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Rettung der Innenstädte


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Wie der Einzelhandel wirklich Zukunft hat

Das Schließen mehrerer Traditionsgeschäfte in der Innenstadt von Graz hat im Februar für Debatten gesorgt. Die Probleme des stationären Handels sind vielerorts spürbar. Der zunehmende Onlinehandel kann aber nur zum Teil dafür verantwortlich gemacht werden. Viele Probleme sind stattdessen hausgemacht und auf verfehltes Standortmarketing und veränderte Geschäftsmodelle zurückzuführen.

Von Stefan Rothbart

In zwei Jahren werde die Grazer Innenstadt leer sein, warnte Mitte Februar der Grazer Immobilien-Experte Josef-Karl Podlesnik und trat damit eine mehrwöchige Debatte in diversen Stadtmedien los. Anlass war das Schließen einiger Traditionsgeschäfte in der Grazer Innenstadt wie des Schreib- und Papierwarenhändler Schediwy in der Sporgasse. Man kennt die Probleme nicht nur in Graz, sondern z.B. auch in Judenburg, Villach oder Linz.
Die Diskussion um das Sterben des Innenstadthandels ist nicht neu und kocht jedes Mal, wenn ein Traditionsgeschäft schließt, erneut hoch.

Ursachenfindung greift zu kurz

Der Niedergang des städtischen Einzelhandels wird immer sehr reflexartig auf den steigenden Onlinehandel zurückgeführt. Gemeint ist damit im Grunde Amazon. Eine zweite schnell gefundene Ursache sind die am Stadtrand wie Pilze emporgeschossenen Einkaufs-Center, die die Kundenströme aus den Innenstädten abziehen. Beides ist ein Faktor, allerdings sind viele Probleme des innerstädtischen Einzelhandels auch selbst gemacht. Teure Mieten sind dann oft eine Belastung, die noch obendrauf kommt. Politik und Wirtschaft scheuen sich bislang, bei den Ursachen tiefer zu graben. Damit läuft man aber Gefahr, teure Maßnahmen umzusetzen, die am Ende die eigentlichen Probleme nicht beheben.

Geschäftsmodelle weiterentwickeln

Es ist für viele in der Branche eine unbequeme Tatsache, dass ein wesentlicher Grund auch in der fehlenden Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen liegt. Der Einzelhandel reüssiert überall dort, wo er dem Kunden ein attraktives Angebot machen kann, das dieser weder online noch in einem Shopping-Center bekommt. Weiters muss auch die Nachfrageseite in Innenstädten neu eruiert werden, da sich in den letzten Jahren die Bedürfnisse einer urbanen Bevölkerung stark geändert haben. Es ist weitgehend unattraktiv geworden, dieselben Handelsketten und Markenartikel anzubieten, die man standardmäßig auch in jedem Shopping-Center oder im Internet findet. Das lockt Besucher von auswärts nicht mehr an, zumal die meisten Händler aufgrund der höheren Mieten in Innenstadtlage auch preislich oft nicht mithalten können. Was es braucht, ist ein unverwechselbares Warenangebot. Gerade der innerstädtische Standort eignet sich gut, die immer stärker werdende Nachfrage nach nachhaltigen, regionalen und alternativen Produkten (z.B. plastikfreie Verpackungen etc.) stärker zu bedienen. Damit lässt sich für den Standort ein USP schaffen.

Standortmarketing neu denken

Viele Städte verlassen sich in ihrer Außenwerbung darauf, dass allein die Sehenswürdigkeiten und das historische Ambiente für ein einzigartiges Shoppingerlebnis ausreichen. Modernes Standortmarketing begreift die Innenstädte als große Freiluft-EinkaufsCenter und entwickelt diese nach den Methoden der großen Shopping-Malls. Einer der Vorteile, die Betreiber und Planer von Einkaufszentren haben, ist, dass sie ganzheitlicher gestalten können. Dazu gehören ein verständliches Leitsystem für Kunden, wo welche Geschäfte und Waren zu finden sind, ein attraktiver Branchen-Mix, genügend Frequenzbringer sowie Orte des Verweilens und der Erholung. Nicht zuletzt braucht es auch Kultur, Kulinarik und eine gute Erreichbarkeit.

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Foto: iStock.com/RossHelen

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