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Bruchlandung für Wirtschaft und Klima!


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Endstation Wirtschaftsstandort

Politisches Framing in vernünftige Realpolitik zu verwandeln ist eine hohe Kunst. Die Rettung der Austrian ist die erste große wirtschafts- und klimapolitische Bruchlandung der Regierung, auch wenn man standhaft versucht, es gegenteilig darzustellen. Kurzstreckenflüge zu streichen mag bei Umweltaktivisten populär sein, effektive Klimapolitik geht so aber nicht! Warum der Deal dem Klima nicht nützt und der Wirtschaft schadet.

Von Stefan Rothbart

Montag 06:00 Uhr. Bei einem Großkunden eines steirischen Technologieunternehmens ist bei einer Anlage in Dubai ein Problem aufgetaucht. Der 24-Stunden-Service wurde angefordert. Eine steirische Betriebstechnikerin fährt um 05:00 Uhr von ihrem Wohnort südlich von Graz weg und kommt eine halbe Stunde später beim Flughafen Graz an. Noch genug Zeit für den Check-in. Um 06:00 Uhr hebt die Turboprop-Maschine Richtung Wien ab. Ankunft am Vienna Airport um ca. 06:35 Uhr. Weiterflug nach Dubai um 07:30 Uhr mit Landung ca. fünfeinhalb Stunden später um 13:00 Uhr Ortszeit. Um 17 Uhr geht der Rückflug nach Wien und um 22:30 Uhr landet die Technikerin noch rechtzeitig in der Bundeshauptstadt, bevor der letzte Flug nach Graz um 23:30 Uhr abhebt. Um Punkt Mitternacht setzt der Flieger auf der Rollbahn in Feldkirchen auf und gut 45 Minuten später kann sich unsere Technikerin zu Hause auf ihr Kopfkissen fallen lassen. Ein erfolgreicher Arbeitstag für die steirische Exportwirtschaft.

Endstation Wirtschaftsstandort

Ohne die direkte Fluganbindung an ein großes Luftfahrtdrehkreuz ist ein regionaler Wirtschaftsstandort heute auf den Exportmärkten massiv im Nachteil. Das obige Beispiel beschreibt eine typische Geschäftsreise, wie sie täglich – zumindest vor Corona – von Graz aus geflogen wurden. Der verlängerte Langstreckenflug von Graz über Wien in die Zieldestinationen steirischer Exportunternehmen ist für den steirischen Wirtschaftsstandort ein ganz zentrales Asset. Geht es nach der Bundesregierung, wird dies aber spätestens ab dem Jahr 2027 nicht mehr möglich sein, denn im Rettungspaket für die Austrian wurde die Streichung solcher inländischen Kurzstreckenflüge vereinbart. Abgesehen davon, dass man nicht einmal eine Staatsbeteiligung an der Lufthansa- Tochter heraushandeln konnte, darf man stark anzweifeln, ob bis 2027 die Zugverbindung nach Wien derart attraktiv ausgebaut sein wird. Was vordergründig für die Klimaaktivisten populär und nach Erfolg klingt, ist in Wahrheit nicht nur ein Schaden für die Wirtschaft, sondern am Ende auch kein Nutzen für den Klimaschutz. Wenn sich die rund 80 Passagiere einer Dash-8 nun alle einzeln mit dem Auto in aller Herrgottsfrüh nach Wien quälen oder doch lieber von Graz über München oder Frankfurt in die Welt hinaus fliegen, wird das unter dem Strich zu keiner signifikant besseren Klimabilanz führen. Wer glaubt, so das Klima zu retten, hat die Thematik mit allen Details schlichtweg nicht zu Ende gedacht. Gibt es Graz-Wien nicht, dann wird nicht nur über andere Großflughäfen ausgewichen, sondern es wird auch das Bedarfsflugaufkommen steigen: mehr Firmenjets, die weniger Leute und mit höherem CO2-Ausstoß pro Kopf durch die Gegend fliegen.

Tatsache ist: Steirische Exportbetriebe brauchen eine schnelle Fluganbindung, sonst verkommt der regionale Standort zur provinzialen Endstation. Alles andere ist eine massive Schwächung des regionalen Wirtschaftsstandortes. Eigentlich genau das Gegenteil, was die Regierung ständig will, nämlich die Regionen stärken. Heimische Unternehmen werden sich dann wohl oder übel Standorte nur in der Nähe von großen Mobilitätsdrehschreiben suchen und neue Interessenten wird man für den regionalen Standort erst gar nicht gewinnen.

Verbindung Graz-Wien sichert Aufträge

Nicht nur dass steirische Unternehmen in einer annehmbaren Zeit ihre Mitarbeiter in die Welt hinausschicken müssen, auch die Erreichbarkeit für potenzielle Auftraggeber muss gegeben sein. Hier ein Beispiel: Ein steirisches Großunternehmen buhlt um einen lukrativen internationalen Auftrag. Die Steirer punkten mit Top-Qualität und produzieren unter den höchsten Umweltauflagen, doch die Auftraggeber haben auch eine Handvoll anderer Unternehmen in Europa im Auge. Sie beschließen, eine Delegation auf Europareise zu schicken und sich in einem eng getakteten Zeitplan in fünf Tagen alle potenziellen Betriebe anzusehen. Die Kunden fliegen über Wien nach Graz und landen um 9:00 Uhr in Feldkirchen. Das steirische Unternehmen lässt diese abholen und führt die Delegation durch alle Betriebsstätten. Ziel: die Kunden von der Technologie und den Fertigungsmethoden zu beeindrucken. Es folgt ein Mittagessen und anschließend fliegt die Delegation am Nachmittag von Graz wieder weiter, um am nächsten Tag bereits eine weitere Betriebsbesichtigung vorzunehmen. Solche Kundenbesuche finden täglich bei steirischen Unternehmen statt und nicht selten haben die Auftraggeber einen sehr engen Zeitplan. Eine gute Fluganbindung ist schon bei der Auftragsvergabe oft Voraussetzung, damit sich Kunden für ein steirisches Unternehmen entscheiden. Es ist schlichtweg ein Wettbewerbsnachteil, wenn der Kunde für einen Firmenbesuch doppelt so viel Zeit einplanen muss wie bei der Konkurrenz.  

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Foto: Krug/Flughafen Graz

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