Kommt das Gespenst?


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Währungen

Mit dem Licht am Ende des Tunnels sehen manche Experten auch schon die Gefahr einer Inflation. Kommt nach der Corona-Krise nun eine Währungskrise?

Seit dem Beginn der Pandemie ging es vor allem darum, die Wirtschaft am Laufen zu halten, um den Einbruch der Konjunktur möglichst zu dämpfen. Hier zeigte sich, dass wir nach wie vor einen Staat brauchen, um in der Krise steuernd einzugreifen, weshalb wir in Österreich mit 37.500 Euro derzeit sogar eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung haben als Griechenland. Solange die Wirtschaftsleistung entsprechend ist und die Menschen wieder in die Beschäftigung zurückkehren können, droht uns deshalb aber kein Ungemach. Zumindest nicht seitens der EU, welche die Schuldenbremse gelöst hat und laufend frisches Geld drucken lässt. So hatte die EZB vor einem Jahr wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise zunächst mit einer Tranche von 750 Milliarden Euro begonnen. Dann wurde das Programm im Juni um weitere 600 Milliarden Euro aufgestockt. Zuletzt fiel die Entscheidung, noch einmal 500 Milliarden Euro dazuzulegen. Hinzu kommen noch 750 Milliarden Euro aus dem Wiederaufbaufonds, wofür die EU-Länder erstmals gemeinsam haften sollen.

Die Zinsschraube nach unten drehen

Genau genommen handelt es sich dabei um eine indirekte Finanzierung der Haushalte bzw. um Maßnahmen, die verhindern, dass die massiv steigenden Fiskaldefizite in restriktiveren Kapitalmarktbedingungen münden. „Kurzfristig wird das zwar noch nicht zu Inflation führen“, so Stefan Schneider, Chefvolkswirt für Deutschland bei Deutsche Bank Research. Dennoch sorgen sich Anleger aber zunehmend über ein Szenario, bei dem es zu einer deutlicheren Trendwende bei der Inflation kommen könnte. Für 2021 sei dies aber noch kein Thema. „Die Inflationserwartungen würden aber natürlich schon jetzt die Kapitalmärkte umtreiben“, ergänzt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, mit Blick auf die Realrenditen und den Goldpreis. „Gold wird vermutlich weniger gefragt sein“, sagt Stephan. Wenn sich die Wirtschaft weiter erholt, ist dieser sichere Hafen nicht mehr so stark nachgefragt. Hinzu kommt, dass bei höheren Zinsen die relative Attraktivität von Gold abnimmt. Kritisch sieht Ulrich Stephan hingegen Kryptowährungen wie den Bitcoin, die seiner Meinung nach hochspekulativ und damit für den langfristigen Vermögensaufbau kaum geeignet sind: „Ein sicherer Hafen oder gar ein Ersatz für Gold sind sie nicht.“

Verdoppelte Sparquote

Eine ähnliche Entwicklung prognostiziert auch die Österreichische Nationalbank – auch wenn die Inflation zuletzt seit Jänner mit 0,8 Prozent bis März auf zwei Prozent gestiegen ist und somit den Zielwert der EZB erreicht hat. Wesentliche Preistreiber waren zuletzt die Bereiche Wohnung, Wasser und Energie, wogegen z.B. die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke sanken. Gleichzeitig leidet der österreichische Arbeitsmarkt weiterhin stark unter den Folgen der Covid-19-Pandemie. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag nach nationaler Definition im Februar bei 9,4 Prozent, was nach wie vor die Konsumfreude dämpft. Deutlich wird dies auch daran, dass sich innerhalb eines Jahres die Sparquote der Österreicher verdoppelt hat. Während viele Einbußen durch Kurzarbeit hinnehmen oder gar um ihre Existenz bangen mussten, haben andere die Krise damit verbracht, sich ein dickeres Polster zuzulegen. Diese Unterschiede hätten es wohl auch nicht gerechtfertigt, dass staatliche Hilfen beispielsweise in Gutscheinen oder einer eigenen Währung mit Ablaufdatum ausgezahlt werden, um den heimischen Konsum anzukurbeln. Denn jene, die es erwischt hat, brauchten das Geld ohnehin, um ihre laufenden Kosten und beispielsweise steigende Mietpreise zu decken.  

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Foto: iStock.com/KevinHyde

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