China vs. Europa:


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Wer macht das Rennen?

China läuft Europa immer mehr den Rang ab. Das alte Kräfteverhältnis kehrt sich um. Nicht Europa ist die führende Kraft, sondern zusehends das Land des roten Drachen. Covid-19 beschleunigte im letzten Jahr den globalen Aufstieg Chinas. Europa gerät ins Hintertreffen. Doch für Christoph Leitl, Ex-Präsident der  Wirtschaftskammer Österreich und aktueller Präsident der Europäischen Wirtschaftskammer Eurochambers, reichen die Ursachen für diesen Trend länger zurück.

Von Stefan Rothbart

Jedes Jahrhundert hat seine vorherrschende Macht. Während das 19. Jahrhundert den Europäern und das 20. Jahrhundert den Amerikanern gehörte, wird das 21. Jahrhundert unweigerlich das asiatische Jahrhundert mit der dominierenden Macht China sein. Es gibt gute Gründe, anzunehmen, dass diese Machtverschiebung in wirtschaftlicher, sozialer und teilweise militärischer Hinsicht nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. In den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts fand ein rapider Wechsel geopolitischer Akteure statt. Das Zentrum der globalen Interaktion verlagerte sich von West nach Ost. Auch der Meridian der globalen Wohlstandsverteilung verschiebt sich nach Asien. Hält dieser Trend an, dann werden Ende dieses Jahrhunderts die asiatischen Staaten wohlhabender sein als die des Westens. Eine historische Rollenumkehr.
Während das Jahr 2020 für Europa einen beispiellosen Wirtschaftseinbruch brachte, wächst die Volkswirtschaft in China und auch in anderen asiatischen Ländern weiter. Der nächste Aufstiegskandidat ist Indien. Das Wachstumspotenzial der bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt ist sogar noch größer als jenes von China. Mit Indien und Indonesien werden sich neben China und Japan noch zwei weitere asiatische Länder in die Top Fünf der größten Ökonomien einreihen. Vor allem europäische Länder verlieren im Ranking an Boden

Europa am Ende?

Der ehemalige WKO-Präsident Christoph Leitl, der aktuell der Europäischen Wirtschaftskammer Eurochambers vorsteht, hat in seinem neuen Buch einen Ausblick auf Europas Zukunft gewagt. Multiple Krisen treffen aktuell auf ein nach innen gespaltenes Europa. Die Probleme sind vielfältig. Sie reichen von einer alternden Bevölkerung, einem zunehmenden Rückgang wirtschaftlicher Schlagkraft bis hin zu wachsenden politischen Unstabilitäten. Die europäische Softpower, die demokratischen Werte, der Humanismus und die Kultur waren zuletzt noch Europas größte Schlagkraft. Doch auch diese Waffen gehen langsam verloren. Beispiele von „Good Governance“ kamen im Pandemiejahr 2020 aus Asien, nicht aus Europa und auch nicht mehr aus den USA. Ist dieser Trend unumkehrbar? Laut Christoph Leitl ist es für Europa nicht zu spät, aber es besteht akuter Handlungsbedarf.

Herr Leitl, 2020 ist China endgültig zur führenden Wirtschaftsmacht aufgestiegen und die Europäische Union nach dem Brexit erstmals in ihrer Geschichte geschrumpft. Wo steht Europa aktuell?

Das mit dem Schrumpfen würde ich zu nächst so nicht unterstreichen. Wir sind nach wie vor mit Großbritannien verbunden. Nach wie vor definiert sich ein vereinigtes Europa mehr über die Wirtschaft und weniger über die Politik. Und wenn wir von Wirtschaft sprechen, dann ist Europa ohnehin größer als die Europäische Union zu denken. Die wirtschaftliche Verflechtung unseres Kontinents ist wesentlich stärker und tiefgreifender, als es die politische Verflechtung ist. Auch und gerade was Großbritannien betrifft. Ich sehe den Brexit langfristig nicht als Schwächung von Europa, denn jetzt, wo diese unverantwortliche Politshow beginnt sich zu entlarven, wird wieder die Zeit der Pragmatiker kommen. Und Pragmatismus führt zu Lösungen, nicht der Populismus. Bestes Bei spiel ist das Eurasmus-Programm für Studierende. Zuerst wollten die Briten raus, jetzt wollen sie dabei wieder unbedingt mitmachen. Es gibt eine Normalität des europäischen Zusammenarbeitens und des Zusammengehörigkeitsgefühls, die über die Politik hinausgeht. Auch ein Familienmitglied, das von zu Hause auszieht, bleibt dennoch Teil der Familie.  

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Foto: WKO

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