahr für Weltkulturerbe?
Und ob die Situation noch nicht kompliziert genug wäre, kommt nun noch ein zusätzlicher Aspekt hinzu: Aus Expertensicht würde sich das Tunnelprojekt negativ auf die kultur- und architekturhistorische Bedeutung der Innenstadt auswirken. Das geht aus einem Brief der UNESCO-Experten an die Salzburger Landesregierung hervor. Sollte die Tunnelplanung fortgesetzt werden, dann verlangen die UNESCO-Experten eine umfassende Information, um das Weltkulturerbe weiterhin überwachen zu können. Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) bewertet den Brief der UNESCO-Experten als einen deutlichen Hinweis, dass ein Tunnel das Weltkulturerbe massiv angreifen würde. Laut Padutsch müssten drei historische Gebäude in der Arbenbergstraße der Tunneleinfahrt weichen. Der Rehrlplatz neben dem Salzburger Unfallkrankenhaus liegt in der Schutzzone des UNESCO-Weltkulturerbes.
Citytunnel – die unendliche Geschichte
Die Pläne um den Bau eines Tunnels durch den Kapuzinerbergs sind fast genauso alt wie der Verkehr selbst: Bereits 1899 sah ein Entschluss des Gemeinderats einen Tunnel zwischen dem rechten Salzachufer im Bereich des Äußeren Steins (bei der Einmündung der Steingasse in die Imbergstraße) und Schallmoos in der Höhe der Bayerhamerstraße vor. Dieser Plan ist das erste Dokument, in dem die Errichtung eines Tunnels ausdrücklich erwähnt wurde. Nach zahlreichen ähnlichen Vorstößen geht 1971 der Vorschlag des Münchner Verkehrsexperten Karl Heinz Schächterle als der „Schächterle-Plan“ in die Geschichte ein. Als Ergebnis seiner umfassenden
Verkehrsanalyse schlägt er zur Bewältigung des künftigen Verkehrsanstiegs den Bau von Ringstraßen und Brücken sowie eines Tunnels durch den Kapuzinerberg vor. Im Gegenzug könnte die Innenstadt verkehrsberuhigt werden. Nur ein Jahr später, 1972, finden sich dementsprechende Pläne in den Verkehrsprogrammen sämtlicher Stadtparteien an oberster Stelle. Zeithorizont für die Realisierung: 1976. 1988 beauftragt der Gemeinderat erneut die Erstellung einer Machbarkeitsstudie: Diese neue Variante sieht einen vierspurigen, niveaufreien Straßentunnel durch den Kapuzinerberg von der Vogelweiderstraße bis zum Bürglstein und weiter eine Unterflurtrasse unter der Salzach bis zur Alpenstraße vor. Kosten des rund zwei Kilomter langen Tunnels: rund eine Milliarde Schilling. Dieser Plan wurde jedoch ebenso wieder verworfen wie die Machbarkeitsstudie zum Citytunnel von 2001 oder die gemeinsame Erklärung der Gemeinden des Ragionalverbandes Salzburg Stadt und Umgebungsgemeinden 2003.
„Salzburg darf nicht Simmering werden!“
In einem ausführlichen Leserbrief nimmt der Salzburger Anton K. Bucek, ein langjähriges
Mitglied des Wirtschaftsparlaments in der Wirtschaftskammer Salzburg, nun Stellung. In seiner Zeit als Gemeinderat in Salzburg hatte Bucek allein etwa 25 Anträge und Anfragen für ein dringend notwendiges Entlastungsprojekt durch den Kapuzinerberg eingebracht. „In den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden vom Bund bereits zig Millionen für dieses Entlastungsprojekt budgetiert, da es in Salzburg aber zu keinem Gemeinderatsbeschluss kam, wurde dieses für Salzburg reservierte Geld der Stadt Wien zugewiesen, die damit die Verlängerung der U6 von Erdberg nach Simmering finanziert hat. Salzburg ist um das Investitionsvolumen umgefallen.“ Laut Bucek liegen mittlerweile ingesamt fünf Studien vor, die nicht nur die bautechnische und Machbarkeit, sondern auch die zentrale Bedeutung des Projekts für die Stadtentwicklung bestätigen. „Die Untersuchungen zeigen überaus positive Ergebnisse“,
so Bucek. „Laut Studie kommt es – im Gegensatz zu den Behauptungen im gegenständlichen
Antrag – zu keinerlei Steigerung des Individualverkehrs im Untersuchungsgebiet, sondern zur Reduktion von über sechs Millionen Umwegkilometern im Jahr. Das entspricht 14 autofreien Tagen in der Stadt Salzburg.“