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Was ist mit dem Euro los?


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Problematik der Inflation

Die Europäische Zentralbank hat die Problematik der Inflation unterschätzt und zu spät Maßnahmen ergriffen. Jetzt sollen Zinserhöhungen die Preissteigerungen eindämmen. Ob das jedoch schnell wirken wird, ist fraglich. Ökonomen sehen den Euro auf dem Weg zu einer Weichwährung. Innerhalb der EZB rumort es. EZB-Chefin Christine Lagarde fehlt ein Plan für die Währungspolitik.

Von Stefan Rothbart

Die letzte Schnellschätzung der Statistik Austria Anfang Juni ergab einen Inflationswert von acht Prozent in Österreich. Im April waren es noch 7,2 Prozent. In der Eurozone erreichte die Inflation sogar 8,1 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 1975. Trend weiter steigend! Die größten Preistreiber sind aktuell die Energiepreise, die im Jahresvergleich um 39,2 Prozent über alle Sektoren gestiegen sind. Diese werden aktuell primär durch den Ukraine-Krieg getrieben, allerdings ist das nicht der einzige Faktor. Die Energiepreise sind bereits vor dem Ausbruch des Krieges angestiegen, was mit einer erhöhten Nachfrage und einem verringerten Angebot im Zuge der Corona-Pandemie und auch mit dem schwächelnden Euro zu tun hat.

Rattenschwanz der Preissteigerungen

In einer komplexen Industriegesellschaft ist Energie die Basisressource für alle Wirtschaftsprozesse. Eine Verteuerung der Preise auf Strom, Wärme und Treibstoffe wirkt sich nicht nur rasch, sondern auch umfassend auf alle Sektoren aus. Die direkte Folge sind Preissteigerungen in allen Produktions- und Dienstleistungssektoren von der Lebensmittelproduktion bis hin zum Friseur. Erhöhte Energiepreise muss jeder Betrieb in seine Preisgestaltung einkalkulieren. Es gibt quasi kein Entkommen. Seit November 2021 – bereits vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs – war die Inflation in 19 Ländern der Euro-Zone auf immer neue Rekordhöhen gestiegen.

Politische Handlungsfähigkeit fraglich

Um auf diesen allgemeinen Teuerungstrend zu reagieren, fehlen der europäischen Politik in Brüssel die Mittel. Einzig die Europäische Zentralbank EZB kann über ihre Geldpolitik die Entwicklung steuern. Doch diese hat bis Ende 2021 die Inflation verharmlost und EZB-Chefin Christine Lagarde sprach von „vorübergehenden Effekten“. Die größte Handlungsperspektive ergibt sich kurzfristig auf der Ebene der Mitgliedsstaaten, wo mit staatlichen Zuschüssen, Preisdeckeln oder dem Senken von Steuern gegengehalten werden kann. Ungarn hat etwa die Treibstoffpreise per Dekret gedeckelt (allerdings nur für ungarische Staatsbürger), Deutschland hat die Steuern auf Treibstoffe gesenkt und somit rasch eine Verbilligung von rund 35 Cent pro Liter Benzin erreicht. Und in Österreich hat Kanzler Karl Nehammer nun Anfang Juni angekündigt, die Einführung der CO2-Steuer, die für 1. Juli geplant war, bis Herbst zu verschieben. Die Handlungsfähigkeit der Politik beschränkt sich aktuell auf einzelstaatliche Maßnahmen in den Euro-Ländern. Diese wirken aber auch nicht auf Dauer. Gefragt ist vor allem die EZB, eine Änderung ihrer Geldpolitik einzuleiten. Was viele Ökonomen seit Monaten fordern, wird nun ab Juli passieren. Die EZB hebt spät, aber doch die Leitzinsen an und beendet die Phase der Negativzinsen. Nachdem die US-Fed und auch die Bank of England bereits die Leitzinsen erhöht hatten, war EZB-Chefin Christine Lagarde gar nichts anderes mehr übrig geblieben, als ebenfalls diesen Schritt zu setzen. Der Ausstieg aus den Negativzinsen bedeute aber nicht, dass die Zinsen nun besonders hoch sein werden, meinte dazu gleich beschwichtigend EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane. Diese Ansage soll die Wirtschaft und die Staaten beruhigen, denn steigende Zinsen machen die Märkte nervös. Denn was sich aktuell auf Nachfrage bei der EZB niemand klar zu sagen traut, ist, wie hoch die Zinsen steigen können, bevor die europäische Wirtschaft dadurch ins Straucheln gerät. Es wird befürchtet, dass diese vor allem in den wirtschaftlich schwächeren Euro-Ländern nicht viel verträgt.

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Foto: iStock.com/LuisPortugal

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