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OGH-Urteil von Online-Bewertungen


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Online-Bewertungen

Ob es erlaubt sein soll, Vertreter bestimmter Berufsgruppen digital zu bewerten, darüber scheiden sich die Geister. Während die einen mit mehr Transparenz und fairem Meinungsaustausch argumentieren, wittern Gegner die Gefahr, dass Personen zu Unrecht diskreditiert werden könnten. Ein aktuelles OGH-Urteil bestätigt jetzt jedenfalls ein eingeführtes Geschäftsmodell.

Mit Erfahrungsberichten wie „Wartezeit ist eine Katastrophe“ oder „enttäuschend“ sieht sich eine Wiener Augenärztin, die von ihren Patienten in den überwiegenden Postings gelobt wird, konfrontiert. Die vornehmlich gut bewertete Medizinerin ist auf der Plattform DocFinder vereinzelt kritischen Kommentaren ausgesetzt. Gemeinsam mit der Ärztekammer für Wien zog sie vor Gericht, um juristisch gegen das Gesundheitsportal vorzugehen. Dieses führt ein Online-Verzeichnis aller Ärzte in Österreich und ermöglicht es Patienten, Bewertungen abzugeben und subjektive Erfahrungsberichte mit anderen zu teilen. Beanstandet wurde seitens der Augenärztin und ihrer Interessenvertretung einerseits, dass DocFinder sämtliche Ärztinnen und Ärzte listet, ohne deren Zustimmung einzuholen oder die Abmeldung von der Plattform zu ermöglichen. Andererseits waren auch die Bewertungs- und Kommentarfunktion Steine des Anstoßes. Die Klage blieb letztlich allerdings erfolglos, denn vor Kurzem wies der Oberste Gerichtshof (OGH) diese ab und bestätigte damit das Geschäftsmodell von DocFinder. „Der OGH hat in seiner Entscheidung festgehalten, dass keine Verletzung des Grundrechts auf Datenschutz vorliegt und auch die Bewertungen im Sinne der Meinungsfreiheit zulässig sind, da die Informationsinteressen von Patienten überwiegen“, zeigt sich der Geschäftsführer des Portals, Gerald Timmel, naturgemäß erleichtert.

Interessen prallen aufeinander

Auch wenn in diesem Fall nun in höchster Instanz ein Urteil gefällt ist, werden die Diskussionen rund um Online-Bewertungen wohl nicht abreißen. Während Gegner vor Willkür warnen und sich manch Bewertete am „digitalen Pranger“ wähnen, führen Befürworter ein Plus an Transparenz ins Treffen und sehen den Meinungsaustausch in einer zunehmend virtuellen Welt gefördert und sichergestellt. „Auf gar keinen Fall wollen wir Ärzte bloßstellen oder sie Willkür aussetzen“, bekräftigt Timmel. Ziel sei es, Patienten durch ein optimiertes Arzt-Patienten- Matching einen wichtigen Vorteil für die eigene Gesundheit zu bieten. Im Übrigen würden viele Ärzte das Angebot von DocFinder sehr gut annehmen. Schließlich könnten Mediziner wertvolles Feedback generieren.

Qualitätssichernde Maßnahmen

Laut eigenen Angaben stellt DocFinder bei der Kontrolle von Bewertungen und dem Verhindern von Missbrauch und Betrug hohe Ansprüche an sich selbst. So würden beispielsweise Wortfilter beleidigende Inhalte erkennen und deren Freigabe verhindern. Weiters gibt die Plattform an, gegen Mehrfach- Bewertungen binnen kürzester Zeit und den damit verbundenen Missbrauch vorzugehen. Jeder Nutzer, dem ein Kommentar bedenklich erscheint, kann diesen zudem melden, was eine Prüfung des Beitrags zur Folge hat. Und Ärzte können auf jede neue Bewertung mittels Kommentar-Funktion reagieren und sich auch über jede neue Bewertung kostenlos informieren lassen. Die Plattform weist darauf hin, im eigenen Interesse rigoros gegen Fake-Bewertungen vorzugehen. Denn neben negativen Bewertungen bieten vermeintlich übertrieben positive Bewertungen immer wieder Raum für Diskussionen.

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Foto: iStock.com/Shutthiphong Chandaeng

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