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Österreichs fehlende Rohstoffsicherheit


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Fehlende Rohstoffabhängigkeit

Europas Rohstoffabhängigkeit reduziert sich nicht nur auf Öl und Gas. Auch bei vielen anderen Rohstoffen und Metallen bestehen strategisch heikle Abhängigkeiten. Doch wie sieht es im Detail mit der Abhängigkeit von Konfliktrohstoffen, seltenen Erden und wichtigen Industriemetallen in Österreich aus? Der dramatische Befund: Österreich könnte ein veritables Rohstoff-Blackout drohen. Es fehlt an klaren Kompetenzen für ein strategisches Rohstoffmanagement. Politik und Wirtschaft schlafen in puncto Versorgungssicherheit seit Jahren!

Von Stefan Rothbart

Nach Gas und Öl droht uns die nächste äußerst heikle Versorgungskrise. Die europäische Wirtschaft ist insbesondere bei Schlüsseltechnologien wie erneuerbaren Energien, E-Mobilität, Brennstoffzellentechnik, Robotik und Elektronik massiv von Rohstoffen und Produkten aus China abhängig. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie schnell eine solche Rohstoffabhängigkeit in eine waschechte ökonomische Bedrohungslage umschlagen kann. Seit den jüngsten Spannungen zwischen China und Taiwan gerät die Rohstoffabhängigkeit Europas von China verstärkt in den Fokus. Die Folgen einer Sanktionierung Chinas durch den Westen wären fatal. Käme es zum Krieg um die von China beanspruchte Insel, dann rollt in Europa bald kein Auto mehr vom Band. Die Energiewende würde eine Vollbremsung hinlegen. Auch eine Handelsblockade Taiwans durch China könnte ähnlich gravierende Störungen der Lieferketten verursachen. Österreichs Rohstoffversorgung ist für solche Szenarien sehr mangelhaft gerüstet.

Gefahr erkannt, aber ignoriert

Diese gefährliche Abhängigkeit bei wichtigen Industriemetallen, die etwa für die Herstellung von E-Autobatterien, Windrädern, Fotovoltaikanlagen oder elektronischen Bauteilen nötig sind, wurde von Experten früh erkannt. Beispielsweise wurden im Jahr 2004 die Versorgungsprobleme der europäischen Wirtschaft mit mineralischen Rohstoffen von der Montanuniversität Leoben im Auftrag der Europäischen Kommission untersucht. Doch Anfang der 2000er-Jahre konnte sich noch niemand vorstellen, dass das Reich der Mitte – damals noch als Entwicklungsland eingestuft – einmal wirtschaftlich so mächtig werden würde, um die europäische Industrie existenziell zu gefährden. Heute ist es bittere Realität. Über heikle Abhängigkeiten der europäischen Wirtschaft bei strategisch wichtigen Rohstoffen weiß man in der Europäischen Union spätestens seit 2020 genauer Bescheid. In einer Studie aus demselben Jahr zu „Critical Raw Materials für Strategic Technologies und Sectors“ hat die EU vor allem für die Energiewende und für grüne Technologien heikle Abhängigkeiten bei Rohstoffen und verarbeiteten Materialen aus China festgestellt. Erst mit dem Ausbruch des Ukraine- Kriegs ist die Diversifizierung strategisch wichtiger Rohstoffquellen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. In Deutschland, wo es mit der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) ein zentrales Kompetenzzentrum für die Rohstoffversorgung gibt, hat man die Anfälligkeit der deutschen Industrie erkannt. Zudem hat das renommierte ifo-Institut in München vor wenigen Wochen eine detaillierte Studie zur Abhängigkeit von Rohstoffimporten in Deutschland veröffentlicht. Die Tragweite für die europäische Wirtschaft wird erst jetzt vielen so richtig bewusst. In Deutschland ist die Datenlage aber wesentlich besser und die Kompetenzen für ein strategisches Rohstoffmanagement sind klarer verteilt als in Österreich. 

Rohstoffsicherheit in Österreich verschlafen

Bergbau spielt in Österreich eine große Rolle. Bei Wolfram oder Magnesit zählt das Land zu den weltweit wichtigsten Produzenten. Die Abhängigkeit von strategischen Rohstoffimporten und Konfliktmineralien wurde aber lange ignoriert. Zuletzt setzte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner 2012 mit dem Beitritt zur europäischen Rohstoffallianz EUMICON Maßnahmen. Konkret ist aber seit damals unter SPÖ- und ÖVP-geführten Regierungen wenig passiert. Die Abhängigkeiten haben sich vor allem aufgrund der Einführung neuer grüner Technologien stattdessen stark erhöht. Erst Ende 2021 wurde der sogenannte „Masterplan Rohstoffe 2030“ von der damaligen Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) vorgestellt. Das hochbrisante Strategiepapier fand aber so gut wie keine mediale Beachtung. Lediglich Umwelt-NGOs bemängelten, dass Umweltschutz und Menschenrechte zu wenig berücksichtigt wurden. Die Umsetzung lässt aber bereits über ein halbes Jahr auf sich warten. Auch Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer halten sich beim Thema Rohstoffsicherheit auffällig mit Stellungnahmen zurück.

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Foto: iStock.com/Maksym Dragunov

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