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„Städte müssen verlorenes Terrain zurückgewinnen“


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Folgen des Shutdowns

Viele Innenstädte könnten durch die Folgen des Shutdowns weiter unter Druck geraten. Außer es gelingt, Insolvenzen von Betrieben zu vermeiden und Konsumenten die Stadtzentren wieder schmackhaft zu machen.

Von Ursula Rischanek

Auf der Kärntner Straße in Wien, wo sich in der Vor-Corona-Zeit einer aktuellen Analyse der Wirtschaftskammer Wien zufolge pro Tag rund 56.500 Personen getummelt haben, ist derzeit nur ein Bruchteil davon unterwegs. „Die Frequenz hier ist nach wie vor weg“, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien. Denn einerseits ist die Innere Stadt nur dünn besiedelt – nur noch 16.000 Personen wohnen hier –, andererseits sind viele Mitarbeiter der ansässigen Unternehmen und Institutionen noch im Homeoffice. Auch Touristen sucht man aufgrund der Reisebeschränkungen nach wie vor vergebens. Anders sieht es hingegen beispielsweise auf der Mariahilfer Straße aus – hier steigt die Frequenz stetig. „Einkaufsstraßen mit starkem Bezirksbezug haben es leichter“, weiß Trefelik.

Die Kärntner Straße ist kein Einzelfall: Auch in vielen Städten Ostösterreichs ist die Frequenz trotz der Öffnung der Geschäfte noch immer deutlich niedriger als vor dem Shutdown. „Menschen aus dem Nahbereich kommen, die aus der Umgebung noch nicht“, sagt Hannes Lindner, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Standort + Markt, der dieses Phänomen unter anderem derzeit in Krems beobachtet. Er geht allerdings davon aus, dass das Shopflächenleben befeuert wird, wenn die Gastronomie Mitte Mai aufsperrt. Trefelik, der ein Modegeschäft gegenüber der Staatsoper betreibt, verspricht sich vom Öffnen von Cafés & Co. ebenfalls einen weiteren Schub: „Das Zusammenspiel von Handel, vor allem im Modebereich, und Gastronomie trägt nämlich massiv zum Shoppingerlebnis in und zur Attraktivität der Stadt bei“, sagt er. Lindner ergänzt: „Eines ohne das andere geht kaum.“

Überlebenskampf

Dass viele Unternehmen aus beiden Branchen um das blanke Überleben kämpfen und daher zahlreiche Insolvenzen befürchtet werden, lässt somit in den Kommunen, aber auch bei Vermietern angesichts drohender Leerstände und der damit verbundenen Folgen sowie ausbleibender Kommunalabgaben, die Alarmglocken läuten. Denn leicht hatten es die Innenstädte in den letzten Jahren und Jahrzehnten ohnehin nicht: Zuerst gruben ihnen Einkaufszentren auf der grünen Wiese das Wasser ab, dann hat der Boom des Onlinehandels viele Unternehmen unter Druck gebracht und die Zahl der leer stehenden Geschäfte weiter erhöht. Wenn jetzt noch vielen Gastronomen und Modehändlern das Aus droht, verlieren die ohnehin angeschlagenen Innenstädte weiter an Attraktivität. Wobei Lindner die Zukunft der innerstädtischen Gastronomie nicht ganz so schwarz sieht: „Der Bedarf wird da sein. Muss ein Betrieb schließen, wird ein anderer nachrücken.“ Ob das beim Modehandel ebenfalls der Fall sein werde, sei jedoch fraglich. Diesem sind nämlich bereits in den Vorjahren in den Städten die Felle davongeschwommen: „Zwischen 2013 und 2019 ist der Modeanteil in den Innenstädten ab 20.000 Einwohnern von 35 auf unter 30 Prozent Flächenanteil gerutscht“, so Lindner, der mit einem weiteren Rückgang rechnet. Die Skepsis ist begründet: Schließlich ist der Handel verschiedenen Untersuchungen zufolge am massivsten von Umsatzeinbrüchen durch die Corona-Krise betroffen, österreichweit ist der geschätzte Schaden etwa viermal so groß wie beispielsweise im Tourismus. Besonders dem Modehandel steht dabei das Wasser bis zum Hals. Peter Voithofer vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung führt das zum einen auf die Schnelllebigkeit der Kollektionen, zum anderen auf den hohen Abschreibungsbedarf zurück. Es seien die enormen Kosten für den Wareneinsatz, die der Branche mehr als jeder anderen zu schaffen machen, sagt Voithofer. 

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Foto: iStock.com/mb-fotos

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