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Zu defensiv und zu vage

Mobilitätskonzept Vorarlberg

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Mobilitätskonzept Vorarlberg

Nach einer detaillierten Analyse des Begutachtungsentwurfs des Mobilitätskonzepts Vorarlberg 2019 (MKV) unterstützt die Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg das Bemühen des Landes, sieht aber laut Präsident Martin Ohneberg noch „erheblichen Verbesserungsbedarf vor allem in puncto Ambition und Vision“.

Von Christian Wieselmeyer

Verbesserungsbedarf vor allem deshalb, da das MKV nach eigenen Angaben des Landes eine verkehrspolitische Leitlinie für die nächsten zehn bis 15 Jahre darstellen soll. Positiv hebt Martin Ohneberg hervor, dass eine ehrliche Analyse der Ist-Situation erfolgt ist und Probleme nicht schöngeredet werden. Ebenso seien einige neue Maßnahmen enthalten, die sehr unterstützenswürdig sind: „Dazu gehört die Aufwertung des Verkehrsverbunds zum Mobilitätsverbund oder die erstmalige Erwähnung der Stadtautobahn. Obwohl der Versuch einer ganzheitlichen Sichtweise eindeutig zu erkennen ist, fällt auf, dass die Balance zwischen den unterschiedlichenVerkehrsträgern in einem ungleichen Verhältnis steht. Während – die voll unterstützenswürdigen – Maßnahmen zu ÖV und Rad sehr detailliert beschrieben werden, sind jene zum motorisierten Individualverkehr (MIV), zum Ausbau der bestehenden Infrastruktur (Straße, Schiene, Luft) und jene den Güterverkehr betreffend großteils vage gehalten.“

Keine einseitige Fokussierung

„Der MIV und Ausbau von Straßen und Bahninfrastruktur ist aber keineswegs zweitrangig einzustufen. Das positive Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum und damit verbundene Infrastrukturengpässe lassen sich nicht durch die prioritäre Fokussierung auf den Ausbau von ÖV und Rad lösen. Warum dem MIV im Rahmen des MKV kein eigenes Kapitel gewidmet wird, ist daher nicht nachzuvollziehen. Insgesamt hat die detaillierte Untersuchung gezeigt, dass Personenmobilität und Gütermobilität kein Widerspruch sind, sondern eng miteinander zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Gerade deshalb sollten sie auch gemeinsam und integrativ betrachtet werden. Es erscheint sehr schwer nachvollziehbar, wie das Ziel beim Fahrrad erreicht werden kann, wenn seit 2003 nur ein Anstieg von zwei Prozentpunkten verzeichnet werden konnte. Generell sehen wir als IV in vielen Regionen Vorarlbergs das Potenzial beim Fahrrad aber sehr wohl. In anderen Regionen wird es weniger Rolle spielen und Alternativen, z.B. Bus, sind nötig. Offen ist auch, wie viele Personen tatsächlich mittlere Pkw-Wege (bis 10 km) mit dem Fahrrad zurücklegen werden, v. a. im Winter oder aufgrund schlechter Witterung. Auch hier braucht es Alternativen. Ebenso ist gleichsam schwer eruierbar, wie der Pkw-Anteil auf 34 Prozent reduziert werden kann. Vor allem in Anbetracht dessen, dass es nicht zu einer Benachteiligung des MIV kommen darf, welcher immer noch eine wichtige Rolle für Vorarlberg spielen wird.“

Mehr Mut für Neues und Innovatives

Zu wenig Berücksichtigung finden für die Industriellenvereinigung die Erkenntnisse hinsichtlich des Potenzials der Zukunftstechnologien für Mobilität, Verkehr und Logistik. Wenn als Schwerpunkte die Weiterentwicklung des ÖV-Angebots, der Güterverkehr und die Förderung des Radverkehrs genannt werden, darf das nicht im Umkehrschluss bedeuten, dass der Ausbau der bestehenden oder zusätzlich benötigten Straßeninfrastruktur mit allen technologischen Möglichkeiten und innovativen Verkehrssteuerungsmöglichkeiten wie Sharing, intelligentem Mobilitätsmanagement oder Big-Data-Nutzung vernachlässigt wird.

Den gesamten Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe WN-W.

Foto: Oberhauser Photography – Vorarlberg Tourismus

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