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Klimasünder Bodenversiegelung:


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Straßenbau auf dem Prüfstand

Bodenverbrauch und Bodenversiegelung zählen europaweit zu den großen umweltpolitischen Herausforderungen. In Österreich wurden laut Umweltbundesamt bis zum Jahr 2020 insgesamt 5.768 km² in Anspruch genommen. Das entspricht sieben Prozent der Landesfläche und 18 Prozent des Dauersiedlungsraumes. Nun stehen die letzten ASFINAG-Straßenbauprojekte auf dem Prüfstand. Dahinter steckt mehr Polit-Posse als Umweltschutz.

Von Christian Wieselmayer

Nahezu alle Alltagsverrichtungen und wirtschaftlichen Aktivitäten benötigen befestigte Flächen für Straßen, Parkplätze und Gebäude. Diese wiederum werden meist außerhalb oder an der Grenze bestehender Siedlungen realisiert. Wirtschaftswachstum und Bodenverbrauch sind europaweit stark miteinander verbunden. Der jährliche Bodenverbrauch in der EU entspricht mit rund 1.000 km² etwa der Fläche Berlins. Neue nachhaltige Ansätze für Siedlungs- und Gewerbeentwicklung ohne zusätzlichen Bodenverbrauch sind daher erforderlich.

Warum ist Bodenverbrauch ein Problem?

Der fortschreitende Bodenverbrauch, der oftmals landwirtschaftlich genutzte Flächen betrifft, hat sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich negative Folgen. Wirtschaftliche Konsequenzen deshalb, weil damit die Lebensmittelversorgungssicherheit Österreichs von Jahr zu Jahr abnimmt und die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten steigt. Auch die Errichtung und Wartung von Siedlungs- und Verkehrsflächen, die zu einem überwiegenden Teil aus den Gemeindebudgets wie Grund- und Kommunalsteuern finanziert werden müssen, belasten die Kommunen.

Negative Folgen der Versiegelung

Werden Böden versiegelt, gehen alle biologischen Funktionen verloren. Dieser Prozess ist schwer rückgängig zu machen. Die Entsiegelung von Böden ist ein kostspieliger und zeitaufwendiger Prozess, denn die Bodenneubildung geht nur sehr langsam von statten. Die Neubildung von einem Zentimeter Humus dauert 100 bis 200 Jahre. Historisch bedingt liegen die meisten Siedlungen in Regionen mit fruchtbarem Ackerland. Siedlungserweiterungen ziehen somit automatisch einen weiteren Verlust von produktiven Böden nach sich. In Österreich werden jährlich Böden im Ausmaß von rund 50 km² für Wohnen, Gewerbe, Industrie und Freizeit in Anspruch genommen und somit der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen. Laut Berechnungen des Umweltbundesamtes entspricht dieser Produktionsverlust dem jährlichen Nahrungsbedarf von etwa 20.000 Menschen. Weitere Probleme entstehen durch die Gefährdung der biologischen Vielfalt. Der Straßenbau beispielsweise zerschneidet Landschaften und verhindert damit die Ausbreitung und Wanderung von Pflanzen und Tieren. Hohe Versiegelungsdichten in hochwassergefährdeten Siedlungen erhöhen die Gefahr von Überschwemmungen. Ein Hektar unversiegelter Boden kann 2.000 m³ Wasserspeichern. Außerdem können unversiegelte Böden Staubpartikel binden. Durch versiegelte Böden kann kein Wasser verdunsten. In Siedlungsräumen mit hohen Versiegelungsraten führt dies zur Veränderung des Mikroklimas und zum Anstieg der lokalen Temperaturen.

Streit um Bodenseeschnellstraße S18

Die Bodenseeschnellstraße S18 soll die vorarlbergische Rheintalautobahn mit den schweizerischen Autobahnen A1 und A13 verbinden. Sie wird seit den 1980er Jahren diskutiert, scheiterte aber bislang aufgrund diverser Beschwerdeverfahren und Änderungen der Rechtslage. Nun lässt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler von den Grünen erneut alle großen Straßenprojekte in Österreich auf ihre Klimaverträglichkeit überprüfen, auch die geplante Schnellstraße S18 in die Schweiz. Magnus Brunner, ÖVP-Staatssekretär im Klimaschutz-Ministerium, sagt, dass bisher insgesamt 26 Varianten, davon 20 Straßenvarianten, in den letzten Jahren geprüft worden seien. Für die Entlastung des Rheintals sei diese Verbindung zwischen der österreichischen und der Schweizer Autobahn die einzig mögliche und die ASFINAG habe sich schlussendlich gegen die lange Zeit vom Land Vorarlberg befürwortete Z-Variante und für die CP-Variante entschieden. Kernstück der CP-Variante ist eine Ostumfahrung Lustenaus, da für die Z-Variante durch das Natura-2000-Gebiet Soren, Gleggen-Köblern, Schweizer Ried und Birken-Schwarzes Zeug keine Chance auf rechtliche Genehmigung gesehen wird. Statt der 1,5 Milliarden Euro teuren S18 schlugen die Grünen in den vergangenen Wochen eine Kombination aus mehreren Maßnahmen vor, u.a. einen Tunnel zwischen Hohenems und Diepoldsau oder die Versetzung der Rhein[1]brücke Au-Lustenau nach Süden. Diese Varianten sind laut Brunner nicht neu und in den letzten Jahren auch schon geprüft worden. Was den Bodenverbrauch und die Klimaschädlichkeit betrifft, sei die CP-Variante die beste, so Brunner.

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Foto: My Friend

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