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Handkuss für Lehrlinge


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Lehrlingsausbildung

Betriebe nehmen Lehrlinge aktuell mit Handkuss, denn es gibt mehr offene Lehrstellen als Interessenten. Obwohl die betriebliche Berufsausbildung im Ansehen wieder enorm steigt, bereitet die demografische Entwicklung Sorge. Die Lehrlinge von heute sind die Fachkräfte von morgen, doch die geburtenschwachen Jahrgänge können den Bedarf immer schwerer abdecken. Es braucht neue Zugänge und eine Öffnung für das Erfolgsmodell Lehre.

Von Stefan Rothbart

Wenn du nix lernst, musst a Lehre machen!“ Diesen Spruch hörten Jugendliche früher noch oft von ihren Eltern. Daraus resultierte das falsche Image, dass die Lehre nur etwas für jene sei, die im Schulsystem übrig geblieben sind. Diese Vorstellung kann falscher gar nicht sein! Die Lehre ist längst zu einer Ausbildung mit Jobgarantie aufgestiegen, die vielleicht schon mehr Karrierechancen eröffnet als so mancher Universitätsabschluss. Wer heute eine Lehre beginnt, kann sich sicher sein, eine der besten Berufsausbildungen der Welt zu bekommen und am Arbeitsmarkt begehrt zu sein. Betriebe werben inzwischen händeringend um Lehrlinge und bieten zahlreiche Benefits. Nichtselten werden der Führerschein gezahlt, die Kosten für eine Starterwohnung übernommen sowie zahlreiche Zusatzqualifikationen geboten. Vermutlich war es noch nie so attraktiv, eine Lehre zu beginnen, wie heute.

Wieder mehr Lehrstellen

In der Steiermark konnte man sich Ende September bei den EuroSkills von den herausragenden Fähigkeiten junger Fachkräfte aus Österreich und ganz Europa überzeugen. Passend dazu nimmt auch die Zahl der Lehranfänger in der Steiermark und in Kärnten wieder zu. „Egal in welcher Branche und in welcher Region ich zurzeit Unternehmerinnen und Unternehmer treffe, der Arbeits- und Fachkräftemangel ist durch das Land ein großes Thema“, betont Josef Herk, Präsident der WK Steiermark, der stolz darauf ist, dass die Lehrstellenzahlen wieder ansteigen. Doch mit Ende August waren trotzdem mehr Lehrstellen offen, als es Bewerberinnen und Bewerber dafür gab. In der Steiermark standen zuletzt 2015 offene Lehrstellen nur 1489 Suchenden gegenüber. In Kärnten ist im Pandemiejahr 2020 entgegen dem Bundestrend die Anzahl der Leerstellen hingegen um 0,9 Prozent leicht gestiegen. Für 2021 verzeichnet Kärnten sogar einen Rekord. „Mit Ende August ist die Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr im Vergleich zum selben Zeitpunkt im Vorjahr um stolze 9,1 Prozent (auf 2324) gestiegen. Das ist im Bundesländervergleich der absolute Spitzenwert“, berichtet Jürgen Mandl, Präsident der WK Kärnten. Grundsätzlich eine sehr positive Entwicklung.

Lehre muss attraktiv bleiben

Demografisch wird es aber in den nächsten Jahren eng, denn es kommen immer mehr geburtenschwache Jahrgänge nach. Im Vergleich zu 1979 beginnen heute nur mehr halb so viele Jugendliche eine Lehre wie damals. Eine Herausforderung für die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte, auf die es heute schon Antworten braucht. Das Problem kennt Hermann Friedrich Talowski, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk bei der WK Steiermark, sehr genau. „Die geburtenschwachen Jahrgänge sind ein Problem, das die Gesellschaft insgesamt betrifft, aber die Betriebe kämpfen natürlich besonders damit. Keine Fachkräfte zu haben bedeutet jetzt schon in vielen Fällen, dass Aufträge abgelehnt werden müssen. Eine Lehre mit Lehrabschlussprüfung und auch noch eine Meisterprüfung heißt, dass man mehr oder weniger eine Jobgarantie mit guter Bezahlung hat. Das sollten sich die Jungen und vor allem auch die Eltern vor Augen halten“, so Talowski. Er sieht die „Marke Lehre“ aber auf einem guten Weg, man dürfe bei der Attraktivierung nur nicht nachlassen. „Die Initiativen, Projekte und Aktionen zum Thema Lehre haben in den letzten zehn Jahren stark zugenommen. Die Sparte Gewerbe und Handwerk, in deren Betrieben die meisten Lehrlinge ausgebildet werden, betreibt etwa seit 2008 die Initiative ,Helle Köpfe – geschickte Hände’ mit Info-Tagen an den Schulen, einer Homepage, Facebook, Instagram etc. Am Wissen kann es also nicht liegen. Aber wir müssen das Thema Lehre noch stärker emotional aufladen, Leidenschaft und Stolz entfachen für einen vielversprechenden Karriereweg“, so Talowski. Jürgen Mandl von der WK Kärnten stellt in diesem Zusammenhang aber klar, dass sich pro Jahrgang prozentuell nicht weniger Jugendliche für eine Lehre entscheiden als früher. Das Problem sei kein mangelndes oder sinkendes Interesse an der Lehre. „Was Image und Attraktivität der Lehrausbildung betrifft, zeigt sich im Gegenteil, dass unsere zahlreichen Bemühungen Früchte tragen und dass wir uns am richtigen Weg befinden“, erläutert Mandl und hebt die Bedeutung der Talentakademien hervor.

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Foto: Symbol

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