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Corona und das Bargeld


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Rasante Privatisierung des Zahlungsverkehrs

Die Corona-Krise bringt eine Beschleunigung hin zur bargeldlosen Gesellschaft und verstärkt damit einen langfristigen Trend. Nicht nur der Datenschutz geht völlig unter, sondern auch das Geld als öffentliches Gut. Wir erleben eine rasante Privatisierung des Zahlungsverkehrs und die Politik schlafwandelt.

Von Stefan Rothbart

Die Corona-Krise bringt eine beispiellose Beschleunigung bei der Durchsetzung von digitalen Zahlungsdienstleistungen. Beinahe an jeder Supermarktkasse liest man dieser Tage, dass man mit Kreditkarte zahlen soll – aus hygienischen Gründen. Obwohl die WHO ausdrücklich dementiert hat, dass von Bargeld eine gesundheitliche Gefährdung ausgeht, nutzen viele digitale Finanzdienstleister die Gunst der Stunde und informieren ihre Kunden, dass die WHO den Verzicht auf Bargeld empfehlen würde. Das ist allerdings eine glatte Falschinformation – quasi Fake News! Die WHO hat sich lediglich für das Einhalten grundlegender Hygienestandards ausgesprochen, die aber ohnehin selbstverständlich sein sollten. Vielen ist Bargeld aber ein Dorn im Auge und es wird keine Gelegenheit ausgelassen, um es schlechtzureden.

Verlust von Datenschutz und öffentlichem Gut

Laut einer aktuellen Studie von Paysafe ist Bargeld in Österreich in der Krise beliebter denn je. Mit 48 Prozent Zustimmung sieht knapp die Hälfte der Österreicher Bargeld als „sicherstes Zahlungsmittel in der Krise“ an. Nach Bundesländern zeigt sich, dass die Zustimmung im Westen Österreichs dazu am höchsten ist: 59 Prozent in Vorarlberg, 63 Prozent in Tirol und 65 Prozent im Land Salzburg. Zahlungsbeschränkungen für Bargeld würden weitere 73 Prozent der Österreicher mit großer Sorge sehen, 47 Prozent sogar mit „sehr“ großer Sorge. Steigender elektronischer Zahlungsverkehr wirft immer mehr Fragen zum Datenschutz auf. Aus Zahlungsdaten lassen sich die genauesten Personenprofile generieren, wie Datenanalysten zu berichten wissen. Diese Daten gehen an private Unternehmen, vor allem in den USA. In Krisenzeiten ist der rechtskonforme Umgang mit diesen Daten keineswegs mehr garantiert. Zudem geht das Geld als öffentliches Gut zunehmend verloren, wenn der Zahlungsverkehr mehr und mehr privatisiert wird. Das wirft die grundlegende Frage auf, wann Freiheiten und Bürgerrechte gefährdet sind. Bargeld ermöglicht nicht nur anonymisiertes Zahlen und somit das Grundrecht nach Privatsphäre, wenn man nicht möchte, dass das eigene Kaufverhalten „getrackt“ wird, sondern auch den tatsächlichen „Besitz“ von Geld. Der Zugang zu Giralgeld kann technisch gesehen sehr leicht eingeschränkt werden. Bargeld stellt daher im Zweifel Grundrechte sicher.

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Foto: iStock.com/ozgurcankaya

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