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Umstrukturierung in Zeiten von Corona

Der Tiroler Kristallglasschleifer Swarovski baut weltweit 6.000 Mitarbeiter ab, 1.800 davon am Stammsitz in Wattens. Als Grund für den Schritt gibt Swarovski an, dass der internationale Markt für Luxusgüter von der Corona-Krise schwer getroffen wurde. Allein in den Monaten März bis Juni musste der Konzern einen Umsatzrückgang von 90 Prozent hinnehmen.

Von Christian Wieselmayer

Noch sind viele Beschäftigte bei Swarovski in Kurzarbeit. Allerdings wird im Herbst rund ein Viertel von ihnen den Job verlieren. Es sei dies eine schmerzliche, aber alternativlose Entscheidung gewesen, erklärte der neue Konzernchef Robert Buchbauer im ORF-Interview. Er rechnet alleine heuer mit Umsatzeinbußen von rund 35 Prozent, womit der prognostizierte Umsatz unter zwei Milliarden Euro bleibt. Auch im kommenden Jahr sei aufgrund der Rezession noch nicht mit einem normalen Geschäftsjahr zu rechnen, wobei es für Prognosen verfrüht ist. Bereits Ende Juni hatte Swarovski bekannt gegeben, rund 200 Arbeitsplätze in den Bereichen Marketing und Vertrieb zu streichen. Rund einen Monat später wurde dann ein weiterer Stellenabbau am Stammsitz in Wattens angekündigt. Im Herbst werden von den derzeit noch bestehenden 4.600 Stellen weitere 1.000 gestrichen. Mittelfristig sollen am Hauptsitz rund 3.000 Menschen beschäftigt sein. Denn bis 2022 soll der Mitarbeiterstand noch einmal um 600 Stellen verringert werden. Der massive Personalabbau in Wattens ist Teil eines Totalumbaus des Unternehmens, den Robert Buchbauer nach dem Rückzug von Markus Langes-Swarovski nun umsetzt und bei dem unter anderem unterschiedliche Geschäftsbereiche zusammengeführt werden sollen. Der Komponentenbereich wird gestutzt – dort will man sich auf das obere Marktsegment konzentrieren. Der Fokus werde „massiv auf die Produktion von Kristall für die eigenen Fertigprodukte“ gelegt, so Buchbauer: „Der Komponentenbereich ist seit 2007/2008 unter starkem Wettbewerbsdruck.“ Bei Massenprodukten liege das Preis-Verhältnis zu Dumpinganbietern teilweise bei eins zu 100. „Der Endkundenbereich mit Schmuck und Uhren dagegen ist seit 20 Jahren erfolgreich gewachsen und hat das Unternehmen gestützt.“ Der Umbau sei eine „Existenzfrage.“

Umstrukturierung bereits lange geplant

Die Umstrukturierung war bereits vor der Corona-Krise in die Wege geleitet worden. Die Pandemie und die damit verbundenen weltweiten Zwangsschließungen vieler Shops haben dem Konzern aber einen weiteren Schlag versetzt. „Das hat die Notwendigkeit für Anpassungen bei Größe, Führung und der Geschäftsstruktur beschleunigt“, so Buchbauer. Bis zu 90 Prozent der Shops waren während des Corona-Lockdowns vorübergehend geschlossen. Alleine die Wattenser Kristallwelten verzeichnen heuer einen Umsatzrückgang von 80 Prozent. „Der internationale Tourismus findet nicht mehr statt.“ Der Umsatz der Swarovski-Kristallsparte werde heuer von zuletzt 2,7 Milliarden Euro auf „unter zwei Milliarden Euro sinken“. Konzernweit setzte die SwarovskiGruppe im Vorjahr inklusive Swarovski Optik (159 Millionen Euro) und Tyrolit (685 Millionen Euro) 3,5 Milliarden Euro um. Die Gruppe beschäftigte weltweit 34.000 Mitarbeiter, davon 26.000 in der Kristallsparte. Buchbauer betont ein weiteres Mal, „dass es sich beim aktuellen Stellenabbau um keine Verlagerungen handelt, sondern um eine zwar schmerzhafte, aber nötige Redimensionierung und Kapazitätsanpassung“.

Wattens bleibt Konzernzentrale

Die bevorstehenden Kündigungen seien notwendig, um die Konzernzentrale in Wattens langfristig abzusichern, erläutert Robert Buchbauer ergänzend. Sie soll auch in Zukunft der Swarovski-Stammsitz bleiben. Allerdings werden die Produktionsstätten verkleinert und dem Bedarf angepasst. Die verschiedenen Geschäftsfelder des Konzerns werden zusammengeführt, sodass künftig alles unter der Marke Swarovski läuft, so Buchbauer. Zudem soll noch im Herbst der Beschluss gefasst werden, Swarovski zu einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft umzuwandeln. Das sei höchst an der Zeit. Künftig werde Swarovski daher den Fokus auf höherwertige Fertigprodukte legen. Für diese Neuausrichtung sei der seit 125 Jahren gewachsene Standort Wattens aber deutlich zu groß. „Wir haben eine riesige Infrastruktur, die nicht mehr zeitgemäß ist“, so Buchbauer.

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Foto: Edgar Moskopp

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