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Rohstoffversorgung in Österreich auf dem Prüfstand


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Masterplan Rohstoffe 2030

Die grüne Transformation der Wirtschaft sowie Mobilitäts- und Energiewende bringen neue Rohstoffabhängigkeiten mit sich. Die Versorgung mit systemkritischen Rohstoffimporten, etwa aus China, ist in Österreich gegen etwaige geopolitische Risken bisher nicht abgesichert. Der Masterplan Rohstoffe 2030 soll dies ändern. Doch die Umsetzung ist weiterhin schleppend. Im Oktober 2022 fand dazu ein erster Rohstoffdialog statt. Die Wirtschaftsnachrichten haben nachgefragt, welche Ergebnisse dieser nun gebracht hat.

Von Stefan Rothbart

Als eines der ersten Medien in Österreich berichteten die Wirtschaftsnachrichten ausführlich über die heiklen Rohstoffabhängigkeiten bei grünen Technologien in Europa und in Österreich. Die Abhängigkeit von Ländern wie China ist dabei als systemkritisch einzustufen. Eigentlich gäbe es von der Bundesregierung bereits seit gut einem Jahr den sogenannten „Masterplan Rohstoffe 2030“, der eine Reihe von Maßnahmen vorsieht, um die Versorgung mit wichtigen Industriemetallen, seltenen Erden und weiteren kritischen Rohstoffen zu sichern bzw. zu verbessern. Nur umgesetzt wurde davon noch so gut wie nichts. Am 4. Oktober 2022 fand dazu der Rohstoffdialog 2022 quasi als Kick-off-Veranstaltung für den Rohstoffmasterplan statt, der von der europäischen Rohstoffplattform EUMICON und dem zuständigen Bundesministerium für Finanzen (BMF) ausgerichtet wurde. Im Mittelpunkt stand die „strategische Absicherung der Rohstoffversorgung auf österreichischer und europäischer Ebene“, berichtet dazu Roman Stiftner, Generaldirektor der EUMICON sowie Geschäftsführer der Fachverbände „Bergbau und Stahl“ und „NE-Metallindustrie“ in der WKO. „Vor allem wird es entscheidend sein, dass Europa auch seine eigenen Ressourcen weiterentwickelt, um nicht von anderen Ländern – wie z.B. China – abhängig zu sein“, bestätigt auch Andreas Henckel von Donnersmark, Ob- mann des Fachverbands Bergwerke und Stahl. Dafür bedürfe es gemeinsamer Anstrengungen aller Stakeholder aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Rohstoffe für Energiewende

Dass kürzlich im Nationalrat ein Fristsetzungsantrag zum EAG verabschiedet wurde, weil Hersteller und Kunden bei erneuerbaren Energien mit fehlenden Bauteilen und langen Lieferzeiten konfrontiert sind, stellt bereits eine erste Auswirkung einer unsicheren Rohstoffversorgung für die Energiewende dar. „Ohne die benötigten Rohstoffe werden wir die Technologien zur Transformation der Energiesysteme, der Mobilität und Dekarbonisierung der Industrie nicht ausrollen können“, bestätigt das BMF. Die große Abhängigkeit von China und Taiwan will man etwa mit dem EU-Chip-Act verringern. Österreich ist sowohl als Rohstoffproduzent, beispielsweise Magnesit, als auch bei der Chip-Produktion in Europa von Relevanz. In Zukunft wird aber der Bedarf an Rohstoffen für grüne Technologien enorm steigen, wie auch Roman Stiftner von EUMICON skizziert: „Die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energieträger wird – je nach Rohstoff – den Bedarf vervielfachen: z.B. Lithium (+2109 %; Batterien), Aluminium (+33 %; Mobilität und Energiegewinnung), seltene Erden (z.B. Dysprosium +2666 %; Permanentmagnete in Windkraftwerken).
Dafür benötigt die EU möglichst vollständige digitalisierte Wertschöpfungsketten im Binnenmarkt, d.h. vom Bergbau bis zur Kreislaufwirtschaft.“ Dafür will man etwa das Potenzial des EU-Bergbaus stärker nutzen, internationale Rohstoffimporte diversifizieren, Kreislaufwirtschaft fördern und die Energieversorgung sichern.

Welche Ergebnisse gibt es?

Abgesehen von einschlägigen Vorträgen, Gesprächen und Absichtserklärungen erbrachte der Rohstoffdialog laut BMF „eine Verortung der Maßnahmen des Masterplants Rohstoffe 2030“ im Lichte der jüngsten Krisen und geostrategischen Entwicklungen. Als zentrale Lösung wurde dabei die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie hinsichtlich der Energiepreis- und Energieversorgungsfrage genannt. Laut BMF standen auch die Digitalisierung und künstliche Intelligenz im Fokus des Dialogs. Wie diese im Zusammenhang mit der Rohstoffsicherheit steht, wird nicht genau erklärt, jedenfalls brauche es eine Diversifizierung von Lieferquellen, den Ausbau des Bergbaus und des Recyclings. Konkret umgesetzt nennt man aus dem BMF insbesondere Maßnahmen im F&E-Bereich. Etwa dass an der Montanuniversität Leoben ein Forschungsschwerpunkt zur Herstellung von Wasserstoff und ein Schwerpunkt zur Digitalisierung eingerichtet wurden.

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Foto: iStock.com/CUHRIG

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