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„Ein grundlegendes Umdenken und keine Alibimaßnahmen“


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Interview mit Dr. Hannes Androsch

Österreich steht derzeit – wenn auch auf ungleich höherem Wohlstandsniveau – vor einer vergleichbar schwierigen Situation wie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. „Wenn auch die endgültigen Auswirkungen des Corona-Flächenbrandes in ihrer Gesamtheit noch nicht absehbar sind, ist eines klar: Weder im Alltagsleben noch in der Wirtschaft können wir weitermachen wie bisher“, befindet der Industrielle Hannes Androsch, der als Finanzminister nicht nur elf Budgets verabschiedet hat, sondern durch seine zahlreichen Beteiligungen an global tätigen Unternehmen mit österreichischer Kernkompetenz den Überblick hat.

Interview von Marie-Theres Ehrendorff

Herr Dr. Androsch, welche Herausforderungen halten Sie für die wesentlichen unserer Zeit?

Drei „Ds“ stehen für die bedeutendsten Umbrüche unserer Epoche. „D“ wie Digitalisierung, also die völlige Umwälzung unserer Arbeitsabläufe und Kommunikation. „D“ wie Dekarbonisierung, die nicht nur klimabedingte Abkehr von der fossilen Energie. Und schließlich „D“ wie demografischer Wandel, was die Überalterung der westlichen Welt und die Verschiebung der Population zugunsten des asiatischen und des afrikanischen Kontinents bedeutet. Ausreichende Herausforderungen für eine einzige Welt, sollte man meinen. Doch nun kommt ein „C“ – für die Corona-Pandemie – dazwischen und macht allen Zukunftsszenarien und Plänen einen Strich durch die Rechnung. Aber möglicherweise bietet dieses verflixte C sogar die Chance, den nötigen Wandel zu beschleunigen und in die Wege zu leiten.

Und was hat Österreich im Zuge der Corona-Krise zu bewältigen?

Herausforderungen und Probleme gab es bereits vor der gegenwärtigen Pandemiekrise. Hinzugekommen sind Erschwernisse und Bedrohungen, die Themen verhärtet, vor allem aber die vorhandene Rückständigkeit offengelegt haben. Umso mehr ist jetzt zu tun, um die Gesundheitskrise zu überwinden und die Post-Covid-19 Zeit erfolgreich zu gestalten. Dazu zählen die vielfältigen Herausforderungen durch die Digitalisierung vom Bildungs- bis zum Arbeitsbereich, die sinnvolle Umsetzung der Energiewende, die Eindämmung der Umweltbelastungen, die Lösung des Age Quake, also die Auswirkungen des demografischen Wandels samt seinen Folgen, die bedrohte Weltwirtschaft, geopolitische tektonische Bedeutungs- und Machtverschiebungen, die Hilflosigkeit Europas u.v.m. Österreich muss sich raschestens von der kleinstaatlich-nationalistischen und provinziellen Kirchturmbetrachtung sowie der irreführenden Politik der Selbstdarstellung und Selbstbeweihräucherung verabschieden.

Was wäre – um mit dem Titel Ihres neuen Buches zu fragen – jetzt zu tun?

Damit die Krise keine Dauerkrise wird, gilt es schnellstmöglich die beschlossenen Corona-Hilfen tatsächlich auszuzahlen und dafür zu sorgen, dass endlich ein rasch wirksames, massives Konjunkturpaket aufgesetzt wird. Es nutzt nichts, wenn wir die drohenden Verwerfungen am Arbeitsmarkt durch Kurzarbeit ohne Arbeit verschleiern. Wir müssen Arbeit schaffen, daher sollte dieses Konjunkturprogramm mit zumindest 15 Milliarden Euro dimensioniert sein. Ich fürchte, es wird in Österreich, sollte es überhaupt dazu kommen, um Monate zu spät kommen – Deutschland hat sein 130-MilliardenEuro-Paket schon im Juni geschnürt. Die Blutung zu stillen und den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen ist aber nur das eine. Mit einem umfassenden Modernisierungsprogramm in Höhe von mindestens zehn Milliarden Euro, das die großen Zukunftsthemen des Landes adressiert, muss auch die Laufrichtung neu definiert werden.

An welche Bereiche denken Sie diesbezüglich?

Digitalisierung, Bildung, Klimaschutz, Bundesheer, Justiz, Bahn-Nahverkehr, auf europäischer Ebene sicher auch Highspeed-Schienennetze, Forschung und Technologie. Dies mit Investitionen in einem rasch umsetzbaren Konjunkturprogramm zu kombinieren, um rasch Auftrage zu vergeben und Nachfrage zu schaffen, wäre in vielerlei Hinsicht wünschenswert.

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Foto: AIC/Peter M. Mayer

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