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Verbautes Land:


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Ein Kampf um jeden Quadratmeter

Österreich verbaut zu viel Boden. Die Steiermark, Kärnten und das Burgenland gehören zu den Bundesländern mit dem höchsten Flächenverbrauch pro Kopf. Der Flächenfraß belastet inzwischen nicht nur die Umwelt, sondern auch die öffentlichen Budgets. Zudem steigen jährlich die Schäden durch Naturkatastrophen. Immer mehr Experten drängen auf einen Stopp des Flächenverbrauchs, um die Klimaziele einhalten zu können. Die Politik hat nun erkannt, dass sie handeln muss, und will mit schärferen Raumordnungsgesetzen gegensteuern. Doch bisherige Ansätze gehen nicht weit genug.

Von Stefan Rothbart

Zahlreiche Medienberichte haben in letzter Zeit den rasanten und ungebremsten Verbrauch von Grund und Boden in Österreich thematisiert. Der Flächenfraß ist inzwischen vielerorts zum Politikum und bestimmenden Wahlkampfthema geworden. Jedes Neubauprojekt erregt sofort den Widerstand aus der lokalen Bevölkerung. Ob mit Chalet-Dörfern verbaute Berghänge oder neue Straßenprojekte bis hin zu Einkaufszentren und Gewerbeparks auf der grünen Wiese, die Diskussion um die Verbauung hat jedes Bundesland erfasst und ist ein gesamtösterreichisches Thema geworden.

Immer mehr Schäden durch Naturkatastrophen

Überschwemmungen, Hagel und Blitzschläge verursachen jährlich Millionen an Sachschäden. Tendenz stark steigend. Darauf macht vor allem die Österreichische Hagelversicherung sehr vehement aufmerksam. „Die Bodenversiegelung trägt zu diesen katastrophalen Überschwemmungsereignissen bei, da zubetonierter Boden kein Wasser aufnehmen kann. Tatsache ist, dass in Österreich täglich aber noch immer zu viel beste Agrarflächen für Straßen und Immobilien neu verbaut werden“, bringt Mario Winkler, Pressesprecher von der Hagelversicherung, das Problem auf den Punkt. „Daher brauchen wir rasch ein umfassendes Maßnahmenbündel, um den im jetzigen Regierungsprogramm – und bereits erstmals im Jahr 2002 (!) – festgelegten Zielwert von 2,5 Hektar pro Tag zu erreichen“, so Winkler. Der Bodenverbrauch sei derzeit so hoch, dass uns in 200 Jahren die Agrarflächen ausgehen. Zudem gebe es bis zu 40.000 Hektar leerstehende Gewerbe-, Wohn- und Industrieflächen in ganz Österreich.

Flächenverbrauch im Süden und Osten am höchsten

Das Burgenland weist mit 510 m2 versiegelter Fläche pro Einwohner den höchsten Flächenverbrauch pro Kopf aus. Dahinter folgen Niederösterreich mit 409 m2 pro Einwohner, Kärnten mit 368 m2 pro Einwohner und die Steiermark mit 323 m2 pro Einwohner, wie Daten des Umweltbundesamtes belegen. Bei Kärnten und der Steiermark kommt aber noch hinzu, dass der Anteil des Dauersiedlungsraumes (DSR) an der Landesfläche wesentlich kleiner ist. Unter dem DSR sind alle Flächen zu verstehen, die für Gebäude, Straßen, Betriebsflächen, Verkehrsflächen, Freizeitflächen und Landwirtschaft überhaupt nutzbarsind. In der Steiermark beträgt dieser nur 30 Prozent, in Kärnten gar nur 24 Prozent. Im Burgenland beträgt der DSR immerhin noch 61 Prozent, was mit der flachen Topografie des Bundeslandes erklärt werden kann. Mit anderen Worten, nur etwa ein Drittel bzw. ein Viertel der Landesfläche können die Steirer und die Kärntner tatsächlich dauerhaft bewirtschaften und bebauen, während die Burgenländer rund zwei Drittel dafür zur Verfügung haben. Das bedeutet zusammenfassend, dass in den drei Bundesländern Grund und Boden im Verhältnis zur Einwohnerzahl nicht sehr nachhaltig genutzt wird, da die versiegelte Fläche pro Kopf zu hoch ist.

Flächenfraß in der Steiermark am höchsten

Eklatant ist vor allem das Wachstum der Flächeninanspruchnahme in der Steiermark. Mit 35,7 km2 hat das Bundesland von 2018 bis 2020 mit Abstand am meisten Boden in ganz Österreich verbraucht. Mit jeder neuen Baulandwidmung geht aber nicht nur wertvoller Naturraum verloren, sondern sie verursacht auch immense Mehrkosten für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Jeder Straßenkilometer schlägt sich mit etwa 25.000 Euro jährlichen Erhaltungskosten für die Gemeinden nieder. Je mehr Siedlungsraum erschlossen wird, desto mehr Kanal-, Strom- und Wasserleitungen müssen gebaut werden. Die Gemeinden kommen mit dem Infrastrukturausbau kaum hinterher. In manchen Gemeinden wie Stattegg im Norden von Graz übersteigt die Einwohnerzahl bereits um das Doppelte die Kapazität des Kanalsystems. Gleichzeitig steigen die Kosten für Wohnraum und Gewerbe.

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Foto: iStock.com/Vesnaadjic

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