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„War of Talents“ voll entbrannt

Verfügbarkeit von Fachkräften wird zunehmend wichtig

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Die Verfügbarkeit von Fachkräften und digitaler Infrastruktur gehört mittlerweile zu den ausschlaggebenden Faktoren bei der Standortwahl.

Von Ursula Rischanek

Eine perfekte Infrastruktur und günstige Betriebsgrundstücke – mit diesen beiden Argumenten machen Kommunen, Wirtschaftsparks und andere Anbieter von Gewerbe- und Industrieimmobilien ansiedlungswillige Betriebe gerne auf sich aufmerksam. Damit können sie zwar durchaus noch punkten, doch die Attraktivität von Autobahn- oder Eisenbahnanschluss und Co. rückt zunehmend in den Hintergrund. Denn ein ganz anderer Faktor läuft diesen den Rang ab, nämlich das Humankapital. „Mittlerweile ist die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern für die Standortwahl wichtiger als der Autobahnanschluss und sie wird auch in Zukunft ein zentraler Faktor sein“, sagt René Siegl, Geschäftsführer der Austrian Business Agency ABA-Invest in Austria. Das gelte vor allem für internationale Konzerne.

Auch Bernhard Gröhs, CEO des Consulters Deloitte Österreich, weiß, dass die Verfügbarkeit von Fachkräften in den meisten Branchen ganz oben auf der Liste der Standortkriterien steht. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Europaweit gehen den Firmen die Mitarbeiter aus. „Der Fachkräftemangel ist europaweit ein Top-Thema für das Unternehmensrisiko“, sagt Gröhs. Somit ist nicht nur zwischen den Unternehmen, sondern auch den Wirtschaftsstandorten der Kampf um die besten Köpfe voll entbrannt. „Österreich steht also mit anderen Staaten im Wettbewerb“, sagt Gröhs. Dies umso mehr, da die österreichischen Humanressourcen bereits in der Vergangenheit für so manche Standortentscheidung ein wesentlicher Faktor waren und weniger günstige Standortfaktoren wie Bürokratie, die geringe Verfügbarkeit von Risikokapital oder die hohe Steuer- und Abgabenquote in den Hintergrund gedrängt wurden. „Wegen günstigerer Kosten kommt niemand nach Österreich“, sagt Siegl. Punkten konnten die heimischen Arbeitnehmer unter anderem mit guter Ausbildung, hoher Produktivität und Motivation sowie der geringen Streikbereitschaft.

War of Talents ist entbrannt

Doch jetzt verliert eines der Asse des Wirtschaftsstandortes Österreich an Zugkraft. Denn auch in der Alpenrepublik ist der War of Talents mittlerweile voll entbrannt. Der Deloitte Radar beispielsweise, mit dem jedes Jahr die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich gemessen wird, hat zuletzt für die Verfügbarkeit von Arbeitskräften nur zwei von fünf möglichen Punkten vergeben. Vielen Firmen, vom Konzern bis zum Kleinbetrieb, gehen quer durch alle Branchen die Mitarbeiter aus. Österreichweit fehlen der heimischen Wirtschaft rund 162.000 Fachkräfte. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des ibw (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft) im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich hervor. Demnach ist der Fachkräftemangel bereits für 87 Prozent der Betriebe spürbar, 75 Prozent der Betriebe leiden bereits unter starkem Fachkräftemangel. Die Folge ist, dass viele Unternehmen die gute Konjunktur gar nicht ausschöpfen können. Bereits 60 Prozent der Betriebe sagen, dass der Fachkräftemangel zu Umsatzeinbußen führt oder bald führen wird. Und 49 Prozent von ihnen klagen, dass der Fachkräftemangel dazu führt, dass sie Produkt- und Serviceinnovationen einschränken müssen. Dass sich da bald etwas ändern wird, glaubt kaum jemand: Immerhin 82 Prozent der Befragten rechnen damit, dass sich der Fachkräftemangel in ihrer Branche in den nächsten drei Jahren weiter verschärfen wird.

Attraktivitätsverlust droht

Tritt dieses Szenario tatsächlich ein, wird die Position des Wirtschaftsstandortes Österreich weiter geschwächt. Denn schon jetzt schlägt sich der heimische Fachkräftemangel nicht nur im Deloitte Radar 2018, sondern auch im „Monitoring Report Index 2018“ (MRI) der Wirtschaftskammer nieder. Während Österreich laut MRI zwar in den Bereichen „Innovation und Digitalisierung“, „Internationalisierung und Offenheit“ und „Lebensqualität und Gesellschaft“ im internationalen Vergleich zu den Top-Playern zählt, wird der Bereich „Arbeit und Soziales“ neben den Teilbereichen „Bürokratie und Regulierung“ sowie „Finanzmarkt und Investitionen“ am schlechtesten eingestuft. Als Gründe für die schlechten Noten beim Thema „Arbeit und Soziales“ werden neben dem Reformbedarf bei Pensionen, Arbeitsmarktregulierung und Arbeitszeit die hohen Lohnnebenkosten, die hohe Besteuerung des Faktors Arbeit, die niedrige Beschäftigung älterer Arbeitnehmer sowie der herrschende Fachkräftemangel und der „brain drain“ genannt. Und auch beim kürzlich präsentierten weltweiten Standort-Ranking des World Economic Forums (WEF), bei dem Österreich vom 21. auf den 22. Platz abgerutscht ist, wird zwar das Lehrlingswesen positiv bewertet, während die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte die Platzierung belastet.

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 11/2018.

Foto: iStock.com/TommL

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