Brummis unter Strom


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Elektromobilität

Der Trend in Richtung Elektromobilität ist beim Pkw schon seit einigen Jahren zu beobachten und gewinnt nun auch im Schwerverkehr immer mehr an Bedeutung. Galt bisher Wasserstoff als Treibstoff der Zukunft in diesem Bereich, mischen E-Lkw den Markt jetzt gehörig auf.

Von Dirk Seybold

Als die Internationale Automobilausstellung IAA für Nutzfahrzeuge Ende September in Hannover über die Bühne ging, war ein Trend ganz klar erkennbar, der zum batterieelektrischen ELkw. Jeder Hersteller hat mittlerweile elektrische Modelle für nahezu jeden Einsatzzweck im Portfolio oder zumindest in Entwicklung. Das ist insofern überraschend, als eigentlich Wasserstoff als Zukunftstechnologie galt, wenn man vom urbanen Einsatzumfeld einmal absieht.

Spätzünder

Der Grund, warum batterieelektrische Lkw erst jetzt im Kommen sind, liegt für Mag. Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Österreich, ebenso klar auf der Hand wie der Auftrag an seine Branche: „Der Schwerverkehr muss klimaneutral werden. Im Gegensatz zur Pkw-Entwicklung liegen die Lkw aber rund zehn Jahre zurück. Der Hauptgrund dafür liegt sicher in der Unsicherheit der Technologie-Entwicklung. Während sich bei Pkw der Pfad Richtung batterieelektrischer Systeme rasch herauskristallisiert hatte, gibt es bei den Lkw verschiedene Technologien die parallel entwickelt werden: Lkw mit Wasserstofftechnologie, Lkw mit Batterien und Lkw mit Stromabnehmern. Alle diese Technologien haben Vor- und Nachteile und es ist derzeit nicht absehbar, ob es zukünftig nur eine maßgebliche Technologie geben wird oder ob sich mehrere Technologien parallel durchsetzen werden.“

E-Lkw schon ab 2030 im Vorteil?

Eindeutiger positioniert sich eine Studie der niederländischen Forschungsorganisation TNO im Auftrag des Thinktanks „Agora Verkehrswende“ und der europäischen NGO „Transport & Environment“. Laut den Erkenntnissen dieser Studie werden batterieelektrische Lkw bereits im Jahr 2030 in der Lage sein, in 99,6 Prozent aller Anwendungen günstiger zu sein als ihr konventionell mit Diesel betriebenes Pendant bei denselben Anforderungen an Reichweite, Laufzeit und Nutzlast. Hintergrund der Studie war, das technische und wirtschaftliche Potenzial von batterieelektrischen Lkw im Vergleich zu Modellen mit konventionellem Dieselantrieb oder der Brennstoffzelle zu untersuchen. Die Bandbreite der Untersuchung erstreckte sich dabei vom Stadtverkehr über den regionalen Lieferverkehr bis hin zum Fernverkehr als Einsatzgebiet und berücksichtigte alle für den Betrieb relevanten Parameter auf Kostenseite.

Infrastruktur als Herausforderung

Laut den Autoren der Studie steht bei der durchschnittlichen Verteilung der gefahrenen Kilometer pro Tag die Reichweite dem batterieelektrischen System nicht im Weg, da die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen für Berufskraftfahrer auch als Ladepausen genutzt werden können. So können Reichweiten von 800 Kilometern pro Tag ohne Weiteres realisiert werden.
Voraussetzung, aber ebenso möglicher Stolperstein hierfür ist wie im Pkw-Bereich der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Besondere Herausforderung im Bereich der Schwerfahrzeuge sind die gesteigerten Anforderungen an die Systeme hinsichtlich der Leistung. So sind Ladesysteme bis 400 kW bereits jetzt möglich und bis zu 1.000 kW in Entwicklung, um die Standzeiten möglichst kurz zu halten. Um mit diesem technologischen Fortschritt mithalten zu können, bedarf es erheblicher Investitionen sowohl beim Ausbau der Ladeinfrastruktur als auch beim Stromnetz, um diese Kapazitäten dauerhaft und zuverlässig bereitstellen zu können. Die Investition in die nötige Infrastruktur sieht auch der Experte von der Wirtschaftskammer als Schüssel für die Dekarbonisierung des Transportwesens. „Wir treten für einen technologieoffenen Ansatz ein. Jede Antriebsart hat ihre Stärken. Wichtig sind verlässliche Rahmenbedingungen und die nötige Infrastruktur. Daher sind die Technologiestandards existenziell“, so Klacska. „Was wir aber schon heute wissen: Es wird in den nächsten Jahren die Serienproduktion von Batterie- Lkw und auch Wasserstoff- Lkw starten, sodass die Fahrzeuge günstiger werden. Jetzt gilt es, die notwendige Infrastruktur zu errichten“, so der Kenner der Branche weiter.

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Foto: iStock.com/Scharfsinn86

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