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Kleinwasserkraft: „Wir werden alles brauchen“

Kleinwasserkraft

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Vielleicht nicht in aller Munde, doch gewiss in jeder Steckdose ist Ökostrom. Die österreichische Kleinwasserkraft hat wesentlichen Anteil an der „sauberen“ Stromerzeugung und ist nicht nur aufgrund ihrer Langlebigkeit ein Wirtschaftsfaktor.

Von Martin Berger

Österreich ist traditionell ein Land der Wasserkraft, doch stößt die Errichtung neuer, vor allem größerer Kraftwerksanlagen häufig auf Widerstand in der Bevölkerung. Kleinwasserkraft wird wegen ihrer ökologischen Betriebsamkeit und der Rückwirkung auf die regionale Wirtschaft als ganz und gar nicht „klein“ gehandelt, sondern als Aktie mit Zukunftswirksamkeit. Der Strommarkt und die ungleichmäßige Verteilung von Fördergeldern setzen dem nachhaltigen Wirtschaftszweig aber schon seit Längerem zu.

Land des Wassers

Wasserkraft ist in Österreich überlegener Stromproduzent Nummer eins. Im Jahr 2016 wurden rund 70 Prozent des Gesamtstrombedarfs aus Wasserkraft gewonnen – die Tendenz ist nach wie vor steigend. Der von der Wasserkraftbranche erwirtschaftete Jahresumsatz beläuft sich auf zwei Milliarden Euro, insgesamt wurden fast 80.000 Gigawattstunden in den Sektoren Wasserkraft, Großwasserkraft und Kleinwasserkraft erzeugt. Damit stellt man knapp ein Drittel der gesamten Energieerzeugung in Österreich sicher. Die Branche beschäftigt derzeit rund 7000 Mitarbeiter und wird jährlich mit 30 Millionen Euro von öffentlicher Hand subventioniert.

Annähernd zehn Prozent des österreichischen Strombedarfs werden von der Kleinwasserkraft abgedeckt. Ökostrom aus rund 3500 Kraftwerksanlagen im gesamten Bundesgebiet fließt in 1,7 Millionen Haushalte. Anders ausgedrückt: Die Kleinwasserkraft produziert ausreichend Strom, dass jeder zweite Haushalt in Österreich damit versorgt werden kann. Aber wie definieren sich Kleinwasserkraftwerke oder wo liegt die Schwelle zu den größeren Brüdern? Paul Ablinger, Geschäftsführer des Vereins Kleinwasserkraft Österreich, gibt darüber Auskunft: „Kleinwasserkraft schließt Anlagen bis zu zehn Megawatt mit ein.“ In der EU gibt es grundsätzlich keine Übereinkunft, bis zu welcher Engpassleistung Kleinwasserkraftwerke als solche zu definieren seien, jedoch liegt die Obergrenze regulär zwischen einem und 15 Megawatt. Zum Vergleich: Der österreichische Pumpspeicher-Riese Malta erzeugt 730 Megawatt Leistung.

Gut für die Umwelt, gut für die Wirtschaft

Kleinwasserkraft erzeugt ökologisch „sauberen“ Strom und steht deswegen auf der Liste der staatlich geförderten Energieträger. Durch ihre Nutzung werden jährlich sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden. Außerdem wird angetriebener Zivilisationsabfall durch spezielle Rechen entfernt, die verhindern sollen, dass die Turbinen verschmutzen. Rund um die Stauräume entstehen neue „Kulturlandschaften“, die für Mensch und Tier gleichermaßen eine Bereicherung darstellen können. Zugleich wirken sich mit dem Bau verbundene Begleitmaßnahmen nicht selten positiv auf die betroffenen Naturräume aus. „Fischwanderhilfen ermöglichen Wassertieren das Umgehen der Kraftwerksanlage“, erklärt Ablinger. „Dadurch werden völlig neue Lebensräume geschaffen, die die Artenvielfalt begünstigen.“

Aus wirtschaftlicher Sicht ist die österreichische Kleinwasserkraft zu 100 Prozent heimische Wertschöpfung und schlägt mit dem 3,5 fachen Effekt zurück. „Das heißt, je investierten 1000 Euro kommen 3500 Euro retour“, rechnet Ablinger vor. Wer hier ein sicheres Geschäft vermutet, braucht das nötige Kleingeld und muss mit einer langen Amortisation rechnen. „Über den Daumen gepeilt, kostet eine Kleinanlage mit 100 Kilowatt rund 400.000 Euro“, verrät Ablinger und fügt an, dass die Kosten aufgrund zu treffender Begleitmaßnahmen stark schwanken könnten. Zeit sei ein wesentlicher Faktor, so der Geschäftsführer, denn ein Kraftwerk werde für mehrere Generationen gebaut. Lebensdauer lautet hier das Zauberwort: Kleinwasserkraftwerke übertreffen ihre Mitbewerber aus dem Ökostromsektor in dieser Beziehung deutlich und können deswegen wirtschaftlich lange rentabel sein. „Demnach wäre eine Investition in die Branche sowohl ökologisch als auch ökonomisch nachhaltig“, erklärt Ablinger.

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe.

Foto: iStock.com/wakila

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