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Digitale Arbeitswelt

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Digitale Revolution und ihre Folgen

Die digitale Transformation unserer Arbeitswelt wird mit Sicherheit deutliche Spuren hinterlassen.

Fraglich ist eigentlich nur, ob erst die Kinder oder bereits die eltern jene Folgen, die durch diesen disruptiven Wandel ausgelöst wurden, voll zu spüren bekommen. Die derzeitige Diskussion über den Karfreitag bzw. über ein paar Stunden mehr Freizeit für eine überschaubare Anzahl von Arbeitnehmern hat angesichts der kommenden Veränderungen in der Arbeitswelt tatsächlich etwas Skurriles an sich. Denn wenn die vorhergesagten Effizienzsteigerungen und andere Segnungen der Digitalisierung tatsächlich eintreten, dann wird es selbst vor dem Hintergrund einer schrumpfenden Bevölkerung wohl immer weniger Beschäftigung im Sinne dessen geben, was wir heute noch unter Arbeit verstehen. Einige Unternehmen haben die Zeichen der Zeit bereits erkannt und agieren hier bereits als Vorbild, indem sie beispielsweise einen leichteren Zugang zur sechsten Urlaubswoche für alle gewähren oder den Karfreitag ohne lange Diskussionen frei gegeben haben: etwa bei Coca Cola Österreich, wo die rund tausend Arbeitnehmer heuer am Karfreitag nicht arbeiten werden.

Auch die Lösung mit dem Angebot eines „persönlichen Feiertages“ klingt im Lichte der gegenwärtigen Veränderungen irgendwie wie eine Errungenschaft aus dem 19. Jahrhundert. Einer aktuellen Studie von Linkedin zufolge suchen immer mehr Bewerber explizit nach Arbeitgebern, die flexible Arbeitszeitmodelle anbieten. Unternehmen reagieren auf diese Nachfrage und weisen in ihren Stellenangeboten immer häufiger auf entsprechende Regelungen hin – seit 2016 ist ein Zuwachs von 78 Prozent an Stellenanzeigen zu verzeichnen, die flexibles Arbeiten explizit erwähnen. Außerdem gibt die Mehrheit der Personaler (87 Prozent) an, dass ihr Unternehmen mittlerweile flexibles Arbeiten anbietet. Zwischen den einzelnen Branchen bestehen jedoch signifikante Unterschiede: In der Software-Branche setzen bezeichnenderweise bereits 72 Prozent der Unternehmen entsprechende Modelle um, in der Fertigungsindustrie sind es hingegen nur 43 Prozent.

Überfluss schafft Verdruss

Der Anthropologe und Anarchist David Graeber nahm jüngst in seinem Werk „Bullshit Jobs: Vom wahren Sinn der Arbeit“ überflüssige, sinnlose Arbeit aufs Korn. Stellt er damit den Kapitalismus zurecht an den Pranger? Oder sind parasitäre Arbeitsformen nur eine Zwischenstufe der Digitalen Revolution zu einer menschlicheren Welt? Blickt man in die Vergangenheit, wird deutlich, dass man diversen Prognosen über die Zukunft der Arbeitswelt stets mit gewisser Skepsis begegnen sollte. So hörte sich Keynes Utopie von 1930 bereits sehr vielversprechend an: Bis Ende 2000 sollte die Automatisierung das Arbeitsjoch auf eine 15-Stunden-Woche reduzieren. Tatsächlich haben sich bei aktueller Vollbeschäftigung die Jobs vermehrfacht. Automatisierung und Digitalisierung übernahmen zahlreiche einfache Tätigkeiten von Hausangestellten, Landwirten, Handwerkern und Arbeitern. Stattdessen entstanden viele neue – die von Sachbearbeitern, Vertrieblern, Marketing-Spezialisten, Juristen oder Servicemitarbeitern.

Einen Faktor ließ Keyne also unberücksichtigt: den massiven anstieg des Konsums, der durch die Freizeitindustrie schon längst so gut organisiert ist wie die Arbeitswelt. Vor die Wahl gestellt, entschieden sich die Menschen mehrheitlich also nicht für weniger Stunden im Sinne von Muse und kreativen Betätigungen. Sie produzierten vielmehr Unterhaltungsartikel, entwickelten Services und wurden zu Spezialisten. Vor allem der Dienstleistungssektor begann sich prächtig zu entwickeln, wofür ein Heer an Finanzdienstleistern, Telefonverkäufern, Marktforschern, juristischen Beratern etc. rekrutiert wurde. Auch die Verwaltung – z.B. von Bildung, Wissenschaft und Gesundheit –, PR, Marketing, Werbung und Lobbyismus wuchsen ins Unermessliche. Viele, die solchen Berufen nachgehen, empfinden ihre Tätigkeit als nicht besonders bedeutsam oder gar sinnlos, und es scheint daher, als wären diese Bullshit-Jobs quasi ein Ausscheidungsprodukt der Überflussgesellschaft.

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Reports.

Foto: apa Fotoservice Juhasz

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