Aktuelle Ausgabe10/2017

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Der Westen ist gut gerüstet

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Wirtschaft braucht Innovationen

Keine Zukunft ohne Bildung, Forschung und Innovation. Im Zeitalter der Digitalisierung und Automatisierung wird die Verschränkung von Gesellschaft, Bildung und Wirtschaft immer wichtiger. Salzburg, Tirol und Vorarlberg zählen dabei zu den innovativsten Forschungs- und Technologiestandorten in Österreich.


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Mit knapp drei Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) des Landes für Forschung und Entwicklung liegt Österreich deutlich über dem EU- und OECD-Durchschnitt. Doch es braucht mehr als nur hohe Investitionen. Mit dem Aufbau des Fachhochschulsektors Mitte der 1990er-Jahre, der Reform des Studiensystems (Bologna-Prozess) und der Überführung der Universitäten in die Autonomie wurden Meilensteine gesetzt. Das System der Forschungsförderung wurde reformiert, wichtige neue Förderprogramme und die steuerliche Forschungsförderung ins Leben gerufen. Auch die außeruniversitären Forschungsinstitute wurden neu ausgerichtet sowie die Mittel zur Förderung der anwendungsorientierten bzw. wirtschaftsnahen Forschung erhöht. Mit verschiedenen Maßnahmen wurden die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft deutlich ausgebaut, Kompetenzzentren – wie etwa im Rahmen des Forschungsförderungsprogramms COMET – errichtet und Forschungszentralen in Österreich angesiedelt. Innovative Unternehmen können in Österreich auf ein System an Unterstützung zurückgreifen, das auch international als vorbildlich gilt.

SALZBURG

Was muss Salzburg tun, um exzellent zu sein?

Im Jahr 2015 haben die Salzburger Landesregierung und die industriellenvereinigung (IV) Salzburg das Industriepolitische Abkommen „Zukunftsweisende Wege für Salzburg“ unterzeichnet. Es ist das dritte derartige Abkommen zwischen beiden Partnern. Ziel des Abkommens ist es, Salzburg nachhaltig weiterzuentwickeln. „Wir forcieren damit Rahmenbedingungen, die Wirtschaftskraft und Attraktivität des Industriestandortes Salzburg stärken“, betont Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Die Industrie ist Wertschöpfungs- und Jobmotor und wirtschaftlich mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen verknüpft. „Die Informations- und Kommunikationstechnologien haben jetzt schon eine enorme Bedeutung für Salzburg als Wirtschaftsstandort. Mit der Wissenschafts- und Innovationsstrategie (WISS 2025) setzen wir nach einer Analyse der Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Risiken dort an, wo wir dringende und zugleich langfristige Innovationen brauchen“, so Haslauer.

Neue Geschäftsmodelle durch Digitalisierung

Die fortschreitende Digitalisierung bedingt neue Geschäftsmodelle und erfordert die besten Köpfe. Gefragt sind neben Digitalisierungskompetenzen zunehmend Soft Skills und vernetztes Denken. Der Bedarf an geeigneten Fachkräften in Salzburger Leitbetrieben zeigt, dass mehr denn je in den Nachwuchs investiert werden muss. „Salzburg muss zum ‚Innovation Leader‘ werden, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region zu sichern. Gezielte Maßnahmen im Bildungssystem, in der Forschungsförderung und der Innovationspolitik sind die Ausgangsbasis für die Zukunftsfähigkeit unserer Region“, betont auch IV-Salzburg-Geschäftsführerin Irene Schulte.

