HomeWirtschaftsnachrichten SüdErfolg durch Zuversicht

Erfolg durch Zuversicht


Treten Sie mit uns in Kontakt! – Unsere Redaktionsteam nimmt Ihr Lob und Ihre Kritik gerne entgegen.
Wir freuen uns auf Ihre Reaktion und einen konstruktiven Gedankenaustausch.
Bernhard HofbauerMag. Tanja Lackner
Chefin vom Dienst
+43 316 834020-41
redaktion@euromedien.at

Betroffenheit im Kopf

Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wenn in Krisenzeiten unser Fokus auf Negativschlagzeilen gelenkt wird, beeinflusst das unser Verhalten. Im Körper laufen neurobiologische Prozesse ab, die uns vorsichtiger, ängstlicher und zurückhaltender machen. Negative Berichterstattung diktiert unserer Biologie „Achtung Gefahr!“. Die Wirtschaftspsychologie beschäftigt sich daher seit einigen Jahren verstärkt mit der Frage, wie man aus der Krisenspirale im Kopf aussteigen kann. Ein Mittel dabei ist die Zuversicht.

Von Stefan Rothbart

Seit über zwei Jahren hält uns die Corona- Pandemie im Griff. Seit Anfang dieses Jahres beschäftigt uns auch tagtäglich der Krieg in der Ukraine. Die Ängste vor Ansteckung und Krankheit, finanziellen Problemen, Arbeitsplatzverlust und neuerdings sogar vor einer Ausweitung der Ukraine-Krieges bis hin zu einem Atomschlag sind seit gut drei Jahren fixe Begleiter in unserem Alltag. Zu all dem gesellt sich die Unsicherheit über die Zukunft. Werden wir es schaffen, werden wir das alles überstehen? Wird es irgendwann wieder bergauf gehen? Gelingt es uns, das Klima zu retten, oder ist ohnehin schon alles verloren? Manche kommen mit der Summierung der negativen Schlagzeilen, die fast täglich unweigerlich auf uns hereinprasseln, nicht mehr zurecht. Andere wiederum schaffen es, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen und den Fokus auf positive Dinge zu lenken oder zumindest die Hiobsbotschaften nicht heranzulassen. In der Wirtschafts- und Sozialpsychologie erforscht man bereits seit mehreren Jahren intensiver, wie sich das Verhalten von Menschen angesichts von ständigen Krisennachrichten verändert. Eine Erkenntnis der letzten Jahre ist dabei, dass die negative Berichterstattung einen wesentlichen Einfluss auf uns nimmt, auch wenn wir selbst individuell gar keine Krisenerfahrung erleben.

Die Betroffenheit im Kopf

Bereits während der Griechenlandkrise stellten Psychologen in Studien fest, dass sich sehr viele Menschen in Europa plötzlich als Opfer der Finanzkrise fühlten, obwohl sie es nach objektiven Kriterien nicht waren. So gaben 2011 in den Niederlanden Befragte in einer Umfrage an, dass sich die Krise in Griechenland auch auf ihre finanzielle Situation auswirken würde. Diese Aussagen wurden anschließend anhand objektiver Kriterien bei den Probanden überprüft. Es stellte sich heraus, dass über 90 Prozent der Befragten, die angaben, finanzielle Einschränkungen zu verspüren, tatsächlich keine hatten. Weder war ihr verfügbares Gehalt gesunken noch waren ihre Ausgaben gestiegen. Auch ein Arbeitsplatzverlust war nicht eingetreten. Im Gegenteil, die Mehrheit der Befragten hatte den privaten Konsum reduziert, mehr Geld auf die Seite gelegt und Haushaltsausgaben reduziert. Die gefühlte Betroffenheit fand im Kopf statt. Die gefühlten Einschränkungen waren selbst auferlegt. Quasi aus Vorsicht. Die damals omnipräsente mediale Berichterstattung über die Griechenland- krise, Eurokrise und die weltweite Finanzkrise veränderte das Verhalten vieler Menschen und machte sie vorsorglicher und besorgter, obwohl sie selbst nicht von den Auswirkungen betroffen waren. Neurologen kennen den Effekt inzwischen. Negative Schlagzeilen lösen Vorgänge im Gehirn aus, die unser Verhalten beeinflussen können. Wir werden wachsamer, aber auch vorsichtiger, ängstlicher und zögerlicher. Es ist evolutionär bedingt, dass bedrohliche Nachrichten einen stärkeren Effekt auf uns haben.

Selbsterfüllende Prophezeiung

Nach dem Motto „Stimmung ist die halbe Konjunktur“ kommt es immer wieder vor, dass diese zunächst gefühlte Betroffenheit zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Für Politik und Medien wird in Krisenzeiten die Kommunikation oft zu einer Gradwanderung. Zu Beginn der Corona-Pandemie wollte man beispielsweise durch möglichst drastische Schlagzeilen und Aussagen ein breites Problembewusstsein schaffen, schlug dabei aber recht schnell über die Grenzen der Verträglichkeit. Ehestmöglich musste man mit Botschaften der Hoffnung gegenhalten, damit die Stimmung nicht kippt. In der aktuellen Wirtschafts- und Energiekrise erleben wir einen ähnlichen Ablauf. Einerseits muss die Politik vor einer möglichen Gasund Stromknappheit eindringlich warnen, um ein Problembewusstsein zu etablieren. Anders ist es nicht möglich, dass die Bevölkerung die Aufrufe zum Energiesparen auch wirklich ernst nimmt. Andererseits bewirken diese Warnungen aber auch ein zunehmend schlechtes Stimmungsbild in der Wirtschaft. Diese Spirale der negativen Wahrnehmung droht aktuell sich zu verselbstständigen. Die Auswirkungen sind, dass die Betriebe Investitionen aufschieben, Rücklagen anlegen und Ausgaben kürzen. Denn es kommen ja schlechte Zeiten.

Alles lesen? Hier geht's zum ganzen Artikel in der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftsnachrichten Süd

Foto: iStock.com/erhui1979

Mehr aus der Region Süd erfahren?

previous article
next article
No comments

leave a comment