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Was keiner weiß, macht niemanden heiß

Banken belasten Unternehmen mit Negativzinsen. Immer öfter müssen Firmenkunden für ein Plus am Konto „Verwahrentgelt“ entrichten, wie ein Artikel der Tageszeitung „Standard“ aufzeigte. Doch Banken anzuprangern greift zu kurz, sie sind selbst die Leidtragenden der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Das Bedenkliche an dem Thema ist, dass die Bevölkerung kaum über Negativzinsen Bescheid weiß.

Von Stefan Rothbart

Laut einem Urteil des OGH sind Negativzinsen auf private Sparguthaben tabu. Bei Firmenkonten wird aber von nahezu allen Bankinstituten ein Negativzins oder ein Verwahrentgelt, wie es einige Banken nennen, verrechnet. Das Thema ist eigentlich hochbrisant, doch es wird wenig transparent kommuniziert, auch von den Banken nicht. Die Europäische Zentralbank hält seit September 2019 einen Negativzins von 0,5 Prozent auf Einlagen von Geschäftsbanken ein. Mit anderen Worten, auf das Geld, das unsere heimischen Banken bei der EZB deponieren müssen, zahlen sie quasi eine Gebühr. Das Geld wird damit entwertet. Auf Nachfrage der „Wirtschaftsnachrichten“ bei österreichischen Banken entstehen diesen dadurch im Durchschnitt zwischen zehn bis 15 Millionen Euro an Mehrkosten pro Jahr. Nicht jedes angefragte Bankinstitut machte darüber überhaupt Angaben. Diese Mehrkosten dürfen nicht an Privatkunden weiterverrechnet werden, aber sehr wohl an Geschäftskunden. Einheitliche Regelungen gibt es hier aber nicht und die Banken tragen in ihrer Kommunikation auch wenig zur Transparenz bei.

Unternehmen zahlen die Zeche

Es braucht dringend mehr öffentlichen Dialog über das Thema Negativzinsen und Aufklärungsarbeit durch Banken und Politik. Es ist schlicht unverständlich, warum Unternehmen für eine gute Haushaltsführung draufzahlen sollen. Die Geschäftsbanken stecken in der Zwickmühle, denn verständlicherweise wollen auch sie nicht auf den Kosten sitzen bleiben, die ihnen die EZB verursacht. Bei der Oberbank ist man bereits so weit, dass man Geschäftskunden ab einer Einlagensumme von 100.000 Euro die Negativzinsen weiterverrechnet. Auf Nachfrage der „Wirtschaftsnachrichten“ bestätigen fast alle anderen angefragten heimischen Bankinstitute, dass man das individuell mit den Geschäftskunden vereinbaren würde, je nach Bonität. Die gesamte Kundenbeziehung werde betrachtet und im Einzelfall entschieden, bestätigen etwa die RLB Oberösterreich, die BAWAG und die Volksbank Wien. Bei der Raiffeisen Bank International (RBI) betont man, dass man Negativzinsen nur an Großkunden weiterverrechne und diese mit dem Kunden individuell vereinbare, wobei Staffelungen und Freibeträge berücksichtigt würden. Eine einheitliche Regelung gäbe es nicht. Damit ist die RBI nicht alleine, denn soweit bis Redaktionsschluss eruiert, betreibt nur die Oberbank eine einheitliche interne Regelung, ab welcher Summe Negativzinsenanfallen. Lediglich bei der UniCredit Austria gibt man an, keine Negativzinsen auf Firmenkunden-Einlagen zu verrechnen. Für institutionelle Kunden, Kunden des öffentlichen Sektors sowie bei Firmenkunden mit hohen Einlagen werden alternative Anlagelösungen und Vergütungsmodelle angewandt, die man individuell mit den Kundenabstimmt, heißt es seitens der UniCredit Austria. Darüber hinaus gäbe es für Firmenkunden, institutionelle und Public-Sector-Kunden eine „Verwahrgebühr“ für große Guthaben, die individuell vereinbart wird.

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Foto: iStock.com/Stadtratte

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