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Ein Statusbericht

Das Klimaabkommen von Paris hat sich zum Ziel gesetzt, die globale Erwärmung unter zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu halten. Dafür muss sich unser CO2-Ausstoß bis 2050 mehr als halbieren. Europa ist auf einem guten Weg, doch wie sieht es im Rest der Welt aus?

Von Stefan Rothbart

In Europa bekommt man leicht den Eindruck, Klimaschutz sei ein zentrales weltweites Thema. Die Dichte der medialen Berichterstattung hierzulande lässt einem diese Annahme sehr leicht treffen. Und obwohl der Klimaschutz auf einer politischen Ebene definitiv ein weltweites zentrales Thema ist, ist er in der breiten, globalen Bevölkerung längst nicht angekommen. In vielen Ländern ist der Kampf gegen die Klimakrise lediglich ein weiteres Problem von vielen. Das Bewusstsein für Klima- und Umweltschutz ist weltweit genauso ungleich verteilt, wie es die Verursacher der Klimakrise sind. Das Handlungsbewusstsein in den meisten westlichen Industrieländern ist inzwischen sehr hoch, in Entwicklungsländern hingegen leider nicht. Dabei sind letztere ausgerechnet jene, die die Probleme der Klimakrise als erstes spüren. Doch der Klimawandel ist oft nicht ihr dringendstes Problem. Die tägliche Portion Nahrung oder Wasser, Zugang zu Hygiene und Gesundheit sind drängender. Bewusstsein für Klimaschutz ist ein Wohlstandsphänomen, wenn sonst keine existenziellen Nöte im Alltag vorhanden sind. Diese Erkenntnis ist insofern wichtig, denn sie zeigt auf, dass die Klimakrise keineswegs nur mit der Vermeidung von CO2 zu lösen ist, sondern eine umfassende soziale Krise darstellt. Ginge es nur um die Vermeidung von CO2, dann wäre es ein logischer Schluss, die armen Länder möglichst arm und unterentwickelt zu halten. Weil das niemand will, sollen die reichen Industriestaaten die Hauptlast der CO2-Einsparung übernehmen, während sich die Entwicklungsländer, nun ja, entwickeln können. Wenn aber Europa (das nur rund sieben Prozent der Weltbevölkerung ausmacht) 55 Prozent seiner Treibhausgasemissionen einspart, dann ist das global ein Tropfen auf den heißen Stein. Zielführend kann daher nur sein, das Klimabewusstsein in den Schwellen- und Entwicklungsländern radikal zu steigern und deren Wohlstand von vornherein nachhaltig zu gestalten.

Klimasünden der Vergangenheit

Bisweilen argumentiert man in der Klimapolitik so: Die reichen Industriestaaten sind die größten Verursacher von Treibhausgasen. Sie haben in der Vergangenheit am meisten zur Klimaerwärmung beigetragen, daher müssen sie jetzt auch die größten Anstrengungen zur CO2-Einsparung treffen. Diese Argumentation ist aber ineffizient. Die Industriestaaten haben sich anhand der damals verfügbaren vorrangig fossilen Technologien entwickelt. Entwicklungsländer hätten aber heute die Chance, das fossile Zeitalter zu überspringen und ihre Industrialisierung gleich mit erneuerbaren Technologien zu gestalten. Das passiert aber vielerorts nicht, weil erneuerbare Technologien angeblich für viele Länder nicht leistbar sind. Deshalb bauen China und Indien weiterhin Kohlekraftwerke, während der Westen Milliarden dafür einsetzt, seine Industrie unter großen Anstrengungen zu dekarbonisieren. Global betrachtet, ist das effizient? Wäre es nicht viel effizienter, Milliarden in eine von vornherein dekarbonisierte Entwicklung ärmerer Länder zu stecken? Wo ist eine Klimaschutzmilliarde daher am effizientesten investiert? Darauf gibt es bislang keine befriedigende Antwort. Die komplette Dekarbonisierung aller Wirtschaftssektoren in Deutschland würde geschätzt 4.000 Milliarden Euro an Kosten verursachen. 2019 lag die weltweite Investitionssumme in erneuerbare Energien nur bei 301,7 Milliarden US-Dollar. Derweil lebt rund die Hälfte aller 1,3 Milliarden Afrikaner noch ohne Strom. Laut Schätzungen der African Development Bank würde eine Elektrifizierung des Kontinents mit erneuerbarem Strom für 80 Prozent der Bewohner lediglich rund 500 Milliarden US-Dollar kosten. Vier Billionen für die Dekarbonisierung eines Industrielandes gegen eine halbe Billion für die komplette erneuerbare Elektrifizierung eines Kontinents. Nun, durchgerechnet hat sich das noch niemand genau. Doch vielleicht sollten wir den Mitteleinsatz im Kampf gegen den Klimawandel neu bewerten.

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Foto: iStock.com/acilo

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