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Nicht jeder Verlust ist eine Niederlage


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Tiroler Landtagswahl

Die Tiroler Volkspartei unter Anton Mattle hat eine anstrengende Tour vor sich. Der bergerfahrene und krisenerprobte ehemalige Bürgermeister aus Galtür wird Ausdauer und Trittsicherheit brauchen und den mutmaßlichen Juniorpartner fest im Blick haben.

Von Siegfried Hetz

Die Ergebnisse der Tiroler Landtagswahl vom 25. September werden verkannt, wenn sie überwiegend als Stimmungsbarometer für die innenpolitische Lage im Bund und als Zustandsbeschreibung der schwarz-grünen Bundesregierung gedeutet werden. Vielmehr sind sie das Abbild eines taktisch nicht ganz gelungenen Machtwechsels und der Verteilung der aktuellen Wählergunst. Ein wichtiges Kriterium ist dabei: Die Tiroler Volkspartei hat zwar 9,55 Prozent und damit drei Mandate verloren, aber knapp die Hälfte dieser verlustig gegangenen Stimmen wurden bei der Liste Fritz geparkt und sind, so sich Mattle in einer mutmaßlichen ÖVP/SPÖ-Koalition gut schlägt, beim nächsten Wahlgang zurückzugewinnen. Schauen wir uns die Gewinn- und Verlustrechnung dieses Wahlgangs genauer an, dann gilt es folgende Auffälligkeiten zu analysieren. Der Zuwachs bei der Liste Fritz macht 4,44 Prozent aus. Die Liste MFG hat 2,78 Prozent der Stimmen erreicht und ist damit nicht im nächsten Landtag vertreten und der Stimmenzuwachs bei der FPÖ rekrutiert sich ebenfalls aus den Stimmen enttäuschter ÖVP-Wähler. Die FPÖ ist vom Spiel im Wahlpoker wohl ausgeschlossen und wird mit dem Zuwachs von drei Mandaten die Lautstärke der Opposition entsprechend aufdrehen. Die SPÖ ist mit einem Zugewinn von 0,23 Prozentpunkten und dem eines Mandats erwartet ungeliebt geblieben, möchte aber gerne mitregieren und wird deshalb auf teure Brautgeschenke v erzichten. Die bitterste Pille haben die Grünen zu schlucken. Sie müssen den Verlust von 1,47 Prozentpunkten und zwei Mandaten verkraften. Vom Koalitionspartner auf den fünften Listenplatz verbannt zu werden tut weh, sehr sogar. Dementsprechend verzagt wirkt der Spitzenkandidat Gebi Mayr auch noch Tage nach der Wahl. Aber: Weitgehend selbstverschuldet, denn wer es verabsäumt, richtige Personalentscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu setzen, muss mit Dellen und Schrammen rechnen und akzeptieren, dass es dafür keinen Mitleidsbonus gibt. Die Ergebnisse und Erfolge in der schwarz-grünen Zusammenarbeit von 2013 bis 2018 sind längst vergessen, weil sie vom peinlich verunglückten Ausflug Felipes in die Bundespolitik und anschließend von Corona und innerparteilichen Streitereien überschattet wurden. Wenn eines der beiden grünen Regierungsmitglieder, noch dazu verantwortlich für Umwelt, Klimaschutz, Natur, Abfallwirtschaft und europäische Verkehrspolitik, angeschlagen in den Ring steigt, wenn innerparteilich gestritten und geschmollt und zwei Jahre vor dem regulären Ende der Legislaturperiode in den Amtserhaltungsmodus geschaltet wird – wer wundert sich dann über Watschen und Prügel am Wahltag, zumal die Kernthemen der Grünen nicht nur im Fokus des politischen Geschehens stehen, sondern auch in dem der Bevölkerung, der die Angst um Klima und Energieversorgung das Leben trübt. Und dann müssen die um ihre Existenz bangenden Menschen in großen Lettern den Wahlslogan der Grünen lesen: „Hinschauen, wo’s brennt“. Ums Retten wäre es gegangen, denn welche Blicke können schon ein Feuer löschen?

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Foto: VP Tirol/Fischler

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