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Russisches Gas war gestern


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Energiewende

Die Frage der Freiheit bestimmt die Temperatur in der Wohnung. Putins mörderischer Angriffskrieg gegen die Ukraine zwingt uns, die Abhängigkeit von russischem Gas zu beenden. Plötzlich hat sich Energie nicht nur erheblich verteuert, sie ist auch knapp geworden. Eine verstörende Erfahrung, aber auch eine große Chance.

Von Siegfried Hetz

Weg vom Gas und hin zu erneuerbaren Energiequellen, zu Sonne, Wind, Biomasse und Wasserstoff. So lautet der einhellige Tenor, der aktuell von den westösterreichischen Landesenergieversorgern Salzburg Energie, TIWAG und illwerke vkw zu vernehmen ist, wenn nach Konsequenzen aus der aktuellen Gaskrise gefragt wird. Dabei wird aber auch sehr schnell deutlich, dass die Energiewende weg von fossilen Brennstoffen und hin zu den Erneuerbaren bei Weitem nicht so rasch vollzogen werden könne. Die Gründe dafür liegen vor allem auch in den aktuellen Rahmenbedingungen, was Auflagen, behördliche Prüfverfahren und deren großzügig bemessene Zeitrahmen betrifft. Es ist tatsächlich so, wie unisono aus den Expertenkreisen zu hören ist, dass primär und parallel zur Verlagerung der Energiegewinnung auch die rechtlichen, organisatorischen und verfahrenstechnischen Strukturen zu ändern sind. In diesem Zusammenhang stellt sich selbstverständlich sofort die Frage, ob das bisherige zögerliche Umsetzen der Energiewende mit den Markierungen 2030 und 2050 nicht auch darin begründet ist, dass man die neue Energielandschaft mit alten Mustern stricken wollte. Das bezieht sich selbstverständlich auch auf neu zu treffende Abwägungen in Sachen Natur- und Umweltschutz. Schließlich gilt es, mit der Abkehr von den russischen Gasquellen unsere Freiheit zu verteidigen, und die Mittel dafür werden andere als die bislang geltenden sein müssen. Das erfordert rasches Umdenken, vor allem auch im zuständigen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Hier ist Bundesministerin Leonore Gewessler auch ganz persönlich gefordert, Prioritäten neu zu setzen und zu bewerten, was keinesfalls ohne Kurskorrekturen durchgeführt werden kann und sicherlich auch nicht ohne innerparteiliche Friktionen.
Der Kriegsverlauf in der Ukraine und das mörderische Treiben Putins bringen täglich neue Vorschläge und Forderungen zum Umgang mit den russischen Gaslieferungen auf den Tisch. Vor diesem Hintergrund ist jede Bestimmtheit ausgeschlossen und selbst die Positionierung von Bundeskanzler Karl Nehammer zu den Ölzahlungen in Rubel, „Was liegt, das pickt“, ist nur eine Momentaufnahme. Ein sparsamer Umgang mit Energie ist jedenfalls das Gebot der Stunde, und diesem Appell der Experten und Strategen sollte auch Folge geleistet werden. Zum einen als individueller Beitrag und zum anderen als Laborversuch für einen neuen privaten Umgang mit Energie als knappem Gut. Dafür muss das Gas in Industrie, Handel und Gewerbe unbegrenzt strömen können, um nicht noch zusätzliche Hürden für die Konsolidierung von Produktion, Fertigung und Transport von Waren und Gütern zu schaffen.

Russisches Gas in Westösterreich

Anders als der gesamtösterreichische Markt, der zu 80 Prozent von Gaslieferungen aus Russland abhängig ist, stellt sich die Situation im Westen erheblich anders dar. Wie die Salzburg AG bekannt gibt, beträgt der Anteil russischen Erdgases etwa 40 Prozent. Die verbleibenden 60 Prozent werden durch Lieferungen aus Norwegen und aus dem Inland gedeckt. Tirol und Vorarlberg sind dagegen physisch an das deutsche Gasnetz angeschlossen – der Bau der Leitung vom Pinzgau weiter nach Tirol soll aktuell in Planung sein. Das heißt, der russische Anteil liegt bei 50 Prozent. Bei Lieferengpässen in Deutschland können sowohl Tirol als auch Vorarlberg auf Gas aus österreichischen Speichern zurückgreifen. Sofern diese ausreichend gefüllt sind, muss hinzugefügt werden.

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Foto: iStock.com/kontrast-fotodesign

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