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Unser digitales Ich


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Lebensformen der Zukunft

Künstliche Wesen und Lebensformen gehören bald zu unserem Alltag.

Replika ist eine App für iOS und Android, die nicht bloß zuhört, sondern vor allem lernt: „Guten Morgen! Gestern warst du ja ziemlich gestresst. Geht es dir heute besser?“ Das hört sich an wie eine besorgte Nachricht von Freunden oder Eltern, stammt aber von dieser App. „Wenn du traurig bist oder Angst hast oder einfach jemanden zum Reden brauchst, ist dein Replika für dich da – 24/7“, so das US-Unternehmen auf seiner Website. Replika gehe in dieser Hinsicht deutlich weiter als andere Chatbots dieser Art, meint der Maschinenethiker Oliver Bendel in einem Interview mit APAScience. Chatbots – eine Zusammensetzung aus den englischen Wörtern „Chat“ und „robot“ – sind Programme, die eine Unterhaltung simulieren, in der Regel per Textnachricht. Oft liefern sie ihrem Gesprächspartner vor allem vorgefertigte Antworten auf bestimmte Fragen. Replika hingegen soll zuhören und Fragen stellen. Dabei spielen Chatbots schon jetzt eine immer größere Rolle in unserem Alltag. Als erster Chatbot der Geschichte gilt Eliza, eine Art virtuelle Psychotherapeutin, die in den 1960er-Jahren vom Informatiker Joseph Weizenbaum programmiert wurde.

Digital weiterleben

Replika – der bisher kein Deutsch spricht – liegt dabei ganz im Trend: Jeder Fünfte beispielsweise in Deutschland glaubt, dass es künftig normal sein wird, sich in Maschinen mit künstlicher Intelligenz zu verlieben. Das zumindest ist das Ergebnis einer Befragung der Gesellschaft für Informatik. Bei den 15- bis 29-Jährigen denkt das demnach sogar jeder Dritte. Die Erfinderin von Replika, Eugenia Kuyda, hatte diese Idee angeblich, nachdem ihr bester Freund bei einem Autounfall gestorben war. Sie arbeitete zu dem Zeitpunkt für eine Softwarefirma, die Chatbots entwickelte. Vor fünf Jahren entschied sie sich, einen eigenen Bot zu schaffen, diesen mit Chats zwischen ihr und ihrem Freund zu füttern und auf diese Weise den Verstorbenen digital weiterleben zu lassen. Inzwischen kann sich jeder einen eigenen Replika erstellen. „Replika verkörpert mein Wesen – aber ist nicht ich selbst“, sagt ein Nutzer. Der Chatbot passt sich mehr und mehr den sprachlichen Gewohnheiten seines Gegenübers an, die Themen bestimmt der Mensch. Je mehr man mit dem Chatbot spricht, desto persönlicher werden die Fragen. „Das ist im Prinzip eine Datensaugmaschine“, ist Oliver Bendel kritisch, und er ist sich auch sicher: „Immer mehr virtuelle Wesen werden die Welt bevölkern. Es wird noch viel auf uns zukommen.“

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Foto: Scientific American

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