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Zögerndes Handeln kann Existenzen bedrohen


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Strompreise Vorarlberg

Die Vorgänge rund um den plötzlichen Finanzbedarf von Wien Energie haben die Debatte über die enorm hohen Strompreise und deren Entstehung noch verstärkt. Der Anteil der Energiekosten am Umsatz ist seit 2020 um ein Vielfaches gestiegen ist und das trotz teilweise langfristig abgeschlossener Verträge.

Von Christian Wieselmayer

Martin Ohneberg, Präsident der Industriellenvereinigung Vorarlberg, findet zur preislichen Herausforderung klare Worte: „Angesichts der enorm gestiegenen Energiekosten sieht sich die Vorarlberger Industrie – und somit das ganze Land – mit einer großen Gefahr konfrontiert, die für Betriebe existenzbedrohend sein kann.“ In einer von der Industriellenvereinigung Vorarlberg und der Wirtschaftskammer Vorarlberg durchgeführten Umfrage unter den Industriebetrieben gab eine große Mehrheit an, dass der Anteil der Energiekosten am Umsatz seit 2020 um ein Vielfaches gestiegen sei, und das trotz teilweise langfristig abgeschlossener Verträge. Viele davon laufen Ende des Jahres aus, weshalb man teilweise von einer Verzehnfachung des Preises sprechen könne. „Vor allem energieintensiven Unternehmen geht die gegenwärtige Dynamik an die Substanz. Sofern die Preise auf ihrem momentanen Niveau bleiben, müssen die Betriebe beinahe ohne Ausnahme ihre Preise weiter erhöhen – und manche sogar ihre Produktion herunterfahren oder gar komplett schließen“, so Ohneberg.

Einspar- und Substitutionsmöglichkeiten begrenzt

„Was das für das Land und die Bevölkerung bedeuten würde, kann man sich vorstellen“, so Ohneberg weiter. „Die wirtschaftlichen Folgen wären beispiellos in unserer jüngeren Geschichte, und zusätzlich zur wirtschaftlichen Krise hätten wir früher oder später eine soziale Krise, ausgelöst durch einen giftigen Cocktail aus steigenden Preisen und Arbeitslosenzahlen.“ Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, sei nun die Politik gefragt, denn die heimischen Betriebe hätten bereits die meisten Möglichkeiten, ihre Energiekosten zu senken, ausgeschöpft. In der Umfrage gab rund ein Viertel der Befragten an, kein weiteres Einsparungspotenzial zu haben; die meisten anderen sehen deren Einsparungspotenzial bei nur noch wenigen Prozent. „Einen Großteil der Einsparmöglichkeiten bei der Energie haben Betriebe bereits durchgeführt. Auch ist das Potenzial, Gas durch Öl zu substituieren, bei manchen zwar zumindest teilweise gegeben, aber eben bei Weitem nicht bei allen. Zudem stellt sich auch beim Öl die Frage nach Preis und Verfügbarkeit, von der Klimaschädlichkeit ganz zu schweigen. Trotzdem muss auch das Land prüfen, ob eine strategische Ölreserve für Vorarlberg machbar und sinnvoll ist“, so Ohneberg weiter.

Breites Maßnahmenbündel gefordert

Ein breites Maßnahmenbündel sei deshalb wichtiger denn je, um Betriebe abzusichern, so Ohneberg: „Die Politik muss hier noch stärker tätig werden, um diesen enormen Schaden von unserer Wirtschaft abzuwehren. Vor allem der Strompreismechanismus muss adaptiert werden. Es hat sich gezeigt, dass es hier einen Eingriff braucht, um die hochgetriebenen Preise wieder einzufangen. Natürlich muss dieses System aber weiterhin auf marktwirtschaftlichen Prinzipien beruhen.“ Dass die Regierung hier in einer undankbaren Situation ist, erkennt Ohneberg an: „Es braucht ganz klar eine europäische Lösung für dieses europäische Problem.“ Aber auch in Österreich können Maßnahmen getroffen werden, die sinnvoll seien. So brauche es dringend eine Ausweitung des Energiepreisdeckels auf Unternehmen. Jedenfalls sei aber Gefahr im Verzug, so IV-Vorarlberg- Präsident Ohneberg: „Wenn wir jetzt nicht handeln, kann es schon bald zu spät sein.“

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Foto: iStock.com/deepblue4you

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