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Von der Taylor-Regel zum Sparbuch


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Wie Niedrigzinsen unsere Volkswirtschaft beeinflussen

Die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) sind seit Langem sehr niedrig. Dadurch rinnt den Österreichern, die nach wie vor traditionell veranlagen, das Geld durch die Finger, während sich der Finanzminister aufgrund der geringen Zinszahlungen die Hände reibt.

Von Marie-Theres Ehrendorff

Seit der Ära des bereits abgelösten EZB-Präsidenten Mario Draghi, der im Herbst des vergangenen Jahres – quasi als Abschiedsgeschenk an die Schuldner – den Leitzins noch einmal senkte, befinden sich Österreichs Sparer auf der Verliererseite. Die Zinsentwicklung, die vor allem von der Europäische Zentralbank beeinflusst wird, hilft jenen, die sich Geld ausleihen, aber keineswegs Sparern, die sich etwas zur Seite legen wollen. Derzeit liegt der EZB-Leitzins bei null Prozent. Die Einlagenzinsen der Banken, also jener Zinssatz, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, beträgt aktuell minus 0,5 Prozent. Das macht die Zinsen für Tagesgeld, Festgeld sowie für Ratenzahlungen oder Baukredite besonders günstig.

Bei der jüngsten Sitzung des EZB-Rates am 23. Jänner 2020, übrigens der zweiten unter der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde, gab es keine Zinsänderungen. Sie dürfte den Weg ihres Vorgängers Draghi weitergehen, daher empfiehlt der österreichische Thinktank Agenda Austria, neben einer neuen Sparkultur erstmals eine Kapitalmarktkultur einzuführen. Sparbücher seien keineswegs risikoarm, weil sie ein langfristiges Risiko für die Kaufkraft des persönlichen Geldvermögens sind. Als ersten Schritt empfiehlt den Gesetzgebern, Sparbuchzinsen nicht weiter mit einem im Vergleich zu Wertpapieren begünstigten Steuersatz zu belegen. Was bedeutet: „Armsparen“ nicht weiter staatlich fördern. Außerdem plädiert die heimische Denkfabrik für eine eigene Altersvorsorge. Eine solche könnte ein endbesteuertes Depot bzw. Konto sein. Die Steuerlast wird auf diese Weise ans Ende des Lebens verschoben, der Zinseszins-Effekt in der Ansparphase kann hingegen voll wirken. Jugendliche sollten sich bereits im Unterricht mit Sparen, Vermögensaufbau und Vorsorgen auseinandersetzen. Es braucht gerade an den Schulen mehr Informationen und Wissen in Bezug auf die fundamentalen Fragen des Sparens, Investierens sowie Vorsorgens. Und die Milliarden durch Niedrigzinsen, die sich der österreichische Staat Jahr für Jahr erspart, sollten genutzt werden, um die Bürger steuerlich zu entlasten, ist man nicht nur seitens der Agenda Austria überzeugt. 

Sieben Jahre lockere Geldpolitik

Die Wende in der europäischen Schuldenkrise sollte das durchaus gerechtfertigte Einläuten einer Niedrigzinspolitik durch Draghi im Hochsommer 2012 mit sich bringen, doch die Ergebnisse der angepeilten Strukturreformen und der wachstumsfreundlichen Budgetkonsolidierung sind mager. Am 12. September 2019 beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank ein weiteres Paket für den zweitgrößten Währungsraum im Kampf gegen die schwache Wirtschaftslage. Die exzessiv lockere Geldpolitik der EZB lässt sich anhand der „Taylor-Regel“ begründen. „Solche Zinssätze entsprechen vereinfacht gesagt einem Index, der neben der Inflationsentwicklung auch realwirtschaftliche Indikatoren, wie z.B. die Arbeitslosenrate, berücksichtigt. Ein Vergleich des Taylor-Zinses mit dem tatsächlichen Leitzinssatz zeigt dann, ob die Leitzinsen genau richtig, zu hoch oder zu niedrig sind. Der Taylor-Zins ist so etwas wie ein Thermometer für die Volkswirtschaft“, meint Lukas Sustala, Ökonom der Agenda Austria.

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Foto: jakobradlgruber/123rf.com

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