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Fracking – Notwendigkeit oder Umweltsünde?


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Fracking

Die Industriellenvereinigung sprach sich zuletzt offen für eine Machbarkeitsstudie aus, um Gasreserven im Weinviertel mittels „Fracking“ zu erschließen. Ähnliche Pläne wurden von der OMV schon vor einem Jahrzehnt verfolgt, gingen aber über das Planungsstadium nicht hinaus.

Von Dirk Seybold

Die Öl- und Gasförderung hat im Weinviertel bereits Tradition. So werden im nördlichen Niederösterreich seit mehr als 80 Jahren auf dem größten Ölfeld Mitteleuropas das schwarze Gold wie auch Erdgas aus der Tiefe geholt. Dies geschah mittels konventioneller Fördermethode, bei der das Öl oder Gas aus einer Blase im porösen und durchlässigen Gestein gefördert wird, nachdem es aus dem Muttergestein entwichen ist und sich dort gesammelt hat.

„Fracking“ kombiniert bestehende Verfahren

Im Unterschied dazu wird beim „Fracking“, als Abkürzung für „Hydraulic Fracturing“, nicht nur horizontal in die Tiefe gebohrt, sondern auch vertikal. Dies ist notwendig, da Schieferöl und Schiefergas immer noch im Muttergestein in einer feinkörnigen, nicht durchlässigen Gesteinsschicht sind. Nach der zunächst horizontalen und dann vertikalen Bohrung wird mithilfe kleiner Sprengungen das Rohr perforiert und danach ein Gemisch aus Wasser, Chemikalien und Sand unter hohem Druck eingebracht. Der hohe Druck des Wassers bringt das Gestein zum Bersten, daher auch der Name „Fracking“. Das beigemengte Stützmittel, meist Sand, sorgt dafür, dass die im Gestein entstandenen Risse sich nicht wieder unter dem hohen Druck der Landmasse verschließen. Der Mix aus Chemikalien dient dazu, dass die Oberflächenspannung herabgesetzt wird, sich die Fließfähigkeit verbessert und sich Öl oder Gas aus dem Gestein löst. Jedes Unternehmen verwendet dabei für jede Bohrstelle, abhängig von den lokalen Gegebenheiten, unterschiedliche Zusammensetzungen von Chemikalien.

„Flowback“ als Risiko

Zurück an die Oberfläche kommt dabei der sogenannte „Flowback“, ein Mix aus Wasser, Sand, Chemikalien und dem gelösten Öl oder Gas, welche an der Oberfläche voneinander getrennt werden. Dieser „Flowback“ ist einer der Gründe, die „Fracking“ gefährlich machen. Denn in der Tiefe kann das Gemisch neben Öl und Gas auch Salze, Schwermetalle wie Arsen oder Quecksilber oder auch radioaktive Substanzen lösen und an die Erdoberfläche bringen. Deshalb muss dieses sogenannte „Lagerstättenwasser“ entsprechend gelagert und aufbereitet werden. Treten jedoch Undichtigkeiten im Rohrsystem, am Bohrloch oder beim Transport auf und gelangt Lagerstättenwasser in die Umwelt, kann das zu Kontaminationen führen.

Boom erst Anfang der 2000er

Fracking wurde in den USA entwickelt und dort erstmals 1947 verwendet, es wurde jedoch erst Anfang des neuen Jahrtausends so richtig populär, da die Gewinnung mit diesem Verfahren vergleichsweise aufwendig und kostenintensiv ist und durch den niedrigen Ölpreis somit lange nicht rentabel war. Mithilfe von Fracking gelang es den USA, Russland 2011 als größten Gasproduzenten abzulösen. Speziell bei Gas wurde der Boom weiter dadurch befeuert, dass Gas als Brückentechnologie zu erneuerbaren Energien gilt, da bei der Verbrennung von Gas nur etwa halb so viel CO2 freigesetzt wird wie bei der Verbrennung von Kohle und auch etwas weniger als bei der Verbrennung von Öl. Jedoch besteht Schiefergas auch zum größten Teil aus Methan, welches aber ein vielfach höheres Treibhauspotenzial verglichen mit CO2 hat. Dieser Umstand ist auch vor dem Hintergrund der Flüssiggasimporte beachtenswert, da ein Großteil des Flüssiggases aus den USA mittels „Fracking“ gewonnen wird.

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Foto: istock.com/Cristian Martin

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