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Wo liegt das Problem begraben?

Arbeitskräftemangel Tourismus

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Arbeitskräftemangel Tourismus

Weil im Tourismus das Verhältnis von Mensch zu Mensch im Mittelpunkt steht, sind Dienstleistungsgedanke und Anspruchsdenken der nachrückenden Generation neu in Einklang zu bringen. Die Branche muss sich modernisieren, was mit der Etablierung digitaler Systeme nicht getan ist.

Von Siegfried Hetz

Wenn das Wirtshaus stirbt, lebt auch der Ort nicht mehr lange. Der oft zitierte Spruch liegt von der Wirklichkeit nicht weit entfernt. Der Mangel an Fachkräften, insbesondere an Köchen, in den westlichen Bundesländern beschleunigt das Wirtshaussterben zusätzlich. In vielen Fällen ist der Fachkräftemangel aber nicht das Hauptproblem. Mangelnder Modernisierungswille und entsprechender Renovierungsstau sowie Probleme, die mit der Betriebsübergabe zu tun haben, führen häufig zum Aus. Es sind auch strukturelle Probleme der Tourismusbranche, die zur aktuellen Situation geführt haben. Und die müssen auch als solche angesprochen werden, darüber sind sich Praktiker und Experten einig. Die Tourismusbranche, insbesondere Hotels und Gasthöfe, zählt zu jener Unternehmenssparte, bei der die Modernisierung der Arbeitswelt, wenn überhaupt, erst recht spät Einzug gehalten hat. Das rächt sich jetzt. Insofern haben Wirtshaussterben und das Problem eines überbordenden Tagestourismus schon sehr viel mehr gemeinsam, als zugegeben wird. Das sehen auch viele Unternehmer aus der Branche so, die zugeben, dass die Misere zum Teil auch hausgemacht ist. Zum einen wird zu wenig bezahlt, zum anderen sind die Arbeitszeiten noch immer höchst unattraktiv und drittens – was wohl am schwersten wiegt – konnten offensichtlich immer noch keine Wege gefunden werden, den Nachwuchs, der sich noch dazu aus geburtenschwachen Jahrgängen rekrutieren muss, für die Branche zu begeistern.

Fachkräftemangel als Herausforderung

Die heurige Sommersaison ist sehr günstig verlaufen. Aber was heißt das schon, wenn Fachkräftemangel und überbordender Tagestourismus die Nerven strapazieren? Wie es um Hotellerie und Gastronomie tatsächlich steht, darüber informiert eine aktuelle Umfrage des market-Instituts im Auftrag der Fachverbände Hotellerie und Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich, WKO. Sie weist aus, dass der Fachkräftemangel von der Branche derzeit als die größte Herausforderung von den Betrieben genannt wird. Rund 40 Prozent der befragten Unternehmen sehen hier Handlungsbedarf. „Die künftige Regierung – wie auch immer sie aussieht – muss hier rasch aktiv werden und eine umfassende Fachkräfteoffensive starten“, bringt Mario Pulker, Gastronomie, die Misere auf den Punkt. Das Pingpong-Spiel geht also weiter, wenn auch eingeräumt werden muss, dass die Frage der Lehrlingsausbildung für Asylsuchende tatsächlich einer dringenden politischen Lösung bedarf und die ÖVP auch noch einige Schritte davon entfernt ist, eine tatsächlich befriedigende Lösung zu präsentieren. Wobei wir bei der Einwanderungsfrage wären, die jetzt nicht mit dem Problem des unkontrollierten Grenzübertritts von Flüchtlingen zu verwechseln ist. Auf mittel- und langfristige Sicht wird Österreich, um das Problem des Fachkräftemangels in den Griff zu bekommen, nicht daran vorbeikommen, vernünftige und auf den Arbeitsmarkt ausgerichtete Einwanderungsbestimmungen zu schaffen. In den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren waren es die „Gastarbeiter“ aus den Balkanstaaten, die mit dazu beigetragen haben, dass Hotels und Gasthöfe ihr Dienstleistungs- und Reinigungspersonal ausreichend rekrutieren konnten. Heute kommen die Einwanderer aus anderen Regionen, ethische und religiöse Unterschiede mögen noch unterschiedlicher sein. Das sind aber keine Gründe, keine durchdachte Einwanderungspolitik zu betreiben. Die Enkelkinder dieser Gastarbeiter-Generationen besetzen heute Positionen in allen öffentlichen, wirtschaftlichen, sozialen und auch politischen Bereichen – und bereichern damit auch unsere Kultur.

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Foto: iStok.com/kickers

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