The Hub: Technologie-Initiative der Universität Salzburg

In Salzburg-Itzling formiert sich seit einigen Jahren ein erfolgreicher Forschungs- und Technologiestandort. So entsteht eine neuer Forschungscluster mit dem Generalthema „Smart Environments: Materials, Interfaces and Digital Earth“. Dabei soll zentralen Fragestellungen von Menschen in aktuellen und zukünftigen digitalen und intelligenten Umgebungen bzw. Anwendungskontexten nachgegangen werden. In unmittelbarer Nachbarschaft forschen die Salzburg Research Forschungsgesellschaft und drei technologische Fachbereiche der Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS). Salzburg Research mit dem Schwerpunkt Informationstechnologie (IT) und die Fachbereiche Chemie und Physik der Materialien (CPM), Geoinformatik und Human Computer Interaction der PLUS ergänzen sich gegenseitig und führen zu neuen interdisziplinären Forschungsansätzen. Univ.-Doz. Siegfried Reich, Geschäftsführer der Salzburg Research, dazu: „Ein hochaktuelles Forschungsthema zwischen Salzburg Research und der Universität ist gegenwärtig in Ausarbeitung: Wir erarbeiten gemeinsam mit Unternehmen aus der Region ein COMET-Kompetenzzentrum (Competence Centers for Excellent Technologies) zum Thema ‚Digital Customer of the Future‘. Technische Entwicklungen des ‚Internets der Dinge‘ werden hier mit den Entwicklungen im Bereich ‚Customer Experience‘ verbunden, sodass – ausgehend von der Kundenperspektive – neue Geschäftsmodelle und damit neue Marktchancen für Unternehmen entstehen.“ Info: Für die Umsetzungsmaßnahmen, um Salzburgs Stellung als Technologie- und Wissenschaftsstandort zu stärken, wurde für die Jahre 2017 und 2018 ein Sonderbudget in Höhe von je fünf Millionen Euro bereitgestellt. Das Geld fließt in die betriebliche Forschung, in den Bereich Bildung, z.B. für eine Juniorprofessur Data Sciene, für Spürnasenecken in Volksschulen oder für Studierende der Informatik, die besonders unterstützt werden. Weiters wird auch der neue Studiengang Pharmazie an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) unterstützt, weil dieser wichtig für Unternehmen im Life-Science-Sektor und deren Forschung ist.

TIROL

Top-Technologie-Region setzt auf Kooperation

Den von der Statistik Austria aktuell publizierten Zahlen zufolge sind die Pro-Kopf-Forschungsausgaben in Tirol auf knapp 1.325 Euro gestiegen und liegen damit auf Platz drei im Vergleich der österreichischen Bundesländer. Die Tiroler Forschungsausgaben erreichten im Jahr 2015 insgesamt 975 Millionen Euro. „Die regionalen Forschungszahlen zeichnen Tirol erneut als Top-Technologie-Region aus. Besonders erfreulich ist, dass die Wirtschaft sich mit wachsenden Forschungsausgaben signifikant am Ausbau des Technologiestandortes beteiligt. Die betreffenden Betriebe investieren in ihre eigene Zukunft und sichern gleichzeitig hochqualifizierte Arbeitsplätze“, kommen- tierte die Tiroler Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf die Ergebnisse. Tiroler Unternehmen haben im Jahr 2015 einen Rekordwert von 619 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Mit einem Zuwachs von 62 Prozent seit 2009 steigen die Ausgaben der Betriebe am viertstärksten in Österreich. Wirkungsvolle Unterstützung erhalten die forschenden Unternehmen über Förderungen, welche die Forschungsausgaben mit 49,2 Euro pro Kopf finanzieren. Das Land ist damit der zweitgrößte Forschungsgeldgeber unter den österreichischen Bundesländern. Zu den Finanziers der Tiroler Forschung zählen neben heimischen Unternehmen mit 48,9 Prozent und der öffentlichen Hand mit 38 Prozent auch Unternehmen mit Sitz im Ausland. Ihr Finanzierungsbeitrag beläuft sich im Jahr mit rund 97 Millionen Euro auf knapp zehn Prozent der Tiroler Forschungsausgaben.

