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Raus aus der Populismus-Falle

Politik der Empörung

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Politik der Empörung

Das Duell um die besten sachlichen Argumente ist längst aus dem Politikalltag verschwunden. Es regiert die Politik der Empörung, das Spiel mit der Emotion. In den letzten Jahren hat sich die politische Kommunikation zu einer nie gekannten Kurzweiligkeit und ideologischen Verwischung entwickelt. Was zählt, sind die kurzfristige Aufmerksamkeit, die Betroffenheit und die spontane Empörung. Warum wir wieder mehr Nachdenkpausen und emotionale Zurückhaltung in der Politik bräuchten.

Von Stefan Rothbart

Keine andere politische Person steht derzeit sinnbildlicher für einen Politikstil der größtmöglichen Empörung als US-Präsident Donald Trump. Von der großen Mauer zu Mexiko über Diffamierung des politischen Gegners bis hin zum Handelsstreit mit der EU und China. Donald Trumps Finger haben schneller eine Twittermeldung getippt, als er zu denken vermag. So scheint es jedenfalls. Die Folge davon sind unmittelbare Empörung und Erregung bei Gegnern und Befürwortern. Was wie ein erratischer Politikstil eines unkontrollierten US-Präsidenten wirkt, hat mehr System, als viele seiner Kritiker ihm zutrauen wollen.

Emotion als Steuerinstrument

Trump verfolgt eine Strategie der Empörung, die sich emotionale Erregung zunutze macht, um die Aufmerksamkeit der Massen auf sich zu ziehen. Das funktioniert bei Gegnern und bei Befürwortern gleichermaßen. Die Emotion wird dabei als Steuerungselement eingesetzt, um Themenvorherrschaft zu erringen und nicht selten auch um von anderen Themen abzulenken.

In Zeiten von Twitter und Co. hat sich die Informationsverbreitung derart beschleunigt, dass der Inhalt einer Nachricht mehr oder weniger unerheblich geworden ist. Es geht um eine Schlagzeile, die emotionale Betroffenheit oder Empörung auslöst. Das erzeugt mediale Aufmerksamkeit und desto mehr man davon selbst bekommt, desto weniger bekommt der politische Mitbewerber. Ganz nach dem Motto: „Es ist egal was sie über mich schreiben, aber schreiben Sie meinen Namen richtig.“

Beherrschung der öffentlichen Meinung

In der politischen Kommunikation geht es letztendlich darum, die öffentliche Meinung zu beherrschen und die Themenführerschaft zu erringen. Was der US-Präsident kann, können Populisten in Europa schon länger. Wichtig ist dabei, langfristig die öffentliche Debatte zu führen und die Aufmerksamkeit zu akkumulieren.Wie das funktioniert, kann man anhand des Phänomens Jörg Haider in Österreich gut nachzeichnen. Haider nutzte stark Emotion und Empörung, um mit dem Thema „Migration und Ausländer“ die Aufmerksamkeit zu gewinnen und langfristig die öffentliche Debatte zu kontrollieren. Diese erzeugt immer Zustimmung und Ablehnung. Am Anfang natürlich immer verstärkt Letzteres. Doch das ist zunächst irrelevant. Die Empörung, das Hochgehen emotionalerWogen helfen dabei, ein Thema und einen „Debate Spin“ in der öffentlichen Berichterstattung zu platzieren. Längerfristig geschieht so eine Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung, indem ein Thema immer wieder emotionalisierend platziert wird. Liest man dann nur häufig genug gewisse Schlagzeilen, ändert sich auch die subjektive Wahrnehmung zu einem Thema. Man beherrscht also die öffentliche Meinung, indem man die Aufmerksamkeit gewinnt, zunächst völlig ungeachtet, ob die Menschen mehrheitlich eine Position ablehnen oder nicht. Und nichts generiert Aufmerksamkeit mehr als negative Schlagzeilen, die Angst und Empörung auslösen. Dies haben die Psychologie und die Neurologie längst wissenschaftlich bestätig. Angst aktiviert im Gehirn und im Körper instinktive Bedrohungsmechanismen, die unsere Sinne, also unsereAufmerksamkeit, schärfen. Der Effekt ist einfach erklärt. Potenzielle Bedrohung erfordert Wachsamkeit und auf negative Schlagzeilen und auf vermeintlich bedrohliche Nachrichten reagieren wir instinktiv genau so. Wir schenken diesen eine erhöhte Aufmerksamkeit. Der Spruch „Only bad news are good news“ hat also etwas Wahres. Schlechte Nachrichten verkaufen sich deshalb besser und verbreiten sich schneller, weil wir Menschen mit einer erhöhten Aufmerksamkeit darauf reagieren.

Feindbilder der Populisten

Diesen Umstand haben Populisten – bewusst oder unbewusst – schon länger erkannt. Daher ist ein unverkennbares Merkmal aller populistischen Parteien und Bewegungen die Schaffung eines Feindbildes. Das können Fremde und Migranten genauso sein wie „böse“ Kapitalisten und die „gierigen“ Reichen. Wichtig ist, mit einem Feindbild eine Bedrohung aufzubauen und ein „Wir und die anderen“-Konstrukt zu erzeugen. Beispielsweise wir gegen die Elite oder Inländer gegen Ausländer.

Dabei werden einfache und simplifizierte Antworten auf meist komplexe Probleme angeboten. Doch um eine eigentliche Lösung geht es ja nicht. Es geht darum, möglichst breite Bevölkerungsschichten anzusprechen und mit Emotion und Empörung die Aufmerksamkeit zu erwecken. In der politikwissenschaftlichen Forschung gibt es seit Längerem eine Debatte darüber, ob Populismus überhaupt einer bestimmten Ideologie zuzuordnen ist oder ob es mehr ein Politikstil ist. In Zeiten von Wahlkämpfen agieren Parteien sehr häufig „populistisch“ und warnen vor dem politischen Mitbewerber.

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der WN-S.

Foto: APA

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