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„Es wird angekündigt, aber nichts umgesetzt“


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Interview mit Dr. Hannes Androsch

„Für Selbstbelobigungen gibt es keinen Grund“, entzaubert Hannes Androsch das beharrliche Wiederholen der Bundesregierung, dass Österreich zu den schnellsten und besten Ländern in der Bewältigung der Corona-Krise gehört. „Die EU hat schon am 29. Jänner vor einer Pandemie gewarnt, die WHO am 30. Jänner. Österreichische Unternehmen, die in China tätig sind, haben Mitte Jänner auch in österreichischen Werken Schutzmaßnahmen umgesetzt und bis heute keinen
einzigen Corona-Fall.“

Von Marie-Theres Ehrendorff

Herr Dr. Androsch, Sie mussten als Vizekanzler und Finanzminister in einem Jahrzehnt, das von Umbrüchen und Veränderungen geprägt war, Währungs- und zwei Ölpreiskrisen bewältigen. Wie beurteilen Sie das Krisenmanagement der Bundesregierung?

Österreich war und ist auf die Corona-Pandemie schlecht vorbereitet. Es gab keinen Pandemieplan, wir haben zu wenig hochwertige Schutzausrüstungen und Tests. Die Politik hat mit ihrer Untätigkeit viel Zeit verloren. Tschechien, Griechenland oder Kroatien haben früher gehandelt, daher hat Kroatien heute nur ein Viertel der Todesfälle.

Sind die Maßnahmen gerechtfertigt?

Sie kamen in jedem Fall zu spät. Anfang Februar war man mit der Vertuschung des Desasters von Ischgl beschäftigt, um dann zu spät und mit viel Angstmacherei – wie dem Gespenst von 100.000 Toten, und jetzt haben wir 600 – drastische Maßnahmen zu ergreifen. Die Hilfsmaßnahmen hingegen sind ein Bruchteil dessen, was die Deutschen und die Schweizer machen. Das Wesentliche ist aber: Es wird nichts umgesetzt. Das ist ähnlich einem Rettungsdienst, der voll mit Blutkonserven ist, aber dem Verletzten, der zu verbluten droht, keine Transfusion gibt. Die derzeitige Gefahr ist eine verheerende Folge des Liquiditätsvirus, weil die Kosten in den Betrieben weiterlaufen, aber die Einnahmen völlig weggebrochen sind. Das wird viele Betriebe tödlich bedrohen und die Arbeitslosigkeit erhöhen.

Funktioniert die Wirtschaftshilfe in anderen Ländern wirklich besser?

In meinem Firmenbereich haben wir ein Unternehmen – eine Mutterfirma – in Österreich, die wartet schon seit sieben Wochen auf Kurzarbeitsgelder und bekommt sie nicht, während die kleine Tochterfirma in der Schweiz in sechs Tagen 500.000 Franken überwiesen bekam. Das ist der Unterschied. Es ist ein tödliches ökonomisches Virus, das uns da versetzt wurde. Und von irgendwelchen Revitalisierungs- oder Wiederbelebungsprogrammen ist nicht einmal ansatzweise noch die Rede. Die Wirtschaft ist abgestürzt, fast die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung ist beschäftigungslos, und es werden noch mehr werden. Die Exporte sind eingebrochen, der Tourismus ist gänzlich weggebrochen, die Konsumnachfrage ist niedrig und die Investitionen stagnieren. Die Eurozone wird heuer laut EZB eine zwölfprozentige Einbuße bei der Wirtschaftsleistung erleiden. Das Niveau von 2019 werden wir in frühestens drei Jahren wieder erreichen.  

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Foto: Österreichischer Wirtschaftsverlag

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