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Die Grenzen von CO2-Steuern


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WIFO

Die überwiegende Mehrheit der Klimaökonomen sieht eine Besteuerung des CO2-Ausstoßes als unverzichtbares Mittel im Kampf gegen die Klimakrise an. Doch hat diese auch einen technologischen Lenkungseffekt? Darüber herrscht zunehmend Skepsis in der Wissenschaft. Die Wirtschaftswissenschaftlerinnen Margit Schratzenstaller und Angela Köppl vom WIFO haben ebenfalls zu den Effekten von CO2-Steuern geforscht und deren Grenzen ausgelotet.

Von Stefan Rothbart

Die Besteuerung des CO2 -Ausstoßes gilt den Klimaökonomen weltweit als geeignetes Instrument, um Kostenwahrheit bei Produkten und Dienstleistungen herzustellen. Seit den 1990er-Jahren gibt es in einigen Ländern der Welt eine sogenannte CO2-Steuer. Am längsten existiert eine solche in Schweden, das bereits 1991 als erstes Land der Welt eine direkte Steuer auf CO2-Emissionen eingeführt hat. anfänglich betrug der Preis nur 27 Euro pro Tonne CO2. 2019 wurde der Preis auf 120 Euro pro Tonne angehoben. Damit hat das skandinavische Land den mit abstand höchsten CO2-Preis weltweit. auch etwa in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Slowenien existieren CO2 -Steuern. Eine einheitliche Regelung gibt es in der EU allerdings noch nicht. Was es schwierig macht, die Effekte von CO2-Steuern genau zu evaluieren.

Sinkende Emissionen, schwache Lenkungswirkung?

Dass es aber mit CO2-Steuern nicht so einfach ist, zeigen immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen auf. Eine Studie der ETH Zürich und des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS Potsdam) zeigten kürzlich auf, dass durch eine CO2-Bepreisung zwar eine Senkungen der Emissionen erkennbar ist, aber der technologische Lenkungseffekt wesentlich geringer ausfällt als erhofft. „Wir beobachten zum Teil beachtliche Senkungen der Emissionen, allerdings nicht durch die dringend nötigen Investitionen in CO2-freie Technologien, sondern durch einen Umstieg auf andere, etwas weniger CO2-intensive Nutzungen. Für die angestrebte Klimaneutralität ist ein Umstieg von Benzin auf Diesel oder von Kohle- auf Gasstrom aber praktisch irrelevant“, so Leitautor Johan Lilliestam vom IASS. Ein zu niedriger CO2-Preis ist laut den IASS-Wissenschaftlern dafür keine hinreichende Erklärung. Denn selbst in den nordischen Ländern, wo verhältnismäßig hohe CO2-Preise existieren, sei keine Lenkungswirkung in Richtung eines technologischen Wandels beobachtbar. Die Energiewende werde dagegen viel mehr durch andere Politikmaßnahmen, wie etwa Förderprogramme für erneuerbare Energien, in Schwung gebracht. Dadurch habe es für Lnvestoren viel stärkere Lnvestitionsanreize gegeben, was bei der Wind- und Solarenergie in starken Kostensenkungen resultierte. Eine CO2-Bepreisung kann damit als Teil eines breit angelegten Maßnahmenpaketes durchaus einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten. Sie darf jedoch nicht als zentrales Klimaschutzinstrument angesehen werden, da sie zwar durchaus Lenkungswirkungen erzielen, nicht jedoch einen umfassenden technologischen Wandel forcieren kann, so die Sichtweise der IASS-Forscher.

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Foto: iStock.com/sharply_done

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