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Inflation – gekommen, um zu bleiben?


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Inflation und Geld

Materialknappheit, steigende Energiekosten und fehlende Transportkapazitäten heizen die Inflation an. Die Zentralbanken sprechen von einem vorrübergehenden Effekt. Doch es gibt Gründe, warum die Inflation noch weiter steigen könnte und so schnell nicht verschwinden wird.

Von Stefan Rothbart

Die Europäische Zentralbank EZB hat bereits vor Monaten mit ihrer Ankündigung, eine Inflationsrate über zwei Prozent zuzulassen, für Aufmerksamkeit gesorgt. Bisher galt die eiserne Doktrin, die Inflation im Euroraum unter die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent zu drücken. Preisstabilität war das oberste Gebot der Euro-Geldpolitik. Dafür wurden sogar hohe Arbeitslosenzahlen in Südeuropa in Kauf genommen. Die Währungshüter wissen: Preisstabilität garantiert den Glauben in das Eurosystem. Seit dem Frühjahr 2021 sind die Dinge anders. Es begann mit einer akuten Lieferkettenkrise, die dazu führte, dass vor allem Halbleiter und elektronische Bauteile knapp wurden. Materialien für die Bauwirtschaft folgten kurz darauf. Vor wenigen Wochen kamen noch steigende Energiepreise hinzu. Seit Anfang Oktober liegt die Teuerungsrate in der Eurozone bereits bei 3,4 Prozent. Der höchste Wert seit 2008. In den USA ist die Inflation bereits über fünf Prozent gestiegen, Tendenz weiter steigend.

Energiepreise als treibender Faktor

Mit einem Plus von 17,4 Prozent im September sind die Energiepreise in den letzten Wochen sprunghaft angestiegen. Vor allem Gas und Treibstoffe stiegen um fast 30 Prozent. Heizöl stieg sogar um ganze 78 Prozent. In einigen europäischen Ländern könnte das Heizen im Winter zur finanziellen Herausforderung für viele Haushalte werden, so etwa in Großbritannien und Frankreich. Die Regierung in Paris will nun sogar den Gaspreis beschränken. In der EU wird das Thema zur Chefsache. Am 21. Oktober tagen die Regierungschefs über die steigenden Energiepreise. Doch nicht nur fossile Energieträger werden teurer, sondern auch der Preis für erneuerbare Energie. Aufgrund einer Windflaute im heurigen Jahr ist erneuerbarer Strom Mangelware im europäischen Stromnetz. Die allgemein steigenden Energiepreise wirken sich direkt auf die Produktions- und Transportkosten aus. In Deutschland haben bereits einige Betriebe angekündigt, über die Wintermonate ihre Produktion zu drosseln.

Lieferengpässe als zusätzlicher Faktor

Hinzu kommen die nach wie vor in vielen Branchen herrschenden Lieferengpässe. Großbritannien erlebt gerade eine historische Lieferkrise, die bereits vielerorts zu leeren Regalen in den Supermärkten führt. Auf der Insel fehlen infolge des Brexits bis zu 100.000 Lkw-Fahrer. Ergo kommt es zu akuten Engpässen beim Transport von Waren und Gütern. Auch in Österreich fehlen aktuell 20.000 Transporteure. Zusätzlich zu den gestiegenen Energie- und Treibstoffpreisen werden die Transportkosten massiv durch fehlende Kapazitäten angeheizt. Dies ist ein weltweites Phänomen, aber auch ein sehr regionales. Während der Mangel an Schiffscontainern die Wirtschaft schon seit einem halben Jahr beschäftigt und es immer wieder zu massiven Staus in internationalen Häfen kommt, führt der Fahrermangel in der Transportbranche auch zu einem Güterstau in der regionalen Wirtschaft. Bemerkbar macht sich das etwa in deutlich verlängerten Lieferzeiten für Endkunden.

Lebenskosten steigen

Ein Anstieg der Lebenskosten ist für viele Menschen ohnehin schon seit Jahren spürbar. Vor allem beim Wohnen. Da Immobilienpreise bereits vor der Pandemie hoch waren und nun weitersteigen, ist bei den Wohnkosten auch keine rasche Entspannung zu erwarten. Für Sparer ist die Inflation doppelt ungünstig. Einerseits verliert das Geld durch die Verteuerung seinen Wert und andererseits gibt es durch die Niedrigzinsen kaum Erträge auf Erspartes. Der Weg in den Aktien- und Anleihenmarkt wird als Alternative empfohlen, allerdings sind auch auf den Börsen teils historische Höchststände zu beobachten. Also herrscht auch auf dem Aktienmarkt quasi eine Inflation der Wertpapiere.

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Foto: iStock.com/photoschmidt

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