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„Grüne“ Anleihen – der Markt für Green Bonds wächst


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In einem diversifizierten und nachhaltig orientierten Portfolio finden Green Bonds – „grüne Anleihen“ – immer häufiger ihren Platz: Nicht nur der Bedarf, sondern auch die Nachfrage nach solchen Anlagen ist stark gestiegen.

Von Christian Wieselmayer

Green Bonds sind Anleihen, die hauptsächlich ökologische Zielsetzungen und Renditeaspekte vereinen. Übergeordnet kann dieses Kapitalanlageinstrument zu nachhaltigen Produkten gezählt werden, die auch teilweise zum Segment des impact investing angehören, beispielsweise Solarkraftwerke und Windparks. Green Bonds haben ihre Ursprünge bei supranationalen Emittenten wie der Weltbank oder der europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Die Idee dahinter: Geld aus grünen anleihen darf ausnahmslos nur für Umweltprojekte eingesetzt werden. Denn nur dann verdient eine grüne Anleihe diese Bezeichnung. Dieser Emittentenkreis erweiterte sich vor allem in den letzten Jahren auf Finanzdienstleister und andere Unternehmen. Immer mehr Staaten und Firmen begeben spezielle Anleihen zur Finanzierung von Umweltprojekten. Deshalb legt die EU jetzt Spielregeln für das Segment der Green Bonds fest. Das Vorhaben, das die EU ende 2015 im Rahmen der Pariser Klimakonferenz beschlossen hat, ist durchaus ambitioniert. Das abkommen CoP21 der Vereinten Nationen sieht eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten vor. Um das zu erreichen, setzt man in der EU unter anderem auf den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Bis 2030 sollen klimaschädliche Emissionen im Vergleich zu 1990 um rund 40 Prozent reduziert werden. Der ehrgeizige EU-Plan hat aber seinen Preis und wird auf etwa 180 Milliarden Euro geschätzt. Dafür braucht man entsprechende Finanzierungsideen. Dazu erarbeitete im Vorjahr eine eigens geschaffene „hochrangige EU-Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen“ Empfehlungen. Diese wurden Ende Jänner 2018 der EU-Kommission überreicht. Einer der Eckpfeiler zielt dabei auf den Markt für „grüne Anleihen“ ab. Allerdings ist der Spielraum bei der Interpretation von „grün“ ziemlich weit gefasst. Deshalb feilt die Kommission jetzt an offiziellen europäischen Nachhaltigkeitsstandards und -zertifikaten für Green Bonds. Damit sollen einerseits Staaten und Unternehmen ermutigt werden, noch mehr Green Bonds zu emittieren. andererseits soll möglichem Wildwuchs ein Riegel vorgeschoben werden. „Auch wenn einheitliche Standards noch fehlen, so muss man doch betonen, dass die Branche hier schon erhebliche Arbeit geleistet hat. Nächster Schritt wäre es, zwei in der Praxis gängige Beurteilungsmethoden in eine bindende Richtlinie zu gießen. Dabei handelt es sich einerseits um freiwillige Richtlinien wie ‚die Green Bond Principles 2017‘ und andererseits um die Einholung einer zweiten Meinung eines unabhängigen Datenanbieters, sogenannte ‚Second Party opinions‘“, sagt Robert Striberny, Partner der Bank Gutmann AG und Leiter von Gutmann Salzburg.

Warum nachhaltige Investitionen?

„Die Umsetzung der ‚Nachhaltigen Entwicklungsziele‘ der Vereinten Nationen sowie der Ziele des Pariser Klimaabkommens sind natürlich die Hauptmotive, warum der Markt für Green Finance derzeit rasch wächst. Green Finance ist dabei freilich nur ein Schlagwort, das viel breiter für nachhaltige Finanzierung steht, wobei Faktoren von Geldwäsche bis Waffenproduktion relevant sind. Für den Anleger unmittelbar wichtig sind z.B. risikogesichtspunkte, die direkt auf den Wert seiner Anlage durchschlagen. Beispiele dafür sind etwa Versicherungen bei vermehrten Schadensereignissen, aktuell auch die Volkswagenaktie, die durch den Abgasskandal deutlich an Wert verloren hat“, sagt Peter Mooslechner, Direktor der österreichischen Nationalbank. In der Realwirtschaft entpuppt sich nachhaltiges, auch umweltbewusstes Wirtschaften immer öfter als Wettbewerbsvorteil. „Bei Ausschreibungen, insbesondere auch von privater Seite, werden zunehmend ‚grüne‘ Anforderungen gestellt. Grünes Wirtschaften wird so immer bedeutender und bringt Marktanteile, mehr Umsatz, höhere Profitabilität. außerdem sind Unternehmen, die sich vermehrt dem Nachhaltigen und somit auch umweltbewussten Wirtschaften verschreiben, weniger risikoanfällig, resilienter. Weniger Risiko und höhere Profitabilität, das schlägt sich dann auch in der Firmenbewertung nieder. Dies ist empirisch nachweisbar: In den letzten zehn Jahren haben Aktien von nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen eine höhere Bewertung erhalten und deren Kursentwicklung hat ganz klar den restlichen Markt übertroffen.

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe Oktober/18.

 

Foto: iStock.com/Pashalgnatov

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