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Der Staat gegen Mütter und Väter


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Benachteiligung der Elternschaft

Die Gründung einer Familie stellt für Männer und Frauen einen enormen Einschnitt in die Erwerbs- und Berufslaufbahn dar. Elternschaft wird zunehmend unattraktiver. Kosten und Zeitaufwand für die Kindererziehung steigen stetig und sind mit modernen Lebensrealitäten junger Menschen kaum noch vereinbar. Seit Jahrzehnten verabsäumt es der Staat, eine der wichtigsten Säulen unserer Gesellschaft entsprechend zu fördern. Die Benachteiligung der Elternschaft muss endlich ausgeglichen werden.

Von Stefan Rothbart

Der folgende Artikel ist bewusst mit einer gewissen Polemik versehen. Seien Sie, geschätzte Leserin und geschätzter Leser, also vorgewarnt. Nicht alles wird Ihnen gefallen. Einiges wird Sie beim Lesen eventuell unruhig machen und unbehaglich fühlen lassen. Vielleicht wird sich eine innere Stimme sogar hartnäckig weigern, gewissen Inhalten zuzustimmen. Doch das ist gut so und in diesem Fall ge- wollt, denn es ist Ziel dieses Beitrages, eine Debatte, ja sogar ein fundamentales Nachdenken über eine ganz essenzielle Lebensentscheidung anzustoßen und damit verbundene Probleme aufzuzeigen. Es geht um den Entschluss, eine Familie zu gründen und sich der vielleicht größten Herausforderung unserer Zeit zu stellen, der Kindererziehung.  Zweifelsohne hegen die meisten Menschen im  Laufe  des  Lebens  irgendwann  den Wunsch, Kinder zu bekommen. Und vielleicht ist es auf einer persönlichen Ebene das größte Geschenk, welches einem das Leben geben kann. Wie gewinnbringend die Elternschaft für das persönliche Glück sein kann, soll an dieser Stelle außer Zweifel stehen. Viel mehr geht es um die zunehmende Unvereinbarkeit mit den ökonomischen, sozialen und finanziellen Anforderungen unserer Zeit, vor die viele junge Eltern gestellt werden. Die Probleme, die dadurch verursacht werden, spüren die meisten Menschen täglich, doch seit Jahren führen wir in Politik und Wirtschaft eine öffentliche Debatte, die den wirklich wichtigen Fragen ausweicht.

Der „Parents-Pay-Gap“

Zunächst muss man einige Zahlen und Statistiken neu interpretieren und eines gleich vorweg: Es geht nicht darum, die immer noch bestehenden Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen zu relativieren, sondern aufzuzeigen, dass mehr dahintersteckt. Statistiken  zeigen,  dass  der  sogenannte „Gender-Pay-Gap“ eigentlich immer weniger mit dem Geschlecht an sich zu tun hat. Die  Einkommensunterschiede  zwischen Männern und Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr angeglichen und sind bei gleicher Ausbildung und Erwerbslaufbahn nur mehr minimal. Juristisch bestehen de facto keine Benachteiligungen mehr zwischen den Geschlechtern. Statistisch schon, doch das hat andere Gründe. Der Lohnunterschied sitzt laut Agenda Austria im Kinderwagen. So gebe es nicht nur zwischen Frauen und Männern Lohndifferenzen,  sondern  auch  zwischen  Frauen  und Frauen.  Eine  Grafik  der  Agenda  Austria zeigt, dass vor allem die Geburt eines Kindes in Österreich langfristig zu erheblichen Einkommenseinbußen  führt.  So  verdient eine Mutter zehn Jahre nach der Geburt um ein Drittel weniger, als wenn sie kinderlos geblieben  wäre.  Doch  der  „Motherhood-Pay-Gap“ ist in Wirklichkeit ein „Parents-Pay-Gap“, denn auch bei Vätern zeigen sich erhebliche  Einkommensverluste.  Elternschaft und Karenzzeiten führen bei beiden Geschlechtern zu langfristigen Lohneinbußen, wobei davon immer noch Frauen stärker betroffen sind. Statistisch gesehen kann man von einer systematischen Ungleichheit zwischen Eltern und Nicht-Eltern sprechen. Die Frage ist, ob man hier nicht auch von einer Diskriminierung sprechen muss.

Väter und Mütter sind die großen „Draufzahler“

Dass Kinder eine finanzielle Belastung darstellen, ist klar. Karenzzeiten sind aber nicht der einzige Faktor, der bei Müttern und Vätern zu langfristigen Einkommensverlusten führen. Rechnet man Ausgaben und die steuerliche Belastung für Familien mit ein, dann sind die Unterschiede zwischen Eltern und Nicht-Eltern  noch  gravierender.  Ein  Paar ohne Kinder kommt, auf die gesamte Erwerbslaufbahn  gerechnet,  auf  ein  durchschnittliches Monatseinkommen von rund 5.000 Euro netto. Bei Paaren mit Kindern sind dies um 30 bis 50 Prozent weniger, je nachdem ob beide Partner nach den Karenzzeiten wieder vollzeit ins Berufsleben einsteigen oder nicht. Laut Statistik Austria liegt der durchschnittliche monatliche Verbrauch privater Haushalte bei rund 3.000 Euro. Bei Paaren mit Kindern führt dies zu einer verhältnismäßig wesentlich höheren Ausgabenbelastung in Relation zum Haushaltseinkommen. Väter und Mütter mit Kind haben demnach nicht nur verhältnismäßig höhere Haushaltskosten und größere Einkommensverluste, sondern auch ein geringeres Lebenseinkommen (Erwerbseinkommen + Pensionsbezüge).  Zwar wird ein Teil der Einkommensverluste durch Transferzahlungen ausgeglichen, doch unterm Strich bleibt eine negative Bilanz. Eltern verdienen durchschnittlich im Leben weniger, haben höhere Ausgaben und beziehen letztendlich auch ein geringeres Pensionseinkommen.

Mehr Bedürfnisse, aber geringere Kaufkraft

Das durchschnittlich geringere Haushaltseinkommen von Paaren mit Kind im Verhältnis zu Paaren ohne Kind wirkt sich letztendlich auch negativ auf die Kaufkraft von Familien aus. Die Bedürfnisse sind logischerweise höher. Nicht nur der Bedarf an täglichen Verbrauchsgütern ist größer, sondern auch der Bedarf an Wohnfläche und Mobilität. Rechnet man Kosten für Auto und Mobilität hinzu, dann gibt es für Familien kaum noch Möglichkeiten, sich Vermögen anzusparen. Für  alleinerziehende  Eltern,  vor  allem Frauen, ist die Herausforderung noch größer.

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der WN-S.

Foto: Canva

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