COMET-Zentrum ACMIT

Mit Beteiligung aus Tirol konnte sich zuletzt das COMET K1-Zentrum ACMIT Austrian Center for Medical Innovation and Technology mit Sitz in Wiener Neustadt die Förderzusage bis 2021 sichern. Die Tiroler Unternehmen iSYS Medizintechnik, MED-EL Elektromedizinische Geräte, ESD Evaluation Software Development, Oncotyrol und Tirol Kliniken sowie die Medizinische Universität Innsbruck und die UMIT forschen zusammen mit den Experten von ACMIT an minimalinvasiven Medizintechnologien und medizinischer Datenverarbeitung. „Der Technologiestandort Tirol ist für ACMIT von großer Bedeutung. In der neuen Förderphase wickeln wir ein Drittel des gesamten Projektvolumens mit Tiroler Firmenpartnern ab, gemeinsam steigern wir die internationale Sichtbarkeit der österreichischen Medizintechnik“, erläutert ACMIT-Geschäftsführer DI Nikolaus Dellantoni. Insgesamt realisiert ACMIT von 2017 bis 2021 Forschungsprojekte im Wert von 18,7 Millionen Euro. Mit 2,6 Millionen Euro leisten die fünf beteiligten Tiroler Unternehmen ein Viertel der Beiträge der Wirtschaftspartner, weitere 17 Unternehmen zahlen in Summe 6,8 Millionen Euro ein. Das Land Tirol fördert das Zentrum mit 870.000 Euro über die Standortagentur Tirol, das Land Niederösterreich mit zwei Millionen Euro sowie der Bund mit 5,6 Millionen Euro über die FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft). Weitere 900.000 Euro kommen von den beteiligten Wissenschaftseinrichtungen.

MCI entwickelt gemeinsam mit PDAgroup „Skill-Matching“

Das in Innsbruck entwickelte EU-Projekt OpenSKIMR trägt europaweit dazu bei, die beruflichen Entwicklungschancen von Menschen zu verbessern und Arbeitslosigkeit zu verringern. Es „matcht“ (führt zusammen) auf Basis eines eigens entwickelten komplexen Algorithmus die persönlichen Daten eines Nutzers mit den individuellen sich für dieses Profil ergebenden Karrieremöglichkeiten und schlägt passende Berufswege und Weiterbildungen vor. Nach eineinhalb Jahren intensiver Forschung und Entwicklung am Management Center Innsbruck (MCI), gemeinsam mit dem international tätigen Beratungsunternehmen PDAgroup sowie dem Mobilfunkunternehmen Telefónica, ist ein Prototyp für jeden kostenlos zugänglich. Hintergrund des EU-geförderten Projektes ist der laufende Wandel der Berufsfelder und der dafür benötigten Fähigkeiten in einer zunehmend digitalen Welt. So ist es für viele Menschen schwierig, selbstständig die richtige berufliche Perspektive zu finden und mit passenden Weiterbildungen zu ergänzen, um den entsprechenden Berufswünschen näherzukommen oder sich persönlich weiterzuentwickeln. Der OpenSKIMR schlägt nun nach Eingabe der persönlichen Daten und beruflichen Interessen auf Basis eines Algorithmus Weiterbildungsoptionen vor und veranschaulicht sie anschließend als individuelle Karriere-Route. Mathematiker und Forscher vom MCI haben den komplexen Algorithmus entwickelt, der dies ermöglicht. Info: Tirol liegt beim Ausbau eines flächendeckenden Breitbandnetzes, was den Aufholprozess angeht, im Österreichvergleich an erster Stelle. Die Breitbandoffensive des Landes wurde im Frühjahr diesen Jahres über das Jahr 2018 hinaus um weitere fünf Jahre verlängert und weist damit eine Laufzeit bis zum Jahr 2023 auf und ist damit insgesamt mit 100 Millionen Euro dotiert. Außerdem beschloss die Landesregierung am 05.09.2017, weitere 100 Millionen Euro für die Digitalisierung Tirols bis zum Jahr 2023 bereitzustellen.

