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Wohin sind die Arbeitskräfte verschwunden?


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Arbeitsmarkt Österreich

Für heimische Unternehmer wird es immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden. In einer Studie des Thinktanks Agenda Austria wurde untersucht, woran das liegt und was die Politik dagegen tun kann.

Von Christian Wieselmayer

Geschätzte 250.000 offene Stellen können auf dem österreichischen Arbeitsmarkt derzeit nicht besetzt werden. Es mangelt nicht nur an Fachkräften, sondern auch an Personal für weniger qualifizierte Aufgaben. Auf der anderen Seite ist die Zahl der Arbeitslosen zwar niedriger als in der jüngeren Vergangenheit, aber nach wie vor hoch. Die Agenda-Austria-Ökonomen Dénes Kucsera und Hanno Lorenz identifizieren in „Wegen Personalmangels geschlossen: Arbeitsmarkt unter Druck“ vor allem drei Gründe für die angespannte Lage.

  1. Mehr Menschen arbeiten weniger Stunden. Die Zahl der Beschäftigten ist mittlerweile zwar wieder auf das Niveau von 2019 gestiegen. Allerdings geht dieser Zuwachs ausschließlich auf das Konto von Teilzeitjobs. „Es arbeiten heute zwar mehr Menschen als 2019. Die Zahl der insgesamt geleisteten Stunden ist aber geringer als vor Corona“, so die Ökonomen der Agenda Austria.
  2. Die Babyboomer fehlen im Job. Die Demografie war lange ein unterschätzter Faktor auf dem Arbeitsmarkt. Doch jetzt zeigt sich, wie groß ihr Effekt sein kann. Die geburtenstarken Jahrgänge der „Babyboomer“ gehen bald in Pension oder sind bereits im Ruhestand. Weniger Junge kommen nach. „Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Menschen über 65 Jahre um fast eine Million auf dann 2,66 Millionen steigen“, analysieren die Ökonomen. „Im Vergleich zu heute ist das ein Plus von 56 Prozent. Der Anteil der Bürger im erwerbsfähigen Alter (20 bis 65 Jahre) wird zugleich um 300.000 Personen auf knapp 5,2 Millionen zurückgehen.“
  3. Arbeitslose Ostösterreicher wollen keinen Job in Westösterreich. In der Fachsprache heißt dieses Problem „regionaler Mismatch“ und hat erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Sowohl die Zahl der Arbeitslosen als auch jene der offenen Stellen ließe sich durch überregionale Vermittlung um 43.000 reduzieren.

Wie die Regierung gegensteuern kann Die Politik muss diesen Entwicklungen nicht tatenlos zuschauen. Es gäbe durchaus Möglichkeiten, negative Trends zu stoppen oder wenigstens zu bremsen, meinen Dénes Kucsera und Hanno Lorenz. Unter anderem müsse die Regierung dafür sorgen, dass wirklich nur jene Menschen in Teilzeit arbeiten, die das auch wollen, schreiben die Ökonomen. Bessere Kinderbetreuungsangebote könnten beispielsweise die Erwerbsbeteiligung der Frauen erhöhen. Die Autoren schlagen auch vor, die Möglichkeit zur geringfügigen Beschäftigung für Arbeitslose auf sechs bis höchstens zwölf Monate zu begrenzen.
Innerhalb der Europäischen Union wird Arbeit nur in Belgien und Deutschland noch stärker besteuert als in Österreich. „Gemessen an den Arbeitskosten haben Österreichs Möglichkeiten, negative Trends zu stoppen oder wenigstens zu bremsen, meinen Dénes Kucsera und Hanno Lorenz. Unter anderem müsse die Regierung dafür sorgen, dass wirklich nur jene Menschen in Teilzeit arbeiten, die das auch wollen, schreiben die Ökonomen. Bessere Kinderbetreuungsangebote könnten beispielsweise die Erwerbsbeteiligung der Frauen erhöhen. Die Autoren schlagen auch vor, die Möglichkeit zur geringfügigen Beschäftigung für Arbeitslose auf sechs bis höchstens zwölf Monate zu begrenzen. Innerhalb der Europäischen Union wird Arbeit nur in Belgien und Deutschland noch stärker besteuert als in Österreich. „Gemessen an den Arbeitskosten haben Österreichs Arbeitnehmer die drittniedrigsten Nettolöhne in der industrialisierten Welt. Damit ist der finanzielle Anreiz, Arbeit aufzunehmen, in kaum einem anderen Land geringer“, so die Ökonomen der Agenda Austria. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber müssten steuerlich entlastet werden, damit sich Leistung wieder lohne.

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Foto: iStock.com/cyano66

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