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Zur Zukunft des ländlichen Raumes


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Dorfleben

Zwischen Abwanderung und Renaissance des Dorflebens ist alles drin. Viel hängt von den Rahmenbedingungen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt ab – und von der Entwicklung des Klimas.

Von Felix Meiner

Unser Leben wird derzeit von einem epochalen Wandel geprägt, der alle gesellschaftlichen Bereiche umfasst. Die Auslöser dafür sind vielfältiger Natur. Die Anfang 2020 ausgebrochene Pandemie ist neben der russischen Aggression gegen die Ukraine als wirkmächtigster Grund für den in Gang gesetzten Transformationsprozess anzusehen. Aber auch schon davor gab es vermehrt Anzeichen für anstehende Veränderungen. Das Prinzip der Globalisierung als zukunftsweisende Gestaltung unserer Welt bekam deutliche Risse und das internationale Engagement von Fridays for Future für einen Wandel im Umgang mit dem Klima läutete einen Umdenkprozess ein. Das Coronavirus und der Krieg in der Ukraine wirkten dann als Beschleuniger, denn sowohl das Virus als auch die kriegerische Auseinandersetzung funktionieren nach einer eigenen inneren Gesetzlichkeit, die zum Handeln zwingt. Die geschaffenen Fakten erzwingen Reaktionen, die zuvor als weitgehend undenkbar angesehen worden wären. Es gehört zum Wesen solch disruptiver Vorgänge, dass sie nicht nur Prozesse dynamisch vorantreiben, sondern auch eine Rückkehr zum Gewohnten unmöglich machen. Das Neue bahnt sich seinen Weg von selbst, allerdings will es geordnet und auf den Raster des bestehenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Gefüges zugeschnitten werden.
Im Zuge des gesellschaftlichen Transformationsprozesses ist der ländliche Raum in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, wenn es um eine Neuausrichtung des Lebens geht. Und das Interesse liegt auf der Hand. Eine Gesellschaft, die nach wie vor unter dem Eindruck einer kräftezehrenden Pandemie steht, die mit Versorgungsunsicherheiten im Energiebereich, mit steigenden Preisen und Inflation zu kämpfen hat sowie aufgefordert ist, zum Nutzen des Klimas ihren Fußabdruck zu reduzieren und möglichst klein zu halten, schielt selbstverständlich nach einer Veränderung des Raumes. Wobei hier zuallererst der Blick von der Stadt – vom urbanen Raum – auf das Land gemeint ist. Der Blick in die andere Richtung – vom ländlichen in den urbanen Raum – spielt für die Betrachtung der aktuellen gesellschaftlichen Umwälzungsprozesse eine nachgeordnete Rolle. Es war die Digitalisierung, die die Grenzen zwischen Stadt und Land zum Verschwinden gebracht hat. Dadurch wurden Erschwernisse wie lange Entfernungen und abgelegene Destinationen kurzerhand aufgehoben. Den Nutzen der Digitalisierung im Blick, wurden die Siedlungen bis in die hinteren Täler rasch und umfassend verkabelt, insbesondere wenn es sich um Tourismusgebiete handelte. Mehr freie Fläche, alte, ungenutzte Gebäude und die unmittelbare Nähe zur freien Natur sind die weiteren Punkte, die auf der Habenseite vermerkt werden. Wobei unter freier Natur zuerst einmal nur das subsummiert wird, was das Auge ästhetisch wahrnimmt: freie Flächen, wobei sich Wie Wiesen, Äcker und Wälder abwechseln, die Nähe zu Haus-, Nutz- und Wildtieren und die Faszination, die von bestimmten Seen- und Berglandschaften ausgeht. Viele Menschen, die dabei sind, die Qualitäten des Lebens auf dem Land wiederzuentdecken, übersehen gerne den Kultursprung, der sie erwartet, und vor allem die wirtschaftliche Situation, die sich von der in der Stadt grundlegend unterscheidet.
Die existenzielle Frage, die sich den Bewohnerinnen und Bewohnern des ländlichen Raums abseits der Ballungsgebiete stellt, lässt sich in die zwei wesentlichen Komponenten zusammenfassen: Gibt es Möglichkeiten der Berufsausübung im Ort oder in der Umgebung und wie kann das Thema Wohnen beantwortet werden, wenn für den Anfang eine günstige Wohnung gemietet werden muss? Das Stichwort „leistbares Wohnen“ steht in vielen Gemeinden ganz oben auf der Agenda und auch für die Bauträger und -genossenschaften ist das zu einem wesentlichen Angebotssegment geworden. Die Bereitstellung von günstigem Wohnraum für junge Menschen ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass sie nicht abwandern.  

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Foto: iStock.com/gorodenkoff

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