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Sorge um den Konjunkturmotor


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Branchenvertreter fordern Maßnahmen

Noch brummt der Konjunkturmotor Bau in Kärnten und der Steiermark. In der zweiten Jahreshälfte könnte er jedoch ins Stocken geraten, fürchten Branchenvertreter und fordern entsprechende Maßnahmen.

Von Ursula Rischanek

Die Bauwirtschaft in Kärnten und der Steiermark hat in den letzten Monaten Stärke bewiesen. „Wir haben die Corona-Krise bisher recht gut überstanden“, sagt Alexander Pongratz, Landesinnungsmeister Bau Steiermark. Der Lockdown habe für das Baugewerbe nur zwei Wochen gedauert, danach seien die Baustellen unter den entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen wieder in Betrieb genommen worden. Die Bauindustrie habe die Baustellen nach vier Wochen aufgesperrt. Den Erträgen habe das Hinunter- und Hinauffahren der Baustellen jedoch „nicht so gut“ getan. „Beispielsweise hat sich die Lieferung von Aufzügen um drei Monate verschoben“, erzählt der steirische Landesinnungsmeister. Dazu seien Liquiditätsprobleme einzelner Bauherren gekommen. Vor allem große Unternehmen hätten bis Mitte Juni darüber hinaus damit gekämpft, dass ausländische Mitarbeiter durch die Einreisebeschränkungen gefehlt hätten. „Natürlich gab es auch am Bau Kurzarbeit“, sagt Pongratz, der in seinem Unternehmen rund 250 Mitarbeiter beschäftigt und Mitte Juni wieder aus der Kurzarbeit herausgegangen ist.  „Trotz allem haben wir nach wie vor Hochkonjunktur“, sagt Pongratz. Denn man sei aufgrund des schönen Winters gut ins Jahr 2020 gestartet: Allein im Februar seien in der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse österreichweit 110.000 Beschäftigte gezählt worden, während es in früheren Jahren oft nur die Hälfte gewesen sei. Robert Rauter, Landesinnungsmeister Bau Kärnten, teilt die Sicht seines steirischen Kollegen: „Aktuell sind wir gut ausgelastet, da wir noch von Auftragsüberhängen aus dem Rekordjahr 2019 profitieren.“  

Sorgen um die Zukunft

 Deutlich mehr Sorgen bereitet beiden allerdings der Blick in die Zukunft. Immerhin seien drei Monate lang kaum Baugenehmigungen erteilt und Bauverhandlungen abgehalten worden. „Es gibt um 20 bis 30 Prozent weniger Bescheide“, sagt Pongratz. Zwar hätten die zuständigen Abteilungen im Homeoffice gearbeitet. Größere Bauvorhaben seien jedoch komplexe Projekte, in die nicht nur die Stadtplanung, sondern auch Feuerwehr, Verkehrsplanung und andere Stellen involviert sind. „Die lassen sich nicht so einfach im Homeoffice abarbeiten“, sagt Pongratz. Mittlerweile würden wieder mehr Baugenehmigungen erteilt, „aber uns geht langsam die Arbeit aus“, ergänzt Rauter. Dass aktuell eine gewisse Zurückhaltung bei Investitionen zu bemerken sei, mache die Lage nicht besser. „Die Hotellerie fällt im Prinzip aus, auch die Industrie bremst“, sagt der Kärntner Landesinnungsmeister. Es bleibe daher zu hoffen, dass der private Markt, der derzeit noch gut funktioniere, dies auch in den nächsten Monaten tue. „Und dass die öffentliche Hand nicht als Auftraggeber ausfällt“, sagt Pongratz. Schließlich würden den Gemeinden Einnahmen fehlen, die vom Bund zur Verfügung gestellte Milliarde Euro werde nicht ausreichen. In Kärnten beispielsweise ist die Baubranche, die rund 25 Prozent zum gesamten Produktionswert des Landes beiträgt, nach Angaben der ARGE Bauwirtschaft wesentlich von öffentlichen Aufträgen abhängig. Im Tiefbau liegt deren Anteil bei 70 Prozent, im Hochbau sind es 30 Prozent.

Investitionsprogramm gefordert

„Wir brauchen daher dringend ein Investitionsprogramm“, heißt es daher unisono. Nicht zuletzt, da die Umwegrentabilität von Förderungen am Bau besonders hoch ist: Demnach fällt jeder investierte Euro in bis zu 1,7-facher Höhe in Form von Steuern und Sozialabgaben an die öffentliche Hand zurück. „Es ist doch besser, einen Euro in Arbeit zu investieren als in Arbeitslosengeld“, ist Rauter überzeugt. Dazu kommen hohe Produktions-, Beschäftigungs- und Lehrlingsausbildungseffekte. Kärntens Arbeitsmarkt- und Wohnbaureferentin Landeshauptmann- Stellvertreterin Gaby Schaunig etwa hat bereits angekündigt, Sanierungspotenziale im Schulbau, bei Krankenanstalten und öffentlichen Gebäuden zu evaluieren, um entsprechende Investitionen vorzuziehen. Auch im Straßenbau werden Investitionen weiter forciert und Ausschreibungen wenn möglich vorgezogen. Weitere 60 Millionen Euro will das Land Kärnten in den Breitbandausbau investieren. Dazu kommen gezielte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sowie ein Paket für Gemeinden, das in Krisenzeiten die reibungslose Abwicklung von Behördenwegen und -verfahren weiter vereinfachen und garantieren soll. Darüber hinaus wurde ein Leitfaden für Augenscheinverhandlungen, wie etwa bei Bauverfahren oder Betriebsanlagengenehmigungen, erstellt. Die Empfehlungen reichen von der Anreise einer Behördendelegation bis hin zur Ausstattung der Verhandlungsteams und Verhandlungsräume. Und auch eine Neugewichtung des Bestbieterprinzips ist geplant. „Im Straßenbau wollen wir eine zusätzliche prozentuelle Verschiebung der Zuschlagskriterien vom Preis hin zu regionalen Kriterien, um heimische Unternehmen zu unterstützen“, so Kärntens Straßenbau-Referent Martin Gruber.

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Foto: iStock.com/Bogdanhoda

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