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Mut zur Größe


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U-Bahn

Graz, die zweitgrößte Stadt Österreichs, könnte bald eine U-Bahn bekommen. Jedenfalls wenn es nach den Plänen von Bürgermeister Siegfried Nagl geht. Für die steirische Landeshauptstadt tut sich in der Verkehrspolitik aktuell ein einmaliges Zeitfenster auf, um die zukünftige Entwicklung der Stadt zu bestimmen. Stadtregierung als auch Opposition punkten mit Vorschlägen. Doch Zukunftspläne dürfen nicht für politisches Kleingeldwechseln geopfert werden. Graz braucht Mut zur Größe und ein gemeinsames Bekenntnis von allen Parteien.

Von Stefan Rothbart

In der Geschichte einer Stadt tun sich sehr selten jene Zeitfenster auf, in denen zentrale Weichenstellungen für die Zukunft möglich werden. Blickt man in der Geschichte von Graz etwas zurück, waren solche Punkte z.B. Anfang des 19. Jahrhunderts, als die alten Stadtmauern geschleift und dadurch nicht nur der Stadtpark, sondern auch die Gründerzeitviertel Geidorf und St. Leonhard möglich wurden. Der Bau des Plabutschtunnels in den 1970er-Jahren war ebenso eine solche Weichenstellung, die die Verkehrspolitik der Stadt bis heute prägt. Zuletzt waren das Bekenntnis zum Murkraftwerk und die damit verbundene Umgestaltung des Murufers ebenfalls einer dieser Entwicklungsschritte, dem jetzt mit den U-Bahn-Plänen ein weiterer zentraler Schritt folgen könnte. Gejammert wurde bei all diesen letztendlich als Errungenschaften betrachteten Projekten immer. Die Vorstädter beschwerten sich seinerzeit über den Bau der Gründerzeithäuser. Diese wurden als viel zu hoch empfunden. Auch den Plabutschtunnel hielten nicht wenige für kompletten Blödsinn. Den damaligen Bürgermeister Gustav Scherbaum (SPÖ) sollte seine Verweigerungshaltung die Wiederwahl kosten und der damalige Verkehrslandesrat und spätere Landeshauptmann Josef Krainer (ÖVP) setzte sich durch. Heute ist der Tunnel, der ein großräumiges Umfahren der Innenstadt ermöglicht, verkehrstechnisch nicht mehr wegzudenken.

Mut zur Größe

Graz steht an der Schwelle zu einer regionalen Metropole. Nicht nur für die Steiermark, sondern für den ganzen nordwestlichen Teil Südosteuropas. Seit Jahren ist das Wachstum der Stadt ungebremst, was an den vielen Baustellen in der Stadt ersichtlich ist, die selbst in der Pandemie nicht stillstanden. Ein starker Zuzug hat eine erhebliche Wohnbautätigkeit nach sich gezogen. Ganze Stadtviertel wie in Reininghaus entstehen derzeit neu in Graz. Es ist daher nicht überraschend, dass seit Jahren das Verkehrsproblem die Politik auf Trab hält und bisher keine wirkliche Lösung in Sicht ist. Die Staus an den Einfahrtsstraßen werden an Werktagen immer länger und die Straßen platzen stellenweise aus allen Nähten. Die Verkehrsoffensiven der Politik in den letzten Jahren haben scheinbar wenig gebracht. Weder der Straßenbahnausbau hat sonderlich zur Verkehrsentlastung beigetragen noch die zahlreichen Radwegausbauten, die dennoch nie ausreichend waren. Graz ist jetzt an dem Punkt angekommen, wo die Politik Mut zur Größe haben muss, und zwar parteiübergreifend. Die Vogel-Strauß-Taktik der Stadtregierung und die Verhinderungspolemik der Opposition der letzten Jahre führen nicht mehr zum Ziel. Man muss sich eingestehen, dass Graz nicht mehr „nur“ die nette, ruhige Provinzmetropole ist. Die Zeiten, als die Stadt noch „Pensionopolis“ genannt wurde, sind vorbei. Graz ist dynamisch geworden. Rund um die historischen Viertel haben sich moderne und hippe Zen tren entwickelt, ob Smart City, Reininghaus oder Messeviertel. Die Stadt wächst in die Höhe und wird moderner.

Die Metro wird jetzt ernst

Die Idee, eine U-Bahn für Graz zu bauen, ist schon älter. Doch bisher passte das politische Zeitfenster dafür nicht. Jetzt scheint dieses aber gekommen zu sein. Der allgemeine Trend geht Richtung Ausbau des öffentlichen Verkehrs, vonseiten des Bundes und der EU stehen erhebliche Fördersummen dafür bereit, die nur darauf warten, abgeholt zu werden. Oberirdisch kommt man mit Verkehrslösungen nicht mehr weiter, daher empfehlen viele Experten die Erschließung des Untergrundes. Die Stadtregierung unter Bürgermeister Siegfried Nagl hat dazu ein 300 Seiten umfassendes Studienwerk zur Machbarkeit einer U-Bahn in Auftrag gegeben. Sowohl die Wirtschaftlichkeit als auch die verkehrsplanerische Sinnhaftigkeit werden dadurch in mehreren Punkten unterstrichen. Geplant sind vorerst zwei Linien mit einer Länge von 11,9 km bzw. 13,5 km mit insgesamt 27 Haltestellen. Der Betrieb soll automatisiert erfolgen und die Reisezeit durch die Stadt drastisch verkürzen sowie optimal an das bestehende Tram- und S-Bahn-Netz anschließen. Die Experten haben errechnet, dass die U-Bahn tatsächlich das größte Verkehrs- einsparungspotenzial für Graz hätte. Bis zu 400.000 Pkw-Kilometer könnten täglich eingespart und der OV-Anteil von derzeit 20 Prozent auf 29 Prozent erweitert werden. Auch könnten dadurch 21.600 Tonnen CO 2 im Jahr eingespart werden. Die Kosten werden aktuell mit rund 3,3 Milliarden angegeben

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Foto: Holding Graz/Strohecker Architekten/Newages

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