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Oft kein Preis zu hoch

Ehrenamtliche Einsatzhelfer

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Ehrenamtliche Einsatzhelfer

Helfend einzuspringen ist für viele Österreicher eine Selbstverständlichkeit und ein wesentlicher Kitt innerhalb der Gesellschaft. An Grenzen stößt das Engagement allerdings, wenn es nicht mit dem Arbeitsplatz vereinbar ist. Hier sind dringend Lösungen gefragt.

Von Siegfried Hetz        

Die Arbeitswelt von heute ist eng getaktet und Projektarbeit ist schnell gefährdet, wenn es spontan zu Ausfällen kommt, weil einer der Verantwortlichen als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr für Tage das Team verlässt. Einzelunternehmern und Mitarbeitern kleiner und kleinster Betriebe ist das freiwillige Engagement fast gänzlich unmöglich. Außerdem: Hilfseinsätze bei Naturkatastrophen sollten längst ein Thema der Daseinsvorsorge sein. Hier wälzt der Staat klammheimlich sehr viel Verantwortung und Bürde an die Zivilgesellschaft ab, ohne dafür Kompensation zu leisten. Die ausgedehnten Schneefälle am Anfang dieses Jahres haben am Nordrand der Alpen Straßen verschüttet, Gleise unbefahrbar gemacht, Täler vom Rest der Welt abgeschnitten und ganze Dörfer einer großen Lawinengefahr ausgesetzt. Durch den unermüdlichen Einsatz Zigtausender freiwilliger Helfer konnten Chaos und Katastrophen in Grenzen gehalten werden.

In der Nachbetrachtung drängen sich jedoch einige elementare Fragen auf, deren Beantwortung nicht weiter verschoben werden darf. Der Grundtenor dieser Fragen lautet: Wie hält es die Gesellschaft zukünftig mit dem Engagement der freiwilligen Helfer, ohne die die Folgen von Wetterunbilden und sonstigen Ereignissen mit Katastrophencharakter nicht so schnell beseitigt werden könnten? Die Politik wurschtelt sich gerne darüber hinweg, hofft jeweils auf das Engagement der freiwilligen Frauen und Männer und auf die „Manpower“ des Bundesheeres. Dabei handelt es sich jedoch um fragile Größen. Einerseits liegt die Kernkompetenz des Bundesheeres – obwohl seit seinem Bestehen vorwiegend dafür eingesetzt – nicht im Katastropheneinsatz; andererseits wird das Engagement der freiwilligen Helfer auch dadurch übermäßig strapaziert, dass es bis dato verabsäumt wurde, Fragen der Lohnfortzahlung und der Urlaubsregelung verbindlich zu regeln und einheitliche Maßnahmen zu setzen, die Unternehmen den tagelangen Ausfall von Mitarbeitern kompensieren.

Es ist die ausdifferenzierte und hochtechnologisierte Gesellschaft, die in unseren Köpfen das Bewusstsein geformt hat, alles ließe sich auf Knopfdruck erledigen. Damit das im Falle einer Naturkatastrophe auch tatsächlich so eintritt, müssen viele Frauen und Männer in verschiedenen Einsatzorganisationen ganz individuell in ihrem Kopf den Schalter umlegen und sich in den Einsatz und Rettungsmodus versetzen. Familie und Beruf werden auf Zeit hintangestellt, um Dienst an der Gesellschaft zu leisten. Eine selten gestellte und bislang keineswegs auch nur in Ansätzen beantworte Frage ist in den Mittelpunkt zu rücken: Ist diese Lösung der Katastrophenhilfe noch zeitgemäß oder müsste der Staat nicht dringend aufgefordert werden, im Sinne der Daseinsvorsorge einen effizienten Katastrophenschutz als „mobile Einsatztruppen“ aufzubauen?

Feuerwehren im Dauereinsatz

Wie groß die Bereitschaft, zu helfen und in Krisensituationen einzuspringen, tatsächlich ist, belegen Zahlen, die Andreas Rieger, Pressesprecher des Bundesfeuerwehrverbandes, präsentiert hat. Im Zuge der ausgedehnten Schneefälle und der damit verbundenen Sicherungs- und Versorgungstätigkeiten waren in den Krisengebieten etwa 40.000 Mitglieder der Feuerwehren tagelang im Einsatz. Aktuell gibt es in Österreich 340.000 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, 256.000 davon sind aktiv. Der hohen Anzahl von Angehörigen der freiwilligen Feuerwehren ist es zu verdanken, dass der Hilfsdienst stets aufrechterhalten werden kann, unabhängig davon, ob es sich um kleinere und zeitlich eng begrenzte Einsätze bei Bränden handelt oder um einen Katastropheneinsatz, der mehrere Tage oder gar Wochen andauert. Das System ist in Österreich ähnlich wie in Deutschland, Südtirol, Liechtenstein oder in Tschechien gut aufgestellt, heißt es vonseiten des Feuerwehrverbandes und Andreas Rieger präzisiert, dass andere Länderschon neidisch seien, dass wir bei Bedarf so schnell helfen können. Berufsfeuerwehren stehen nur in sechs österreichischen Städten, Wien, Graz, Linz, Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt, zur Verfügung. Bei Einsätzen werden die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren von den Leitstellen informiert. Diese treten dann meist aus dem beruflichen Umfeld kommend, den ehrenamtlichen Dienst an. Im Prinzip gilt der Grundsatz, Familie und Beruf gehen vor, erst dann kommt die Freiwillige Feuerwehr. Um die Abwesenheit der Berufstätigen an ihrem Arbeitsplatz zu kompensieren, fordert der Bundesfeuerwehrverband eine Art Förderung oder Belohnung für Firmenchefs. Dabei wird etwa an Steuererleichterung oder Rückvergütungen gedacht.

Foto: Bundesheer Salzburg

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe WN-W.

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