VORARLBERG

Building Information Modeling (BIM) Cree by rhomberg

Die Digitalisierung verändert jede Branche in unterschiedlichem Umfang und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Auch die Bauwirtschaft nutzt in verschiedenen Phasen der Wertschöpfungskette digitale Technologien zur Unterstützung. BIM – Building Information Modeling – ist ein innovativer, IT-gestützter Ansatz, um die Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden zu optimieren. Das Dornbirner Unternehmen Cree setzt BIM bereits aktiv ein und denkt Bauprozesse neu. Der LifeCycle Tower von Cree ist ein Holz-Beton-Hybrid-Bau-System, dessen Komponenten – Kern, Decke, Stützen, Fassadenelemente – standardisiert vorgefertigt und individuell angepasst werden. Laut Cree sitzen zukünftig Architekten, Stadtplaner, Techniker und Inneneinrichter gemeinsam am „virtuellen“ Tisch und entwerfen mittels BIM in Echtzeit ein digitales Gebäudemodell. Die Anforderungen aller Partner fließen dadurch bereits von Planungsbeginn an transparent in das Modell ein und die Auswirkungen von Änderungen auf Kosten, Ressourcen, Mengen oder Platzbedarf sind für alle direkt ersichtlich. So werden zeitaufwendige Rückkoppelungen und Koordinationen, wie sie heute erforderlich sind, obsolet. Alle Partner greifen in Echtzeit auf dieselben Daten zu. Dieser offene Designprozess ermöglicht es, Systeme umfassend durchzudenken und dadurch beispielsweise auch „Internet of Things“ (IoT)-Komponenten und Steuerungssysteme frühzeitig einzuplanen. Diese können dann bereits bei der Vorfertigung berücksichtig werden und verhindern kostenintensive Nachrüstungen. BIM wird auch auf europäischer Ebene immer wichtiger. So ist geplant, dass ab 2018 öffentliche Bauherren BIM in ihren Abläufen implementieren und ihre Bauvorhaben in dieser Technologie abwickeln müssen.

Digitale Schwerpunkte im Visier

Die Auswirkungen der Digitalisierung manifestieren sich auf zahlreichen Ebenen. Sie machen die digitale Transformation zum unverzichtbaren Bestandteil leistungsfähiger Wirtschaftssysteme. „Zwischen dem Grad der Digitalisierung eines Landes und seiner Standortqualität gibt es ganz klare Parallelen“, erklärt Hans Peter Metzler, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Diesen Zusammenhang bestätigen die Ergebnisse einer Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), bei der Österreich im internationalen Vergleich auf dem 13. von 29 Rängen liegt. Zur Digitalisierung gesamter Wertschöpfungsketten – vom Lieferanten über die Produktion bis zum Kundenkontakt – soll die Entwicklung von intelligenten Prozessen und Produkten fokussiert werden. Experten zufolge zeigen sich bereits Fortschritte im Bereich der „Smart Production“, während „Smart Products“ bzw. „Smart Services“ nur von digitalen Vorreitern umgesetzt werden. Im Schwerpunkt „Forschung und Entwicklung“ soll Vorarlberger Unternehmen deshalb der Zugang zu diesen Feldern erleichtert werden. Dem Vorarlberger Forschungsinstitut V-Research konnte beispielsweise in Kooperation mit der TU-Wien der Zuschlag für ein neues Kompetenzzentrum (CDP – Austrian Center for Digital Production) gesichert werden, das sich auf die zunehmende Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft konzentriert.

Vorarlberg ist digitaler Spitzenreiter

Im österreichweiten Vergleich sind Vorarlbergs Unternehmen in Sachen Digitalisierung Spitzenreiter. Demnach erwarten 92 Prozent der Betriebe direkte Auswirkungen der Digitalisierung auf ihr Unternehmen, womit Vorarlberg weit vor dem österreichweiten Durchschnitt von 73 Prozent liegt. Laut Kreditschutzverband von 1870 (KSV) seien die positiven Ergebnisse unter anderem auf bewusstseinsbildende Maßnahmen der Vorarlberger Wirtschaftskammer (WKV) zurückzuführen. Zwar wird der digitale Wandel mehr als Chance zur Weiterentwicklung denn als Bedrohung wahrgenommen, aber auf neuen Gebieten ist dennoch Vorsicht geboten: Eine der größten Gefahren orten die Unternehmer in Hackerangriffen und Cyberkriminalität.

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