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Schluss mit Plastik in Tirol

Plastikmüll

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Plastikmüll 

In beeindruckender Einigkeit wurde zum Abschied vom Alltagsplastik geblasen. In Tirol soll der Plastikmüllberg schrumpfen. Manches geht leicht, manches schwer. Entscheidend bleibt der Konsument, wie ein Blick in die Branche zeigt.

Von Christian Wieselmayer

Im Kampf gegen den Plastikmüll geht es nun Schlag auf Schlag. Auf allen Ebenen bringen Dokumentationen über die bedrohlichen Plastikmüllberge und die teils verheerenden Auswirkungen von Mikroplastik auf Lebewesen Bewegung in die Diskussion rund um die Abfallvermeidung. Der Tiroler Landtag diskutierte beispielsweise im vergangenen November über den Plastikberg und wie er geschrumpft werden kann. Rund 24.000 Tonnen Plastikmüll jährlich fallen allein in Nordtirol an – bis zuletzt war die Tendenz steigend. Von 30 Millionen Flaschen Wasser, die Jahr für Jahr nach Tirol importiert werden, war in der Sitzung die Rede, ein Pfandsystem wie jenes in Deutschland wurde angeschnitten und Einigkeit darüber demonstriert, dass es weiter große Anstrengungen brauche – auf regionaler Ebene ebenso wie vonseiten der EU. Diese machte am 19. Dezember 2018 – noch unter dem Vorsitz Österreichs – Nägel mit Köpfen. Im Mai hatte die EU-Kommission bereits vorgeschlagen, Einmalgeschirr, Strohhalme, Wattestäbchen und andere Wegwerfartikel aus Plastik verbieten und verbannen zu wollen, im Dezember einigten sich die Unterhändler des Europaparlaments und der Mitgliedsstaaten auf eine entsprechende Regelung.

Verbot für Einmalprodukte

Auf fossilen Rohstoffen basierende Polymere sind es, denen die Kampfansage gilt. Ab Anfang 2021 sollen Gegenstände verboten werden, für die es bereits Alternativen gibt. Auf Einmal-Produkten mit Kunststoffgehalt muss nicht nur darauf, sondern auch auf die negativen Umweltauswirkungen hingewiesen werden. Die EU-Kommission geht davon aus, dass mit den Maßnahmen der Ausstoß von Kohlendioxid um 3,4 Millionen Tonnen sinkt und bis 2030 Umweltschäden „im Wert“ von 22 Milliarden Euro vermieden werden. Verbraucher könnten bis zu 6,5 Milliarden Euro sparen. Österreichs Umweltministerin Elisabeth Köstlinger bezeichnete die Regelung via Twitter als „Meilenstein in unserem Bemühen, Plastikmüll zu reduzieren“, und bereits am 9. Jänner 2019 lud die Bundesregierung Vertreter von Handelsketten und Branchen zum „Plastik-Gipfel“, um das Verbot zu besprechen. In diesem Rahmen hielt Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der WKO, fest, dass seit 2014 bereits 112 Millionen Plastiksackerln in Österreich eingespart wurden. Am 14. Jänner 2019 ließ gleich ein weiterer Hinweis auf die „antipolymeren Ambitionen“ des Handels aufhorchen, als der Handelskonzern Rewe (Merkur, Billa, Bipa, Adeg) die Suche nach umweltfreundlichen und biologisch abbaubaren Verpackungen für die rund 60 Lebensmittel-Eigenmarken mit einem Start-up-Wettbewerb anheizte. Unter dem Motto „Raus aus Plastik“ läuft bis 28. Februar 2019 ein Ideenwettbewerb, aus dem letztlich auch der Konzern mit praxisorientierten Verpackungsinnovationen als Sieger hervorgehen will.

Knackpunkt SB-Regal

Der Ideenwettbewerb der Rewe-Gruppe zielt auf einen wichtigen Alltagsbereich, an dem sich die Plastik-Vermeidungsstrategen bislang die Zähne ausbeißen. „Für die hochkomplizierten Kunststoff-Materialien, mit denen auch wir unsere SB-Produkte verpacken, gibt es momentan noch keine Alternative“, lenkt Hans Plattner den Blick in die kühle Selbstbedienungs-Theke. Plattner ist geschäftsführender Gesellschafter von Hörtnagl und Hörtnagl, dem Tiroler Marktführer in der Erzeugung und Veredelung von hochwertigen Wurst- und Fleischwaren. „Wir haben uns lange dagegen gewehrt, aufzuschneiden und zu verpacken, weil wir sehr großen Wert auf die Bedienung legen. Doch das ist ein Kampf, der wahrscheinlich verloren ist“, macht Plattner auf die schon verschwundenen oder im Schwinden begriffenen Bedienungstheken aufmerksam, wo ganze oder halbe Stangen Wurst feilgeboten oder für die Kunden frisch aufgeschnitten werden, und stellt fest: „Wenn uns der Vorwurf trifft, dass wir ja die seien, die die Plastikverpackungen machen, sage ich: Ja, wir machen’s – aber nur, weil ihr es nicht anders kauft. Irgendwie zwingt man uns dazu. Der Konsument entscheidet.“ Das tut er – sowohl beim Einkauf als auch bei der Entsorgung.

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe WNW.

Foto: iStock.com/sergeyryzhov

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