HomeAdvicum-Analyse zur Wiedereröffnung der Geschäfte:
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Andreas Kornberger, Associate Partner bei Advicum Consulting

„Omnichannel“ ist der Rettungsanker für den Handel

Wien, 05. Mai 2020Rund vier Milliarden Euro Umsatz gingen dem österreichischen Einzelhandel seit Beginn des „Shutdowns“ Mitte März verloren. Entscheidend für die Höhe der Verluste in den einzelnen Unternehmen war in dieser Zeit weniger die Branchenzugehörigkeit als das vorhandene Angebot an Vertriebskanälen. Ein gut gestalteter Webshop erwies sich für viele Einzelhändler als letzter Rettungsring, denn die staatlichen Hilfeleistungen haben in vielen Unternehmen noch nicht zum dringend benötigten Liquiditätszuschuss geführt. Dies geht aus einer Analyse hervor, die das Wiener Beratungsunternehmen Advicum Consulting anlässlich der breitflächigen Wiedereröffnung der Geschäfte in Österreich veröffentlichte.

Social Distancing treibt Online-Handel an

Pro verordnetem Schließtag büßten stationäre Einzelhändler in den vergangenen Wochen laut aktuellen Untersuchungen durchschnittlich 46,4 Prozent des Verkaufserlöses ein, in Shopping-Cities und Einkaufszentren betrug das Minus sogar rund zwei Drittel. Indes boomten die Webshops. „Buchhändler Thalia verzeichnete bereits in den ersten Lockdown-Tagen eine Verdoppelung seiner Online-Reichweite, der österreichische Amazon-Konkurrent Shöpping sogar eine Versechsfachung. Sogar im Lebensmittelhandel, der stationären Einkauf durchgehend ermöglichte, kam es im Online-Bereich zu einem deutlichen Plus“, berichtet Advicum Retail-Experte Florian Bernhard. Sein Schluss: „Das Gebot des Social Distancing wird uns bis auf weiteres erhalten bleiben, daher werden und müssen digitale Vertriebskanäle wie Webshops und ‚Social Commerce‘ in näherer Zukunft boomen“. Ein breiter Rollout moderner Technologien wie Virtual Reality, die gerade in Corona-Zeiten ein lebensnahes Einkaufserlebnis schaffen würden, lasse freilich noch auf sich warten.

Liquidität sichern und Vertrieb verbessern

„Finanzspritzen sichern das Überleben eines Retailers nur temporär. Wer ohne klare strategische Positionierung jetzt sein Geschäft hochfährt, wird möglicherweise schon bald wieder Schwierigkeiten bekommen, spätestens bei einer möglichen zweiten Corona-Welle“, fürchtet Andreas Kornberger, Associate Partner bei Advicum Consulting. Wichtig seien im Moment liquiditätssichernde Maßnahmen wie die Konzentration von Sortimenten und Standorten, die Fokussierung auf Kernkompetenzen, Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung.

Foto: Advicum